Komitee Al Kadam

Ein Hilfsprojekt von „Adopt a Revolution“ (E. Tepest) in Damaskus, Syrien

Neuigkeiten: Hier infomiert Dich der Träger über den Stand der Dinge in diesem Projekt. So kannst Du beurteilen, wie mit den Spenden umgegangen wird.

E. Tepest (verantwortlich), verfasst vor fast 2 Jahren

E. Tepest

Für diese Bedarfe habe ich eine (Teil-)Auszahlung veranlasst:

Geheimes Internet und Kommunikation43,00 €
Materialien10,00 €
geheime Wohnungen31,00 €
Lebensmittel450,00 €
Ein Bericht des Komitees aus Al Kadam - zur weiteren Unterstützung: www.adoptrevolution.org   Unsere erste Demonstration in Al Kadam fand im Mai 2011 statt. Im August, zu Ramadan also, hat unser Komitee die bisher größte Demonstration organisiert – über 10.000 Menschen haben daran teilgenommen. Unsere erste größere Anschaffung haben wir AktivistInnen zusammen mit den BürgerInnen von Al Kadam selbst finanziert: 80.000 Syrische Lira, umgerechnet also circa 1.000 Euro, hat die Lautsprecherlanlage gekostet, die wir uns im Juli 2011 angeschafft haben. Von Adopt a Revolution haben wir für Februar und März circa 1.400€ erhalten. Wir haben uns von diesem Geld unter anderem ein Smartphone für circa 350€ gekauft, mit welchem wir drei- bis viermal die Woche Demonstrationen über das 3G-Netz übertragen können. Das Komitee Al Kadam hat sich Anfang Mai 2011 gegründet. Es besteht aus zwei Teams: Dem Feldteam und dem Medienteam. Das Feldteam organisiert natürlich die Demonstrationen in unserem Viertel, zusammen mit den jeweiligen Komitees vor Ort aber auch Demonstrationen in anderen Damaszener Stadtteilen wie Al Midan, Kafersusah oder Daraya. Einer unserer Aktivisten ist Kalligraf und fertigt nicht nur für unser Komitee viele Transparente und Plakate an – über die Slogans stimmen wir vorher gemeinschaftlich ab. Im Medienteam sind momentan fünf AktivistInnen beschäftigt. Da wir uns von dem Geld von Adopt a Revolution ein Smartphone leisten konnten, verfügen wir nun über zwei Geräten, mit denen wir drei- bis viermal pro Woche circa 30-minütige Ausschnitte unserer Demonstrationen aufzeichnen können. Video: Live-Übertragung einer Demonstration in Al Kadam auf Al Jazeera.Zahl und Größe unserer Demonstrationen variieren je nach Sicherheitslage. Während des Ramadan gab es wie gesagt die größten Demonstrationen in Al Kadam, da auch viele Menschen aus anderen Stadtteilen und von außerhalb teilgenommen haben. Kurze Zeit wurden jedoch viele Razzien durchgeführt und es gab eine große Verhaftungswelle. Die traurigsten Momente, die wir bis jetzt innerhalb des Komitees erleben mussten, ereigneten sich schon letztes Jahr.Am Freitag, dem 01.07.2011 stieg unser Aktivist Rashed Aldred am Ende einer Demonstration von dem kleinen LKW, der die Lautsprechanlage transportierte. Dabei rutschte ihm sein Tuch, das ihm als Vermummung diente, vom Gesicht. Einige Stunden später fand man ihn mit zwei Schüssen im Kopf tot auf der Straße, in der er wohnte. Video: Demonstration am 01.07.2011, nach der der Aktivist Rashed Aldred getötet wurde. Nach einer anderen erfolgreichen Demo stieg einer unserer Aktivisten in ein Taxi. Unterwegs telefonierte er mit Freunden und erzählte ihnen von der Demonstration und davon, dass er diese mit seiner Handykamera aufgenommen hatte. Daraufhin hielt der Taxifahrer plötzlich vor dem Gebäude des Staatssicherheitsdienstes und binnen Sekunden war unser Aktivist von mehreren Sicherheitskräften umzingelt. – Mittlerweile arbeiten fast alle Taxifahrer in Damaskus als Spitzel für den Geheimdienst oder sind selbst Geheimdienstmitarbeiter!Unser Aktivist wurde auf der Stelle festgenommen, denn man fand ja sofort die Videoaufnahmen von der Anti-Assad-Demo auf seinem Handy. Er wurde er für mehr als sechs Wochen inhaftiert und während dieser Zeit regelmäßig gefoltert. Man wollte ihn dazu zu bringen, die Namen von anderen AktivistInnen preis zugeben. Die einzige Information, die der Geheimdienst von ihm jedoch erhielt, war das Passwort zu seinem Email-Account, zu Facebook und zu Skype. Weil in der Regel zwei AktivistInnen die Passwörter für alle Konten kennen, blieb das ohne Folgen für die AktivistInnen unseres und anderer Komitees – unmittelbar nach seiner Festnahme hatten wir alle Konten gelöscht. Er ist mittlerweile wieder frei und noch aktiver als vorher. Video: AktivistInnen fordern die Freilassung des Aktivisten Abdulaziz Dreed aus Al Kadam, der am 02.04.2012 zum zweiten Mal auf einer Demonstration zusammen mit anderen von Shabiha verhaftet wurde. Die AktivistInnen werden oft selbst vom Geheimdienst gesucht und haben zusätzlich große Angst um ihre Familien. Weil viele von ihnen untertauchen müssen – zur Arbeit gehen sie schon lange nicht mehr bzw. wurden sie entlassen – fehlt einigen Familien der Versorger. Das Komitee und einige BürgerInnen von Al Kadam versuchen die finanziellen Löcher zu stopfen, die so entstehen, ihre Mittel sind jedoch begrenzt. Dabei es ist es besonders wichtig, dass es den Familien der AktivistInnen gut geht, damit sie weiter aktiv bleiben! Wir hoffen deshalb, dass Adopt a Revolution uns weiterhin unterstützt!  

