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SEKA Hamburg e.V. / Projekt SEKA

wird verwaltet von G. Mueller

Über uns

Der deutsche Verein SEKA Hamburg e.V. ist Unterstützungsverein für das bosnische Frauenfriedensprojekt SEKA und kümmert sich seit 20 Jahren um die Finanzierung dieses Projekts.
SEKA ist ein Zentrum für Therapie, Fortbildung und demokratische Entwicklung. Nach zehnjähriger Arbeit auf der kroatischen Insel Brac ist das Projekt im September 2007 umgesiedelt in die Kleinstadt Gorazde in Ostbosnien.
Auch 21 Jahre nach dem Friedensabkommen von Dayton leiden die Menschen in Bosnien-Herzegowina noch immer unter den psychischen und sozialen Folgewirkungen des Krieges.
Die Bevölkerung der Kleinstadt Gorazde ist in extremem Maße kriegstraumatisiert, da sie fast vier Jahre Belagerung, Todesbedrohung und extreme Hungersnot ertragen musste.

Seit September 2007 bietet das Projekt SEKA Frauen und Kindern in Gorazde (trauma)therapeutische und psycho-edukative Hilfe in Einzel- und Gruppenarbeit. SEKA ermoeglicht Frauen, Kindern und Jugendlichen, in einem geschuetzten Raum schmerzhafte Erfahrungen zu ueberwinden, allmaehlich wieder Vertrauen in sich und andere zu gewinnen, Loesungen fuer aktuelle Probleme zu finden und neue Perspektiven zu entwickeln.
In Zusammenarbeit mit dem Veteranenprojekt 'Svjetlost Drine' leistet SEKA darueber hinaus traumatherapeutische Hilfe für kriegstraumatisierte Veteranen in Gorazde.
Außerdem organisiert SEKA Fortbildungen für Fachkolleginnen aus der gesamten Region, um sie für die Arbeit mit traumatisierten Menschen zu qualifizieren und supervisorisch zu unterstützen. SEKA fördert den Kontakt und die Verständigung zwischen Angehörigen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Durch gesellschaftspolitisches Engagement und Vernetzung mit anderen Organisationen setzt sich SEKA fuer die Entwicklung eines nachhaltigen 'Friedens von unten' und einer demokratischen und gerechten Gesellschaft ein.

Mehr Informationen über das Projekt SEKA und SEKA Hamburg e.V. finden Sie unter www.seka-hh.de

Letzte Projektneuigkeit

Ein Jahr voller Veränderungen, Herausfoderungen und Erfolge

  G. Mueller  29. Januar 2020 um 19:10 Uhr

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Leser*innen, vor ein paar Tagen erhielt ich von meinen Goražder Kolleginnen den Bericht über die SEKA-Arbeit des Jahres 2019, den ich Ihnen hier übersetzt und etwas gekürzt weitergebe. Ich würde mich freuen, wenn Sie den Bericht mit Interesse lesen würden. Mit herzlichen Grüßen Gabriele Müller  ----------------------------------------------------------------------------------

Rückblick auf die Projektarbeit in SEKA im Jahr 2019:

Das Jahr 2019 war für das SEKA-Team von vielen Veränderungen, Herausforderungen und Erfolgen geprägt, die wir im Folgenden schildern wollen: Der Schwerpunkt des regelmäßigen SEKA-Programms lag auch 2019 auf den (trauma-)therapeutischen, psycho-edukativen und pädagogischen Angeboten für die lokale Bevölkerung des Kantons Goražde (Föderation BiH) und der umliegenden Orte der ‚Republika Srpska‘ sowie auf Angeboten zur Fortbildung für Kolleg*innen aus Institutionen und Organisationen des Kantons Goražde..

