MUHrielles Tagebuch - das war der September 2026
Kerstin Hanisch schrieb am 04.10.2026
Liebe Unterstützer, liebe Freunde,
gerade war der letzte Newsletter fertig – und schon überschlugen sich bei MUHrielle wieder die Ereignisse. Zwischen Abschied und Neubeginn, neuen Tieren, Klauenpflege-Großeinsatz, Herzensmomenten und tollen Erfolgen hatte es auch der September wieder ordentlich in sich.
Und so gern wir Euch am liebsten nur von schönen Dingen erzählen würden, gehören zum September leider auch zwei Abschiede. Diese haben uns und alle, die ihre Geschichten begleiteten, diesmal besonders schwer getroffen. Denn es waren keine alten Tiere, bei denen man so etwas irgendwann kommen sieht. Auch wenn sie beide einen überaus schwierigen Start ins Leben hatten, so war doch die Geschichte der beiden von so viel Hoffnung, Kampfgeist und Zuversicht geprägt.
Wir und der Lottihof mussten Abschied nehmen von Kakao und Pau-Pau. Sicherlich erinnert Ihr Euch noch an Pau-Pau, den Zwerg mit den großen Kuller-Reh-Augen. Wie er mit seinem Rollwägelchen und Dori an seiner Seite die Wiesen auf dem Lottihof unsicher gemacht hat. Doch obwohl der Lottihof alle Kräfte mobilisierte und auch unglaublich viel Zeit in seine Physiotherapie aufwendete – Ende August war er einfach nicht mehr auf die Beine zu bekommen.
Bei Kakao stand eigentlich noch einmal eine Operation im Raum. Doch nun gab auch das bislang gesunde Bein nach.
Die beiden kleinen Kämpfer hatten sich offenbar verabredet, zur gleichen Zeit auf diese Welt zu kommen, sich zu finden – und wenn, dann nur gemeinsam wieder zu gehen.
Und so konnten wir nach all den Monaten des Hoffens und Kämpfens die beiden nur gehen lassen – auf dass sie nun gemeinsam schmerzfrei und glücklich auf den Himmelswiesen um die Wette rennen.
Als wir Anfang September anlässlich des 1. Netzwerktreffens Tier- und Naturschutz der Lippold-Stiftung auch zu Besuch auf dem Lottihof waren, erzählte uns Dori über Pau-Pau: „Noch nie hat mich ein Tier so berührt wie dieser kleine Kerl. Und vielen Besuchern, die in den letzten Monaten bei uns auf dem Hof waren, ging es ganz ähnlich. In der vergleichsweise kurzen Zeit, die ihm hier auf Erden vergönnt war, hat er so viele Herzen berührt wie nur wenige Tiere auf dem Lottihof. Er war wirklich etwas ganz Besonderes.“
Leider lässt uns der Alltag bei MUHrielle nur selten die Zeit, die es eigentlich zum Trauern braucht. Denn so sehr ein solcher Abschied schmerzt – das nächste Tier, das unsere Hilfe braucht, steht bereits schon vor der Tür und bittet um Einlass ins Tierparadies.
Und so nahm MUHrielle praktisch zeitgleich mit dem Abschied von Pau-Pau und Kakao Bastiano und Tinkerbell unter seine schützenden Fittiche. Zwei Kälbchen, die ihr Leben gerade erst begonnen hatten und dennoch bereits ganz besondere Herausforderungen mitbrachten.
Hinter den beiden steckt eine ganz besondere Geschichte: Eine Tierärztin, die selbst gerade mit enormen gesundheitlichen Herausforderungen zu kämpfen hat, hat Bastiano und Tinkerbell gerettet und sie schließlich sogar persönlich zu unserer Pflegestelle gebracht. Dort durften die beiden erst einmal in aller Ruhe ankommen und sich kennenlernen.
Und schnell zeigte sich: Bastiano ist ein absoluter Sonnenschein – und dazu ein echter Kuschelbär! Auch wenn er blind ist, lässt er sich davon aber keineswegs die Lebensfreude nehmen. Tinkerbell kam als Frühchen drei Wochen zu früh auf die Welt und ist dafür umso neugieriger. Und sie kann es nun kaum erwarten, gemeinsam mit ihren Artgenossen die große Welt zu entdecken. Inzwischen sind die beiden nach Börnchen umgezogen und bereiten sich auf die Winterzeit mit der Kindergarten-Herde vor.
Zwei kleine Leben, die gerade erst begonnen haben. Zwei besondere Kälbchen, die einen etwas schwierigeren Start erwischt haben – und jetzt vor allem eines brauchen: Zeit, Sicherheit und Menschen, die an sie glauben.
Wir freuen uns sehr, dass sie nun bei uns sind und sind gespannt, welche Abenteuer die beiden noch vor sich haben.
Derweil, bei einem Landwirt im Erzgebirgsvorland… Wir kennen ihn schon lange, da wir früher einmal selbst unsere Rinder bei ihm in Augustusburg eingestellt hatten, als es noch nicht so viele waren. Nun nahm er wieder Kontakt mit uns auf. Wegen einer Kuh. Unter anderem aus gesundheitlichen Gründen sollte sie seinen Betrieb verlassen. Wie es so oft passiert in den Betrieben. Aber der Landwirt beschloss, sie nicht einfach so nach all den Jahren in die Schlachtung gehen zu lassen. Ronja – so heißt sie nun - litt an einem massiven Klauenproblem. So schlimm, dass die Befürchtung im Raum stand, dass die Klaue amputiert werden müsse. Und so nahm ihre Geschichte eine neue Wendung.
