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Walking Home, Woche 3: Das Leben ist ein Fluss

Carola B.
Carola B. schrieb am 04.05.2014

Aktuelle Nachrichten zum Walk findet ihr auch unter http://www.travel-b.de , auf Facebook unter https://www.facebook.com/cbsoundso sowie auf  https://giveit100.com/@cbsoundso/84wkez.


Tag 15, 13. April, nach Eschwege
Ich verlasse Mühlhausen am Sonntagvormittag standesgemäß: An der Pilgerherberge AntoniQ vorbei geht es durch das innere und äußere Frauentor hinaus Richtung Kassel. Nach einer Stunde tauche ich im Mühlhauser Wald ein. Einmal mehr ein wunderschöner deutscher Wald. Überdies sind die Wege sehr gut ausgezeichnet und wie der Zufall es will, führt meiner an einer kleinen Gruppe Mammutbäume vorbei. In den 1880ern gepflanzt türmen sie sich bereits 40 m über dem Wald auf.
Ein paar Kilometer hinter Katharinenberg entschließe ich mich, zum Mittag in das Bistro Grenzblick einzukehren. Ich dachte eigentlich, bis Hessen wäre es noch ein Stück. Doch ein Schild an der Straße und das kleine Etablissement am Waldrand belehren mich eines Besseren. Über eine Thüringer Bratwurst komme ich ins Gespräch mit zwei älteren Damen, denen ich schon in Katharinenberg begegnet war und die sich ein paar Minuten nach mir einfinden. Die beiden Endsiebzigerinnen zeigen sich beeindruckt von meiner Reise, können aber auch auf ihr eigenes Pensum Stolz sein: An diesem Sonntag geht es drei Kilometer hin und später wieder zurück vom Bistro, wo man die beiden schon kennt.
Hessen hat auch seeeeehr viel Natur. Und so wandere ich entlang des Werratals Eschwege entgegen.
Ich hatte schon befürchtet, dass es mit dem kostenfreien Bett in einer Stadt eher schwer würde. Aber die Jugendherberge schien mir eine sichere Alternative. Der Schreck ist dementsprechend groß, als diese plötzlich nicht nur 22,50 € für das Zimmer sondern obendrein 21 € von mir haben wollen. Das muss einfach preiswerter gehen.
In der Innenstadt zeigt man sich zwar beeindruckt von meiner Reise, aber nicht bereit, von den Preisen abzugehen. Man empfiehlt mir schließlich das ¨Deutsche Haus¨ am Schloss als das billigste Hotel am Platz. Und so zahle ich dann mit Schmerzen 40 € für das Einzelzimmer mit Frühstück. Da muss das Abendessen ausfallen.