Folgende Angebote fanden 2019 regelmäßig für die lokale Bevölkerung im SEKA-Haus statt:
- Therapeutische Einzel- und Gruppenarbeit mit Frauen / Traumatherapie (Mevlida  Rovčanin, Arijana Ćatović, Irena Đumić und Gordana Šapčanin)
- Gruppen- und Einzelarbeit mit Kindern (Amina Sarajlić, Emina Delahmet)
- Gruppenarbeit mit jugendlichen Mädchen (Amina Sarajlić, Emina Delahmet)
- Projektarbeit und  kreative Workshops mit Kindern (Amina Sarajlić, Emina Delahmet)
- Offene Termine für Frauen: Möglichkeit, zwanglos die SEKA-Arbeit kennenzulernen und sich mit anderen Frauen zu treffen (Mevlida Rovčanin, Vera Dacić)
- Offene Termine für Kinder (Amina Sarajlić, Emina Delahmet)
- Arbeit mit Familien ( Mevlida Rovčanin)
- Regelmäßige Fall-Supervision und interne Fortbildungen mit den Kolleginnen des SEKA-Teams (Amina Sarajlić)
- externe Teamsupervision und Beratung (Gabriele Müller und Edita Ostojić)- Supervision mit dem Team des Veteranenprojekts ʹSvjetlost Drineʹ (Gabriele Müller)
- Beratung und Unterstützung bzgl. Organisation, Fundraising und politischer Lobbyarbeit für die Goražder Selbsthilfegruppe der ‚Frauen/Opfer des Krieges‘ – Überlebende von Kriegsvergewaltigungen (Mevlida Rovčanin, Esma Drkenda)

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Therapeutin Amina Sarajlić in der Arbeit mit einem Mädchen

Die Arbeit von SEKA Goražde im Jahr 2019 in Zahlen:
Von Januar bis Dezember 2019 nahmen insgesamt 415 Teilnehmer*innen für durchschnittlich 11 Stunden an unterschiedlichen SEKA-Angeboten teil.  
Davon waren:                                                                           Anzahl:
Frauen                                                                                           132
Kinder / Jugendliche                                                                   277
(davon Mädchen: 163 + Jungen 114)
Männer                                                                                            6

Es nahmen teil
an Therapiegruppen für Frauen                                                   42
an einzeltherapeutischen Terminen mit Frauen                        36
an offenen Terminen für Frauen                                                  72
an Workshops für Frauen aus ländlichen Gemeinden              42
an Einzeltherapie mit Kindern und Jugendlichen                      27
an Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen                     71
an Gruppenarbeit mit jugendlichen Mädchen                           27
an Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen                      143
an offenen Terminen für Kinde                                                   98
an Supervisionen                                                                          20
an Fach-Fortbildungen                                                                 68

Viele Klient*innen / Kolleg*innen nahmen parallel an mehreren Angeboten teil.

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Gruppenfoto mit Teilnehmerinnen eines Workshops

Neben den regelmäßigen Angeboten fand außerdem eine Vielzahl von weiteren Aktivitäten statt, von denen wir hier nur eine Auswahl erwähnen können:

·       Im Rahmen des Projekts 'Eine wirksame Antwort auf familiäre Gewalt und Gewalt gegen Frauen – ein weiterer Schritt hin zur Umsetzung der Istanbuler Konvention im Kanton Goražde' – gefördert von medica mondiale, Köln und der Schweizer Stiftung 'Kriegstrauma-Therapie' – führten wir im Jahr 2019 eine Vielzahl von Aktivitäten durch:
   Ø Insgesamt drei reguläre Treffen des Koordinationsteams, das sich aus den   Vertreter*innen aller zuständigen Institutionen und Organisationen im Kanton zusammensetzt.
   Ø Anfang Februar, Mitte Juni und Mitte Oktober drei weitere dreitägige Fortbildungsseminare für Kolleg*innen aus Institutionen und Organisationen der Fortbildungsreihe 'Arbeit mit Opfern und Tätern familiärer Gewalt' (Leitung Nurka Babović)
   Ø Ende Mai ein Austauschtreffen mit Kolleg*innen der Polizei aus Tuzla zum Thema Best Practice in der Zusammenarbeit der zuständigen Institutionen mit der Polizei', sowie Anfang November ein Austauschtreffen mit Kolleg*innen der Staatsanwaltschaft Sarajevo ebenfalls zum Thema 'Best Practice in der Zusammenarbeit der zuständigen Institutionen mit der Staatsanwaltschaft'.
   Ø Mitte September ein thematischer Workshop für das Koordinationsteam, Mitglieder der Gleichstellungskommission des Stadtrats und zahlreicher weiterer Institutionen über die Standards der Istanbuler Konvention, deren Umsetzung, insbesondere in der interdisziplinären Zusammenarbeit
   Ø Während der gesamten Zeit: intensive Lobbyarbeit in zahlreichen Treffen mit Politiker*innen, Vertreter*innen von Institutionen, Regierungsvertreter*innen
   Ø Medienarbeit: Das SEKA-Team regte an und nahm teil an insgesamt fünf Fernsehsendungen (30-60 min.) zum Thema 'Familiäre Gewalt', in denen wir einerseits informierten und auf Hilfsangebote hinwiesen und andererseits unsere Forderungen gegenüber Institutionen und Politik deutlich machten.

