Deutschlands größte Spendenplattform

Wir haben 495,28 € Spendengelder erhalten

Emmelie Pilger
Emmelie Pilger schrieb am 01.06.2022

Im folgenden findet Ihr den ausführlichen Bericht unserer sehr fleißigen und engagierten Aurelia :) ich freue mich sehr über ihre Arbeit und bin ihr sehr sehr dankbar für das Engagement. Alles Liebe, Emmelie 

Sanitary Pad Program 09.05.2022  Mein Freund Alan und ich treffen Sahin und Krishna um 4 Uhr morgens vor dem Local Women’s Handicrafts (LWH) Shop in Thamel, dem Viertel Kathmandus, in dem der Tourismus am deutlichsten Einfluss genommen hat. Ein Laden, reiht sich an den anderen, doch kaum einer hat so eine besondere Geschichte und wird von so besonderen Menschen geführt wie Sahin, der wir an diesem Morgen wie immer „Namaste“ entgegen rufen. Der Fahrer des gemieteten Jeeps schnallt unsere Rucksäcke zu den Sanitary Pad Kisten auf das Dach des Wagens und es geht los, raus aus dem Nebel des Smogs der lebendigen, lärmenden Stadt Kathmandu. Wir wollen in ein Dorf in Chitwan, einer Region ganz im Süden Nepals.  Die fünfstündige Fahrt verbringen wir damit auf der Rückbank mit Sahin zu reden. Krishna, Projektmanager des Programs, sorgt vom Beifahrersitz aus für Musik und Witze. Eigentlich wollte Sahin noch eine besonders interessierte Mitarbeiterin von LWH mitnehmen, aber deren Vater und Bruder haben ihr den Ausflug tatsächlich verboten. Sahin erzählt uns, wie sie hofft mit den Programmen langsam die Gesellschaft zu verändern, dazu singt Sia “Unstoppable”, wir freuen uns. Das Ziel ist, dass alle Frauen Nepals Freiheit von den strengen Regeln bezüglich der Menstruation erlangen. Auf unserer Reise haben wir inzwischen schon von verschiedenen Frauen gehört, dass sie Regeln befolgen, wie: nicht kochen, nicht am selben Tisch essen. Was noch dazugehören kann, z.B.: keinen Kontakt zu männlichen Familienangehörigen oder anderen Familien, nicht beten, nicht Haare kämmen, keinen Knoblauch essen oder sogar in der Menstruationshütte ausharren, das alles ist völlig unvorstellbar für uns. Sahin erzählt auch vom weiteren Engagement durch “Empowerment Collective”, der von ihrer Schwester Nasreen gegründeten NGO, die zu „7 Keys“ für ein gutes Leben arbeitet (u.a.  qualitative Bildung und Gesundheitsversorgung, sauberes Wasser und Umwelt). Sie haben hierzu zunächst Umfragen durchgeführt, um zu evaluieren, zu welchen der „Keys“ die Menschen bereits Zugang haben. Einige Menschen der Region Chitwan gaben an, zu keinem einzigen. Wir alle sind gespannt, wie es laufen wird, denn es ist auch Sahins erstes Programm in dieser Region.  Wie immer ist es eine Freude mit Sahin zu reden, sodass die Fahrt schnell vergeht. Sie sagt so kluge, starke Sachen und setzt sich für viele verschiedene Themen zugleich ein, eine noch größere Leistung, wenn man, wie sie, nicht zur Schule geschickt wurde (einfach nur weil man ein Mädchen ist). An einem Rastplatz legen wir einen Stopp für den obligatorischen Tee ein: wir trinken süßen schwarzen Tee, der unter einem provisorisch aufgespannten Tuch von einer Frau zubereitet wird, neben uns rauscht der Fluss, der unterhalb der Straße im Tal verläuft. Bald darauf biegen wir von der Hauptverbindungsstraße zwischen Kathmandu und Pokhara, die grob die bergigen Regionen im Norden vom südlichen Flachland teilt, in Richtung Süden ab. Es wird immer heißer und Schilder warnen vor wilden Tieren, als