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Eine Abschiedsbotschaft von Fiona Watson

Linda P.
Linda P. wrote on 08-07-2026



Fiona und Angehörige der Waiãpi ruhen sich nach den Feierlichkeiten zu einem ganztägigen Fischfest aus, 2008. © Survival


Liebe Unterstützerin, lieber Unterstützer,

Fiona Watson, unsere Leiterin für Research & Advocacy, geht nach 36 Jahren Einsatz für die Rechte indigener Völker in den Ruhestand. Sie prägte die Arbeit von Survival maßgeblich und baute enge, vertrauensvolle Beziehungen zu indigenen Menschen und Gemeinden auf – Beziehungen, die das Fundament unserer Kampagnen bilden.

In ihrer Abschiedsbotschaft blickt sie zurück:

Gerade heute fällt es leicht, die Hoffnung zu verlieren. Die Welt wirkt oft bedrückend. Wenn ich jedoch aus den letzten 36 Jahren eine zentrale Erkenntnis ziehen müsste, dann diese: Die Auslöschung indigener Völker ist nicht unvermeidlich.

Ich erinnere mich an meinen Besuch im Jahr 2005 bei den letzten sechs Angehörigen des Akuntsu-Volkes im brasilianischen Amazonasgebiet – Überlebende unzähliger Massaker, von denen die Außenwelt kaum Notiz nahm.

Als ich ankam, führten sie auf einer kleinen Lichtung einen langsamen Willkommenstanz auf – ein bewegender Moment trotz allem, was sie erlitten hatten. Heute leben nur noch drei von ihnen. Ihr Leid ist kaum vorstellbar. Und doch gibt es selbst hier Hoffnung: Babawru, eine der Überlebenden, brachte kürzlich ein Kind zur Welt – das erste neue Mitglied ihres Volkes seit langer Zeit.

Ein anderes Mal reiste ich in die Yanomami-Gemeinde Biaú zu einem ‚reahu‘, einem Begräbnisfest. Solche Zeremonien dauern oft viele Tage und verbinden Trauer mit Gemeinschaft und Erinnerung. Dieses Fest erstreckte sich über zehn Tage voller Essen, Spiele und Begegnungen. Es fand kurz nach der offiziellen Anerkennung des Yanomami-Gebiets statt, für die Davi Kopenawa, Survival und viele andere 20 Jahre gekämpft hatten.




Fiona Watson und der Yanomami-Anführer Davi Kopenawa in Brasilien, 2012 © Survival

Die Menschen dort strahlten Selbstbewusstsein und Stolz aus – ein Eindruck, der mich bis heute begleitet. In meiner Hängematte im Gemeinschaftshaus wurde mir klar: Dafür gibt es Survival. Dafür lohnen sich die jahrelangen Kampagnen.

Doch die Realität ist oft eine andere. Wo indigenen Menschen ihr Land genommen wird, verschwinden Würde und Sicherheit.

Im Süden Brasiliens lernte ich viele Angehörige der Guarani kennen. Seit den 1950er Jahren wurde ihnen fast ihr gesamtes Land geraubt und in Agrarflächen umgewandelt. Viele leben heute in provisorischen Unterkünften entlang von Straßen.

Damiana Cavanha war die Anführerin einer solchen Gemeinde – Apy Ka’y. Nach ihrer gewaltsamen Vertreibung kehrte sie mit ihrem indigenen Volk immer wieder auf ihr Land zurück – über Straßen, durch Zäune und trotz wiederholter Angriffe durch Polizei und Militär im Auftrag von Großgrundbesitzer*innen.

Ihr Ehemann, drei ihrer Kinder und ein Enkel starben an der Straße. Dennoch blieb sie unbeugsam. Ihre Worte sind mir im Gedächtnis geblieben: „Ich werde diesen Ort niemals verlassen. Ich werde auf dem Land unserer Ahnen sterben. Ich werde nicht fliehen.“ Sie verstarb 2023. Ihre Gemeinde jedoch kämpft bis heute weiter.

Auch Xlaremma Phuti hat mich tief beeindruckt. Als ich sie erstmals in ihrer Gemeinde Molapo in der Kalahari-Wüste in Botswana traf, war sie eine angesehene Heilerin. Eines Abends führte sie gemeinsam mit anderen den Trancetanz um ein loderndes Lagerfeuer auf. Sie tanzten immer schneller, bis sie in Trance fiel. Fast ins Feuer stürzend, rieb sie sich glühende Kohlen über den Kopf und lag anschließend fünfzehn Minuten regungslos da, um mit den Geistern ihrer Ahnen in Verbindung zu treten und die Krankheiten der Menschen zu heilen.

Jahre später begegnete ich ihr erneut – nach ihrer Vertreibung in ein Umsiedlungslager, ein Schicksal, das sie mit vielen Angehörigen der Khwe (früher als „Buschleute“ bezeichnet) teilte. Von ihrem Land getrennt und eines großen Teils ihrer Kraft beraubt, schien sie nur noch ein Schatten ihres früheren Selbst zu sein. Als ich sie fragte, ob sie den Trancetanz noch immer ausübe, antwortete sie: „Nein. Nicht hier. Die Ahnen sind zu weit weg.“

Dieser Moment machte mir die tiefgreifenden psychologischen Folgen von Vertreibung deutlich – eine Erkenntnis, die mich nie losgelassen hat.

Trotz allem überwiegt bei mir die Hoffnung. Als Survival gegründet wurde, steckte die indigene Bewegung noch in den Anfängen. Heute gibt es weltweit zahlreiche indigene Organisationen und Führungspersönlichkeiten, die ihre Rechte selbstbewusst vertreten. Und auch Survival ist stärker denn je.

Danke für deine Unterstützung. Unsere Bewegung lebt von Unterstützer*innen wie dir.

Zum Abschied möchte ich die Worte von Roy Sesana – einem anerkannten Anführer der Khwe aus der Kalahari – weitergeben, die uns in schwierigen Zeiten begleitet haben:„Saa! Saa! Saa! Macht weiter! Macht weiter! Macht weiter!“

Herzliche Grüße

Fiona Watson