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Diskussion im Koordinationsteam 'Gewalt in der Familie'

 ·         Am 14. Februar 2019 führte SEKA bereits zum siebten Mal die Goražder Aktion im Rahmen der globalen Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen ʹOne Billion Risingʹ durch – zusammen mit Jugendorganisationen, jungen Künstler*innen, mehreren Schulen, sowie der Beratungsstelle des Zentrums für Sozialarbeit.
·         Am 07. März organisierte das SEKA-Team – unterstützt von der SEKA-Mädchengruppe – unter dem Motto „Wir wollen keine Blumen sondern gleiche Rechte“ einen Infostand zum Internationalen Frauentag im Zentrum von Goražde. Alle Passantinnen wurden mit kreativen Glückwunschkarten beschenkt, die informative, ermutigende und zum Nachdenken anregende Botschaften enthielten. 

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Großes Interesse für den Aktionsstand zum Internationalen Frauentag

·         SEKA nahm an zahlreichen Konferenzen und Treffen teil, die die lokale und regionale Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen NROs und die Stärkung der zivilen Gesellschaft zum Ziel hatten.
·         Außerdem gab es mehrere Treffen mit internationalen Organisationen wie OSZE, UN Women, World Vision u.a. um Möglichkeiten der weiteren Zusammenarbeit auszuloten.
·         Ende April nahmen Esma Drkenda, Mevlida Rovčanin und Emina Delahmet am dreitägigen Seminar ‚Ökonomisches Empowerment für Frauen, insbesondere Überlebende sexualisierter Gewalt im Krieg‘ in Goražde teil. Das Seminar wurde von UN WOMEN organisiert.
·         Von April bis September unterstützten Mevlida Rovčanin und Esma Drkenda die Goražder Selbsthilfeorganisation der Überlebenden sexualisierter Gewalt im Krieg durch regelmäßige Beratung und beim Fundraising – monatliche Termine.
·         Im Mai veranstaltete SEKA gemeinsam mit World Vision anlässlich des 'Internationalen Tags der Familie' eine Pressekonferenz zum Thema 'Hilfen für Kinder – Hilfen für Familien'.
·         Ebenfalls im Mai nahm Amina Sarajlić in Sarajevo am zweitägigen Seminar 'Effektiver Schutz für Kinder vor sexualisierter Gewalt' teil, das von SOS-Kinderdorf Bosnien-Herzegowina organisiert wurde.
·         Ende Mai repräsentierte Amina Sarajlić SEKA beim Netzwerktreffen 'Übergreifende Zusammenarbeit in der Prävention von Gewalt gegen Kinder'.
·         Anfang Juni organisierte SEKA für Kolleg*innen und Ehrenamtliche einen Workshop zum Thema 'Wie präsentiere ich mich erfolgreich in Medien?' (Referentin: Elvira Aganović, Chefredakteurin des Lokalfernsehens Goražde)
·         Ende Juni und Mitte Juli organisierte SEKA gemeinsam mit UN Women zwei Fortbildungen zum Thema 'Erfolgreiches Fundraising' für Kolleg*innen mehrerer Organisationen.
·         Anfang August besuchte eine Studentin aus Deutschland SEKA und interviewte das SEKA-Team im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit  zum Thema 'Sexualisierte Gewalt im Jugoslawienkrieg – wie leben die Betroffenen heute mit ihrer Traumatisierung?'
·         Ende August organisierte SEKA auf Wunsch vieler Klientinnen einen eintägigen Ausflug in den Naturpark Zlatibor – für 40 Klientinnen und einige Vereinsfrauen.
·         Anfang Oktober kamen Kolleginnen vom Belgrader Roma-Zentrum 'Daje' zu einem dreitäggen Studienbesuch ins SEKA-Zentrum, um sich auszutauschen und sich über SEKAs Ansatz in der Traumaarbeit zu informieren. 