Warum sie Ronja heißt? Nun, bislang war sie vollkommen namenlos. Conny ging mit dem Landwirt einige Namensvorschläge durch – aber irgendwie passten sie nicht so richtig. Schließlich fragte sie ihn: „Wie heißt denn deine Tochter?“ – „Ronja.“ – „Gut, dann heißt die Kuh jetzt Ronja.“
Aber bevor Ronja nun nach Börnchen kommen konnte, hieß es erstmal „ab zum Onkel Doktor!“ – in die Klinik für Klauentiere nach Leipzig. Zunächst verstand Ronja die Welt natürlich überhaupt nicht. Weg von zu Hause, an diesem seltsamen Ort…
Doch unsere MUHrielle-Krankenbesuchs-Truppe in Leipzig zögerte keinen Moment und hieß sie als offizielles MUHrielle-Tier in der Klinik gleich herzlich willkommen. Zunächst war Ronja noch sehr schüchtern und zurückhaltend. Doch schon nach wenigen Tagen und einigen Krankenbesuchen später fasste sie immer mehr Vertrauen.
Und die beste Nachricht: Die Klaue durfte dran bleiben! Ronja konnte schon nach kurzer Zeit in Börnchen in die Kindergarten-Herde einziehen. Dort wurde sie natürlich neugierig und ausgesprochen liebevoll von den Kindergarten-Rindern und ihren Erziehern begrüßt. Und es gibt einen ganz besonderen Grund, warum sie genau in diese Herde gekommen ist: Ronja ist trächtig! Ende des Jahres wird ihr Nachwuchs erwartet. Wenn alles gut geht – und davon gehen wir aus - bekommt unsere kleine Nikita damit einen fast gleichaltrigen Spielkameraden. Das gibt dann richtiges Zuckerwattenkino, wenn die beiden dann gemeinsam die Welt erkunden.
Aber wie ihr wisst, erleben nicht nur Rinder bei MUHrielle manchmal einen ziemlich großen Neustart. Auch Blacky, ein Ziegenbock aus Königstein in der Sächsischen Schweiz, durfte im September noch einmal ganz von vorn anfangen. Sein Begleittier war leider verstorben – und plötzlich war Blacky ganz allein. Für einen Ziegenbock ist das natürlich keine besonders schöne Perspektive. Und wir freuen uns, dass seine ehemaligen Besitzer sich wirklich Gedanken gemacht und uns angesprochen haben. Und so durfte Blacky recht kurzfristig sein neues Zuhause beziehen bei unserer Astrid, der Ziegen-Pflegestelle in der Nähe von Meißen. Dort warten nun neue Kumpels und Kumpelinen auf ihn – und wir hoffen sehr, dass aus dem einsamen Ziegenbock schon bald wieder ein zufriedener Teil einer kleinen Ziegenherde wird.
Und während Blacky gerade seine neuen Freunde kennenlernt, wachsen und gedeihen Annelie und Sennelie bei Claudia im Nachbardorf ebenfalls ganz prächtig. Dank ihrer liebevollen und geduldigen Fürsorge sind die beiden inzwischen schon richtig zutraulich und gehen immer offener auf Menschen zu. Für uns ist es immer wieder schön zu sehen, wie viel Vertrauen entstehen kann, wenn Tiere einfach die Zeit und die Sicherheit bekommen, die sie brauchen.
An dieser Stelle möchten wir auch einmal ganz herzlich Danke an die ersten Paten und Unterstützer von Annelie und Sennelie sagen. Mit Eurer Hilfe können die beiden in Ruhe groß werden – und genau das ist für diese zwei kleinen Persönlichkeiten im Moment das Wichtigste.
Mit all diesen Geschichten wäre doch der Monat schon mehr als gut gefüllt gewesen, oder? War er aber nicht.
Und so durften wir im September auch noch unsere Transformers begrüßen. Bumblebee und Optimus Prime kamen zu uns – zwei Namen, bei denen man sich als Rinderverein ja eigentlich nur fragen kann: Was soll da schon schiefgehen? :)Bevor die beiden allerdings ins Tierparadies einziehen konnten, führte auch ihr Weg zunächst in die Klinik nach Leipzig. Dort stand für beide erst einmal die Kastration an.
Obwohl die beiden eine Geschichte mitbringen, die uns wirklich betroffen macht, haben uns diese beiden Jungbullen in Leipzig zunächst mit etwas ganz anderem überrascht: ihrer unglaublichen Ruhe. Bumblebee und Optimus Prime hatten lange Zeit beidseitig an Ketten angebunden gelebt – unter Bedingungen, unter denen sie sich teilweise kaum richtig hinlegen konnten. Umso erstaunlicher war es, wie friedlich und entspannt sie sich in der Klinik zeigten. Und schnell wurde klar: Die beiden gehören einfach zusammen. Sie sind echte beste Kumpels und sollten natürlich auch in der Klinik nicht voneinander getrennt werden. Also bekamen sie kurzerhand zwei gegenüberliegende Boxen. Kaum waren die Boxen bezogen, ging es erst einmal um die wirklich wichtigen Dinge: frisches, dickes Stroh und gutes Futter. Beides wurde von Bumblebee und Optimus Prime mit großer Begeisterung angenommen. Es war berührend zu sehen, wie sehr sie sich über ihre neue, weiche Einstreu und das reichliche Futter freuten. Am nächsten Tag stand dann die Kastration an – und zu unserer Freude verlief sie bei beiden problemlos. Was bei einem Routineeingriff natürlich wünschenswert ist, aber keineswegs selbstverständlich. Umso größer war unsere Erleichterung, als beide alles gut überstanden hatten.
