Ein herzliches und lautes Dankeschön an alle, die sich am Pilgern mit Purpose beteiligt haben!

Seit nunmehr zehn Tagen bin ich wieder in Deutschland – es erstaunt mich immer wieder, wie schnell man in eine alte Routine zurückfällt.
An dieser Stelle möchte ich mit euch teilen, was wir als Familie Positives aus der Krebsdiagnose gezogen haben. Einiges lässt sich nämlich mit dem Pilgern vergleichen.
Vor zweieinhalb Jahren, im Januar, direkt nach der Diagnose, galt unsere ganze Aufmerksamkeit der Frage, wie wir die beste Therapie finden könnten, wie sich unser Leben mit der Krankheit verändern würde und was wir zu erwarten hätten. Vieles stand in Frage. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich wirklich verstanden, was sich hinter dem Begriff „Resilienz“ verbirgt. Mit der Zeit habe ich gemerkt, wie anpassungsfähig ich bin, aber auch, welche Ängste tief in mir sitzen.
Mit einer gut funktionierenden Therapie haben wir alle wieder mehr Vertrauen ins Leben zurückgewonnen und Freude an den kleinen und großen Dingen gefunden.
Alle, die mich gut kennen, wissen, wie gerne ich alles plane. Zum Beispiel habe ich im Urlaub immer schon direkt den nächsten Urlaub geplant.Das habe ich aufgegeben – ganz bewusst. Und ich muss sagen, es lebt sich gut so: spontan und frei. Ich lebe das Leben jetzt viel mehr so, wie es kommt, und schätze die Dinge, die mir passieren und aus denen ich etwas Positives ziehen kann.
„Serendipität“ bezeichnet die zufällige und unerwartete Entdeckung von etwas Wertvollem, das man nicht aktiv gesucht hat und das sich als überraschende und positive Erkenntnis erweist. Dieses Wort – ich kannte es immer nur aus dem Englischen („Serendipity“ ist eine süße Romanze mit John Cusack und Kate Beckinsale) – beschreibt nicht nur mein Leben nach der Krebsdiagnose in unserer Kernfamilie, sondern auch den Jakobsweg.
Aufstehen, loslaufen, etwas zu essen finden, ein Quartier finden, schlafen – und das Ganze wieder von vorne. Von den Begegnungen, die ich auf dem Weg hatte, habe ich an dieser Stelle schon berichtet. Ich habe so viel gelernt und Positives sehen und mitnehmen können durch meine Begegnungen, durch die kurzen Ausschnitte, die ich aus den Leben anderer mitbekommen habe. Ich bin nicht allein und werde es nie sein – auch wenn das eine der Ängste war, mit denen ich diesen Weg begonnen habe.
In einem Hostel, ziemlich am Anfang meiner Pilgerreise, lagen auf einem Tisch viele Aufkleber mit kleinen Gedichten. Ich habe mir Zeit gelassen, mein Gedicht zu finden. Jedes gab es nur einmal, und dieses hier ist meins:
„Loving and losing:
Different only by
one letter and
a million degrees of pain.“
– Jessica Katoff
Jeder Mensch, der sich schon einmal von einem geliebten Menschen verabschieden musste, weiß, wie wahr diese Worte sind.
Es war ein wunderbarer Weg, und ich werde ihn wieder gehen!Oben seht ihr ein Foto meines Pilgerausweises – man sammelt Stempel, um sich dann in Santiago de Compostela eine Pilgerurkunde abzuholen. Die Urkunde ist mir gar nicht so wichtig, aber hinter jedem Stempel, den ich an jeweils einem ganz besonderen Ort gesammelt habe, steckt eine kleine Geschichte. Deswegen ist mir der Pilgerausweis eine ganz besondere Erinnerung!
Und dieser Stempel ist direkt aus Santiago – dem Ziel der Reise, die gerade erst begonnen hat …
Danke an euch alle!