E. Tepest (verantwortlich), verfasst vor etwa 2 Jahren

E. Tepest

Immer wieder freitags...

... ist die Lage für AktivistInnen und DemonstrantInnen noch schwieriger als sonst. Um eine für heute erwartete Demonstration nach dem Freitagsgebet zu verhindern, setzt das Regime im Viertel Al Kadam vermehrt Sicherheitskräfte und Shabeeha-Geheimdienstler ein, wie auf folgendem youtube-Video zu sehen ist.

 

Auch die gestrige Verhaftung von RegimekritikerInnen wie die des bekannten Aktivisten Mazen Darwich, Gründer des "Syrian Center for Media and Freedom of Expression" macht erneut deutlich, wie sehr sich die Lage nun auch in der zu Beginn des Syrischen Frühlings noch vergleichweise ruhigen Hauptstadt Damaskus zuspitzt.

https://www.adoptrevolution.org/bekannte-journalisten-blogger-und-menschenrechtsaktivisten-in-damaskus-verhaftet/

Helfen Sie uns weiterhin, die AktivistInnen zu unterstützen und Sie vor Verhaftung und Folter zu schützen!

 

 

 


E. Tepest (verantwortlich), verfasst vor etwa 2 Jahren

E. Tepest

Ein Jahr Syrischer Frühling in Al Kadam, Damaskus

15.02.2012, Al Kadam, Damaskus. Das an Mazzeh und Kafersuseh grenzende Damaszener Viertel Al Kadam ist ein vormals ländlich geprägter südlicher Vorort der syrischen Hauptstadt, die Lebensgrundlage der meisten Bewohner lag im landwirtschaftlichen Sektor. Mit zunehmender Industrialisierung wurde die Landwirtschaft aber aufgegeben, sodass heute die meisten Menschen in den Feldern Industrie, Immobilien und Handel tätig sind. Und, seit 2011, in einem neuen, akuten Feld: dem des Syrischen Frühlings.

Seit fast einem Jahr protestieren in Syrien und auch in Al Kadam Menschen für den Sturz des Regimes und den Wandel in Syrien.

Dabei sind die Mittel der AktivistInnen, diesen ihren Protest zu dokumentieren, die verschiedenen Internetplattformen. Auf youtube findet sich der „Channel des Viertels Kadam“ auf dem jeden Tag eine Handvoll neuer (Handy-)Videos friedlicher Demonstrationen hochgeladen werden. Zur Zeit steht besonders die Solidarität mit der belagerten Protesthochburg Homs im Fokus, es protestieren Männer und Frauen genauso wie Kinder und Jugendliche. Unter ihnen finden sich nach Aussage der AktivistInnen immer wieder Angehörige von Sicherheitskräften und Shabeeha, das sind in zivil gekleidete Geheimdienstmitarbeiter.

Auf der Facebook-Seite „Koordination der syrischen Revolution im Viertel von Kadam“ mischen sich Wut und Trauer über Getötete und die Halsstarrigkeit des Al-Assad-Regimes mit Durchhalteparolen und Solidaritätsaufrufen sowie scharfen, teils satirischen politischen Analysen. Aktuell äußert das Komitee z.B. Kritik am Treffen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad mit Ismail Hanija von der Palästinenserorganisation Hamas: „Herr Ismail, beachte, dass, wenn du Ahmadinedschad die Hände schüttelst, seine Hände mit syrischem Blut befleckt sind und der Weg Jerusalems nicht an Iran vorbeiführt.“ Ergo: Ahmadinedschad fällt mit seiner Unterstützung des Assad-Regimes dem syrischen Volk in den Rücken und hat durchaus keine Legitimität, sich mit Nahost-Rhetorik zu profilieren. Oder es präsentiert eine Karikatur von Bashar al-Assad der mit seiner Sprechblase „Verschwörung“ immer weiter in Blut versinkt. Daneben der Aufruf „Wir sind dabei, die Verschwörung aufzulösen. Die Verschwörung ist die Bombardierung von Häusern, Krankenhäusern und Moscheen und das Zerstören von Häusern über den Köpfen ihrer Bewohner.“ Die AktivistInnen fragen aber auch, mit einem Video des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera: Wohin gehen eigentlich die jährlich 239 Milliarden US-Dollar an syrischen Öl- und vor allem Gaseinnahmen?

Das Komitee von Al Kadam steht nicht alleine, sondern gehört dem Dachverband LCC, dem Local Coordination Comitee an, das auch im oppositionellen syrischen Nationalrat vertreten ist. So findet sich auf der Facebook-Seite die tägliche Aufstellung der Versammlung der Revolutionsführung in Damaskus, wonach z.B. am 13. Februar an über zwölf Orten friedlich protestiert wurde.

 

Die Seiten des Komitees sind, allerdings auf Arabisch, die folgenden:

https://www.facebook.com/shamkadam

http://www.youtube.com/user/Kaddam2011.

 

Unterstützen Sie jetzt die AktivistInnen vom Komitee Al Kadam bei ihrer Arbeit mit Ihrer Spende.

 

Ein Projekt der zivilgesellschaftlichen Initiative Adopt a Revolution (http://www.adoptrevolution.org).