Und dann hieß es schon wieder: Koffer packen! Bumblebee und Optimus Prime durften nach einer kurzen Zeit der Nachbeobachtung in ihr neues Zuhause nach Bannewitz umziehen. Dort dürfen sie jetzt zunächst in Ruhe ankommen und sich an ihre neue Umgebung gewöhnen – allerdings nicht, ohne dass jemand schon sehr genau beobachtete, was da eigentlich vor sich ging. Denn einer war mit dieser Neuigkeit so gar nicht einverstanden: Charly, das Oberhaupt der Sonnenherde. Zwar konnte Charly die beiden Neuen von seiner Weide aus noch gar nicht sehen. Aber er ahnte schon, was da noch auf ihn zukommt. Also wurde demonstrativ am Zaun Stellung bezogen, ordentlich mit den Hörnern im Boden gewühlt und unmissverständlich klargemacht, wer hier seiner Meinung nach das Sagen hat. Kurz gesagt: Charly lässt keinen Zweifel daran, wer in Bannewitz der Chef ist. Wir sind gespannt, wie sich die drei Herren arrangieren werden.
Szenenwechsel und zurück nach Börnchen: An einem Samstagnachmittag, zwischen Hunderunde und all den Vorbereitungen für den anstehenden Klauenschnitt-Termin, wurde Conny völlig unerwartet Zeugin eines Moments, der einfach nur zu Herzen geht. Erinnert ihr euch noch an Armani, den Sohn von Fanny? Nach ihrem Tod Anfang Juli musste er nun ohne seine geliebte Mami zurechtkommen. Und nun stellt euch vor: Er lag praktisch in Marthas Armen, schlummerte friedlich, während Martha, die Mutter unserer Zwillinge Colorado und Amadeus, aufmerksam die Gegend musterte und ihm Liebe, Schutz und Geborgenheit zwischen ihren Vorderbeinen schenkte. Es war nur ein kleiner Augenblick – aber einer von denen, wo man einfach stehen bleibt und zuschaut. Denn manchmal braucht es eben keine großen Worte: Ein kleines Kind, das Schutz und Nähe sucht, und eine Mutter, die ihm genau das gibt.
Solche Momente sind genau die Antwort auf die Frage: „Warum um Himmels Willen tut man sich das alles an?“
GENAU DESHALB … steht man kurz darauf wieder zwei Tage lang am Stall und kümmert sich um die Klauen von mehr als 90 Rindern.
Am 29. und 30. September war es wieder so weit: Unser Klauenpflege-Großkampftermin in Börnchen stand an. Zwei Tage, mehr als 90 Rinder und jede Menge Klauen, die fachgerecht gepflegt und kontrolliert werden wollten – ebenso wie die eine oder andere gesundheitliche Baustelle. Da heißt es für alle Beteiligten: Ärmel hochkrempeln, gut zusammenarbeiten und bloß nicht den Überblick verlieren, wenn sich ein Rind nach dem anderen auf den Weg in den Klauenstand macht.
Und natürlich will so ein zweitägiger Einsatz auch kulinarisch gut vorbereitet sein. Conny organisierte deshalb unter anderem zusammen mit Mandy und Sophie die vegane Verpflegung für alle Helfer und bereitete – wie kann es anders sein? – natürlich auch wieder eine große Menge ihrer leckeren veganen Kräuterbutter vor. Schnell stellte Roy fest: „Der kleine Mixer reicht da nicht für den riesengroßen Topf. Wir brauchen was Größeres.“ Und seine pragmatische Männer-Antwort auf dieses Problem: Eine Schlagbohrmaschine mit einem Farbrührer als Aufsatz! :)
Für den eigentlichen Klauenschnitt stellte uns das Gut Börnchen diesmal außerdem ein wirklich großes Fanggitter zur Verfügung. Das gibt es dort tatsächlich schon seit vielen Jahren, war aber bisher noch nie zum Einsatz gekommen, da es natürlich nicht mal eben in 3 Minuten aufgebaut ist. Nun bekam es also seinen großen Auftritt – und erleichterte allen die Arbeit ungemein, die Tiere nacheinander den Klauenstand zu treiben.
Trotz guter Vorbereitung lief bei über 90 Rindern natürlich nicht immer alles nach Plan. Milea, unsere Zwerg-Zebu-Dame, schaffte es tatsächlich, sich im Kippstand einmal komplett zu drehen – und lag plötzlich verkehrt herum darin. Statt mit den Klauen zu den Klauenschneidern, zeigte sie ihnen nun ihren Rücken. Also hieß es: Ruhe bewahren, gemeinsam anpacken und Milea vorsichtig wieder in die richtige Position bringen.
Auch Carlo machte es dem Team nicht einfach. Aufgrund seiner Größe passt er – ebenso wie Ole und Bilbo – inzwischen nicht mehr in den Kippstand der Tierklinik. Für unsere Riesen ist deshalb momentan nur der alte Klauenstand des Gutes eine Möglichkeit. Der bietet immerhin noch ein paar wenige Zentimeter mehr Platz nach oben. Für Carlo bedeutete das allerdings deutlich mehr Stress und er rutschte mit seinen Hinterbeinen weg. Zum Glück konnte auch er dank des Klinikteams und den erfahrenen Mitarbeitern vom Gut schnell aus seiner misslichen Lage befreit werden.
Und dann war da noch Hugo. Rinder mit Hörnern können im Klauenstand eine besondere Herausforderung sein, weil sie auch ihre Hörner „einfädeln“ müssen. Beim Schließen der seitlichen Klappe erschrak Hugo, wich zurück und klemmte sich dabei sein linkes Horn ein.
Es knackte! Oh nein! Bitte nicht!! Alles hielt den Atem an!
Hugo wirkte benommen und zeigte neurologische Aussetzer. Blut kam aus dem linken Nasenloch. Er wurde sofort untersucht, bekam ein Schmerzmittel sowie ein Mittel gegen die Schwellung. Anschließend wurde er in einer Box engmaschig überwacht. Ihr könnt Euch vorstellen, dass wir die Nacht nicht wirklich gut geschlafen haben. Wie auch? Schließlich ist es erst 1 Jahr her, dass unsere Frieda durch einen ähnlichen Vorfall im Klauenstand ganz plötzlich und unerwartet aus dem Leben gerissen wurde.