die Straße auf einem kurzen Stück den Chitwan Nationalpark quert. Hier in der Ebene vor dem Himalaya gibt es Tiger, Nashörner und Elefanten. Dann sind wir auch schon da (in Ratnanagar, falls es jemand auf Google Maps anschauen möchte). Alle, denen nicht von der Fahrt und dem typischen nepalesischen Fahrstil etwas flau im Magen ist, essen Frühstück und wir treffen die Krankenschwester, die aus Chitwan kommt und schon mehrere Menstruationsaufklärungsprojekte mit anderen Organisationen durchgeführt hat. Der junge Mann, der unser Ansprechpartner und Organisator vor Ort ist, kommt ebenfalls dazu. Da Schulferien sind, haben wir uns für ein Programm in der Community entschieden: er hat alle interessierten der Gemeinde in das Taekwondo Centre seines Vereins eingeladen.  Wir bereiten dort alles vor und türmen dabei die 190 wunderschön bunten Sanitary Pads Päckchen auf einen Tisch. Die bunten Stoffe erinnern mich an die tolle Atmosphäre in der Fabrik von LWH, die wir gestern besucht haben. Dort zwischen bunten Wandbildern mit empowernden Sprüchen und Stoffbergen arbeiten die Frauen in ruhiger, gemeinschaftlicher Atmosphäre. Es gibt einen Raum, in dem die Näherinnen selbst designen, eine Terrasse für morgendliches Yoga und einen Rückzugsort unter dem Dach, im dem jede Frau zwei Wochen Urlaub ganz für sich alleine verbringen kann.  Nach den Vorbereitungen warten wir gespannt wie viele Menschen kommen werden. Wir vermuten bereits, dass es etwas weniger als die erwarteten 200 werden, da in einigen Tagen in ganz Nepal lokale Wahlen sind. Besonders hier in Chitwan wird ein knappes Ergebnis erwartet, sodass der Wahlkampf, der hier überwiegend aus reich mit Parteifahnen geschmückten Motorradrallys besteht, noch in vollem Gange ist. Wir haben das Gefühl, die Wahl ist für viele Menschen der Region ziemlich wichtig und in so einer jungen, gerade mal 14 Jahre alten Demokratie ein sehr besonderer Tag. Also durchaus verständlich, wenn heute einige Eingeladene Wahlkampfveranstaltungen statt unser Programm besuchen. Dennoch füllt sich der Raum bis er recht voll ist, mit vielen jüngeren, aber auch einigen älteren Frauen, die sich auf den weichen Boden des Taekwondo Centres setzen. Viele tragen Hose und Tshirt, einige Saris oder traditionelle Wickelröcke, andere Kopftuch oder Burka. Ein paar Männer setzen sich an die Ränder.  Dann geht es los: der Präsident des Taekwondo Vereins legt uns allen bunte Tücher um den Hals, ein Zeichen der Ehre. Wir stellen uns vor, Alan und ich geben unser bestes mit Nepali und ernten dafür wie immer in dieser sehr gastfreundlichen und hilfsbereiten Bevölkerung ein besonderes Lächeln. Ich sage kurz etwas zu Gleichberechtigung bei uns in Deutschland und, dass ich stolz auf meine Periode bin, dass meine Mutter bei meiner ersten Menstruation gesagt hat “Ich freue mich. Das bedeutet du bist gesund!”, Sahin übersetzt. Dann beginnt die Krankenschwester, die auf mich sehr kompetent wirkt, ihren Vortag: sie erklärt den hormonellen Zyklus und nutzt eine Zeichnung der Gebärmutter. Sie spricht außerdem über die nötige Hygiene während der Menstruation. Die Frauen hören aufmerksam zu, manchmal stört ein Kind, hinten wedelt ein junger Mann mit einem Regenschirm als Ventilator. Die Krankenschwester ermutigt die Teilnehmenden ihre Fragen zu beantworten und selbst Fragen zu stellen. Eine ältere Frau beispielsweise berichtet über