2014-04-13 09:53 auf einer größeren Karte anzeigen


Tag 16, 14. April, nach Rommerode
Um 8:30 Uhr stürze ich mich hungrig auf mein Frühstück. Ich scheine der einzige Gast des Hauses zu sein. Unauffällig lasse ich ein Ei, einen Apfel und zwei Käsestullen im Rucksack verschwinden. Jogurt und drei Brötchen mit Käse, Schinken, Honig und Nutella verschlinge ich am Ort.
Für heute sind ganztägig schwere Regenfälle angekündigt. Daher freue ich mich doppelt, als der Himmel mich nach dem Frühstück strahlend blau auf den Weg bringt.
Auch heute steht wieder Wald auf dem Programm. Der Gastwirt im ¨Deutschen Haus¨ erklärt mir nicht nur, das Wildschweine harmlos sind, wenn man sich bei einer Begegnung nicht bewegt, und warnt, dass es im Meißner steil werden könnte.
Zwar bleibt einmal mehr die Begegnung mit dem Großwild aus. Aber steil wird es recht bald. Inzwischen setzt auch immer mal wieder Regen ein. Das bildet zusammen mit dem lehmigen Waldboden eine schöne Pampe. Zu allem Überfluss versucht mich Google Maps dann auch noch ins Unterholz zu locken. Kein Scherz: Während letzte Woche wenigstens noch ein Pfad erkennbar war, steht hier einfach nur dichter Wald.
Glücklicherweise gibt es den ¨Premiumweg 1¨. Keine Ahnung, was einen ¨Premiumwanderweg¨ von den normalen unterscheidet, aber wenigstens geht der Weg in meine Richtung.
Gegen 15 Uhr suche ich in Velmede vor einem Starkregenschauer in der örtlichen Bushaltestelle Schutz. Zeit für das Mittagessen.
Ein Dorf weiter, denke ich mir, kann ich anfangen, nach einem Nachtlager zu suchen.
Leider führt der Weg dahin über freies Feld. Und zum Starkregen gesellt sich Graupel. Ich meine sogar, etwas Schnee gesehen zu haben.
Rommerode muss also der Endpunkt für den Tag sein. Ich bin komplett durchnäßt.
Rommerode sieht das zunächst anders.
Ich klingele beim ersten Haus im Ort. Die ältere Dame entschuldigt sich: Sie hat das Haus voller Handwerker, die auch alle dort übernachten.
Beim nächsten Haus ist die Dame direkter: ¨Hier können Sie nicht bleiben.¨
Also hinein in den Edeka. Dort ist es wenigstens warm. Die Verkäuferinnen machen mir jedoch wenig Hoffnung. ¨Ja, da haben Sie sich einen ganz schlechten Ort ausgesucht. Die Leute hier sind, wie soll ich sagen, Fremden gegenüber nicht so offen.¨
Toll! Naja, sind ja nur 7 Kilometer bis zum nächsten Dorf.
Ich schleppe mich also weiter. Bei einem Gasthaus beschließe ich, es noch ein letztes Mal zu versuchen.
Montags geschlossen.
Ich gebe mich nicht geschlagen und gehe um das Haus herum, um zu sehen, ob die Wirtsleute hier wohnen.
Tatsächlich finde ich ein paar Klingeln.
Eine Frau meldet sich an der Gegensprechanlage. Ich erkläre mein Anliegen. Zu meiner großen Überraschung sagt sie: ¨Natürlich nehme ich eine Pilgerin auf.¨
Wie sich herausstellt, hat sie mich für ihre Nachbarin gehalten, die wohl häufiger solche Scherze macht. Doch mich frierenden, nassen Mensch wieder auf die Straße zu schicken, bringt sie nicht über das Herz.



2014-04-14 09:48 auf einer größeren Karte anzeigen


Tag 17, 15. April, nach Kassel
Um halb neun muss ich gehen, meine Gastgeberin ist verabredet. Sie bereitet mir aber vorher ein Frühstück und heißt mich, eine Mitnehmstulle packen.
Das alte Spiel beginnt: Hessischer Wald. Google Maps schickt mich ins Unterholz. Es regnet leise vor sich hin.
In Helsa laufe ich an einem Thermometer vorbei: 7 Grad.
Am Ortsausgang halte ich die Kälte nicht mehr aus und gehe in eine Tankstelle. Eine viertel Stunde später habe ich für einen Euro mit einem heißen Kakao meine Hände aufgewärmt, zwei Eier für das Mittagessen in der Tasche und ein Paar Handschuhe von der Verkäuferin geschenkt bekommen.
Habe ich schon mal gesagt, dass Menschen fantastisch sind?
Den Rest des Marsches muss ich einfach nur der Leipziger Straße in die Kasseler Innenstadt folgen. Dort schlüpfe ich bei Martin unter, den ich im Social Impact Lab in Berlin kennengelernt hatte. Er hat zwar leider nicht viel Zeit für mich, lädt mich aber zum Abendessen und Frühstück ein und überlässt mir großzügig sein WG-Zimmer.



