Wir haben 553,07 € Spendengelder erhalten
Sabeth Schmidthals schrieb am 04.08.2025
Die AG Erinnern der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule in New Orleans - eine Reise auf den Spuren der (deutschen) Geschichte der Stadt
Müde, aber mit vielen Erlebnissen, Eindrücken und Gelerntem kehrten wir am frühen Morgen des 8. Juli von unserer Reise nach New Orleans/USA zurück:
12 Mitglieder der AG Erinnern der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule in Berlin-Moabit, eine Lehrerin, ein Filmemacher, eine langjährige Freundin und Unterstützerin der AG Erinnern und eine Vertreterin unserer Partnerorganisation, der Heinrich-Böll-Stiftung.
Eine Woche lang lernten wir über die französische, spanische, aber vor allem über die deutsche Geschichte der Stadt New Orleans. Wir sahen die prächtigen Häuser der reich gewordenen Einwanderer und hörten von den Menschen, die aus Afrika verschleppt worden waren und in diesen Häusern als Versklavte arbeiten mussten.
Wir besuchten die Whitney, die Evergreen und die Woodland Plantage am Ufer des Mississippi. Auch hier mussten Menschen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Diese Region, deren Bevölkerung noch immer mehrheitlich Schwarz ist, trägt neben ihrem Namen “The German Coast“ heute auch den Namen „Cancer Valley“, da sie eine der höchsten Krebsraten des Landes aufweist. Wir sprachen mit Mitarbeiter*innen des German-American Cultural Center, das seit 1999 mit seiner Ausstellung und seinen kulturellen Angeboten versucht, die Kultur der einstigen deutschen Einwanderer zu bewahren. Mit Bestürzung nahmen wir zur Kenntnis, dass die Ausstellung die Geschichte der Sklaverei nahezu auslässt, indigene Menschen werden nicht erwähnt. Ein Umstand, über den wir im Nachhinein viel diskutierten: Ein jeder Mensch sollte das Recht haben, seinen Lebensmittelpunkt frei wählen zu können, insbesondere dann, wenn die Lebensumstände im Herkunftsland die eigene Existenz bedrohen, so wie es für viele deutsche Emigrant*innen und Siedler*innen damals oft der Fall war. Aber wir müssen heute die ganze Geschichte erzählen und Verantwortung für die Verbrechen und für begangenes Unrecht übernehmen. Am letzten Abend gedachten wir am Hafen von New Orleans der afrikanischen Kinder, die ab dem Alter von 7 Jahren als Sklavinnen und Sklaven auf den Plantagen oder auch in den Stadthäusern der Weißen arbeiten mussten. Wir sind dankbar, dass wir über die Geschichte der Menschen Afrikas in New Orleans lernen durften. Und wir werden ihre Geschichten weitererzählen. Unser Kameramann konnte die Reise in vielen Aufnahmen festhalten. Bislang haben wir das Geld noch nicht zusammen, aber sobald wir die Produktion eines Films finanzieren können, freuen wir uns darauf, diesen an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen zeigen zu können.
Denn die Geschichte der Sklaverei und des Kolonialismus ist Teil der deutschen Geschichte. Herzlichen Dank an alle Spenderinnen und Spender, die uns die Reise nach New Orleans/USA ermöglicht haben!
Sabeth Schmidthals
Leiterin der AG Erinnern der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule (Berlin-Moabit)
Kommentare der Mitglieder der AG Erinnern
Blessing (Angehörige des Stammes der Ibibio):
Diese Reise war keine normale Reise. Nicht jeden Tag bekommt man die Chance, so viel über die Geschichte der Sklaverei zu lernen und dann auch noch von Menschen, die Nachkommen von Menschen sind, die das erleben mussten. In der Schule sind es einzelne Stunden, auf der Reise waren es viele Tage. Vielen Dank für diese Chance!
Rayan:
Wir besuchten mehrere Plantagen. Dort sahen wir die Unterkünfte der versklavten Menschen und lasen ihre Namen an Gedenktafeln. Wir hörten von ihren Schmerzen, den Demütigungen, die sie ertragen mussten und von ihrem täglichen Kampf ums Überleben. Es hat uns emotional sehr mitgenommen. Wir hatten Mitgefühl und spürten Wut und Trauer.
Assia:
Es ist grausam, wie die Versklavten wie Gegenstände behandelt wurden. Es wurde wahrscheinlich kein Gedanke daran verschwendet, dass sie ebenfalls Menschen waren, die die gleichen Rechte verdienen. Gruselig ist die Tatsache, wie wenig wir heute über die Zeit der Sklaverei wissen oder wie wenig darüber gelehrt wird. Dabei sind die Themen Sklaverei und Kolonialismus Teil der Weltgeschichte.
