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Briefe zu schreiben ist mein Engagement

Sabrina Syben
25.11.2013

Wer sich erinnert: Im Juni habe ich Euch schon ein paar Möglichkeiten vorgestellt, wie man sich von der Couch aus engagieren kann. Seitdem sind noch einige neue Zeitspenden-Suchen auf unserer Zeitspenden-Plattform hinzugekommen. Heute möchte ich Euch von meinem Engagement bei Freiabonnement für Gefangene e.V. berichten. Für mein Engagement brauche ich nur einen Stift, Papier und Briefmarken. Was ich mache?

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Ich schreibe regelmäßig Briefe an einen Inhaftierten. Er sitzt seit über dreizehn Jahren im Gefängnis. Im Laufe der Jahre konnte er seinen Schulabschluss nachholen, hat eine mehrjährige Sozialtherapie gemacht und im nächsten Jahr wird er Weihnachten wieder in Freiheit verbringen. In einem Gespräch mit Annette Baginska von Freiabonnement für Gefangene e.V. konnte ich mehr über dieses Projekt erfahren.

Was bedeutet der Briefwechsel für die Inhaftierten?

Für viele Inhaftierte gibt es keine Ansprechpartner mehr außerhalb der Anstalt. Die Welt im Gefängnis kreist um den Haftalltag. Beziehungen zur Familie oder Freunden haben den Belastungen oft nicht Stand gehalten und sind abgebrochen. So ist es gerade für Gefangene mit langen Haftstrafen etwas Besonderes, jemanden zu kennen, der „draußen“ ein ganz normales Leben führt. Gleichzeitig ist es für Gefangene schwer, neue Kontakte aufzubauen. Da Gefangene kein Internet zur Verfügung haben, sind Briefe nach wie vor ein wichtiges Kommunikationsmittel. Bei dem Briefwechsel steht der geistige Austausch im Vordergrund.

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Für meinen Briefkontakt bedeutet das Briefe-Schreiben folgendes:

“Ich dachte mir, dass keine oder keiner eine Brieffreundschaft anfangen möchte. Ich bin froh, dass es doch noch Menschen gibt, die uns schreiben. Das was ich vorzuweisen habe, ist eine schlechte Vergangenheit, aber eine gute Gegenwart und eine bessere Zukunft. Ich finde es gut, dass es solche Möglichkeiten gibt, für Gefangene, so Kontakt zu halten mit der Außenwelt. Wenn man schreibt, vergisst man für einen Augenblick den Alltag hinter Gittern. Es ist der Austausch von gegenseitigen Informationen, das Gefühl zu haben, nicht alleine zu sein und ein Stück Freiheit vom Briepartner zu erfahren, der mich motiviert. Viele von uns wünschen sich einen Briefpartner und Freiabonnement für Gefangene e.V. ermöglicht das.”

Was motiviert die Zeitspender zu diesem Briefwechsel?

Annette Baginska erklärte mir, dass Briefpartnerinnen und Briefpartner von „draußen“ etwas über den Alltag hinter Gittern erfahren möchten. Viele stellen sich als Gesprächspartner zur Verfügung, weil sie aus eigener Erfahrung wissen, dass sich mit dem Briefe-Schreiben die Gedanken ordnen lassen. Und nicht zuletzt ist es eine Gelegenheit, das Briefe-Schreiben zu pflegen, das für die meisten von uns längst zum Relikt geworden ist.

Für mich selber bedeutet dieser Briefkontakt, die Chance selber vorurteilsfrei durch jemand anderen kenngelernt zu werden und selber jemand anderen kennenzulernen. Jeder entscheidet selbst, wie viel und was er erzählen will. Unbelastet von Fehlern der Vergangenheit und Äußerlichkeiten. Mit der Zeit beginnt man sich Ratschläge zu geben. Mit anderen Worten: Nicht nur ich engagiere mich, sondern mein Briefkontakt ebenso.

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Was macht Freiabonnement für Gefangene e.V.?

Über die Angaben von Alter, Ort und Hobbys erfolgt die Briefkontaktvermittlung auf dem Postweg. Wer die Adresse nicht an den Gefangenen weitergeben möchte, kann den Briefwechsel über die Büroadresse von Freiabonnement für Gefangene e.V. laufen lassen. Seit zehn Jahren vermittelt Freiabonnement für Gefangene e.V. diese Kontakte. Allein im letzten Jahr waren es 273. Einige der Briefkontakte funktionieren über Jahre, andere nicht. Eine andere Welt konnte dabei aber jeder kennenlernen.

Mehr Angebote für ein Engagement vom eigenen Schreibtisch aus, findet Ihr auf unserer Zeitspenden-Plattform: