Deutschlands größte Spendenplattform

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.

wird verwaltet von Katrin

Über uns

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh gründete sich unmittelbar nach dem Brandtod Oury Jallohs in der Gewahrsamszelle Nr. 5 des Polizeireviers Dessau-Roßlau am 7. Januar 2005.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dessau in dem Fall waren von Anfang an darauf ausgerichtet, nachzuweisen, „…dass die theoretische Möglichkeit jedenfalls bestand, dass er (Oury Jalloh) selbst die Tötung veranlasst hat“ – wie es der Leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann auf der ersten und einzigen Pressekonferenz seiner Behörde zum „tragischen Ereignis“ des Brandmordes an Oury Jalloh formulierte.
(https://www.youtube.com/watch?v=-4kCT_DasH4[de] Min. 9:17 bis 11:11).

Die Ermittlungen wurden und werden bis heute gezielt verschleppt, einseitig eingegrenzt oder abgeblockt. Beweise wurden aktiv manipuliert, Zeug*innen unter Druck gesetzt und Tatsachen vertuscht. Ein strukturell rassistisches politisches System sowie der rassistische Konsens innerhalb der Gesellschaft haben diesen und viele andere Morde des politischen Systems erst möglich gemacht. Polizeigewalt wird durch die Politik und staatliche Ermittlungsorgane gedeckt, die Judikative verleugnet den Rassismus der Institutionen und ihrer Beamt*innen und folgt so den politisch vorgegebenen Leitlinien einer verfassungsbeugenden Staatsräson.

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh hat die manipulativen Ermittlungen von Anfang an durch eigene gutachterliche Untersuchungen begleitet, da sich Staatsanwaltschaft und Richter kontinuierlich weigerten, die tatsächlichen Todesumstände des Oury Jalloh ergebnisoffen zu ermitteln. So wurde die Eröffnung eines gerichtlichen Strafverfahrens erst durch das Ergebnis einer zweiten, spendenfinanzierten Autopsie ermöglicht, nachdem die Staatsanwaltschaft Anträge der Anwälte der Familie auf Röntgenuntersuchungen zum Ausschluss knöcherner Verletzungen am Leichnam Oury Jallohs mit Verweis auf die ja „bereits bekannte Todesursache“ zurückgewiesen wurden. Bei dieser Autopsie konnten mehrere knöcherne Verletzungen nachgewiesen werden.

2013 beauftragte die Initiative dann den irischen Brandexperten Maksim Smirnou damit, den Brandverlauf und dessen Ergebnis in Zelle Nr. 5 durch Brandversuche nachvollziehbar zu machen, da die Richter*innen der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Magdeburg Beweisanträge der Nebenklage zur Durchführung von Brandversuchen zu Brandentwicklung, -verlauf und -ergebnis immer wieder verhindert hat.

Am 12. November 2013 veröffentlichte die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh die Ergebnisse der Brandversuche des Brandsachverständigen Smirnou auf einer Pressekonferenz in Berlin:
https://www.youtube.com/watch?v=p01g-n7JCA4(Zusammenfassung Pressekonferenz 2013)
https://www.youtube.com/watch?v=0Tv_i8lWfYg(Erklärung der Initiative nach der Pressekonferenz)
https://www.youtube.com/watch?v=EZxVtPn6YNw(Reaktion des Dessauer Oberstaatsanwalts Folker Bittmann auf die Ergebnisse der Pressekonferenz)

Entgegen dem vom Leitenden Oberstaatsanwalt Folker Bittmann nach der Pressekonferenz vollmundig verkündeten "Aufklärungsbedarf", kann die Staatsanwaltschaft Dessau bis heute noch keine zielführenden Ergebnisse zu den Erkenntnissen aus dieser Pressekonferenz der Initiative vorweisen und hält wider besseren Wissens an der widerlegten These des Selbstmords fest. Für die Staatsanwaltschaft, Gerichte, die Ministerien und die Polizei in Sachsen-Anhalt, aber auch für die Generalbundesanwaltschaft und den BGH bedeutet der Beweis, dass Oury Jalloh von Polizisten ermordet wurde, einen Tabubruch, den es mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterdrücken gilt. Folglich geht es der Staatsanwaltschaft nicht um Aufklärung, sondern um Alibiermittlungen und eine Farce-Veranstaltung, mit der sie der Öffentlichkeit vorgaukeln will, auch gegen Mitglieder des Rechtssystems wie der Polizei vorzugehen, falls diese Unrecht begangen haben sollten. Gleichzeitig hält sie aber entgegen der eindeutig fehlenden Spuren der Brandsituation in Zelle Nr. 5 noch immer zwanghaft daran fest, dass „…keinerlei stichhaltige Beweise (vorliegen) der Tod von Oury Jalloh sei gewaltsam durch Dritte herbeigeführt worden.“
Am vorläufig rechtskräftigen Ende steht nun die geringfügige Bestrafung eines der Täter wegen Fahrlässigkeit durch Ermittlungen, die „keinen Hinweis“ dafür erbringen konnten, dass Oury Jalloh umgebracht wurde. Damit ist die Weste der rassistischen Polizeibeamt*innen wieder weiß gewaschen und wieder einmal das Opfer zum Täter erklärt worden. Struktureller Rassismus existiert demnach nicht und der gesellschaftliche Konsens kann unangetastet bestehen bleiben.
Besondere Akribie haben die sachsen-anhaltinischen Behörden hingegen immer wieder dann bewiesen, wenn es darum ging und geht, Aktivisten*innen der Initiative zu kriminalisieren, zu schikanieren und mundtot zu machen – siehe dazu: https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2015/04/01/initiative-vor-gericht-27-11-2014-10-uhr-amtsgericht-dessau/
Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh hat im Frühjahr 2014 renommierte, von den deutschen Behörden unabhängige Brandsachverständige, Toxikologen und Gerichtsmediziner zur klärenden Beantwortung der sich aus dem Brandgutachten des Thermophysikers Maksim Smirnou ergebenden Fragestellungen damit beauftragt, die bisher vorliegende Aktenlage von Gerichten, Staatsanwaltschaft und selbst veranlassten Gutachten (Zweit-Autopsie und Brandgutachten) zu sichten, auszuwerten und zu beurteilen. (siehe unser Projekt)