Omar:
Die Geschichte der Sklaverei ist ein Grundbaustein unseres heutigen Wohlstands. Die Auseinandersetzung damit hat mich daran erinnert und mir z.B. anhand der Lebensrealitäten der Menschen im „Cancer Valley“ verdeutlicht, wie tief die Auswirkungen der Sklaverei bis heute reichen. Noch immer leiden Menschen unter Strukturen, die aus dieser Zeit hervorgegangen sind. Es ist unsere Aufgabe, diese Geschichte aufzuarbeiten und ein gesellschaftliches Bewusstsein für ihre Kontinuitäten zu schaffen – in der Hoffnung, ihr eines Tages ein wirkliches Ende setzen zu können.
Anas:
“What hurts the victims most is not the cruelty of the oppressor, but the silence of the bystander”
- Ellie Wiesel
Unsere Reise hat mich die tiefere Bedeutung dieses Zitats verstehen lassen. Daher war die Reise ein weiterer Schritt in meiner persönlichen Entwicklung. Wie die Geschichte des Nationalsozialismus, so müssen wir auch das Wissen um Sklaverei und Kolonialismus mit unseren Mitmenschen teilen.
Salima:
Menschen sind immer wieder in der Lage, in ihrer dunkelsten Zeit eine Quelle der Hoffnung zu finden. Für die versklavten Menschen war es ihre Gemeinschaft und was sie sich darauf aufgebaut haben, trotz ihres Leidens. Ihre Geschichte ist ein Beispiel, dass in allem etwas Gutes steckt, auch wenn wir erstmal nicht in der Lage sind, dieses Gute zu erkennen.
Chrissi:
Ich habe gelernt, wie wenig ich eigentlich über die Zeit der Sklaverei und des Kolonialismus weiß. Ich wusste nicht, dass die Straßennamen in dem „Afrikanischen Viertel“, in dem ich lebe, auf die Pläne für eine Völkerschau, einen „Menschenzoo“, zurückgehen, den der Tierparkbesitzer Carl Hagenbeck dort Ende des 19. Jahrhunderts errichten wollte.
Samar:
Die Reise hat mir noch einmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, Menschlichkeit zu besitzen - eigentlich etwas Selbstverständliches, aber leider viel zu selten verbreitet, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Doch umso wichtiger ist es, bewusst mit Mitgefühl, Respekt und Verständnis durch die Welt zu gehen.

Müde, aber mit vielen Erlebnissen, Eindrücken und Gelerntem kehrten wir am frühen Morgen des 8. Juli von unserer Reise nach New Orleans/USA zurück:
12 Mitglieder der AG Erinnern der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule in Berlin-Moabit, eine Lehrerin, ein Filmemacher, eine langjährige Freundin und Unterstützerin der AG Erinnern und eine Vertreterin unserer Partnerorganisation, der Heinrich-Böll-Stiftung.
Eine Woche lang lernten wir über die französische, spanische, aber vor allem über die deutsche Geschichte der Stadt New Orleans. Wir sahen die prächtigen Häuser der reich gewordenen Einwanderer und hörten von den Menschen, die aus Afrika verschleppt worden waren und in diesen Häusern als Versklavte arbeiten mussten.
Wir besuchten die Whitney, die Evergreen und die Woodland Plantage am Ufer des Mississippi. Auch hier mussten Menschen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Diese Region, deren Bevölkerung noch immer mehrheitlich Schwarz ist, trägt neben ihrem Namen “The German Coast“ heute auch den Namen „Cancer Valley“, da sie eine der höchsten Krebsraten des Landes aufweist. Wir sprachen mit Mitarbeiter*innen des German-American Cultural Center, das seit 1999 mit seiner Ausstellung und seinen kulturellen Angeboten versucht, die Kultur der einstigen deutschen Einwanderer zu bewahren. Mit Bestürzung nahmen wir zur Kenntnis, dass die Ausstellung die Geschichte der Sklaverei nahezu auslässt, indigene Menschen werden nicht erwähnt. Ein Umstand, über den wir im Nachhinein viel diskutierten: Ein jeder Mensch sollte das Recht haben, seinen Lebensmittelpunkt frei wählen zu können, insbesondere dann, wenn die Lebensumstände im Herkunftsland die eigene Existenz bedrohen, so wie es für viele deutsche Emigrant*innen und Siedler*innen damals oft der Fall war. Aber wir müssen heute die ganze Geschichte erzählen und Verantwortung für die Verbrechen und für begangenes Unrecht übernehmen. Am letzten Abend gedachten wir am Hafen von New Orleans der afrikanischen Kinder, die ab dem Alter von 7 Jahren als Sklavinnen und Sklaven auf den Plantagen oder auch in den Stadthäusern der Weißen arbeiten mussten. Wir sind dankbar, dass wir über die Geschichte der Menschen Afrikas in New Orleans lernen durften. Und wir werden ihre Geschichten weitererzählen. Unser Kameramann konnte die Reise in vielen Aufnahmen festhalten. Bislang haben wir das Geld noch nicht zusammen, aber sobald wir die Produktion eines Films finanzieren können, freuen wir uns darauf, diesen an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen zeigen zu können.
