Mobile DRK-Klinik für Erdbebenopfer in Haiti

Neuigkeiten: Hier infomiert Dich der Träger über den Stand der Dinge in diesem Projekt. So kannst Du beurteilen, wie mit den Spenden umgegangen wird.

S. Sommer (verantwortlich), verfasst vor etwa 2 Jahren

S. Sommer

Neuanfang in Haiti - Jetzt mithelfen!

Es geht voran mit dem Wiederaufbau in Haiti und ihr könnt dabei sein.

Schaut mal auf unserem neuen betterplace-Projekt vorbei. Das Rote Kreuz baut für über 5.000 Familien Unterkünfte, denn die Regenzeit beginnt jetzt und die Menschen brauchen dringend ein Dach über dem Kopf.

http://de.betterplace.org/projects/3824-neuanfang-in-haiti-hurrikansichere-behausungen

Hilfe für Haiti - Bitte macht noch einmal mit mit eurer Spende!

Vielen, vielen Dank!!!!!!!

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S. Sommer (verantwortlich), verfasst vor etwa 2 Jahren

S. Sommer

Was Kängurus mit Neugeborenen in Haiti zu tun habe

... erzählt euch Oliver Bartel, Kinderarzt und seit Mitte April im DRK-Feldhospital in Port au Prince tätig.

Andere Länder, andere Sitten

Meine Erfahrungen in der Kinderheilkunde, speziell Neonatologie, waren sehr wichtig, um die Aufgaben im Feldhospital zu bewältigen. Hier finden pro Monat um die 200 Geburten statt, die auch eher kompliziert oder als Frühgeburt verlaufen. So sehen wir zurzeit viele Frühchen oder Neugeboreneninfektionen, die Dank der heißen und feuchten Temperaturen auch gut ohne Inkubator behandelt und versorgt werden können. Ganz großen Werte lege ich auf das Kangarooing / Bonding nach der Geburt und war über die Einstellung der Mütter hier sehr überrascht. Diese haben zunächst direkt nach der Geburt Angst vor Ihrem Kind, möchten sich erst einmal “waschen” und halten vom Bonding eher wenig. Sie sind über die neuen Methoden der “Weißen” sehr erstaunt, die Ihnen das Neugeborene sofort auf die blanke Haut an die Mutterbrust legen. Wir versuchen daher mit sanfter Überzeugungskraft, diese gute Versorgung den Kleinen zukommenzulassen. Es wird von Tag zu Tag besser und gewöhnlicher, auch für die lokalen Schwestern und Hebammen.

Überleben auch ohne High-Tech-Medizin

Wunder geschehen neben dem großen Leid ebenfalls und Stacy ist ein solches. Vor 17 Tagen in der geschätzten Schwangerschaftswoche 26 wurde sie als extrem leichtes Frühchen geboren. Das Geburtsgewicht betrug ca. 800g und sie atmete ohne Hilfe. Normalerweise benötigen Kinder, die in dieser Woche geboren werden, eine Beatmung und teure, hier nicht erhältliche Medikamente. Dieses Kind hatte den Vorteil, dass es als Mädchen geboren wurde, denn Mädchen, die um diesen Termin geboren werden, sind meistens “stärker” als Jungen. Zurzeit wiegt sie 790g und muss noch ihr Geburtsgewicht erreichen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und wenig gut geschätzten Überlebenschancen, kämpfte sie und nimmt zurzeit sogar an Gewicht zu. Sie wird mit Muttermilch gefüttert, mit Minimal Handling versorgt und zeigt uns so, dass es auch ohne High-Tech-Medizin, lediglich mit sanfter Pflege und Vorsicht im Krankenhaus auf der allgemeinen Intensivstation zu überleben möglich ist. Sie liegt neben infektiösen Erwachsenen und Kindern. Kein Vergleich zu den sonstigen in westlichen Krankenhäusern üblichen “sauberen” Pflegestandards.