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Das SEKA-Team mit den Kolleginnen aus Belgrad

·         Medienarbeit: Wir gaben mehrere Radio- und Fernsehinterviews oder nahmen an Podiumsdiskussionen im Fernsehen teil, so z.B. auch Therapeutin Amina Sarajlić an der Podiumsdiskussion zum Thema „Kinder des Krieges – über die Situation der heute erwachsenen Kinder, die als Folge von Kriegsvergewaltigungen geboren wurden“.  

Nun wollen wir eine kleine Auswahl von Aktivitäten im vergangenen Jahr detaillierter beschreiben:

Umsetzung der Istanbuler Konvention
Im Rahmen des Projekts 'Umsetzung der Istanbuler Konvention im Kanton Goražde' (s.o.) konnten wir einen weiteren wichtigen Erfolg verzeichnen. Obwohl erst 9 Monate nach den Wahlen zum Kantonsparlament Anfang Oktober 2018 eine neue Kantonsregierung gebildet werden konnte, die alte Regierung solange nur geschäftsführend weiterarbeitete und daher viele Vorhaben durch die politische Pattsituation blockiert waren, haben wir – durch die Fortsetzung der parteiübergreifenden Lobbyarbeit – erreicht, dass das Kantonsparlament im April 2019 über das von dem Koordinationsteam ausgearbeitete und vom Sozialministerium vorgeschlagene „Programm der Maßnahmen zum Schutz von und der Hilfe für Gewaltopfer und zur Gewaltprävention“ abgestimmt hat. Das Programm, das tatsächlich alle unsere Forderungen und Empfehlungen enthält, wurde mit großer Mehrheit angenommen! Das ist bisher unser größter Erfolg! Nun gibt es auch auf der lokalen Ebene eine gesetzlich festgeschriebene Grundlage, auf die wir uns jederzeit beziehen können. Natürlich gilt es, weiter dran zu bleiben! Aber es ist nun ein ganzes Stück leichter, entsprechende Maßnahmen einzufordern!

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Seminar "Arbeit mit Tätern"

 „Frauen, Frieden und Sicherheit“
Am 4. und 5. März fand in Sarajevo eine „High Level“ Konferenz von NATO und EU zum Thema „Frauen, Frieden und Sicherheit“ statt. Es ging um die Rolle von Frauen in Kriegen, in Friedensprozessen und in der Sicherheitspolitik, die Rolle von Frauen und der zivilen Gesellschaft im Friedensprozess auf dem Balkan, die Kommunikation zwischen der zivilen Gesellschaft insbesondere Frauengruppen und EU/NATO-Institutionen, sowie um sexualisierte Ausbeutung und sexuellen Missbrauch von Frauen.
Als einzige bosnische NRO-Vertreterin nahm SEKA-Koordinatorin Esma Drkenda als Referentin auf dem Podium zum Thema „Sexuelle Ausbeutung und sexueller Missbrauch von Frauen“ teil. Esma stellte in ihrem Beitrag zunächst SEKAs friedenstherapeutischen Ansatz und das daraus abgeleitete Konzept der SEKA-Arbeit vor. Am Beispiel ihrer persönlichen Erfahrungen schilderte sie die Wichtigkeit der Überwindung individueller und kollektiver Traumata als Voraussetzung für einen anhaltenden Friedensprozess. Sie benannte kurz die wesentlichen Probleme der bosnisch-herzegowinischen Nachkriegsgesellschaft und die Auswirkungen patriarchal-traditioneller Normen auf die Rolle der Frauen. Dann schilderte sie nachdrücklich die besonderen Schwierigkeiten, mit denen die Überlebenden von sexualisierter Gewalt im Krieg auch heute noch zu kämpfen haben: die fortgesetzten politischen Manipulationen und den Missbrauch als Opfer; die Tatsache, dass viele der Überlebenden noch heute unter desolaten Bedingungen leben (in provisorischen Unterkünften und ohne ausreichendes Einkommen), den Mangel an psychologischer Unterstützung, gesellschaftliche Vorurteile, Diskriminierung u.a.m.
Sie kritisierte auch, dass mit den immensen Finanzbeträge, die von internationalen Geldgebern im Zusammenhang mit diesem Thema gegeben werden, überwiegend Treffen, Seminare und Konferenzen in teuren Hotels finanziert werden, diese Gelder aber nicht für die direkte therapeutische Arbeit oder für Existenzhilfen für die Frauen genutzt werden können. Sie schloss: „Frauen, die im Krieg (vielfache) Vergewaltigungen und schwerste Verletzungen erlitten haben, wollen nicht immer wieder auf ihre Opferrolle reduziert werden – sie wollen ein würdiges Leben und die Achtung, die sie verdienen! Sie brauchen finanzielle Unabhängigkeit, menschenwürdige Lebensbedingungen und eine Perspektive für sich und ihre Familien. Sie brauchen unsere bedingungslose  Unterstützung in dem Maße, wie sie sie annehmen können und wollen. Ich denke 24 Jahre nach dem Krieg ist es höchste Zeit, dass die Gesellschaft ihnen dies bietet!“
Esma bekam für ihre Rede langen Applaus und vielfache Unterstützung von anderen Teilnehmer*innen. 

