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akinda - Weihnachtsgruß

Ronald
Ronald schrieb am 21.12.2024



 Liebe Unterstützer:innen und liebe Engagierte in unserem Netzwerk Einzelvormundschaften akinda!

Wir wünschen euch allen erholsame freie Tage, schöne Stunden mit der Familie, Freund:innen und Bekannten, vielleicht auch mit den von euch unterstützten jungen Menschen!

Wir bedanken uns bei allen Vormund:innen und Pat:innen für ihr tolles Engagement für Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern nach Deutschland geflohen sind. Ohne dieses freiwillige Engagement wäre für diese jungen Menschen das Ankommen hier in Berlin viel schwieriger, gerade angesichts der schon länger andauernden Krise des behördlichen Aufnahme- und Versorgungssystems in Berlin. Ihr habt den jungen Menschen etwas gegeben, was sie ganz viel brauchen: empathische Zuwendung.

Diese ehrenamtliche Hilfe ist leider nicht mehr selbstverständlich. Der öffentliche Diskurs und die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen haben sich massiv nach rechts verschoben. Freiwilliges Engagement für Geflüchtete ist nicht mehr positiv konnotiert. Flucht wird in weiten Teilen der Politik nur noch als Gefahr dargestellt, Humanität und Menschenrechte zunehmend ausgeblendet. Schreckliche Gewalttaten einzelner, wie die tödlichen Messerattacken von Mannheim und Solingen, werden genutzt, um Geflüchtete pauschal unter Generalverdacht zu stellen. Was früher allenfalls hinter vorgehaltener Hand geflüstert wurde, ist zum Party-Hit geworden und wird laut mitgegrölt.

Gleichzeitig erreichte weltweit die Zahl der Geflüchteten und Vertriebenen einen neuen Höchststand. Statt humanitärer Aufnahme hat sich die EU mit dem reformierten Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) auf eine weitere möglichst effiziente Sicherung der Festung Europa verständigt. Das Sterben im Mittelmeer geht weiter. Die andauernden Kriege, bewaffneten Konflikte und Krisen, in der Ukraine und im Nahen Osten, aber auch in „vergessenen Regionen“ wie dem Sudan, haben uns ebenso bewegt wie ihre Auswirkungen und Folgen: Flucht, eine beispiellose humanitäre Katastrophe im Gaza-Streifen und ein Wiedererstarken des Antisemitismus in Deutschland. Das Jahr endet unter dem Eindruck des Regime-Sturzes in Syrien. Was bedeutet das Ende der Assad-Herrschaft für die Menschen in Syrien und für fast eine Million Syrer*innen in Deutschland?

Was macht das alles mit uns?  Wo werden wir im Frühjahr nach den Neuwahlen stehen? Wie verändert Trump nicht nur die USA, sondern die Welt? Unter der Überschrift „Fremdenhass in Deutschland“ schreibt die Journalistin Charlotte Wiedemann in einem klugen Essay in der TAZ: „Viele haben Angst vor dem, was kommt. Doch hat die Angst für jede und jeden ein anderes Gesicht. Bei mir ist es ein Gefühl der Entfremdung – dem eigenen Land und den Landsleuten nicht mehr trauen zu können; die Furcht vor der Irrationalität, vor dem Ressentiment und dem anschwellenden Wahn, in der Zuwanderung die Mutter aller Probleme zu sehen. Meine Entfremdung ist die Luxusvariante von Angst. Wie ist es mit denen, die nicht für zugehörig gehalten werden, die einen unsicheren Status haben oder eine Staatsangehörigkeit, die nach neuestem Verständnis wieder entzogen werden kann?“  

Wo also stehen wir?  Die demokratische Substanz Deutschlands ist poröser als gedacht; der Boden unter unseren Schritten wird unsicherer. Charlotte Wiedemann spricht sich dafür aus „selbstbewusst und freimütig“ anzuerkennen, dass wir mit unseren menschenrechtlich und humanitär geprägten Ansichten Minderheit geworden sind und sieht es als eine Aufgabe der progressiven Minderheiten Deutschlands, die Grundrechte von postmigrantischen oder migrantisierten Menschen zu verteidigen: „Jene, die weniger angreifbar sind, weil weiß, in guten Jobs etc., sind aufgefordert zu überlegen, was sie für die Rechte der Vulnerableren tun können, damit diese sich nicht zusätzlich exponieren müssen. Es bedarf einer neuen erfindungsreichen Kultur der Solidarität für harte Zeiten.“

“Selbst wenn ringsumher Chaos und Unsicherheit herrschen, die Menschlichkeit ist das, was uns verbindet!“, schreibt als essenzielle Erfahrung nach über 1.000 Tagen Krieg in der Ukraine die dort lebende Journalistin Yuliia Shchetyna.

Solidarität und Menschlichkeit sind Werte, die auch unsere Arbeit und unser Engagement mit und für geflüchtete Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene prägen.

Wir freuen uns, wenn ihr unsere Arbeit mit einer Spende unterstützt!
Auch wir sind von den Kürzungen im Berliner Landeshaushalt nicht verschont geblieben, wollen aber alle unsere Angebote ungeschmälert aufrechterhalten. Danke!

Alles Gute für euch, genießt die – hoffentlich – freien Tage, bleibt gesund und kommt gut rüber ins Jahr 2025!

Euer Team akinda

Claudia Schippel, Anna Lutteroth, Annika Butz, Jana Häseler, Kristina Holzapfel, Kaja Poprawska, Nora Gohrt, Ronni Reimann

Wohin mit euern Payback-Punkten für die vielen Weihnachtsgeschenke? An akinda spenden!