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Sandiago de Compostela

R. Dogan
R. Dogan schrieb am 24.10.2011

18.10. Dienstag


Nach einem ausgibigem Frühstück und einer sehr herzlichen Verabschiedung bin ich dann mit vollgas auf den Berg zu gefahren ,um dann im Schnecketnempo ,ohne Gepäck, bergauf zu fahren . Unterwegs wurde ich dann von einem Herren aus Kleeve mit Fahrrad und Anhänger überholt, wo ich dann den Rest des Berges in seinem Windschatten gefahren bin . Der Mann ist Holländer , 20 Jahre älter wie ich und fährt mit seinem über 60 Kg schwerem Lastradzug fröhlich diesen erbarmungslosen Berg hoch . Das hat meinen Ehrgeiz beflügelt und ich bin die letzten Km ohne Stop hinter ihm her gehahren. Oben in Ocebreiro haben wir unseren Erfolg mit einer Tasse Kaffee und zwei Stücken Kuchen belohnt. Hier habe ich dann mein Gepäck wieder aufgeladen und musste noch einen kleinen Rest Berg, der sich mit Gepäck gezogen hat wie Kaugummi ,überwinden. Am höchsten Punkt des gesamten Jacobsweges angekommen war der härteste Teil der Reise geschafft . Die Belohnung war dann eine Bergabfahrt von 12 Km auf einer breiten ,gut ausgebauten und fast unbefahrenen Straße . Ich habe dann noch 20 Km drangehangen und bin recht spät in Sarria angekommen wo ich leider keine Haare schneiden konnte ,denn die Herbergen haben alle um die 10 Euro gekostet ,oder hatten keine Küche.


19.10 Mittwoch


Noch 130 Km nach Santiago und kein Berg mehr... denkste Refik . Ab hier ging es auf und ab, auf und ab . Ab war ja super aber die Aufs können einen fertig machen . Und dann hat es auch noch angefangen zu regnen , so kurz vor dem Ende , Was solls , ich möchte ankommen . In Galicien hat mann mit die schönsten Fotomotieve auf der ganzen Strecke aber ich habe nicht einmal den Fotoaperat rausgeholt bei dem Scheißwetter . Dieser Teil der Strecke hat sich nochmal ganz schön gezogen . Ich bin einmal sogar , im stehen, mit meinem Fahrrad in den Straßengraben gefallen worüber ich sehr lachen musste weil mir nichts passiert ist und das einfach zu diesem Tag passte.Als ich dann in Melide angekommen bin, kam die Sonne raus und hat so getan als währe nichts gewesen. Ich habe meine ganzen Sachen ein letztes mal handgewaschen und mir einen Trockner geleistet weil ich ja am nächsten Tag sauber in Sandiago ankommen wollte . Hier habe ich Isabel kennen gelernt die auf dem Markt viel zuviel Käse gekauft hatte . Wir haben dann unser Essen zusammen gelegt und gespeist wie die Könige .Isabel ist zufuss unterwegs und braucht 2 Tage bis Sandiago also haben wir uns nach einem ebenso reichhaltigem Frühstück voneinander verabschiedet.


20.10. Donnerstag


Ich kann schon die Engel singen hören. Nur noch 52 Km . Die Sonne scheint , ich bin gut drauf und nichts kann mich jetzt noch aufhalten . Wie klein plötzlich 50 Km sein können . Die Strasse war ab hier stark befahren aber das ist mir egal  ,nach sovielen Km kann mich nichts mehr aus der Ruhe bringen . Es geht immernoch auf und ab ,ist mir heute aber egal .Ich komme an den Stein auf den ich 2008 einmal reingefallen bin . Eine art Skulptur wo Santiago drauf steht und man denken könnte man wäre angekommen . Heute weiß ich ab hier sind es noch 10 Km.Ein Pilger hat mich dann sehr umständlich mit Händen und Füßen gefragt ob ich ein Foto von ihm und den Stein machen könne . Habe ich dann auch. Wäre unsere Sprachbarriere nicht, dann hätte ich ihm gerne erklärt das er noch 10 Km vor sich hat. Na ja der selbe Pilger sas dann auf der Rückfahrt neben mir und es hat sich rausgestellt das er aus Duisburg kommt und wir sogar den selben Dialekt sprechren. Es wurde immer heißer aber ich war froh nicht bei Regen anzukommen . Die letzten Km vor Santiago gehen bergab, so bin ich mit viel schwung und klingelnd in der Stadt angekommen . Vor lauter Freude bin ich aber falsch abgebogen ,und nicht wie alle Pilger erst zur Kathedrale, sondern an der großen Herberge Seminario Mejor rausgekommen. Ich habe mir ein Bett gebucht , meine Sachen verstaut , geduscht und umgezogen . So bin frisch in Santiago de Compostela angekommen. Nach meinem Hochgefühl hat sich dann das Gefühl von einsamkeit eingeschlichen. Wenn man auf dem großen Platz der Kathedrale steht, und sieht wie die Fußpilger viele Menschen wiedertreffen , manche lachend und manche vor freude weinend, aufeinander zugehen und sich begrüßen , wird einem mal wieder bewusst das man mit dem Fahrrad allen die man kennegelernt hat davon gefahren ist  . Nachdem ich meine Compostela , das ist die Pilgeurkunde , abgeholt habe kam die Frage auf :Wie komme ich eigendlich nach Hause? Und ich wollte auch nach Hause. Bus? Zug? Flugzeug? Ich hätte gerne meine Ankunft gefeiert ,aber alleine hatte das keinen Sinn ,auserdem kam eine unheimliche Müdigkeit in mir auf , also bin ich erstmal schlafen gegangen. Manschmal ist die beste Lösung erstmal eine Nacht darüber zu schlafen


