Deutschlands größte Spendenplattform

Bitte aktualisiere deinen Browser

Wir wollen die Welt mit dir zusammen besser machen. Dafür brauchen wir einen Browser, der aktuelle Internet-Technologien unterstützt. Leider ist dein Browser veraltet und kann betterplace.org nur fehlerhaft darstellen.

So einfach geht das Update: Bitte besuche browsehappy.com und wähle einen der modernen Browser, die dort vorgestellt werden.

Viele Grüße aus Berlin, dein betterplace.org-Team

Race across Germany - supporte SeaWatch

Zurück zur Spendenaktion

Bericht!

David K
David K schrieb am 10.07.2019

Danke dank an euch für eure Spende und eure Nachrichten! Hat mir sehr geholfen, und wird vielen anderen helfen! 

 Flensburg Start: 
Freitag sollte es eigentlich morgens um 7:30 zum Start am Hafen gehen. Allerdings hatte ich meine Verpflegung für die Ankunft am Sonntag vergessen einzukaufen und so irrte ich erstmal zum nächsten Edeka, um mich dort mit 2l Schokomilch und Haferflocken einzudecken. Es regnet bereits relativ stark und so kam ich schon leicht durchnässt am Startpunkt an. 
Zwei Verwandte schauten auch vorbei, worüber ich mich sehr freute, aber konnte denen nur kurz Aufmerksamkeit schenken, da ich aufgrund des Regens, die Elektronik sicher verstauen musste. 

Flensburg 0km - Lauenburg 276km 
Um 8:12 ging es dann auf die Strecke in Richtung der ersten Time Station nach Lauenburg. Die ersten 100 Kilometer war ich genervt von dem dauerhaftem Regen, kleinen Straßen, falschen Abbiegungen und häufige Pinkelstops. Die beiden letzteren Punkte sind zwar schnell erledigt/korrigiert, aber es nervt ungemein, da man gerade am Anfang keine Zeit verlieren will und ständig aus dem Rhythmus kommt. So fuhr mein Dauer"konkurrent" Marco häufig an mir vorbei, obwohl ich eigentlich vom Tempo schneller war. 
Ab Kiel lief es besser durch größere Straßen, die ich bereits zum großen Teil kannte, so dass ich dort endlich gut in Fahrt kam. Als Norderstedt und Hamburg auf den Schildern auftauchten, dachte ich einmal kurz daran, dass jetzt der beste Moment wäre auszusteigen, aber auch der Dümmste, wenn man sich ein halbes Jahr vorbereitet. Nicht der beste Zeitpunkt schon ans Aufhören zu denken, aber vielleicht auch nicht so verkehrt sich dem Gedankenspiel bereits gestellt zu haben. In Lauenburg ging es dann zum ersten Mal an einen Supermarkt, um die Trinkflaschen aufzufüllen. Bis dahin hatte ich netter- und erlaubter weise bereits von den anderen Supported Teams on the fly neue Trinkflaschen erhalten. 

Lauenburg - Bilderlahe 470km 
Von Lauenburg ging es durch die Lüneburger Heide in Richtung Harz. Diese Strecke war mir ebenfalls schon und dank nur leichter Anstiege und Rückenwind war es ein wirklicher Genuss diesen Abschnitt zu fahren. 
Obwohl meine Leistungswerte rund 15% niedriger(170w statt ~200w) waren als gewollt, war ich mit 33kmh nur etwas langsamer als geplant. All die aerodynamischen Test und Verbesserungen hatten sich auf jeden Fall ausgezahlt. Um 20Uhr machte ich meinen zweiten Supermarktstop und aß ein Supermarkt Sandwich. Nach 12h nur mit Maltodextringetränk und zwei -Energieriegeln war es ein Hochgenuss. Ich nutze die Pause auch noch um kurz mit meinen Eltern zu telefonieren, während ich mein Rad für die Nacht vorbereitete. Dabei fiel mir leider auch auf, dass meine Reflektorweste, Koffeintabletten (später wieder kurz aufgetaucht) und klaren Wechselgläser für die Nacht fehlten. Nicht die optimale Aussicht für 2 Nächte. 
Ich fuhr weiter und traf dann glücklicherweise auf das Fahrzeug von Dieter, dem Organisator dieses Wahnsinns. Er gab mir dann nach kurzer Suche in meinen Beuteln eine normale Warnweste, die ich mir so zusammenknotete, dass es relativ windschnittig war und packte meine restliche Verpflegung ein, die ich eigentlich erst in Bilderlahe eingepackt hätte. 
Als ich später in Bilderlahe an der Verpflegungsstation ankam (ca. 0Uhr), saß bereits Marco da und wir schnackten ein wenig wie es lief. Großartig war das ein paar alkoholfreie Göscher Radler auch Teil der Verpflegung waren. Der zweite kulinarische Genuss des Abends! 

