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Zeugin einer illegalen Rückführung

Niklas
Niklas wrote on 15-02-2020

Liebe Sea-Watch-Supporter*in,

ich möchte Dir unsere Aktivistin Neeske vorstellen. Neeske ist 30 Jahre alt, hat Psychologie studiert und engagiert sich seit Jahren für Menschen auf der Flucht im zentralen Mittelmeer. Seit 2018 ist sie bei Sea-Watch aktiv. Zunächst unterstützte sie bei den Werftarbeiten der Sea-Watch 3, heute fliegt sie regelmäßig Einsätze mit unserem Suchflugzeug Moonbird als Einsatzkoordinatorin. Hier erzählt sie uns von ihrer Mission:

„Eigentlich waren wir in Bereitschaft, da der Wetterbericht eine unruhige See vorhergesagt hatte. Doch am frühen Morgen wurden wir durch das Alarm Phone von einem Boot nördlich der libyschen Küste informiert. Die Flüchtenden an Bord hatten in der Nacht einen Notruf abgesetzt. Der Zustand und die genaue Position des Bootes waren unklar, also machten wir uns auf die Suche.


Neeske und ihr Kollege bereiten den Einsatz vor.
Foto: Hannah Wallace — Sea-Watch.org

Wir eilten zum Flugzeug und steuerten nach dem Start sofort die letzte bekannte Position an. Schon auf dem Weg ins Suchgebiet hörten wir, dass auch ein Flugzeug der europäischen Grenzschutzagentur Frontex vor Ort war und die sogenannte Libysche Küstenwache zum Boot führte. Wir mussten aus der Luft mit ansehen, wie die Menschen illegal zurück in das Kriegsgebiet Libyen geschleppt wurden."

Wir sind erschüttert und wütend, wie schamlos die EU an der Koordinierung von Menschenrechtsverletzungen beteiligt ist, mit fatalen Folgen für die Betroffenen. Denn in Libyen drohen Flüchtenden bekanntlich Inhaftierung, Folter, Tod. Seit der Bürgerkrieg in dem Land erneut eskaliert, geraten auch Zivilist*innen immer wieder ins Kreuzfeuer der Kämpfe rund um die Hafenstadt Tripolis, in die die Menschen zumeist zurück geschleppt werden.


Aus der Luft müssen sie machtlos beobachten, wie die sogenannte Libysche Küstenwache Menschen zurück ins Bürgerkriegsland schleppt.

Foto: Sea-Watch.org

Tage wie diese zeigen, dass zivile Rettungsschiffe wie die Sea-Watch 3 weiterhin dringend benötigt werden, damit Menschen auf der Flucht weder ertrinken müssen, noch von libyschen Milizen in ein Bürgerkriegsland verschleppt werden. Solange Menschen den gefährlichen Weg über das Mittelmeer wagen müssen, werden wir nicht wegschauen, ob aus der Luft oder vom Wasser.

Während unsere Moonbird-Crew durchgehend Einsätze fliegt, um Rettungen zu koordinieren oder zu dokumentieren, wie skrupellos Europa seine Grenzen verteidigt, lag unser Schiff Sea-Watch 3 die letzten Wochen in einer Werft im spanischen Burriana. Neben routinemäßigen Wartungsarbeiten haben wir die Zeit auch genutzt, um ein neues Radar zu installieren, mit dem wir Boote auf See schneller entdecken können.


Auf der Sea-Watch 3 wird ein neues Radar installiert.
Foto: Tim Wagner — Sea-Watch.org

Eine Mission unserer Flugzeug-Crew, die mit der Moonbird im zentralen Mittelmeer im Einsatz ist, beginnt meist am frühen Morgen. Vor dem Start kontrollieren die Aktivist*innen die Maschine und führen ein Sicherheitsbriefing durch. Ist das Flugzeug dann in der Luft, folgt die vierköpfige Crew in der Such- und Rettungszone – sofern keine konkreten Notrufe eingehen – bestimmten Suchmustern. Diese werden vor jeder Mission auf Basis der Wetter- und Windvorhersagen sowie den Entwicklungen auf See entworfen, später immer wieder im Backoffice aktualisiert und umgehend an die Crew kommuniziert.

Bis zu acht Stunden kann eine Mission dauern, in denen die Aktivist*innen an Bord ständig die direkte Umgebung absuchen. Manchmal befinden sich die seeuntauglichen Boote der Flüchtenden in der Nähe der zahlreichen Ölplattformen vor der libyschen Küste. Nicht selten halten sie diese, wenn sie in dem Kriegsgebiet aufs Wasser gehen, bereits für europäisches Festland.

Deine Spende rettet Leben!

Die Suchflüge sind ein enorm wichtiger, aber auch sehr kostenintensiver Teil unseres Kampfes gegen das Ertrinken im Mittelmeer. Ich bin Dir sehr dankbar, dass Du mit Deinem Support in Form einer Spendeoder Fördermitgliedschaft dafür sorgst, dass unsere Flugzeug-Crew in der Luft bleiben kann. Bitte bleib uns treu – gemeinsam machen wir einen Unterschied!

Liebe Grüße aus dem Sea-Watch-Team
Joshua Krüger

Vorstand Sea-Watch e.V.

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