Am nächsten Morgen dann die große Erleichterung: Hugo stand wach und klar da und kam uns sogar entgegen! Beim Röntgen zeigte sich allerdings, dass sein linkes Horn gebrochen war. Für solche Fälle gibt es jedoch keine fertigen Lehrbuch-Lösungen. Es sind eben Rinder. Also hieß es für den Professor der Tierklinik – wie schon so oft bei MUHrielle: kreativ werden! Er erklärte den Mitarbeitern vom Gut, was ihm für die Versorgung von Hugos Horn vorschwebt – und die machten sich auf die Suche. Tatsächlich fand sich schließlich die passende Lösung: ein Stück Bewehrungsstahl. Daraus wurde eine Schiene gefertigt, die beide Hörner miteinander verbindet und stabilisiert. Diese muss Hugo nun etwa sechs Wochen tragen und zur Reha in die Handicap-Herde. Hoffen wir, dass Hugo den Ernst der Sache erkennt und sie sich nicht irgendwie demontiert. Bei unseren Rindern kann man sich da nie so sicher sein.
Neben der Stamm-Mannschaft um Prof. Dr. Starke von der Leipziger Klinik für Klauentiere und den Mitarbeitern des Guts wurden wir diesmal auch sehr tatkräftig von unseren Freunden vom Lottihof unterstützt. Dori und Willi packten nicht nur vor Ort ordentlich mit an, sondern übernahmen auch gleich noch zwei Transporte. Sie holten Bastiano und Tinkerbell von ihrer Pflegestelle ab und brachten die beiden nach Börnchen. Außerdem nahmen sie nach sorgfältigem Abwägen im Anschluss an den erfolgten Klauenschnitt unser blindes Mienchen und die dreibeinige Kuhnigunde mit hoch in den Norden. Dort können sie individuell betreut werden und bekommen genau die Unterstützung, die sie aufgrund ihrer besonderen Bedürfnisse benötigen. Zumal es für Kuhnigunde auf dem Lottihof ein „Heimspiel“ werden wird. Schließlich hat sie die ersten Monate ihres Lebens dort gemeinsam mit Kuhnibert und später Julchen verbracht.
Der Chef vom Versuchsgut Börnchen, holte Malina und die blinde Tic Tac, welche auf der Pflegestelle bei Freiberg leben, persönlich für den Klauenschnitt nach Börnchen und brachte sie am Folgetag wieder zurück in ihre vertraute Umgebung. Die örtlichen Gegebenheiten auf der Pflegestelle lassen es leider nicht zu, dass sie mit dem Klauenstand der Klinik direkt vor Ort behandelt werden können. Also machten diese beiden kurzerhand einen Maniküre-Ausflug zu uns ins Osterzgebirge.
Und so wurde aus unserem Klauenpflege-Termin ganz nebenbei wieder ein kleines Beispiel dafür, wie wertvoll unser Netzwerk ist: Tiere reisen von A nach B, Menschen helfen sich gegenseitig, Termine werden miteinander verbunden – und am Ende steht immer eines im Mittelpunkt: Das Wohl unserer Tiere.
Und wo wir gerade bei Menschen sind, die MUHrielle unterstützen: Auch im September durften wir uns wieder über ganz besondere Hilfe freuen. Anfang des Monats bekamen wir von der Sachsengarage Dresden persönlich den Spendenscheck über 2.150 Euro überreicht, die beim diesjährigen Golfcup im Juni gesammelt worden waren. Eine Unterstützung, über die wir uns riesig freuen – und die einmal mehr zeigt, wie viel entstehen kann, wenn Menschen ihre Möglichkeiten nutzen, um Gutes zu tun.
Die Sachsengarage ist für uns dabei längst mehr als ein einmaliger Unterstützer. Für lange Transportfahrten bekamen wir hier in der Vergangenheit schon öfter – sofern verfügbar - ein passendes Zugfahrzeug zur Verfügung gestellt. Eine Partnerschaft, die für uns im Alltag unglaublich wertvoll ist. Danke dafür!
Und jetzt noch eine richtig KUHle Nachricht für Euch: Beim Wettbewerb „MeinVerein des Jahres 2026“ von WISO MeinVerein ist MUHrielle beim Community-Award bereits unter die TOP 10 Prozent gekommen! Dafür habt Ihr in den vergangenen Wochen fleißig mit abgestimmt – und dafür möchten wir Euch von Herzen Danke sagen. Ihr seid unbezahlbar! Aber damit nicht genug: Auch unser Klauenstand-Projekt hat es beim Projekt-Award in die nächste Runde geschafft. Aus knapp 1.400 eingereichten Projekten wurden 200 für die Vorauswahl zur Jurybewertung ausgewählt – und unser Projekt ist dabei! Nun entscheidet die Jury, welche Projekte am Ende die Auszeichnung erhalten.
Wir finden: Das darf man ruhig einmal feiern! Denn ganz unabhängig davon, wie die Jury am Ende entscheidet, ist es schon eine großartige Anerkennung für das, was wir gemeinsam mit Euch für unsere großen Rinder auf die Beine stellen.
Hinter den Kulissen wird derweil natürlich schon wieder an den nächsten Dingen gewerkelt: Unser MUHrielle-Jahreskalender 2027 mit vielen tollen Bildern geht in den nächsten Tagen in den Druck, neue Flyer stehen in den Startlöchern – und auch unser erster digitaler MUHrielle-Adventskalender wächst Türchen für Türchen. Was genau Euch dort erwartet, wird natürlich noch nicht verraten. An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an all unsere kreativen Grafik-Wichtel für ihren unermüdlichen Einsatz hinter den Kulissen.
Nun ist aus dem Newsletter doch schon fast wieder ein halbes Buch geworden. Tut uns leid. Aber das ist Leben. Es passiert einfach. Wir können nichts dafür.
Mit Herz, Haltung und Hörnerkraft,
Euer Team vom Tierparadies MUHrielle e. V.