Wir kämpfen dabei nicht nur für die Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh, sondern wollen auch den ursächlichen, strukturellen Rassismus durch diskriminierende Gesetze für Asylbewerber, durch gewalttätige Polizeipraxis gegenüber „Ausländern“ und durch rechtswidrige Staatsräson der Judikative offenlegen, der zahlreiche weiter Morde an Nicht-Weißen und Migrant*innen im In- und Ausland erst möglich gemacht hat. Somit kämpfen wir auch für die Aufklärung der Gemeinheit über die Ursachen und Tradition von Rassismus und dessen geschichtliche und anhaltende Verbrechen im Namen eines vermeintlich zivilisierten Rechtsstaates, wie es Deutschland, die USA und viele andere Nationen des Westens so gerne vorgeben zu sein. https://www.youtube.com/watch?v=D2MBB8jA3XU

https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/

Letzte Projektneuigkeit

Wir haben 6.633,92 € Spendengelder erhalten

  Katrin  17. März 2021 um 17:12 Uhr

Liebe Untestützerinnen und Unterstützer, 
wir danken herzlich für Eure Solidarität. Die letzten Neuigkeiten liegen schon etwas zurück, das heißt aber nicht, dass wir nicht aktiv waren. Eine Menge haben und werden wir demnächst in Bewegung setzen.
Hier ist unsere Zusammenfassung der letzten Ereignisse und ein Überblick darüber, wie wir mit Hilfe Eurer Spenden gegen das Unrecht vorgehen wollen:

Die Begründung der Beschwerde der Anwältin der Familie gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen die verantwortliche UKE-Ärztin und die 3 Sicherheitsdienstmitarbeiter, die Bruder Tonou Mbobda am 21. April 2019 zu Tode fixiert hatten, wurde lange durch die Staatsanwaltschaft Hamburg selbst verzögert, da diese die Übermittlung der vollständigen Aktenlage zu Ihrer Einstellungsverfügung vom 5. August 2020 unterließ. Stattdessen gab sie sämtliche Akten an die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg, sodass dort ein erneuter Antrag auf vollständige Akteneinsicht zu den Entscheidungsgrundlagen der Einstellung des Ermittlungsverfahrens angefordert werden musste. Seit Anfang Februar liegt diese Beschwerdebegründung nun der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg vor.

Der Wissenschaftsausschuss der Hamburger Bürgerschaft hat seine sogenannte Selbstbefassung zur „Klärung der Umstände des Todes von William Tonou-Mbobda am 26. April 2019 am Universitätskrankenhaus Eppendorf“ am 10. November 2020 ergebnislos abgeschlossen: https://blackcommunityhamburg.blackblogs.org/2020/11/18/wissenschaftsausschuss-zu-tonou-mbobda-teil-3/. Befragt wurden ausschließlich die Verantwortlichen des UKE selbst und der einstellende Staatsanwalt, die jeweils aufeinander verwiesen und unisono das Todesopfer selbst zum Täter erklärten. Eine Anhörung der Familie oder die Befragung von unabhängigen Experten zu zielgerichteten  Fragen nach ärztlichen Sorgfaltspflichten, fachlichen Richtlinien oder einem lagebedingten Erstickungstod wurden nicht einmal in Erwägung gezogen.

