Abschiede
Nein, ich will nicht raus aus dem kuscheligen und warmen Bett. Doch ich muss auch von dieser Unterkunft Abschied nehmen. Dabei hatte ich es mir doch die zwei Tage so gemütlich eingerichtet. Es war schön, doch Neues, Unbekanntes, ruft. Korfu. Es soll das toll sein, so schaue ich einfach mal ein paar Tage nach. Eine weitere Zwischenstation auf meiner Reise. Es ist fast wie eine Lebensreise. Viele Stationen auf dem Weg, immer wieder Neues wagen und dabei Abschied nehmen. Auch von Menschen. Von liebgewordenen Gewohnheiten und so viel mehr. Tja, nun gilt es wieder, das große Gepäck zu packen und die Vespa - und mich - zu beladen. Mich mit Rucksack.
Leider bin ich heute noch völlig unausgeschlafen, habe Ärger mit in den Schlaf genommen. Seit Januar bin ich einer Auseinandersetzung mit einem Mobilfunk und Festnetzbetreiber. Gekündigt. Alles auch schriftlich dokumentiert, an der Kundenservice in der Gesamtsicht vor ca. einem Monat per Einschreiben gesendet. Antwort: Fehlanzeige, es wird einfach immer weiter abgebucht; zunehmend höherer Beträge. Und ich hänge hier in der Ferne und kann nicht adäquat reagieren. So was hängt mir innerlich sehr nach; da ist mein Gerechtigkeitssinn zu ausgeprägt. Nun, nach drei Kaffee zum Frühstück bin ich wieder soweit klar, dass ich zum Hafen fahren kann und die nächste Etappe in Angriff nehmen kann. Nach kurzem Warten kommt die Fähre. Diesmal kein Seegang - was für ein Glück - und die Dauer: Tatsächlich nur 1,5 Stunden. Raus geht es nach dem Anlegen und dank TomTom durch die quirlige und auch ziemlich vollgestopfte Innenstadt einem Außenbezirk angekommen. Hier liegt meine Homebase für die nächsten Tag. Das hat auch was, mit leichtem Gepäck auf Erkundungstour zu gehen.
Etwas Wehmut mischt sich in meine Gedanken, mein Fühlen. Was wären meine Eltern stolz auf mich, wenn sie diese Tour verfolgen würden. Sie wären einfach Stolz wie Bolle. Doch mein Vater ist vor vielen Jahren nach einem längeren Aufenthalt in einem Pflegeheim verstorben; nach mehreren Schlaganfällen. Und vor einiger Zeit ist meine Mutter gestorben. Tröstlich beim jedem der Abschiede die liebevollen und segensreichen Worte meines Pfarrers Jürgen S. aus Niedernhausen. Verbindungen die tragen.
Nun seit dieser Zeit ist mir bewusst, dass ich nun in der vordersten Reihe der Familiengeschichte stehe. Was gilt es zu Leben? Die Nähe und die Liebe zu den Kindern weitergeben. Das ist das einzige was bleibt, das die Zeiten überdauert. Wir haben auf dieser Welt keine bleibende Heimstatt.