LICHTBLICK FÜR SCHATTENTIERE
gerade war der letzte Newsletter fertig – und schon überschlugen sich bei MUHrielle wieder die Ereignisse. Zwischen Abschied und Neubeginn, neuen Tieren, Klauenpflege-Großeinsatz, Herzensmomenten und tollen Erfolgen hatte es auch der September wieder ordentlich in sich.
Und so gern wir Euch am liebsten nur von schönen Dingen erzählen würden, gehören zum September leider auch zwei Abschiede. Diese haben uns und alle, die ihre Geschichten begleiteten, diesmal besonders schwer getroffen. Denn es waren keine alten Tiere, bei denen man so etwas irgendwann kommen sieht. Auch wenn sie beide einen überaus schwierigen Start ins Leben hatten, so war doch die Geschichte der beiden von so viel Hoffnung, Kampfgeist und Zuversicht geprägt.
Wir und der Lottihof mussten Abschied nehmen von Kakao und Pau-Pau. Sicherlich erinnert Ihr Euch noch an Pau-Pau, den Zwerg mit den großen Kuller-Reh-Augen. Wie er mit seinem Rollwägelchen und Dori an seiner Seite die Wiesen auf dem Lottihof unsicher gemacht hat. Doch obwohl der Lottihof alle Kräfte mobilisierte und auch unglaublich viel Zeit in seine Physiotherapie aufwendete – Ende August war er einfach nicht mehr auf die Beine zu bekommen.
Bei Kakao stand eigentlich noch einmal eine Operation im Raum. Doch nun gab auch das bislang gesunde Bein nach.
Die beiden kleinen Kämpfer hatten sich offenbar verabredet, zur gleichen Zeit auf diese Welt zu kommen, sich zu finden – und wenn, dann nur gemeinsam wieder zu gehen.
Und so konnten wir nach all den Monaten des Hoffens und Kämpfens die beiden nur gehen lassen – auf dass sie nun gemeinsam schmerzfrei und glücklich auf den Himmelswiesen um die Wette rennen.
Als wir Anfang September anlässlich des 1. Netzwerktreffens Tier- und Naturschutz der Lippold-Stiftung auch zu Besuch auf dem Lottihof waren, erzählte uns Dori über Pau-Pau: „Noch nie hat mich ein Tier so berührt wie dieser kleine Kerl. Und vielen Besuchern, die in den letzten Monaten bei uns auf dem Hof waren, ging es ganz ähnlich. In der vergleichsweise kurzen Zeit, die ihm hier auf Erden vergönnt war, hat er so viele Herzen berührt wie nur wenige Tiere auf dem Lottihof. Er war wirklich etwas ganz Besonderes.“
Leider lässt uns der Alltag bei MUHrielle nur selten die Zeit, die es eigentlich zum Trauern braucht. Denn so sehr ein solcher Abschied schmerzt – das nächste Tier, das unsere Hilfe braucht, steht bereits schon vor der Tür und bittet um Einlass ins Tierparadies.
Und so nahm MUHrielle praktisch zeitgleich mit dem Abschied von Pau-Pau und Kakao Bastiano und Tinkerbell unter seine schützenden Fittiche. Zwei Kälbchen, die ihr Leben gerade erst begonnen hatten und dennoch bereits ganz besondere Herausforderungen mitbrachten.
Hinter den beiden steckt eine ganz besondere Geschichte: Eine Tierärztin, die selbst gerade mit enormen gesundheitlichen Herausforderungen zu kämpfen hat, hat Bastiano und Tinkerbell gerettet und sie schließlich sogar persönlich zu unserer Pflegestelle gebracht. Dort durften die beiden erst einmal in aller Ruhe ankommen und sich kennenlernen.
Und schnell zeigte sich: Bastiano ist ein absoluter Sonnenschein – und dazu ein echter Kuschelbär! Auch wenn er blind ist, lässt er sich davon aber keineswegs die Lebensfreude nehmen. Tinkerbell kam als Frühchen drei Wochen zu früh auf die Welt und ist dafür umso neugieriger. Und sie kann es nun kaum erwarten, gemeinsam mit ihren Artgenossen die große Welt zu entdecken. Inzwischen sind die beiden nach Börnchen umgezogen und bereiten sich auf die Winterzeit mit der Kindergarten-Herde vor.
Zwei kleine Leben, die gerade erst begonnen haben. Zwei besondere Kälbchen, die einen etwas schwierigeren Start erwischt haben – und jetzt vor allem eines brauchen: Zeit, Sicherheit und Menschen, die an sie glauben.
Wir freuen uns sehr, dass sie nun bei uns sind und sind gespannt, welche Abenteuer die beiden noch vor sich haben.
Derweil, bei einem Landwirt im Erzgebirgsvorland… Wir kennen ihn schon lange, da wir früher einmal selbst unsere Rinder bei ihm in Augustusburg eingestellt hatten, als es noch nicht so viele waren. Nun nahm er wieder Kontakt mit uns auf. Wegen einer Kuh. Unter anderem aus gesundheitlichen Gründen sollte sie seinen Betrieb verlassen. Wie es so oft passiert in den Betrieben. Aber der Landwirt beschloss, sie nicht einfach so nach all den Jahren in die Schlachtung gehen zu lassen. Ronja – so heißt sie nun - litt an einem massiven Klauenproblem. So schlimm, dass die Befürchtung im Raum stand, dass die Klaue amputiert werden müsse. Und so nahm ihre Geschichte eine neue Wendung.
