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Erlebnisbericht von Olaf Scholtyssek - Gefängnisarbeit in Antananarivo

Zaza Faly e.V.
Zaza Faly e.V. schrieb am 07.08.2013

Meine Arbeit im Jugendgefängnis in Antananarivo (von Olaf Scholtyssek, 09.12-03.13)

Während den sechs Monaten, welche ich in Madagaskar bei Manda verbracht habe, arbeitete ich auch zweieinhalb Monate im Jugendgefängnis von Antananarivo.

Die Idee mich mit Jugendlichen über die Themen „Träume und Zukunft“ zu beschäftigen hatte ich bereits in Deutschland. Französischen Hip Hop wollte ich dabei als Brücke verwenden um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Als ich dann bei Manda ankam, schlugen meine Mitpraktikantin Lisa und die Leiterin Mia vor, dass ich ein Programm, was auf dieser Idee aufbaut, im Jugendgefängnis leiten könnte. Da bereits vorherige Mandapraktikanten/- innen mit der französischen ONG „Grandir Dignement“, welche sich um die Jugendgefangenen in Antananarivo kümmert, zusammen gearbeitet haben, konnte auch dieses Mal Kontakt aufgenommen werden, sodass mein Engagement zustande kam.

Zwischen Mitte Januar und Ende März 2013 war ich dann zwei Mal in der Woche im Jugendgefängnis. Zum einen spielte ich mit einigen der 100 Jungen Fußball und zum anderen leitete ich das angesprochene Programm zum Thema „Träume“.

Das anfängliche mulmige Gefühl, das ich hatte, weil ich keine Vorstellung hatte, wie es im Gefängnis aussieht und wie die Jungen auf mich reagieren würden, war schnell verflogen. Trotz der ziemlich unkomfortablen Situation, dass sich jeweils 50 Jungen einen Schlafraum teilten und den Toiletten eine Renovierung gut täte, war ich positiv von der Ausstrahlung der meisten Jungen überrascht. Auch wenn sie zum Teil bereits seit drei Jahren inhaftiert sind und auch nicht wissen, wann und ob es zu einer Verhandlung vor Gericht kommt, konnten viele von ihnen lachen.

An meinem „Träumeprogramm“ nahmen ca. 12 bis 15 Jungen regelmäßig teil. Das Lied „Dans tes rêves“  von „Disiz la Peste“ handelt von der Geschichte des Künstlers, wie er, aus einem Pariser Banlieue stammend, seinen Traum Musiker zu werden gegen die Erwartungen aller verwirklicht hat. Zwar ist die Situation der Jugend in Madagaskar im Allgemeinen deutlich schlechter als bei uns, insbesondere für die Jugendgefangenen, dennoch war deutlich zu spüren, dass diejenigen, die sich in den Stunden aktiv mit mir und ihren Träumen beschäftigt haben, neue Hoffnung schöpften. Neben der Auseinandersetzung mit unseren persönlichen Träumen, überlegten wir auch, wie es denn möglich wäre diese auch umzusetzen. Am Ende habe ich die wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Kurs für jeden Jungen auf einer Doppelseite ausgedruckt und in ein kleines Schulheft gelegt, damit sie Ideen, Träume und Wünsche auch aufschreiben können und diese nicht vergessen.

Als zusätzliche Hilfe für die Auseinandersetzung mit sich selbst haben wir im neu angebauten Aufenthaltsraum einen Spiegel angebracht und um diesem herum sieben Zitate und Sprichwörter auf Madagassisch an die Wand geschrieben (z.B. „Wer denkt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden.“ – Socrates, „Fantasie ist wichtiger als Wissen, da Wissen begrenzt ist.“ –Albert Einstein, „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.“ – Bertold Brecht). Nun können die Jungen sich selbst im Spiegel betrachten, über ihre Zukunft nachdenken, Kraft aus den Sprüchen schöpfen und damit anfangen ihre Zukunft zu erträumen, was den Grundstein für jede Veränderung darstellt.

Rückblickend bin ich sehr froh darüber, dass ich die Möglichkeit hatte, im Jugendgefängnis „Antanimora“ zu arbeiten, da ich aus diesen Erfahrungen sehr viel für mein weiteres Leben mitnehmen kann!



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