Bilderlahe - Berka Werra 620km 
Nun ging es die ganze Nacht rauf und runter. Aufgrund meiner eher lockeren Fahrweise am Anfang waren meine Beine noch ziemlich "frisch" und so konnte ich die Anstiege relativ schnell angehen. Müde wurde ich wie ich es schon von 24h Rennen kannte um 5 Uhr morgens nachdem Sonnenaufgang. Auch waren meine Augen relativ angestrengt, dadurch dass ich mit meiner Alltagsbrille in der Nacht gefahren war und so mehr Zug auf die Augen bekommen hatte. Kurz vor Eschwege fand ich dann ein Luxus EC Kartenhotel - eine Sparkassenfiliale mit Fußbodenheizung. Ich schlief für 30 Minuten. Es fühlte sich an wie eine Sekunde, aber der Kopf war frisch wie nach 3-4h Schlaf. Allerdings kam ich noch nicht richtig in den Tritt danach und ging so erstmal zum Bäcker, um zu frühstücken: Amerikaner, Laugenbrötchen, Rosinenbrötchen. Es hätte nur noch Berliner gefehlt zur Abrundung. Ich frühstückte auf einem Feld mit Blick auf die Kalisalzberge und bereite mich auch auf den Tag vor mit einem Kleidungswechsel und viel Sonnencreme, die nun endlich auch gebraucht wurde. 

Berka/Werra - Kitzingen 780km 
Die nächsten zwei Stunden waren immer noch zäh und ich wurde wieder müde, sodass ich einen weiteren Powernap von 10 Minuten einlegte und ein zweites Mal frühstückte, nämlich 3 Berliner. 
Danach kam ich langsam wieder in einen guten Rhythmus und es ging durch einen Teil der Rhön, den ich bereits vor wenigen Wochen absolviert hatte. In Wernecke machte ich eine Pause, da ich dort auf Bekannten traf, der ein Radiointerview mit mir gemacht hatte und netterweise rumkam und mir einen Supermarkteinkauf ersparte. Zu der Zeit war es bereits auch recht heiß, was mir aber zum Glück in der Regel wenig ausmacht. Dennoch wurde die Kopfkühlung immer wichtiger, da so ein übermüdetes Hirn sich sicher nicht noch mit Überhitzung rumplagen sollte. So fuhr ich die nächsten Stunden immer mit einem nassen Tuch über Kopf und Nacken durch die Hitze. 

Kitzingen - Mauren 920 
Als ich das absolvieren der Time Station berichtete, schrieb mir Dieter(Veranstalter), dass ich Erster der unsupported Fahrer war. Davon war ich total überrascht, da ich vorher nie auf den Tracker geschaut hatte und mich eigentlich im Mittelfeld eingeschätzt hätte, da ich viel mehr Pausen gemacht hatte als vorgenommen und das Anfangstempo nicht so hoch war wie gewollt. 
Das schaffte richtig viel Motivation und ich konnte noch einmal wesentlich das Tempo erhöhen. Ich holte in der Folge ein paar Supported Fahrer ein und konnte meinen Vorsprung ganz gut ausbauen. Das Hoch wurde nochmal abends verstärkt, denn die Strecke war nun wieder vorwiegend auf Landstraße gelegt, die Beine fühlten sich immer noch richtig gut an und Anstiege konnte ich bis dahin immer noch mit gutem Druck fahren. Mauren erreicht ich um kurz vor 22 Uhr 

