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Ein Schlüssel zur Bildung von Mädchen in Togo - Das Stoffbinden-Projekt

Ein Projekt von Woé zon loo e.V.
in Kpalimé, Togo

Emily in Togo - erster Statusbericht!

Emily Wilbrand
Emily Wilbrand schrieb am 31.03.2021

Liebe Spender*innen,
 
herzliche Grüße sende ich euch aus Togo! Wow, es ist sooo wunderbar hier zu sein. Ich wurde wahnsinnig herzlich empfangen und mir wird jeden Tag gezeigt, wie sehr meine IVA-Familie meine Anwesenheit freut. Es ist nun 3,5 Jahre her, dass ich meinen einjährigen Freiwilligendienst hier abgeschlossen habe. Dennoch kennen mich sogar die Betreiberinnen der "Africa Bar" noch beim Namen :D Ich war damals wohl ein paar mal öfter dort^^
 

Das erste Gruppenbild mit allen Projektbeteiligten (unsere 5 Näherinnen mit ihren Kindern, Maman Thérèse, die Koordinator*innen Gentille und Perel, IVA-Freiwilliger Abel und ich.

 Ich bin vor zwei Wochen am 17.3. spät abends im Centre eingetroffen. Das Centre ist ein Zuhause für über 15 Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus schwierigen Lebensverhältnissen und das Herzensprojekt unseres Vereins. Maman Thérèse hat extra für mich das eine Zimmer herrichten lassen, das eine Dusche und ein WC in einem Nebenzimmer hat. Das ist so ein Luxus und erleichtert mir mein Ankommen hier sehr.
 Direkt am ersten Tag ging die Arbeit los. Wir haben die ersten beiden Tage genutzt, um unser Programm der ersten Wochen durchzuplanen. Zwei dringende tasks sind die Papierverpackungen und der Druck von Lionne T-Shirts. Wir haben mittlerweile zwei Boxen mit dem neuen Design von unserem Produzenten im Norden Togos geschickt bekommen, allerdings müssen immer noch Kleinigkeiten geändert werden. Er hat nun ein dickeres Papier verwendet, das eine deutlich bessere Stabilität hat als das letzte.
 
 
 
 Die Verpackungen sind ein Flaschenhals, denn ohne diese können wir die Beraterinnen-Fortbildungen nicht machen. Die Frauen sollen schließlich direkt loslegen können. Wir erwarten, dass wir in den nächsten zwei Tagen die ersten 500-1000 Boxen bekommen können. Zudem wollen wir rosa T-Shirts hier in Kpalimé drucken lassen, sodass jede Beraterin eines bei ihren Verkaufsgesprächen tragen kann.
 
 Wir konnten in der ersten Woche sowohl eine Verkaufstrategie festlegen als auch mehrere Schlüsselprojektpartner*innen kennenlernen und die Aufklärungsaktivitäten von SILD Togo verfolgen. 
 Aber der Reihe nach:
 Unsere Verkaufsstrategie teilt sich in drei Bereiche.

  • Direktvertrieb: Insbesondere geeignet für Friseurinnen und Schülerinnen (z.B. pair éducateurs), im Gespräch mit einzelnen die Binden erklären und verkaufen
  • Hausverkauf: Wie bei einer Tupperparty läd eine Gastgeberin ihre Freundinnen ein und die Beraterin stellt unsere Binden vor. Dabei erhält auch die Gastgeberin eine kleine Provision von dem Gewinn der Beraterin pro verkaufter Binde, der Effekt ist, dass sich schnell neue Gastgeberinnen finden mit neuen Netzen
  • Internetverkauf: In Togo hat ein großer Teil der Gesellschaft ein Smartphone, Whatsapp ist die App, die am meisten benutzt wird. In den letzten Jahren hat sich in Togo etabliert, dass über die Statusfunktion Produkte zum Verkauf angeboten werden und z.B. mit einem Motorradfahrer nach Hause geliefert wird. Wenn Freundinnen der Beraterin über ihren eigenen Status und ihre sozialen Netze Käuferinnen findet, dann profitiert auch diese wie im Hausverkauf von einer kleinen Provision

  • Wir haben Patience getroffen (wer sich erinnert, Patience ist die erfahrene Näherin, die unsere ersten Bindenversionen genäht hat) und ihr die aktuellen Binden gezeigt und auf den neuesten Stand gebracht. Patience erzählte, dass sie bereits vielen Bekannten vom Projekt erzählt hat und viele die Binden sofort kaufen wollten. Sie hat während unseres Gesprächs direkt ihre Freundin in Atakpamé, der drittgrößten Stadt Togos, angerufen, die Frau eines Pastors ist und sehr viele Leute kennt. Auch sie war sofort Feuer und Flamme. 
     Am gleichen Tag haben wir eine Friseurinnen-Ausbilderin getroffen und ihr unser Projekt präsentiert. Sie wird mit der Friseurinnen-Gewerkschaft sprechen und läd uns zu einem baldigen Treffen unter Ausbilderinnen ein. Friseurinnen sind eine Schlüsselgruppe in unserer Vertriebsstrategie. Sie reden den lieben langen Tag mit ihren vertrauten Kundinnen, haben also viele Möglichkeiten die Binden zu präsentieren und nebenbei etwas dazuzuverdienen. 
     