21.10  Freitag


Mein Körper ist gestern schon in Santiago de Compostela angekommen . Mein Geist aber erst heute. Nachdem ich die Frage der Heimreise gelöst habe , ich habe mich für den Bus entschieden , konnte ich endlich entspannen und diese herrliche Stadt geniessen . An jeder Ecke standen hier Strassenmusiker und spielten auf Instrumenten wie Gitarre Harfe oder Dudelsack . Ich habe sogar ein paar Leute getroffen denen ich auf der letzten Etappe begenet war . Santiago fühlte sich heute richtig gut an. Als ich in einem Caffee sas und Postkarten schrieb kam sogar Isabel , die mit dem vielem Käse ,um die Ecke . Sie wollte alleine zur Kathedrale ,aber wir haben uns verabredet um die Ankunft gemeinsam zu feiern. Ich war das erste mal ,auf der ganze Reise, in einem Restaurant . Ich habe extra gefragt ob die vegetarisches Essen haben . Isabel ist zwar Fisch , aber kein Fleisch . Ich bin Vegetarier .Das Problem ist, das für so manche Spanier das Essen, nur weil da etwas Wurst oder Thunfisch drin ist , trotzdem vegetarisch ist . So habe ich dann eine Portion kalte Tortilla ( spanisches Omlette) und eine halbe Flasche Wein für 14 Euro bekommen ohne Soße ,mit trocken Brot. Isabel war Müde und ist schlafen gegangen und ich habe noch vor der Herberge mit zwei Amerikanern und einem Spanier 2 Flaschen Wein getrunken und so hatte ich das Gefühl doch noch die Ankunft in Santiago de Compostela gefeiert zu haben.


22.10 Samstag


Ein letztes mal die Sachen packen . Ich bin mit Isabel noch fruhstücken gegangen. Mitlerweile hatte sich eine kullinarische freundschaft zwichen uns gebildet und ich war froh von jemanden verabschiedet zu werden. Ich bin die letzten Km auf dieser Reise mit meinem Fahrrad gefahren, bevor ich es zum verschicken am Busbahnhof abgegeben habe . Das Rad wird mir innhalb einer Woche nachgeliefert. Ich hoffe das klappt auch, denn das Fahrrad hat jetzt einen großen ideellen Wert gewonnen ,weil es mich ohne große Probleme , ca. 2700 Km bis nach Sandiago de Compostella gebracht hat . Was ich auch Radsport Michalsky in Hochdahl zu verdanken habe . Ohne deren Hilfe hätte mein 15-20 Jahre altes Fahrrad, ich hatte es vor 15 Jahren bereits gebraucht gekauft , das niemals gepackt . Also wenn ihr ein neues Fahrrad braucht , oder eine richtig gute Beratung und Service ,kann ich euch Radsport Michalsky ernsthaft empfehlen. Die sind in Hochdahl in der Schimmelbuschstrasse.


Nach 30 Stunden Busfahrt mit meinem sehr netten Begleiter aus Duisburg , dessen Name meinem schlechtem Namensgedächnis zum Opfer gefallen ist ,sitze ich in Erkrath und muss alles in meinem Kopf neu sortieren.Ich kann noch nicht sagen was ich für ein Fazit aus der Reise ziehen kann .Jeder Euro der für die Hungersnot hier eingegangen ist ist auch ein Erfolg . Ich hätte mir zwar mehr gewünscht , habe unterwegs aber auch gelernt was Bescheidenheit ist , und das auch kleine Dinge eine sehr große Wirkung haben können.Meine Pilgerreise ist hier noch lange nicht beendet . Es lohnt sich diese Geschichte noch weiter zu verfolgen. Ich werde in den nächsten Tagen von meinen weiteren Plänen berichten. Und vor allem möchte ich euch an den Erkenntnissen meiner Reise teilhaben lassen. Aber erst muss ich mal wieder hier ankommen .Ultreia und Buon Camino Euer Pilger  Refik Dogan