Mauren - Moorenweis(1030) - Garmisch Partenkirchen(1130) 
Die Strecke wurde wieder wesentlich hügeliger und meine Tempoverschärfung (und die 900km vorher) war nun auch in den Beinen bzw. Knien immer mehr zu spüren. Auch war es nun schon ziemlich ländlich, sodass es mit der Wasserversorgung schwieriger wurde. Irgendwann, schon in der Dunkelheit, fragte ich bei einer Party (davon gab es verdammt viel in Bayern) nach Getränken(Wasser versteht sich ;) ). Die Leute waren überrascht, dass ich noch nach Garmisch über Nacht wollte. Und noch viel überraschter als ich erkläre wann und wo ich gestartet war. 
Es ging dann weiter in einem auf und ab mit langsam wieder aufkommender Müdigkeit. Ich nährte mich nun langsam der 1000km Marke und der Gedanke, dass man dann ja schon fast im Ziel wäre, lies mich noch richtig verzweifeln. Ich rechnete mir die Reststrecke von 150km nämlich schön klein, auf nur noch etwas über 5h (150km im Norden locker unter 5h fahrbar). Dies wäre eine Ankunft bei 3 Uhr morgens gewesen, was ich nicht im Ansatz erreicht haben werde. 
Leider vergingen die Zeit in der Nacht durch fehlende Ablenkung nicht und die vielen kleinen Steigungen waren wirklich nervig und Kräfte zehrend. Nachdem mein Handyakku schon leer war und zunächst nicht mehr aufladbar war, machte nun auch noch mein zweites, nicht funktionierendes, Batteriepaket für meine Frontlampe mir beträchtliche Sorgen. Beide Frontlampen waren schon durch die erste Nacht entsprechend viel genutzt und ich musste sehr sparsam mit den Lampen umgehen, sodass auch das Tempo weiter niedrig bliebt und die geringe Ausleuchtung half auch nicht gerade bei der Müdigkeit. In den Dörfern überlegte ich sogar, den Leuten aus ihren LED Schmuck die Batterien zu klauen. 
Aber bei irgendeinem Anstieg im Nirgendwo traf ich dann auf das coolste Paar der Welt. Sie waren einfach da um uns RAG Fahrer anzufeuern ohne jemanden davon zu kennen. Ich fragte, ob sie eventuell AA Batterien dabei hätten, was aber leider nicht der Fall war. Was aber auch egal war, denn die beiden sprangen in ihr Auto, sagten ich soll weiterfahren und sie bringen mir welche hinterher. So fuhr ich weiter auf und ab und wurde irgendwann ungeduldig, dass keiner kam. Ich hielt an, um mir eine neue Frontlampe aus meiner Powerbank mit integrierte Taschenlampe und Tape zu bauen. Sie kamen genau dann doch angefahren, gaben mir direkt 8 Batterien und eine Banane. Ein Foto haben wir auch noch schnell gemacht. Ich hätte sie auch gern umarmt, aber das wäre wohl eher ein Angriff (auf das Riechorgan) gewesen. 
Nun ja, das war auch das einzig positive in der Nacht, denn dann wurde es richtig düster. Die Beine wollten immer weniger leisten und in der Ferne war schon einiges an Wetterleuchten zu sehen, genau in Fahrtrichtung. Ansonsten war nicht viel zu sehen, denn meine Augen wurden immer schwerer und ich verfuhr mich zum ersten Mal mehr als 200 Meter. In dieser Nacht dauerte jeder Kilometer gefühlte 10 Minuten, obwohl ich jeden Anstieg versucht so hart wie möglich durchzudrücken. Nur da war kaum mehr Kraft. Der Regen führte dann auf der warmen Fahrbahn noch für Nebel. Ab da wurde es dann richtig hart, denn mein übermüdeter Kopf formte aus dem Nebel und der geflickten Fahrbahn Gestalten. Bei Übermüdung kommt es zwar häufig vor, dass irgendwas am Wegesrand erst ausschaut wie ein Mensch aber dann doch nur ein Busch oder Stromkasten ist. Aber das war auf dem Level wo man sich nur fragt: WAS ZUM TEUFEL MACHT MEIN KOPF DA. Oder sich das Hirn, was macht mein Körper da. Ich hätte an diesem Punkt wirklich gerne Koffeintableten gehabt, die hatte ich aber irgendwann verloren. So ging es mit vielen kurzen Pausen durch die restliche Nacht, bis ich endlich um 5 Uhr ein trockene Bank entdeckte, auf der ich 15 Minuten schlafen wollte. Ich hatte nicht mal 2 Minuten versucht zu schlafen, da trampelte eine Prozession mit Lautsprechern durch den Ort. Und ich dachte Halluzination wäre das Schlimmste gewesen. So fuhr ich weiter mit meinen müden Hirn und Augen und versuchte eine halbe Stunde später in einem anderen Ort wieder zu schlafen. Ich hatte wohl sehr gesündigt in den letzten Jahren, denn die Kirche bestrafte mich erneut, diesmal mit Kirchenglocken. Es waren noch 50 Kilometer zu fahren, die ich mühsam Stück für Stück abfuhr mit immer wieder kurzen Pausen. 
Als dann irgendwann das Alpenpanorama zu sehen war, wurde die Laune schon besser auch wenn der Regen mal wieder einsetzte und immer stärker wurde. Die letzten 20 Kilometer waren mir ebenfalls schon bekannt aus einer Alpentour, allerdings zum Glück mit viel weniger Verkehr als damals, dank Sonntagmorgen. Als ich dann in Garmisch Partenkirchen ankam, wurde der Regen immer stärker bis hin zum richtigen Wolkenbruch auf den letzten Kilometern, aber da hab ich nur noch drüber gelacht - 1130km geschafft, was soll da mich Regen noch ärgern. Die letzten 500 Meter waren noch mal richtig nett mit sicherlich bis zu 20% Steigung ging es hoch zum Schanzentisch der Skisprungschanze. Dreieinhalb Minuten fuhr ich nochmal volle Kraft inkl. Urschrei auf den letzten Höhenmetern. 
Im Ziel traf ich auf altbekannte Gesichter wie natürlich Dieter, seinen Helfern und dem German Docs Team, die ich am zweiten Tag häufig getroffen hatte. Nach Finisher Medaille, alk.freiem Sekt ging es dann endlich ins Warme, wo ich wieder etwas normales Essen konnte. Erst da fiel mir auf wie wenig ich eigentlich in den letzten 7h zu mir genommen hatte (1,5 Trinkflaschen bzw. 80g KH), bei min. 500kcal/h ist da also ganz schön viel Fettsäure verbrannt worden. bei über 21000kcal in zwei Tagen sowieso. 