     
     Im Gespräch im Friseurinnenatelier

    Am zweiten Tag meiner Ankunft haben wir den Koordinatoren Mr. Boni von der togolesischen Organisation SILD kennengelernt. Er hat uns direkt eingeladen zu ihren Aktivitäten in zwei ihrer CEGs (Mittelstufe).
     
     
     Im Gespräch mit SILD 
     
     SILD hat schon 25 Jahre Erfahrung in der sexuellen Aufklärung von Jugendlichen in Togo und wird mit ihrem deutschen Partnerverein Lebenschancen e.V. mit uns zusammenarbeiten. Letzte Woche haben wir SILD bei seinen Aufklärungsaktivitäten begleitet. Wir sind zu zwei CEGs (Mittelstufe) gefahren, um bei den "Tagen der reproduktiven Gesundheit" dabei zu sein. Diese Tage unterstützen die tägliche Arbeit der sogenannten "pair éducateurs" (Schüler*innen-Aufklärer*innen) und der assoziierten Lehrer*innen. In mehreren Klassen (6.-9. Klasse) wurden Rollenspiele vorgeführt und u.a. über die Konsequenzen von verfrühten Schwangerschaften und über STIs aufgeklärt und die Wichtigkeit, sich auf die Schule zu konzentrieren, betont.  IVA, unser togolesischer Partnerverein und wir, also unser deutscher Verein Woé zon loo e.V., werden ab Herbst ein ähnliches System mit pair éducateurs in mehreren Schulen in Kpalimé einführen. Darüber werde ich ein anderes Mal genaueres erzählen. 


    In einem Klassenzimmer führt Mr. Boni die Veranstaltung ein und übergibt an den Trainer.


    Mme Kasime Bintou (Verantwortliche für reproduktive Gesundheit in der Region Kloto) erörtert mit den Schüler*innen, warum ein/e Schüler*in nicht gut für ein Baby sorgen kann.

     
    Mr. Boni (SILD), ich (Woé zon loo e.V.) und Perel (IVA) arbeiten zusammen. 

    Bei beiden Schulen haben wir Mädchen versammelt und ich habe ihnen mit einfachen Worten und Gesten die Menstruation erklärt. Die Mädchen hatten vorher keine Ahnung, warum sie jeden Monat bluten. Ein Mädchen dachte, dass es dazu da ist, um Mikroben aus dem Körper zu entfernen. Andere konnten nur ihre Symptome wie Bauchschmerzen, heißen Körper nennen, aber mit dem, was da im Groben passiert, waren sie überfragt. 
    Am Wochenende war ich mit meinem Gastbruder Abel in einem kleinen Dorf in den Bergen. Wir haben an zwei Gelegenheiten 20 Jugendliche über Sex und Menstruation aufgeklärt. Gerade auf dem Dorf hatten die Jugendlichen keinen blassen Schimmer über die Hintergründe der Menstruation und ihre Verbindung zu unserer Fortpflanzung. Abel hatte extra ein paar Kondome mit ins Dorf genommen und den sehr interessierten Jungen und Mädchen gezeigt, wie man sie richtig öffnet und (über eine Banane) überzieht. Wir haben mit mehreren Mädchen gesprochen, die schwanger sind, sie waren 18, 16, 15 und 14. Niemand hat sie jemals aufgeklärt und nun mussten sie alle ihre Schule abbrechen und müssen darauf hoffen, dass ihre Familie ein weiteres Kind ernähren kann.


    Im CEG Kpalimé (Bild) habe ich 20 Mädchen über Menstruation aufgeklärt und unser Bindenprojekt vorgestellt. Im anderen CEG in einem Dorf hatten sich um die 40 Mädels um mich versammelt.

    Diese Erfahrungen mit den Mädchen haben mir gezeigt, wie wichtig unser Projekt in seiner Gänze ist, dass unsere Arbeit dringend gebraucht wird und dass wir auf einem guten Pfad sind. Ich danke euch allen, für eure Unterstützung! Ob es eure monetäre Unterstützung ist oder dass ihr andere auf unser Projekt aufmerksam macht. All diese Komponenten braucht es für ein erfolgreiches Projekt mit großer Wirkung. ❤️
    Eigentlich wollte ich diesen Newsletter schon früher senden, jedoch sind mir ein paar Mikroben in den Karren gefahren. Ich hatte in den letzten Tagen eine kleine Lebensmittelvergiftung und musste an den Tropf ins Krankenhaus. Jetzt ist aber alles wieder gut und ich nehme Medikamente. 
    Ich werde euch über unsere Fortschritte auf dem Laufenden halten. Es werden in der nächsten Zeit einige Kosten auf uns zukommen, u.a. Kauf der ersten 1000 Boxen (150€), Fortbildung der künftigen Lionne-Beraterinnen (~200€), vermehrte Transportkosten der Koordinator*innen, Kauf eines Laserdruckers (400€)...
    Alle Projektbeteiligten hier freuen sich über eure Unterstützung!

    Viele liebe Grüße
    von Emily, Perel und Gentille
    Unterstützt uns in unserer wichtigen Mission! ❤️
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