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Annes Plastik-Pause

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Tag 5 & 6

Anne Z.
Anne Z. schrieb am 31.01.2015

Freitag ist mein langer Tag an der Uni, sieben Stunde ohne
Pause und so natürlich keine Zeit, zum Mittagessen nach Hause zu gehen. Als ich
die übriggebliebenen Blätterteigtaschen vom Vortag einpacken will, finde ich
nichts anderes als meine Plastikbrotdose. Ich füge also Metallbrotdosen zu
meiner Liste an Dingen, die ich mir bei Neuanschaffung in der plastikfreien
Variante zulegen will
, hinzu und mache mich auf den Weg zur Uni, wo ich mir im
Campus Shop noch ein Glas Himbeermarmelade kaufe, um ab jetzt wirklich
plastikfrei frühstücken zu können. Für das Brot habe ich vielleicht auch eine
andere Lösung als das teure Brot vom Markt, den es nur ein Mal in der Woche
gibt: Ich möchte selbst backen. In einem Blog zu plastikfreien Leben habe ich
ein Rezept für ein 5-Minuten-Brot, das ich ausprobieren will, sobald ich die
Gelegenheit hatte, Trockenhefe zu kaufen. Ich habe allerdings keine Ahnung, ob
so etwas hier in Plastik verpackt ist. Für die Körner, die laut Rezept in das
Brot kommen, habe ich schon eine plastikfreie Lösung gefunden: In meinem
Butternut Kürbis waren jede Menge Kerne, die ich gewaschen und getrocknet habe
.



Als ich über den Campus laufe, sehe ich mal wieder Leute,
die Werbegeschenke verteilen. Diesmal handelt es sich um Stofftaschen. Das ist
ja ne gute Sache!, denke ich mir, doch dann zeigt mir eine Freundin, die eine
der Taschen ergattert hat, den Inhalt: Die üblichen Flyer, ein Schreibblock, ein
Kunststoffball und einer der kostenlosen Kunststoffkugelschreiber, an denen ich
mir geschworen habe, in Zukunft vorbeizugehen
. Ich widerstehe also der
Versuchung, mir auch ein Werbepaket abzuholen und sage mir, dass ich ohnehin
viele und deutlich schönere Stoffbeutel besitze. Die Sache macht mich aber
nachdenklich und ich habe die vielen Werbegeschenke vor Augen, die man zum
Beispiel auf Messen und an Infoständen findet und die sehr oft aus Plastik
bestehen: Kugelschreiber, Schlüsselanhänger, Flaschenöffner, kleine Päckchen
Gummibären…



Heute Morgen macht mir ein unerwartetes Ereignis einen
Strich durch meine Plastik-Pause
: Ich wache mit Triefnase und starken
Halsschmerzen auf. Ich wühle durch die kleine Medizin-Box, die meine Mutter mir
bei meinem Auszug von zu Hause liebevoll zusammengestellt hat, und finde einen
wahren Plastikvorrat. Alle Tabletten, inklusive der Halstabletten, die ich
jetzt dringend nötig habe, sind in Plastik verpackt. Das Fieberthermometer
besteht aus Plastik. Aber die in meinen Augen absolute Krönung: Der Hustentee
ist teebeutelweise in Plastik eingeschweißt. Bei den Tabletten kann ich die
Plastikverpackung irgendwie noch nachvollziehen, aber was den Tee angeht, werde
ich beim nächsten Einkauf versuchen, eine Sorte zu erwischen, bei der die
Beutel nicht einzeln verpackt sind. Für den Moment zwingen mich meine
Halsschmerzen aber erst mal dazu, die Plastikpause in Sachen Medikamente zu ignorieren.
Auch meinen Vorsatz, auf den Wasserkocher zu verzichten, den ich die ganze
Woche stolz durchgehalten hatte, muss ich brechen. Immerhin habe ich eine große
Pappbox mit Taschentüchern zum Rausziehen und muss nicht auf die kleinen
Plastikpäckchen zurückgreifen.



Beim Kochen heute Abend benutze ich die letzten Reste meiner
Tomatensoße aus dem Glas und bin schon kurz davor, das Glas zu entsorgen, als
ich es mir anders überlege. Schließlich kann ich es in Zukunft noch super als
plastikfreien Behälter benutzen. Ich spüle es also sorgfältig aus und stelle es
in meinen Küchenschrank.