Insgesamt ging es mir schon kurz nach dem Rennen wieder relativ gut. Bereits am nächsten Tag hatte ich keine Knieschmerzen mehr und auch sonst waren übliche Probleme vom Sitzen kaum vorhanden. Meine Nackenschmerzen, die mich die Tage vor dem Rennen plagten waren sogar noch am ersten Tag verschwunden. Aktuell plagen mich nur meine Ringfinger und die kleinen Finger, die aktuell noch leicht taub sind, durch das ewig dauernde Fahren auf den Aerobars. 
Das Rad bzw. das Verbrauchsmaterial wurde mehr geschunden. Kette und Bremsbelege waren vor dem Start nagelneu und müssen nun schon wieder ausgetauscht, denn durch den Regen und schlechte Sichtverhältnissen bei den nächtlichen Abfahrten war entsprechend viel Verschleiß an beiden Teilen gegeben. 

Im Nachhinein bin ich doch sehr zufrieden über den Verlauf. Ich habe zwar mein Ziel mit einer Zeit im Bereich 40-43h Bereich nicht erreicht, aber was sollte man sich ärgern, wenn man so einen Ritt hinter sich gebracht hat. 
Viel Zeit hätte ich auf jeden Fall mit einem rechtzeitigen längeren Schlaf in der zweiten Nacht rausgeholt. Auch wenn Schlaf und Zeit rausholen sicherlich paradox klingt, aber bei den ganzen Standzeiten in der zweiten Nacht hätte ich wahrscheinlich auch 1,5h schlafen können(so viel wäre nicht nötig und wäre nicht später im Ziel gewesen. 
Ansonsten ist Elektronik die Hölle bei solchen Veranstaltung: Handyakku lädt nicht, Garmin Stürzt ab, Powerbank schneller leer als sie sollte, kaputte Akkus. Auch wenn mal die Schaltung schleift, hätte ich bei so einem Ritt keine Lust auf eine elektronische Schaltung. 

Next Step? 
RatAlps? RaAustria? RaItaly? 

Daten:
1131km
Fahrzeit 41:40:35, davon 36h die Kurbel gedreht
Gesamtzeit 47:15:41 
27,2kmh
Höhenmeter 7,710
188w Normalized Power
21800kcal