starke Schmerzen und Müdigkeit während der Menstruation und fragt, ob das normal sei. Außerdem lädt die Krankenschwester zu kostenlosem Gebärmutterhalskrebsscreening, Nepals zweithäufigster Krebsart bei Frauen, in ihr Krankenhaus ein. Anschließend erklären Sahin und Krishna die Sanitary Pads: wie man die Binde an der Unterhose befestigt und den saugfähigen Stoff im Inneren der Stoffbinde austauschen und im wasserdichten Beutel kurzzeitig verstauen kann. Zuhause muss dieser Innenteil dann gewaschen werden und im Sonnenlicht (nicht versteckt im Ziegenstall, was wohl manchmal mit bei der Menstruation genutzten Stoffen geschieht) gut getrocknet werden. Eine Frau aus dem Publikum macht es dann nochmal für alle vor. Sahin erklärt auch noch einmal den Vorteil ihrer Pads gegenüber Einmalbinden, die immer neu bezahlt werden müssen und zur Umweltverschmutzung, die in Nepal sowieso ein Problem ist, beitragen. Außerdem hat sie einige Bücher mit einem über Menstruation aufklärenden Comic dabei, die wir hier lassen werden, damit sich alle Interessierten diese dann reihum ausleihen können. Während Sahin noch spricht, wird bereits eine Liste im Publikum weitergegeben, in die sich alle eintragen, die ein Päckchen möchten. Außerdem haben wir einige von LWHs hergestellte und ebenfalls von Namaste Didi e.V. bezahlte Schulranzen dabei, 10 Mädchen geben in der Liste an, dass sie hierfür bedürftig sind. Dann werden die Namen aufgerufen und alle holen sich gegen Unterschrift auf der Liste ihr Päckchen ab. Sahin verteilt zudem von „Empowerment Collective“ gestellte Stifte und Fieberthermometer, damit die Familien nicht für kleinste Dinge ein Krankenhaus aufsuchen müssen. Wir wechseln uns ab beim Pakete verteilen, die Frauen bedanken sich und von allen Seiten werden Fotos geschossen. Zum Schluss machen wir noch alle gemeinsam ein Gruppenfoto und schreien “Girls can do anything”, wie ihr im Video hört :)  Nachdem sich der Verabschiedungstrubel lichtet, checken wir nochmal die Liste und die übrigen Pakete: wir haben 69 Stück verteilt, mit dem Rest möchte Sahin noch ein Program in Chitwan machen, dann wenn die Wahl vorbei ist. Nach dem aufräumen geht es für uns alle in ein Lokal zum Essen. Das für Nepal typische Dhal Bhat (Reis, Linsen und Gemüse), bei dem man immer unbegrenzt Nachschlag bekommt und dessen „Dhal Bhat Power, 24 Hour!“ wir dringend gebrauchen können, ist leider tatsächlich ausverkauft. Daher essen wir große Mengen „Paneer Biryani“ und teilen nochmal alle unsere Eindrücke miteinander. Wir sind insgesamt sehr zufrieden wie alles abgelaufen ist und wie interessiert das Publikum war. Ich finde es schön, dass darunter so unterschiedlich alte, verschiedenen Religionen und sicherlich auch verschiedenen Kasten angehörende Frauen waren. Ich bin sehr glücklich dabei gewesen zu sein und habe das Gefühl diese Programme in allen Regionen Nepals zu veranstalten ist ein guter Weg, um unserem gemeinsamem Ziel näherzukommen: informierte, weder von mangelnden Hygieneprodukten noch von Traditionen eingeschränkte, freie, starke Frauen in Nepal! Girls can do anything!  Sahin hat am 18.05. gemeinsam mit der Krankenschwester beim zweiten Programm am selben Ort alle restlichen Pakete (und sogar noch 25 weitere) verteilt. An dieser Stelle von mir VIELEN DANK an alle, die mit ihren Spenden diese Aktionen ermöglicht haben!  Liebe Grüße aus Nepal, Aurelia