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Esma (2. von links) auf der UN Women Konferenz in Sarajevo November 2019

 „Leichter durch’s Leben“
Von Dezember 2018 bis Anfang April 2019 leiteten Amina Sarajlić und Emina Delahmet im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit ‚World Vision‘ insgesamt 16 wöchentliche Workshops für Kinder zum Thema „Leichter und besser durchs Leben – Entwicklung von Lebenskompetenzen“. Es war schon das zweite Programm dieser Art, das SEKA in Zusammenarbeit mit World Vision und einer Goražder Grundschule durchführte.
Ziel der Workshops war es, den Kindern einen sicheren Raum zu bieten, in dem sie offen über für sie wichtige Fragen und Probleme reden können. Außerdem erarbeiteten die Leiterinnen mit der Gruppe Themen, die den Teilnehmer*innen helfen sollten, sich ihrer Potentiale und Fähigkeiten bewusst zu werden, ihre Selbstachtung zu stärken und mit bestimmten Lebenssituationen oder Schwierigkeiten besser klar zu kommen.
In den Workshops ging es unter anderem um Konstruktive Kommunikation, den Umgang mit Emotionen, um Beziehungen, Kritisches Denken, Zukunftspläne...
Die Gruppe bestand aus 18 Kindern (13 Jungen und 5 Mädchen) im Alter von 12-13 Jahren. Den Abschluss des Projekts bildete ein Ausflug in den  Erlebnispark Trebević in der Nähe von Sarajevo.
Die Rückmeldungen der Kinder in der Auswertung des Programms zeigten, dass die Gruppenarbeit ihnen z.B. geholfen hatte, Ängste zu überwinden, Selbstbewusstsein zu gewinnen, leichter zu kommunizieren und Freundschaften zu schließen.

Danin, 12 Jahre: „Diese Gruppenstunden haben mir geholfen, selbständig Entschlüsse zu treffen. Und ich kann jetzt meine Gefühle besser kontrollieren und ausdrücken.“
Ema, 13 Jahre: „ Besonders wichtig war für mich der Gruppentermin, als wir über den Gruppendruck gesprochen haben. Es ist mir klar geworden, wie sehr unser Bedürfnis 'dazuzugehören' unsere Entscheidungen beeinflussen kann. Es hat mir geholfen, da kritischer zu werden!“
Sanin, 13 Jahre: „SEKA ist für mich ein besonderer Ort, hier habe ich mich mit den anderen sehr wohl gefühlt, habe viel gelernt und neue Fähigkeiten erworben, die mir in meinem Leben sehr hilfreich sein werden!“

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Gruppenspiel zum Thema 'Kommunikation'
 
„Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben frei von Gewalt!“
Bereits seit Anfang 2016 arbeiten wir mit Frauen aus ländlichen Gemeinden des Kantons Goražde, wie wir bereits in früheren Blogs berichtet haben. Nach Workshops zum Empowerment und psycho-edukativen und therapeutischen Workshops für Frauen aus inzwischen vier Dörfern begannen wir im November 2018 mit einer Reihe von vier Workshops zum Thema „Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben frei von Gewalt“.
Die Workshops finden jeweils im SEKA-Haus statt – gemeinsam für interessierte Frauen aus allen vier Dörfern. Sie werden von unserer externen Kollegin Arijana Ćatović, Therapeutin und Menschenrechtsexpertin aus Sarajevo geleitet.