Warum sie Ronja heißt? Nun, bislang war sie vollkommen namenlos. Conny ging mit dem Landwirt einige Namensvorschläge durch – aber irgendwie passten sie nicht so richtig. Schließlich fragte sie ihn: „Wie heißt denn deine Tochter?“ – „Ronja.“ – „Gut, dann heißt die Kuh jetzt Ronja.“
Aber bevor Ronja nun nach Börnchen kommen konnte, hieß es erstmal „ab zum Onkel Doktor!“ – in die Klinik für Klauentiere nach Leipzig. Zunächst verstand Ronja die Welt natürlich überhaupt nicht. Weg von zu Hause, an diesem seltsamen Ort…
Doch unsere MUHrielle-Krankenbesuchs-Truppe in Leipzig zögerte keinen Moment und hieß sie als offizielles MUHrielle-Tier in der Klinik gleich herzlich willkommen. Zunächst war Ronja noch sehr schüchtern und zurückhaltend. Doch schon nach wenigen Tagen und einigen Krankenbesuchen später fasste sie immer mehr Vertrauen.
Und die beste Nachricht: Die Klaue durfte dran bleiben! Ronja konnte schon nach kurzer Zeit in Börnchen in die Kindergarten-Herde einziehen. Dort wurde sie natürlich neugierig und ausgesprochen liebevoll von den Kindergarten-Rindern und ihren Erziehern begrüßt. Und es gibt einen ganz besonderen Grund, warum sie genau in diese Herde gekommen ist: Ronja ist trächtig! Ende des Jahres wird ihr Nachwuchs erwartet. Wenn alles gut geht – und davon gehen wir aus - bekommt unsere kleine Nikita damit einen fast gleichaltrigen Spielkameraden. Das gibt dann richtiges Zuckerwattenkino, wenn die beiden dann gemeinsam die Welt erkunden.
Aber wie ihr wisst, erleben nicht nur Rinder bei MUHrielle manchmal einen ziemlich großen Neustart. Auch Blacky, ein Ziegenbock aus Königstein in der Sächsischen Schweiz, durfte im September noch einmal ganz von vorn anfangen. Sein Begleittier war leider verstorben – und plötzlich war Blacky ganz allein. Für einen Ziegenbock ist das natürlich keine besonders schöne Perspektive. Und wir freuen uns, dass seine ehemaligen Besitzer sich wirklich Gedanken gemacht und uns angesprochen haben. Und so durfte Blacky recht kurzfristig sein neues Zuhause beziehen bei unserer Astrid, der Ziegen-Pflegestelle in der Nähe von Meißen. Dort warten nun neue Kumpels und Kumpelinen auf ihn – und wir hoffen sehr, dass aus dem einsamen Ziegenbock schon bald wieder ein zufriedener Teil einer kleinen Ziegenherde wird.
Und während Blacky gerade seine neuen Freunde kennenlernt, wachsen und gedeihen Annelie und Sennelie bei Claudia im Nachbardorf ebenfalls ganz prächtig. Dank ihrer liebevollen und geduldigen Fürsorge sind die beiden inzwischen schon richtig zutraulich und gehen immer offener auf Menschen zu. Für uns ist es immer wieder schön zu sehen, wie viel Vertrauen entstehen kann, wenn Tiere einfach die Zeit und die Sicherheit bekommen, die sie brauchen.
An dieser Stelle möchten wir auch einmal ganz herzlich Danke an die ersten Paten und Unterstützer von Annelie und Sennelie sagen. Mit Eurer Hilfe können die beiden in Ruhe groß werden – und genau das ist für diese zwei kleinen Persönlichkeiten im Moment das Wichtigste.
Mit all diesen Geschichten wäre doch der Monat schon mehr als gut gefüllt gewesen, oder? War er aber nicht.
Und so durften wir im September auch noch unsere Transformers begrüßen. Bumblebee und Optimus Prime kamen zu uns – zwei Namen, bei denen man sich als Rinderverein ja eigentlich nur fragen kann: Was soll da schon schiefgehen? :)Bevor die beiden allerdings ins Tierparadies einziehen konnten, führte auch ihr Weg zunächst in die Klinik nach Leipzig. Dort stand für beide erst einmal die Kastration an.
Obwohl die beiden eine Geschichte mitbringen, die uns wirklich betroffen macht, haben uns diese beiden Jungbullen in Leipzig zunächst mit etwas ganz anderem überrascht: ihrer unglaublichen Ruhe. Bumblebee und Optimus Prime hatten lange Zeit beidseitig an Ketten angebunden gelebt – unter Bedingungen, unter denen sie sich teilweise kaum richtig hinlegen konnten. Umso erstaunlicher war es, wie friedlich und entspannt sie sich in der Klinik zeigten. Und schnell wurde klar: Die beiden gehören einfach zusammen. Sie sind echte beste Kumpels und sollten natürlich auch in der Klinik nicht voneinander getrennt werden. Also bekamen sie kurzerhand zwei gegenüberliegende Boxen. Kaum waren die Boxen bezogen, ging es erst einmal um die wirklich wichtigen Dinge: frisches, dickes Stroh und gutes Futter. Beides wurde von Bumblebee und Optimus Prime mit großer Begeisterung angenommen. Es war berührend zu sehen, wie sehr sie sich über ihre neue, weiche Einstreu und das reichliche Futter freuten. Am nächsten Tag stand dann die Kastration an – und zu unserer Freude verlief sie bei beiden problemlos. Was bei einem Routineeingriff natürlich wünschenswert ist, aber keineswegs selbstverständlich. Umso größer war unsere Erleichterung, als beide alles gut überstanden hatten.
Und dann hieß es schon wieder: Koffer packen! Bumblebee und Optimus Prime durften nach einer kurzen Zeit der Nachbeobachtung in ihr neues Zuhause nach Bannewitz umziehen. Dort dürfen sie jetzt zunächst in Ruhe ankommen und sich an ihre neue Umgebung gewöhnen – allerdings nicht, ohne dass jemand schon sehr genau beobachtete, was da eigentlich vor sich ging. Denn einer war mit dieser Neuigkeit so gar nicht einverstanden: Charly, das Oberhaupt der Sonnenherde. Zwar konnte Charly die beiden Neuen von seiner Weide aus noch gar nicht sehen. Aber er ahnte schon, was da noch auf ihn zukommt. Also wurde demonstrativ am Zaun Stellung bezogen, ordentlich mit den Hörnern im Boden gewühlt und unmissverständlich klargemacht, wer hier seiner Meinung nach das Sagen hat. Kurz gesagt: Charly lässt keinen Zweifel daran, wer in Bannewitz der Chef ist. Wir sind gespannt, wie sich die drei Herren arrangieren werden.