2014-04-15 08:31 auf einer größeren Karte anzeigen


Tag 18, 16. April, in Kassel
Martin ist es auch, der mich ermuntert, unbedingt Kassel anzuschauen. Ich erwarte von der Stadt nicht viel. Doch schon am Abend meiner Ankunft war ich zum Sonnenuntergang in der Karlsaue gewesen, einem großen Park in der Innenstadt mit reichlich Grasflächen, auf denen die Leute Frisbee spielen oder sich einfach nur in der Sonne ahlen, Wasserbecken und Seen, kleinen Baumgruppen, dem städtischen Festplatz an einem Ende und einem Planetarium in der Orangerie am anderen. Außerdem fällt mir auf, dass in Kassel ja auch alle fünf Jahre die Dokumenta stattfindet. In der Stadt sind überall dauerhafte Installationen vergangener Ausgaben zu sehen.
Für heute Nachmittag jedoch nehme ich mir die Wilhelmshöhe vor. Der große Schlosspark wurde von den Kasseler Landgrafen an einen Berg gesetzt, oben drauf das Herkulesdenkmal.
Ich entscheide mich, von der Wohnung aus die vier Kilometer die Wilhelmshöher Allee zum Park zu laufen. An sich schon eine beeindruckende Strecke: Die breite Allee zieht sich schnurgerade über fünf Kilometer vom Schloss zur Innenstadt, vorbei an einer interessanten architektonischen Mischung von schnöden Fünfziger-Jahre-Bauten und eleganten Villen aus dem ausgehenden 19ten Jahrhundert. Kassel als Sitz mehrerer Rüstungsunternehmen war im 2. Weltkrieg Ziel amerikanischer Luftangriffe.
Der Bergpark Wilhelmshöhe bietet überraschende Highlights: In 100 Jahren Bauzeit ist hier zum eine der größeten Wasseranlagen ihrer Art entstanden, als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Zahlreiche künstliche Seen, Teiche, Kanäle, Flüsschen und Brunnen wollen entdeckt werden. Dazwischen haben die Gärtner - der englischen Gartenbaukunst des 19ten Jahrhunderts folgend - verschiedene Landschaften entstehen lassen. Es gibt Wäldchen, Auen, Rasenflächen, Sträucher usw. Dazu kommen kleine Bauwerke, von der chinesischen Pagode über Tempel mit Namen griechischer Götter bis hin zu der Burgruine ¨Löwenburg¨, die den Landgrafen einst als Lustschloss diente. Ich klettere die Wege und Treppen hinauf und hinab, setze mich immer wieder nieder, um die Aussicht zu genießen.
Gegen halb sieben bin ich zurück an der Wohnung. Von meinem Ruhetag ist nicht viel übrig: Die 18 Kilometer, die ich heute gegangen bin, werde ich zum Ende der Woche noch zu spüren bekommen.