Im Jahr 2019 fanden weitere drei Workshops statt, an denen insgesamt 42 Frauen teilnahmen. Durch die Mischung aus Gruppengespräch, kleinen Übungen und verständlichen theoretischen Erklärungen der Leiterin können sich die Teilnehmerinnen mit eigenen Erfahrungen oder Fragen einbringen. Dies bewirkt eine lebendige Diskussion.
Während des ersten Termins ging es um die Definition bzw. um Formen von Gewalt und hier besonders um die Erscheinungsformen emotionaler Gewalt, die sehr häufig selbst von Betroffenen nicht als Gewalt wahrgenommen werden. Die gute Atmosphäre in der Gruppe ermöglichte den Teilnehmerinnen, auch über eigene Gewalterfahrungen oder Gewalt in ihrem Umfeld zu sprechen.
Einige Frauen wurden sich erst während des Workshops bewusst, dass sie selbst in ihrem Leben emotionale oder auch andere Formen von Gewalt erlebt hatten. Die Frage einer der Teilnehmerinnen „Warum bleiben Frauen oft so lange in einer Gewaltbeziehung?“ bot die Gelegenheit, über Vorurteile und die oft problematische Reaktion des Umfeldes zu sprechen, das sehr häufig dem Opfer die Schuld gibt und für den Täter vielerlei Entschuldigungen findet.
Im letzten Teil des ersten Termins ging es schließlich darum, welche Reaktionen und Unterstützungsangebote für betroffene Frauen hilfreich sind.

Hauptthema des zweiten Workshops waren Erscheinungsformen sexualisierter Gewalt und deren langfristige zerstörerische Auswirkungen auf die Opfer. Das Thema war nicht einfach für die Frauen, da Sexualität und insbesondere sexualisierte Gewalt ein gesellschaftliches Tabu darstellen und hier die Schuldzuweisung an die Opfer noch stärker geschieht. Dennoch oder gerade deshalb war das Thema wichtig, was eine der Teilnehmerinnen so ausdrückte: „Ich habe noch nie in so einer großen Gruppe über so ein Thema gesprochen, aber ich finde es großartig, wie Arijana das macht: Sie hat so eine Atmosphäre geschaffen, dass man alles fragen kann, ohne sich dumm vorzukommen... und sie spricht so offen und gleichzeitig sensibel über diese Themen... das hat mir sehr viel gebracht... persönlich und für meine Familie!“
Durch die Frage einer Teilnehmerin angeregt, ging die Leiterin auch auf die Formen sexualisierter und emotionaler Gewalt durch elektronische Medien / Internet und insbesondere in den sozialen Netzwerken ein. Die meisten Teilnehmerinnen hatten davon gehört aber – da sie selbst nur ein sehr beschränktes Wissen im Umgang mit elektronischen Medien haben, waren sie sich dieser Gefahren, denen ihre Kinder oder Enkel*innen ausgesetzt sind, kaum bewusst.
Arijana gab den Frauen Hinweise, wie sie erkennen können, ob Kinder oder Jugendliche möglicherweise in ihrem Umfeld von Cyber-Mobbing betroffen sind, und wie sie reagieren können, bzw. welche Hilfsangebote es für Betroffene gibt.

Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen zeigten, dass ihnen die bisherigen Termine sehr viel gebracht haben; eine der Frauen meinte zum Abschluss: „Das war heute kein einfaches Thema für mich, aber ich habe sehr viel gelernt! Wenn SEKA mich einlädt, dann komme ich immer, weil ich weiß, dass alles, was hier stattfindet, interessant ist und ich jedes Mal sehr profitiere!“
Die Durchführung dieser Workshops ist durch die finanzielle Unterstützung durch medica mondiale, Köln, möglich.

