Schulbesuch für Lobzang

Leh, Indien

Schulbesuch für Lobzang

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Bei dem Projekt "Schulbesuch für Lobzang" handelt es sich um den großen Traum eines Jungen in einem entlegenen Tal Ladakhs, nach Ablauf der Regelschulzeit an einem Internat in Leh weiter zur Schule gehen zu dürfen.

N. Kossak von nilam e.V.Nachricht schreiben

Lobzang Stobdan ist 15 Jahre alt und Schüler der 8.Klasse. Seine Eltern wie auch seine vier Geschwister leben in dem kleinen Dorf Pidmo, etwa 30km von der SECPAD-Schule entfernt.
Pidmo selbst zählt nur 10 Häuser und bis vor kurzem gab es noch keine Straße, die das Dorf mit anderen des Tals verband. Außer einigen Treckinggruppen, die von Pidmo aus weiter in die Berge ziehen, verirrt sich kaum ein Mensch an diesen einsamen Ort.
Weil der Schulweg weit ist, wohnt Lobzang seit einigen Jahren im Internat der Schule und besucht seine Eltern nur gelegentlich, wenn es mal einen zusätzlichen freien Tag gibt und sich die lange Reise lohnt – denn obwohl es „nur“ 30km sind, braucht man in Zanskar für diesen Weg nahezu einen ganzen Tag. Seine Eltern arbeiten hart, um das Leben der Familie zu sichern. So verdient sein Vater als Pferdeführer in den Sommermonaten manchmal ein paar zusätzliche Rupien, während er sich sonst mit seiner Frau um den Gemüse- und Getreideanbau kümmert. Wie die meisten Menschen in Zanskar ist auch die Familie von Lobzang größtenteils Selbstversorger und darauf angewiesen, ihre Vorräte für den langen und harten Winter, der mit Temperaturen bis unter -40°C an die acht Monate dauern kann, in der nur kurzen Vegetationsperiode zwischen Juni und September anzubauen und zu ernten.
Schon während des Unterrichts ist mir Lobzang durch seine einfühlsame und besonnene Art aufgefallen. Im Umgang mit seinen Klassenkameraden, vor allem aber auch in der verantwortungsbewussten Weise, mit der er sich insbesondere um jüngere Kinder kümmerte und ihnen ein „großer Bruder“ war, zeichnete er sich durch ein feines Mitgefühl aus.
Tief bewegt war ich auch von seinem großen Engagement und der Selbstvergessenheit, mit der er in meinem Theater-Projekt eine Hauptrolle übernahm.
In etwa einem Jahr ist die Pflicht-Schulzeit auch für Lobzang vorüber. Welche Zukunft ihn dann erwartet, ist leicht vorhersehbar. Denn aufgrund der mangelnden Alternativen in Zanskar wird auch er, wie schon sein Vater und auch dessen Vater, ein ähnliches, von der Arbeit auf den Feldern und gelegentl. Jobs als Fremden- oder Pferdeführer bestimmtes Leben führen.
Weil seine Eltern nur sehr wenig Geld haben, das gerade dafür reicht, die Familie zu ernähren, können sie ihrem Sohn eine weiterführende Ausbildung, von der der Junge so sehr träumt, nicht finanzieren. Dabei wären sie sogar bereit, Lobzang in die entfernte Hauptstadt ziehen zu lassen, wo er die Chance hätte, an einem Internat auch nach der 8. Klasse weiter zur Schule zu gehen, einen Abschluss zu erwerben, um damit später vielleicht sogar studieren zu können.
- Vor einigen Wochen erreichte mich ein Brief aus dem Himalaya. Lobzang hatte ihn geschrieben und allerlei Bilder neben seine sorgsam ordentlichen Buchstaben gemalt. Und mir von seiner Bitte erzählt, mich für ihn einzusetzen, damit er irgendwie doch die Möglichkeit bekäme, nach seinem Abschluss an der SECPAD-Schule weiter lernen zu dürfen – in Leh, der Hauptstadt Ladakhs.