Szenenwechsel und zurück nach Börnchen: An einem Samstagnachmittag, zwischen Hunderunde und all den Vorbereitungen für den anstehenden Klauenschnitt-Termin, wurde Conny völlig unerwartet Zeugin eines Moments, der einfach nur zu Herzen geht. Erinnert ihr euch noch an Armani, den Sohn von Fanny? Nach ihrem Tod Anfang Juli musste er nun ohne seine geliebte Mami zurechtkommen. Und nun stellt euch vor: Er lag praktisch in Marthas Armen, schlummerte friedlich, während Martha, die Mutter unserer Zwillinge Colorado und Amadeus, aufmerksam die Gegend musterte und ihm Liebe, Schutz und Geborgenheit zwischen ihren Vorderbeinen schenkte. Es war nur ein kleiner Augenblick – aber einer von denen, wo man einfach stehen bleibt und zuschaut. Denn manchmal braucht es eben keine großen Worte: Ein kleines Kind, das Schutz und Nähe sucht, und eine Mutter, die ihm genau das gibt.
Solche Momente sind genau die Antwort auf die Frage: „Warum um Himmels Willen tut man sich das alles an?“
GENAU DESHALB … steht man kurz darauf wieder zwei Tage lang am Stall und kümmert sich um die Klauen von mehr als 90 Rindern.
Am 29. und 30. September war es wieder so weit: Unser Klauenpflege-Großkampftermin in Börnchen stand an. Zwei Tage, mehr als 90 Rinder und jede Menge Klauen, die fachgerecht gepflegt und kontrolliert werden wollten – ebenso wie die eine oder andere gesundheitliche Baustelle. Da heißt es für alle Beteiligten: Ärmel hochkrempeln, gut zusammenarbeiten und bloß nicht den Überblick verlieren, wenn sich ein Rind nach dem anderen auf den Weg in den Klauenstand macht.
Und natürlich will so ein zweitägiger Einsatz auch kulinarisch gut vorbereitet sein. Conny organisierte deshalb unter anderem zusammen mit Mandy und Sophie die vegane Verpflegung für alle Helfer und bereitete – wie kann es anders sein? – natürlich auch wieder eine große Menge ihrer leckeren veganen Kräuterbutter vor. Schnell stellte Roy fest: „Der kleine Mixer reicht da nicht für den riesengroßen Topf. Wir brauchen was Größeres.“ Und seine pragmatische Männer-Antwort auf dieses Problem: Eine Schlagbohrmaschine mit einem Farbrührer als Aufsatz! :)
Für den eigentlichen Klauenschnitt stellte uns das Gut Börnchen diesmal außerdem ein wirklich großes Fanggitter zur Verfügung. Das gibt es dort tatsächlich schon seit vielen Jahren, war aber bisher noch nie zum Einsatz gekommen, da es natürlich nicht mal eben in 3 Minuten aufgebaut ist. Nun bekam es also seinen großen Auftritt – und erleichterte allen die Arbeit ungemein, die Tiere nacheinander den Klauenstand zu treiben.
Trotz guter Vorbereitung lief bei über 90 Rindern natürlich nicht immer alles nach Plan. Milea, unsere Zwerg-Zebu-Dame, schaffte es tatsächlich, sich im Kippstand einmal komplett zu drehen – und lag plötzlich verkehrt herum darin. Statt mit den Klauen zu den Klauenschneidern, zeigte sie ihnen nun ihren Rücken. Also hieß es: Ruhe bewahren, gemeinsam anpacken und Milea vorsichtig wieder in die richtige Position bringen.
Auch Carlo machte es dem Team nicht einfach. Aufgrund seiner Größe passt er – ebenso wie Ole und Bilbo – inzwischen nicht mehr in den Kippstand der Tierklinik. Für unsere Riesen ist deshalb momentan nur der alte Klauenstand des Gutes eine Möglichkeit. Der bietet immerhin noch ein paar wenige Zentimeter mehr Platz nach oben. Für Carlo bedeutete das allerdings deutlich mehr Stress und er rutschte mit seinen Hinterbeinen weg. Zum Glück konnte auch er dank des Klinikteams und den erfahrenen Mitarbeitern vom Gut schnell aus seiner misslichen Lage befreit werden.
Und dann war da noch Hugo. Rinder mit Hörnern können im Klauenstand eine besondere Herausforderung sein, weil sie auch ihre Hörner „einfädeln“ müssen. Beim Schließen der seitlichen Klappe erschrak Hugo, wich zurück und klemmte sich dabei sein linkes Horn ein.
Es knackte! Oh nein! Bitte nicht!! Alles hielt den Atem an!
Hugo wirkte benommen und zeigte neurologische Aussetzer. Blut kam aus dem linken Nasenloch. Er wurde sofort untersucht, bekam ein Schmerzmittel sowie ein Mittel gegen die Schwellung. Anschließend wurde er in einer Box engmaschig überwacht. Ihr könnt Euch vorstellen, dass wir die Nacht nicht wirklich gut geschlafen haben. Wie auch? Schließlich ist es erst 1 Jahr her, dass unsere Frieda durch einen ähnlichen Vorfall im Klauenstand ganz plötzlich und unerwartet aus dem Leben gerissen wurde.