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Finanzen und Personalsituation 2019
Die Sicherung der Finanzen war auch 2019 nicht einfach – vor allem, da Ende Mai die Förderung der Stelle unserer jungen Kollegin Emina Delahmet durch das Arbeitsamt auslief und wir die Stelle leider nicht durch andere Mittel weiterfinanzieren konnten.
Zusätzlich kürzten die Stadt Goražde und auch der Kanton aufgrund einer erneuten Finanzkrise die Zuschüsse für die SEKA-Arbeit. Die Finanzlücken versuchten wir durch noch intensiveres Fundraising soweit als möglich auszugleichen.
Dennoch musste Emina leider Ende Mai ihre Arbeit mit den Kindern beenden. Therapeutin Amina Sarajlić arbeitete daher seit Juni wieder alleine mit den Kindern.
Eine weitere personelle Veränderung ereignete sich Anfang September: Unsere Kollegin Mevlida Rovčanin, die seit fünf Jahren therapeutisch mit Frauen gearbeitet hatte, musste leider ihre Arbeit im SEKA-Projekt beenden. Sie zog aus familiären Gründen nach Tuzla um. Wir fanden das sehr schade, aber konnten ihre Beweggründe gut verstehen! Wir wünschen ihr und ihrer Familie alles Gute!

Die therapeutische Arbeit mit den Frauen teilen sich daher seit Anfang Oktober 2019 drei Kolleginnen: Arijana Ćatović arbeitet einzeltherapeutisch mit Frauen und leitet die Workshops zum Thema ‚Gewalt‘. Irena Đumić leitet zwei Therapiegruppen und Gordana Šapčanin hat mit einer Gruppe für Eltern begonnen. Bei Bedarf bietet sie auch Einzeltermine oder Familienberatung an.
Alle drei Kolleginnen haben die dreijährige SEKA-Weiterbildung in ‚Traumatherapie mit der Methode Psychodrama‘ absolviert. Dies war uns sehr wichtig, da der therapeutische Ansatz in der SEKA-Arbeit spezifisch und anspruchsvoll ist.

Seit Oktober 2019 hat SEKA zusätzlich zwei junge Volontärinnen (Anisa Medoševič und Irma Dizdarević). Anisa ist dabei, ihr Psychologie-Studium mit der Diplomarbeit zu beenden; Irma hat ihr Psychologie-Studium abgeschlossen und macht ihr Anerkennungsjahr im Goražder Zentrum für Sozialarbeit. Beide volontieren in den Therapiegruppen, die Irena Đumić leitet, und unterstützen SEKA bei unterschiedlichen Aktivitäten wie z.B. den Aktionstagen "16 Tage Aktivismus gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen". Wir freuen uns sehr über ihr Engagement!

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Anisa und Irma lernen die Methoden in der SEKA-Arbeit kennen

Finanzen im Jahr 2019:
Das Projekt SEKA wurde im Jahr 2019 von folgenden Organisationen, Stiftungen und Institutionen gefördert:
·       von SEKA Hamburg e.V. durch eine Vielzahl privater Spenden und regelmäßiger Förderbeiträge (20.000 € - auch über die Internetplattform betterplace)
·       von Medica Mondiale, Köln und der Stiftung Kriegstrauma-Therapie, Zug (Schweiz): Förderung des Projekts zur 'Realisierung der Istanbuler Konvention auf lokaler Ebene', teilweise Förderung der direkten therapeutischen Arbeit mit traumatisierten Frauen sowie von externen Supervisionen für das SEKA-Team (20.000 €)
·       von der Mediterranen Frauenstiftung, Montpellier (Frankreich) mit 3.000 €
·       von der Privredno društvo za proizvodnju i transport gasa BH-Gas d.o.o. Sarajevo mit 1.500 €
·       von der Stadt Goražde mit 1.200 €
·       von World Vision Bosnien-Herzegowina mit 1.065 €
·       von der Raiffeisenbank Bosnien-Herzegowina 500 € (für das Ökoprojekt mit den Kindern)
·       Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Foča, förderte einige SEKA-Veranstaltungen.

Wir danken allen Stiftungen, Organisationen und besonders auch den privaten Spender*innen und Förder*innen in Deutschland von Herzen für ihre Unterstützung! 
Bitte begleiten Sie unsere Arbeit auch in Zukunft!  

Esma Drkenda, Amina Sarajlić, Vera Dacić, Arijana Ćatović, Irena Đumić 

Übersetzung: Gabriele Müller

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Ausflug in den Erlebnispark 





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