Denn die Geschichte der Sklaverei und des Kolonialismus ist Teil der deutschen Geschichte. Herzlichen Dank an alle Spenderinnen und Spender, die uns die Reise nach New Orleans/USA ermöglicht haben!
Sabeth Schmidthals
Leiterin der AG Erinnern der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule (Berlin-Moabit)
Kommentare der Mitglieder der AG Erinnern
Blessing (Angehörige des Stammes der Ibibio):
Diese Reise war keine normale Reise. Nicht jeden Tag bekommt man die Chance, so viel über die Geschichte der Sklaverei zu lernen und dann auch noch von Menschen, die Nachkommen von Menschen sind, die das erleben mussten. In der Schule sind es einzelne Stunden, auf der Reise waren es viele Tage. Vielen Dank für diese Chance!
Rayan:
Wir besuchten mehrere Plantagen. Dort sahen wir die Unterkünfte der versklavten Menschen und lasen ihre Namen an Gedenktafeln. Wir hörten von ihren Schmerzen, den Demütigungen, die sie ertragen mussten und von ihrem täglichen Kampf ums Überleben. Es hat uns emotional sehr mitgenommen. Wir hatten Mitgefühl und spürten Wut und Trauer.
Assia:
Es ist grausam, wie die Versklavten wie Gegenstände behandelt wurden. Es wurde wahrscheinlich kein Gedanke daran verschwendet, dass sie ebenfalls Menschen waren, die die gleichen Rechte verdienen. Gruselig ist die Tatsache, wie wenig wir heute über die Zeit der Sklaverei wissen oder wie wenig darüber gelehrt wird. Dabei sind die Themen Sklaverei und Kolonialismus Teil der Weltgeschichte.
Omar:
Die Geschichte der Sklaverei ist ein Grundbaustein unseres heutigen Wohlstands. Die Auseinandersetzung damit hat mich daran erinnert und mir z.B. anhand der Lebensrealitäten der Menschen im „Cancer Valley“ verdeutlicht, wie tief die Auswirkungen der Sklaverei bis heute reichen. Noch immer leiden Menschen unter Strukturen, die aus dieser Zeit hervorgegangen sind. Es ist unsere Aufgabe, diese Geschichte aufzuarbeiten und ein gesellschaftliches Bewusstsein für ihre Kontinuitäten zu schaffen – in der Hoffnung, ihr eines Tages ein wirkliches Ende setzen zu können.
Anas:
“What hurts the victims most is not the cruelty of the oppressor, but the silence of the bystander”
- Ellie Wiesel
Unsere Reise hat mich die tiefere Bedeutung dieses Zitats verstehen lassen. Daher war die Reise ein weiterer Schritt in meiner persönlichen Entwicklung. Wie die Geschichte des Nationalsozialismus, so müssen wir auch das Wissen um Sklaverei und Kolonialismus mit unseren Mitmenschen teilen.
Salima:
Menschen sind immer wieder in der Lage, in ihrer dunkelsten Zeit eine Quelle der Hoffnung zu finden. Für die versklavten Menschen war es ihre Gemeinschaft und was sie sich darauf aufgebaut haben, trotz ihres Leidens. Ihre Geschichte ist ein Beispiel, dass in allem etwas Gutes steckt, auch wenn wir erstmal nicht in der Lage sind, dieses Gute zu erkennen.
Chrissi:
Ich habe gelernt, wie wenig ich eigentlich über die Zeit der Sklaverei und des Kolonialismus weiß. Ich wusste nicht, dass die Straßennamen in dem „Afrikanischen Viertel“, in dem ich lebe, auf die Pläne für eine Völkerschau, einen „Menschenzoo“, zurückgehen, den der Tierparkbesitzer Carl Hagenbeck dort Ende des 19. Jahrhunderts errichten wollte.
Samar:
Die Reise hat mir noch einmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, Menschlichkeit zu besitzen - eigentlich etwas Selbstverständliches, aber leider viel zu selten verbreitet, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Doch umso wichtiger ist es, bewusst mit Mitgefühl, Respekt und Verständnis durch die Welt zu gehen.