Am nächsten Morgen dann die große Erleichterung: Hugo stand wach und klar da und kam uns sogar entgegen! Beim Röntgen zeigte sich allerdings, dass sein linkes Horn gebrochen war. Für solche Fälle gibt es jedoch keine fertigen Lehrbuch-Lösungen. Es sind eben Rinder. Also hieß es für den Professor der Tierklinik – wie schon so oft bei MUHrielle: kreativ werden! Er erklärte den Mitarbeitern vom Gut, was ihm für die Versorgung von Hugos Horn vorschwebt – und die machten sich auf die Suche. Tatsächlich fand sich schließlich die passende Lösung: ein Stück Bewehrungsstahl. Daraus wurde eine Schiene gefertigt, die beide Hörner miteinander verbindet und stabilisiert. Diese muss Hugo nun etwa sechs Wochen tragen und zur Reha in die Handicap-Herde. Hoffen wir, dass Hugo den Ernst der Sache erkennt und sie sich nicht irgendwie demontiert. Bei unseren Rindern kann man sich da nie so sicher sein.
Neben der Stamm-Mannschaft um Prof. Dr. Starke von der Leipziger Klinik für Klauentiere und den Mitarbeitern des Guts wurden wir diesmal auch sehr tatkräftig von unseren Freunden vom Lottihof unterstützt. Dori und Willi packten nicht nur vor Ort ordentlich mit an, sondern übernahmen auch gleich noch zwei Transporte. Sie holten Bastiano und Tinkerbell von ihrer Pflegestelle ab und brachten die beiden nach Börnchen. Außerdem nahmen sie nach sorgfältigem Abwägen im Anschluss an den erfolgten Klauenschnitt unser blindes Mienchen und die dreibeinige Kuhnigunde mit hoch in den Norden. Dort können sie individuell betreut werden und bekommen genau die Unterstützung, die sie aufgrund ihrer besonderen Bedürfnisse benötigen. Zumal es für Kuhnigunde auf dem Lottihof ein „Heimspiel“ werden wird. Schließlich hat sie die ersten Monate ihres Lebens dort gemeinsam mit Kuhnibert und später Julchen verbracht.
Der Chef vom Versuchsgut Börnchen, holte Malina und die blinde Tic Tac, welche auf der Pflegestelle bei Freiberg leben, persönlich für den Klauenschnitt nach Börnchen und brachte sie am Folgetag wieder zurück in ihre vertraute Umgebung. Die örtlichen Gegebenheiten auf der Pflegestelle lassen es leider nicht zu, dass sie mit dem Klauenstand der Klinik direkt vor Ort behandelt werden können. Also machten diese beiden kurzerhand einen Maniküre-Ausflug zu uns ins Osterzgebirge.
Und so wurde aus unserem Klauenpflege-Termin ganz nebenbei wieder ein kleines Beispiel dafür, wie wertvoll unser Netzwerk ist: Tiere reisen von A nach B, Menschen helfen sich gegenseitig, Termine werden miteinander verbunden – und am Ende steht immer eines im Mittelpunkt: Das Wohl unserer Tiere.
Und wo wir gerade bei Menschen sind, die MUHrielle unterstützen: Auch im September durften wir uns wieder über ganz besondere Hilfe freuen. Anfang des Monats bekamen wir von der Sachsengarage Dresden persönlich den Spendenscheck über 2.150 Euro überreicht, die beim diesjährigen Golfcup im Juni gesammelt worden waren. Eine Unterstützung, über die wir uns riesig freuen – und die einmal mehr zeigt, wie viel entstehen kann, wenn Menschen ihre Möglichkeiten nutzen, um Gutes zu tun.
Die Sachsengarage ist für uns dabei längst mehr als ein einmaliger Unterstützer. Für lange Transportfahrten bekamen wir hier in der Vergangenheit schon öfter – sofern verfügbar - ein passendes Zugfahrzeug zur Verfügung gestellt. Eine Partnerschaft, die für uns im Alltag unglaublich wertvoll ist. Danke dafür!
Und jetzt noch eine richtig KUHle Nachricht für Euch: Beim Wettbewerb „MeinVerein des Jahres 2026“ von WISO MeinVerein ist MUHrielle beim Community-Award bereits unter die TOP 10 Prozent gekommen! Dafür habt Ihr in den vergangenen Wochen fleißig mit abgestimmt – und dafür möchten wir Euch von Herzen Danke sagen. Ihr seid unbezahlbar! Aber damit nicht genug: Auch unser Klauenstand-Projekt hat es beim Projekt-Award in die nächste Runde geschafft. Aus knapp 1.400 eingereichten Projekten wurden 200 für die Vorauswahl zur Jurybewertung ausgewählt – und unser Projekt ist dabei! Nun entscheidet die Jury, welche Projekte am Ende die Auszeichnung erhalten.
Wir finden: Das darf man ruhig einmal feiern! Denn ganz unabhängig davon, wie die Jury am Ende entscheidet, ist es schon eine großartige Anerkennung für das, was wir gemeinsam mit Euch für unsere großen Rinder auf die Beine stellen.
Hinter den Kulissen wird derweil natürlich schon wieder an den nächsten Dingen gewerkelt: Unser MUHrielle-Jahreskalender 2027 mit vielen tollen Bildern geht in den nächsten Tagen in den Druck, neue Flyer stehen in den Startlöchern – und auch unser erster digitaler MUHrielle-Adventskalender wächst Türchen für Türchen. Was genau Euch dort erwartet, wird natürlich noch nicht verraten. An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an all unsere kreativen Grafik-Wichtel für ihren unermüdlichen Einsatz hinter den Kulissen.
Nun ist aus dem Newsletter doch schon fast wieder ein halbes Buch geworden. Tut uns leid. Aber das ist Leben. Es passiert einfach. Wir können nichts dafür.
Mit Herz, Haltung und Hörnerkraft,
Euer Team vom Tierparadies MUHrielle e. V.
LICHTBLICK FÜR SCHATTENTIERE
Der September in Bildern - Augen-Blicke, die mehr erzählen als tausend Worte