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Ermittlung der Brand- und Todesursache von Oury Jalloh

Oury Jalloh, Polizeigewalt, Vertuschung eines Mordes, struktureller Rassismus, unabhängige Untersuchungskomission, Aufklärung, Staatsräson

Katrin von Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.Nachricht schreiben

Am 7.01.2005 wurde der aus Sierra Leone stammende Oury Jalloh im Dessauer Polizeirevier an Händen und Füßen auf eine feuerfeste Matratze einer „Schlichtzelle“ gefesselt und verbrannt. Zur Tatortermittlung wurde kein Brandsachverständiger hinzugezogen. Es wurde kein nachvollziehbares Brandlegungsmittel aufgefunden und nicht nach Brandbeschleunigern gesucht.
3 (!) Tage später wurde ein bis dahin nicht vorhandener, verschmorter Feuerzeugrest präsentiert, der sich angeblich in einer der am Tatort sichergestellten Brandschutttüten befunden haben soll. An diesem „Beweismittel“ fanden sich jedoch keinerlei Spuren des Brandgeschehens aus der Zelle – dafür aber eingeschmolzene tatortfremde Polyesterfasern sowie zwei nachträglich angehaftete, nicht verbrannte Tierhaare. Oury Jalloh selbst hatte keinen erhöhten Kohlenmonoxidspiegel in seinem Herzblut und unauffällige Stresshormonspiegel in seinem Urin. Bis heute ist nicht geklärt, was an diesem Tag im Polizeirevier tatsächlich geschehen ist.
Erst durch den öffentlichen Druck der Initiative ist der Fall überhaupt vor Gericht gelandet. Die unfassbaren Erfahrungen der Initiative und der Angehörigen mit der vertuschenden Ermittlungsführung durch die zuständige Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau (die bisher zu keinem Zeitpunkt überhaupt einen Mord in Erwägung gezogen hat) sowie der nachfolgend dogmatischen Ignoranz gleich zweier sachsen-anhaltinischer Gerichte (die widersprüchliche bzw. zweifelnde Gutachteraussagen immer wieder im Sinne der vorgeschriebenen Selbstentzündungstheorie uminterpretiert haben) führten zu dem Entschluss, die Aufklärung der Todesumstände selbst in die Hand zu nehmen. 
2013 beauftragte die Initiative deshalb den irischen Brandexperten Smirnou, den Brandverlauf und dessen Ergebnis durch Brandversuche nachvollziehbar zu machen. Das Ergebnis: der verheerende Brandzustand aus der Zelle kann nur unter Verwendung von Brandbeschleunigern erreicht werden.
In einem weiteren Schritt hat die Initiative unabhängige Brandsachverständige, Toxikologen und Gerichtsmediziner beauftragt, die bisher vorliegende Aktenlage zu analysieren und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen zu bewerten. Ergebnisse wurden in einer Pressekonferenz am 27.10.2015 vorgestellt. Im Januar 2018 wir eine unabhängige, internationale Untersuchungskommission ins Leben gerufen, die sich den Auftrag gegeben hat, die Umstände, die zum Tod von Oury Jalloh geführt haben, umfassend aufzuklären, die Gründe zu beleuchten, warum die Verfolgungsbehörden sich erst nach 12 Jahren mit der Möglichkeit befasst haben, dass Dritte Oury Jalloh getötet haben und den Fall in den politischen und gesellschaftlichen Kontext einzuordnen. 
Das rassistische Morden in den Gefängniszellen und auf der Straße geht weiter. Die Mörder von Oury Jalloh laufen weiter frei herum. 
Oury Jalloh ist kein Einzelfall und die Mörder sind keine Einzeltäter. Hinter den Morden und der Vertuschung steckt ein System, welches wir verstehen müssen, um effektiv handeln zu können.
https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/