2014-04-16 12:19 Wilhelmshöher Allee 32A auf einer größeren Karte anzeigen


Tag 19, 17. April, nach Bursfelde, nein, Glashütte (an der Weser)
Eigentlich will ich mich heute früh aufmachen. Die Nacht möchte ich im Kloster Bursfelde an der Weser verbringen. Bis dahin sind es fast 40 km.
Doch es kommt einmal mehr anders: Ein Wordpress-Update führt dazu, dass ausgerechnet die deutsche Website für mich nicht mehr erreichbar ist. Ich versuche, den Fehler eine Stunde lang zu beheben bevor ich entnervt aufgebe. Wahrscheinlich wird den Besuchern der Fehler nicht auffallen.
Ich entschließe mich, die Tram aus der Innenstadt zu nehmen, und wenig später auch den Weg von Kassel Ihringstadt nach Hannover Münden mit dem Bus zu absolvieren. Der Busfahrer ist so freundlich, meine Fahrkarte von der Tram für die gesamte Busfahrt gelten zu lassen.
Wie von Martin angekündigt, ist die kleine Altstadt von Hann. Münden ein Juwel der Fachwerksbaukunst. In der Stadt vereinen sich die Flüsse Fulda und Werra zur Weser. Dieser muss ich nun einfach für den Rest des Nachmittags zum Kloster folgen.
Da Gründonnerstag ist, bin ich heute auf meiner Wanderung zumindest nicht allein. Immer wieder werde ich von Fahrradfahrern überholt. Ich mache die Beobachtung, dass ältere Herrschaften sich mit einem kurzen Klingeln ankündigen, wenn sie von hinten an mich heranfahren, und auch freundlich grüßen. Die voll ausgestatteten Amateurfahrer in ihren Spandex-Uniformen, mit den Rennrädern und schnittigen Sonnenbrillen dagegen scheinen weder vom Grüßen noch vom Lächeln und schon gar nicht vom sich vor dem Vorbeirauschen ankündigen viel zu halten. Auch die jungen Familien schauen zumeist sehr ernst drein.
In Hemeln an der Fähre mache ich kurz Pause. Die verrückten Hessen und Niedersachsen (die Grenze verläuft mit der Weser), haben sich entschieden, nur alle Jubeljahre mal eine Brücke über den Fluss zu setzen. Also ist es wichtig, sich schon in Hann. Münden klar zu sein, wohin die Reise gehen soll, wenn man wie ich zufuß unterwegs ist.
An einem Campingplatz gönne ich mir einen Toilettenbesuch (50 Cent) und ein Eis (auch 50 Cent). Nun sind es ¨nur noch acht Kilometer¨ nach Bursfelde.
Die ziehen sich jedoch wie Gummi.
Vor Glashütte weckt ein Schild am alten Forsthaus meine Aufmerksamtkeit. ¨Joie de Vivre, Tantra-Yoga, Begegnungsstätte, Rückzugsort für Pilgerer¨ wird darauf unter anderem angekündigt. Ich überlege einen Moment, ob ich nicht schon hier um ein Nachtlager anfragen soll, entscheide mich dann aber doch dagegen. Ein Plan ist ein Plan.
Schöner Plan!
Kurz nach fünf erreiche ich das Kloster Bursfelde. Die Kirche steht offen. Doch abgesehen von ein paar Kanuten, die hier eingesammelt werden, kein Mensch. Die Pilgerherberge ist verschlossen. ¨Wir sind von Ostern bis zum Reformationstag für Sie da.¨
Gehört Gründonnerstag wohl schon zu Ostern?
Auf dem Zettel steht eine Handynummer. Ich rufe an. Erfolglos. Auch die nächsten zwei Mal meldet sich niemand.
Schließlich gebe ich auf. Ich suche die Telefonnummer für das Forsthaus im Internet. Bevor ich mich die knapp drei Kilometer wieder zurück begebe, möchte ich sicher sein, dass da auch jemand auf mich wartet. Die Dame auf der anderen Seite der Leitung ist überrascht und hoch erfreut über meinen Anruf. Ich bin der erste Herbergsgast.
Eine Stunde später sitze ich bei einem Glas Apfelschorle und selbst gemachten Pralinen im Garten und beobachte, wie Dina und Achim eine Schaukel anbringen. Dann meditieren wir, essen Wildkräutersalat zum Abend und gehen früh zu Bett.



2014-04-17 10:29 Weigelstraße 2 auf einer größeren Karte anzeigen


Tag 20, 18. April (Karfreitag), nach Fredelsloh
Auch heute steht wieder eine lange Strecke an. Ich habe mich über couchsurfing.org mit Janne in Fredelsloh verabredet. Das sind inklusive der 3 Kilometer zurück zurück nach Bursfelde 35 Kilometer. Gerade als ich mich auf den Weg machen will, kommt ein heftiger regenschauer nieder. Also nutze ich die viertel Stunde Wartezeit, um eine Karte zu ziehen. ¨Metamorphose¨. Das bedeutet Veränderung. Ich denke mir, ¨das passt ja.¨ Doch Dina gibt mir mit auf den Weg: ¨Überlege, was wäre, wenn du nicht weitergehen und deine Reise nicht wie geplant vollenden würdest.¨
Schließlich klarrt der Himmel auf. Los geht's!
Noch ein paar Kilometer folge ich der Weser. Dann biege ich ab Richtung Weserbergland. Ich versuche, längere Stücke zu laufen und dafür auch längere Pausen zu machen. Irgendwo zwischendrin erreiche ich die ersten 500-Kilometer-Marke. Wenn auch nicht die ganze Zeit voller Freude, komme ich gut voran.
Bis zehn Kilometer vor dem Ziel.
Ich biege von der Landstraße weg in einen Wald ein. Weserbergland bedeutet hier, daß es stetig bergauf geht. Zwischendrin regnet es heftig. Mir ist also kalt und die Waldwege werden davon auch nicht besser.
Fünf Kilometer vor dem Ziel schicke ich eine SMS an Janne, um meine Ankünft anzukündigen. Nun muss ich mich entscheiden: Gehe ich auf der Landstraße weiter, Sicher, dass die Straße dahin führt, wo von Google Maps angezeigt, dafür aber bisschen länger. Oder gehe ich weiter durch den Wald.
Soweit ich in den Wald hineinsehen kann, geht es von hier an bergab. Das überzeugt mich. Meine Belohnung für den ewigen Anstieg.
Nach wenigen hundert Metern bereue ich die Entscheidung. Der Weg verliert sich auf einer frisch gerodeten Lichtung. Zurück will ich aber nicht. So taste ich mich die Lichtung entlang, das Handy immer in der Hand. Da muss doch ein Weg kommen! Stattdessen folgt eine weitere Rodung. Erst darauf ein Wirtschaftsweg.
Völlig fertig erreiche ich Fredelsloh. Ich überlege, ob ich vielleicht nicht zwei oder drei Nächte bleiben könnte. Doch es ist Ostern und Janne eine viel beschäftigte Frau. Also gebe ich die Idee bald auf.



