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Erkenntnis und Verstehen

Rüdiger Schaller
Rüdiger Schaller schrieb am 28.04.2026

Ich habe alle Zeit der Welt heute. Keine Termine, nix. Nichts geplant. Ich bin im Ruhestand und auf einer Reise. Heute ist ein Tag, der nicht durchgeplant ist. Doch nach dem Frühstück, da schaue ich auf die Uhr. Du musst um 10:00 Uhr fertig sein. NEIN. Es ist doch egal, wann ich fertig bin. Erkannt habe ich schon längst, dass ich aus den alten Abläufen raus bin. Eigentlich. Doch auf einer tieferen Ebene, da fängt erst allmählich das Verstehen an: Fast 40 Jahre lang erlernt und verinnerlicht. Abläufe, Termine und noch mehr. Da sind Automatismen entstanden im Verhalten, die ich inzwischen zwar erkannt habe, aber die Hintergründe, die habe ich noch nicht verstanden.

Allmählich, seit ich auf der Reise bin, da fange ich an die Muster zu verstehen. Sie wirken auf einer tieferen Ebene. Tiefer als die Erkenntnis reicht. Erkenntnis: Klar ein Problem mit dem Zeitmanagement. Sofort eine Schulung und es wird besser. Doch hier, da geht es ums Verstehen dessen, was mich zutiefst im Inneren antreibt. Seit so vielen Jahren. Schicht für Schicht ist die letzten Tage abgetragen worden. Hin zu einem tieferen Verstehen. Allein dies wahrzunehmen, das befreit innerlich und führt in die Weite. Ich genieße dieses Gefühl, solange es da ist. Es wird vergehen, die alten Muster wieder greifen. Doch der Weg zum Verstehen ist nun klar. 

So fahre ich in meiner Zeit los, glücklich über die Erfahrung und irgendwie befreit. Wohin geht die Fahrt? Keine Planung, einfach los. Ich würde mich wiederholen, wenn ich über die so üppige Natur am Peloponnes im Frühjahr schreiben würde, deshalb lasse ich es. Und genieße sie trotzdem.

Meine Fahrt führt mich nach Areopolis. Der größten Stadt der westlichen Mani. Einer besonderen Region des Peloponnes. Wieder mal ein toller Ausblick auf eine einladende Bucht. Doch irgendetwas stört mich an dem Anblick. Etwas ist anderes. Ich will das herausfinden und fahre die Serpentinen hinab. Die Häuser, die sind es. Sie wirken auf mich kalt und abweisend. Die Art und die Mauern, der Stein. Einfach kalt.

Doch es sind berühmte Bauwerke, so habe ich es später recherchiert. Es sind für die Gegend typischen Wohntürme, die das Bild prägen. Wer das mag, soll es dort genießen. Für mich ist das nichts. Also zurück, ins heimelige Gyhteo. Von dort aus starte ich morgen nach Kreta. Vorher entspannt den Sonnenuntergang genießen. Und, das macht innerlich frei, nichts planen. Nicht schon die Reisetasche packen. Nein, morgen ist genug Zeit.