Mit dem in der Zwischenzeit gespendeten Geld werden wir die neu entstandenen Anwaltskosten zur Beschwerdebegründung begleichen und wollen weitere Informationsveranstaltungen und unsere Öffentlichkeitsarbeit finanzieren. Nach einem Kontakt mit einem Forensik-Experten möchten wir das Phänomen des lagebedingten Erstickungstodes durch lebensgefährliche Fixierungspraktiken durch die Polizei und Sicherheitsdienste sowie bei psychiatrischen Zwangsbehandlungen öffentlichkeitswirksam in einem Video beleuchten, damit den immer wieder unwissenschaftlichen Ausreden durch die jeweiligen Staatsanwaltschaften nach Möglichkeit der Boden entzogen wird. Auch soll es darum gehen, dass lebensgefährliche Fixierungen in Bauchlage zukünftig verboten werden sollen, weil dabei und dadurch immer wieder Menschen zu Tode kommen. Unbekannte vorbestehende Erkrankungen, Medikamenten- oder Drogeneinfluss oder psychische Erregungszustände erhöhen dabei das Sterberisiko erheblich und werden dann trotz der offenkundig lebensgefährlichen Gewaltanwendung immer wieder als vermeintliche „Todesursachen“ konstruiert.

Wir arbeiten an einer Informationskampagne und einer Webseite mit Aufklärungs- und organisatorischen Inhalten über und für Opfer staatlicher Gewalt sowie zu Möglichkeiten und Kontakten für Hilfe, Beistand und Betreuung für betroffene Familien (z.B. psycho-soziale Beratung, medizinische Beratung, anwaltliche Beratung etc.). Hierfür werden wir vielfältige Informationsmaterialien wie Flyer, Plakate, Aufkleber, wasserfeste Banner und Aufsteller anfertigen lassen.

Außerdem organisieren wir eine Reihe von Informationsveranstaltungen vor, zum und nach dem diesjährigen Todestag von Tonou Mbobda am 21.04.2021 zum Themenkreis Anti-Schwarzer Rassismus | institutioneller Rassismus | Gewaltfreie Psychiatrie: 

Wir beginnen am 15. März 2021, dem Internationalen Tag gegen Polizeigewalt mit einer Protest- und Informationsveranstaltung im Hamburger Hafenviertel gegen Racial Profiling und die systematische Vertreibung Schwarzer Menschen durch die sog. Task-Force Drogen der Hamburger Polizei. 

Am 21. März 2021 – dem Internationalen Tag gegen Rassismus – organisieren wir ein erstes und zunächst internes Town-Hall-Meeting der Black Communities in Hamburg, das dann von weiteren öffentlichen Town-Hall-Meetings auch mit Behördenvertreter*innen fortgeführt werden soll. 

Am 21. April 2021 werden wir an den gewaltsamen Mord an unserem Bruder Tonou Mbobda und dessen institutionelle Vertuschung durch das UKE, die Staatsanwaltschaft Hamburg, die Wissenschaftsbehörde und den Wissenschaftsausschuss gedenken. Wir wollen erneut einen Gedenkort für Bruder Tonou Mbobda einrichten und diesen dann regelmäßig pflegen bzw. nach Zerstörung wiederherstellen. 

Am 2. Mai 2021 werden wir uns dann am Internationalen Tag des Widerstandes gegen Zwangspsychiatrie und der Erinnerung an die Verbrechen der deutschen NS-Psychiatrie beteiligen. 

Wir wollen nicht nur passiv auf die Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg – oder später auf die des Oberlandesgerichtes Hamburg – zur Klageerzwingung im Fall Tonou Mbobda warten, weil wir wissen, dass rechtsstaatliche Prinzipien in Hamburg und Deutschland erfahrungsgemäß nicht für alle gleichermaßen gelten. Schon jetzt kann als bewiesen gelten, dass die Unschuldsvermutung eben nicht für die Todesopfer rassistischer Gewalt gilt – die waren bis heute noch immer selbst „Schuld“ am eigenen gewaltsamen Tod. Und letztlich geht es auch nicht ausschließlich nur um die tödliche Gewalt, sondern immer auch um den Weg dahin – im vorliegenden Fall um die Unterlassung sorgfältiger Aufnahmeuntersuchungen und Diagnosestellungen, die Anmaßung  juristisch nicht vorgesehener  Handlungen,  die Ignoranz und den Kriminalisierungswillen gegenüber den Opfern und die Verweigerung einer angemessenen Fehlerkultur – und die rechtliche, politische und zivilgesellschaftliche Aufarbeitung danach. 

Schließlich werden wir die UN-Expertengruppe im Rahmen der UN-Dekade für Menschen Afrikanischer Herkunft über den Fall Tonou Mbobda und den behördlichen Umgang damit informieren und sie für Gespräche nach Hamburg einladen.

Wir danken Euch für Eure bisherige Spendenbereitschaft und bitten Euch gleichzeitig um Eure anhaltende solidarische Unterstützung in unserem Kampf für Aufklärung, Gerechtigkeit und Veränderung.

TOUCH ONE! – TOUCH ALL    |    #JusticeForMbobda

weiterlesen

Kontakt

Colbestraße 19
Berlin
Deutschland

Kontaktiere uns über unsere Webseite