2014-04-18 09:25 auf einer größeren Karte anzeigen


Tag 21, 19. April, nach Wachenhausen bei Katlenburg
Janne gibt mir zwei Tipps: Anstelle des Weges, den Google Maps mir vorgibt, soll ich am Fuße des Ahnsberges (aus dem die Familie auch ihren Ton holt) Richtung Moringen laufen. Das ist schöner als die Bundesstraße. Und für die Nacht soll ich Wachenhausen bei Katlenburg ansteuern. Dort lebt der Töpferkollege Nelly mit seiner Frau Gesa in einem alten Bauernhaus.
Ich befolge beide Ratschläge.
Am Waldrand finde ich eine Ducksteinquelle, die ich sogleich für eine Rast nutze. Das Wasser ist klar und sehr lecker.
Nach Northeim werden die Beine wieder schwer. Zu allem Überfluss merke ich, dass die Blasen zurück sind. Diesmal sind an beiden Füssen die Innenseiten betroffen. Doch es ist Samstag und die Busse fahren eh nicht. Ich beisse die Zähne zusammen und erreiche schließlich gegen fünf die Töpferei.
Wie Janne vorausgesagt hatte, braucht es nicht viel Erklärung und Gesa zeigt mir das Gästezimmer. In der mollig warmen Küche genieße ich ein paar Tassen Tee und Schmalzbrote. Eigentlich bin ich bettreif. Aber Nelly unnd Gesa überzeugen mich, mit zum Osterfeuer zu gehen. Die beiden stechen schon merklich aus der alteingesessenen Dorfbevölkerung hervor. Doch es ist offensichtlich, dass sie sich in den vergangenen Jahrzehnten hier einen Platz erobert haben. Ich kann Gesa nur zustimmen, die davon schwärmt, wie engagiert die Bewohner hier Traditionen pflegen. Das Osterfeuer, zum Beispiel, wird voller Stolz von den Kindern entzündet: Jedes erhält eine Fackel und auf ein Signal halten sie diese in das Stroh.
Wir bleiben zwei Stunden, schnacken mit dem einen oder anderen und folgen dem fröhlichen Treiben, bevor ich dann mit einer Wärmflasche in mein Bett sinke.



2014-04-19 10:11 auf einer größeren Karte anzeigen


Ich hatte zu Beginn der Reise gesagt, dass die ersten drei Wochen darüber entscheiden, ob ich die gesamten 200 Tage durchhalte. Natürlich kann ich nicht sagen, was alles noch passieren wird. Und ja, ich muss noch mein lernen, mein Tagespensum so einzustellen, dass ich nicht schon zehn Kilometer vor dem Ende des Tages fix und fertig bin. Doch tief in mir drin glaube ich mehr denn je, dass ich es schaffen kann, wenn ich will. Die überwältigende Mehrheit der Menschen, die mir in den ersten 21 Tagen begegnet sind, waren nicht nur neugierig und freundlich, sie waren auch hilfsbereit und ihre Ideen, mich selbst mit Kleinigkeiten wie einem Paar Handschuhen zu unterstützen, berühren mich jedes Mal aufs Neue.