Gute Überlebenschancen dank Teamarbeit

Ein Wunder, die Mutter hat das Kangorooing schließlich doch übernommen und die Schwestern erledigen das Weitere. Stacy hat sogar schon richtig “Farbe” bekommen und sieht nun ihrer Mutter immer ähnlicher. Anfangs, kurz nach der Geburt sind die farbigen Babys keineswegs so deutlich dunkel pigmentiert. Sie “dunkeln“ erst nach einigen Tag nach. Wir können das alles kaum glauben, aber sie hat wirklich gute Chancen zu überleben. Auch wenn sie dann ca. 2 Monate mindestens im Hospital verbringen muss. Dank einiger neonatologisch erfahrenen Schwestern und Pflegern hier, können wir eine Neonatologie mit hohem Standard anbieten. Eine enge Zusammenarbeiten zwischen Gynäkologen, Hebammen und Kinderärzten hilft hier maßgeblich. Ich bin sehr froh, in einem so professionellen Team arbeiten zu können.

von Oliver Bartel

(Oliver Bartel hat bereits fünf Jahre im Bereich Neonatologie in den DRK-Kliniken Westend gearbeitet. Neonatologie ist ein Zweig der Kinderheilkunde, der sich mit Neugeborenenmedizin und –versorgung befasst.)

Bebildert findet ihr diesen Bericht in unserem Haitiblog: http://haitiblog.drk.de

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S. Sommer (verantwortlich), verfasst vor etwa 2 Jahren

S. Sommer

Haiti: 100 Tage nach dem Erdbeben

 

André Hemping-Bovenkerk ist seit vier Wochen als Teamleiter der DRK-Basisgesundheitsstation in Port au Prince tätig. Zuvor war er für das Rote Kreuz bereits in unterschiedlichen Ländern, unter anderem in Indien und im Iran, im Einsatz und hat dort nach Erdbeben Hilfe geleistet. 100 Tage nach dem schweren Erdbeben in Haiti berichtet der Anästhesist über die aktuelle Situation vor Ort:

"Eines der Hauptanliegen in den vergangenen Wochen des Einsatzes war es, die medizinische Hilfe noch näher zu den Menschen in die Camps und Stadtviertel zu bringen. Neben dem Betrieb der Basisgesundheitsstation, welche in etwa einer Allgemeinmedizinischen Praxis entspricht, in der täglich zwischen 100 und 150 Patienten versorgt werden, fahren wir gemeinsam mit haitianischen Ärzten und Krankenschwestern, bepackt mit Medikamenten, Untersuchungs- sowie Behandlungsmöglichkeiten raus in die Camps und versorgen die Menschen direkt vor Ort. Jeden Tag fahren wir in eine andere Gegend und erleben wieder neue Menschen und neue Schicksale.

Während er Wartezeiten schulen wir die Patienten

Täglich sehen wir viele Menschen, die unter den schlechten hygienischen Bedingungen leben müssen und  dadurch erkranken. Gemeinsam mit freiwilligen Helfern des Haitianischen Roten Kreuzes nutzen wir die Wartezeit der Patienten, um ihnen Wissen rund um das Thema Hygiene und Gesundheit zu vermitteln. Mit Gesang und einfachen Spielen versuchen wir so, das Bewusstsein für einige Verhaltensweisen, die Krankheiten übertragen können, zu schärfen.

An einen Rückzug aus Haiti ist noch lange nicht zu denken

In unseren mobilen Kliniken vor Ort behandeln wir hauptsächlich Atemwegs-, Haut- und Durchfallerkrankungen. Wenn wir nicht weiter helfen können, überweisen wir die Patienten in eines der örtlichen Krankenhäuser oder in das Feldhospital des Deutschen Roten Kreuzes in Carrefour – einer Nachbarstadt von Port au Prince. Insgesamt versorgt unser sechsköpfiges Team aus den unterschiedlichsten Nationen ungefähr 1300 Patienten pro Woche. Die Haitianer, die wir behandeln,  sind meistens sehr höflich und zurückhaltend und doch merkt man ihnen an, wie dankbar sie für die Hilfe sind, die wir ihnen täglich entgegenbringen.

Eine Massenimpfung, die vor etwa drei Wochen abgeschlossen wurde, und die zusätzliche Versorgung durch internationale Organisationen haben bislang verhindern können, dass es zu einem Ausbruch von Infektionskrankheiten kommen konnte. Ob das auch während der Regenzeit so bleibt, ist schwer vorherzusagen. Trotz der beginnenden Regenzeit ziehen sich viele Organisationen leider mehr und mehr aus Port au Prince zurück oder verlagern ihre Tätigkeiten in das Umland. So entstehen in bereits versorgten Stadtgebieten wieder Versorgungslücken, die von dem örtlichen Gesundheitssystem noch nicht wieder aufgefangen werden können.

Normalerweise beginnt einige Monate nach der Katastrophe die Phase, in der Hilfsprojekte an örtliche Kräfte oder an Behörden übergeben werden. Doch diese sind in Haiti fast nicht zu finden, gerade auch deshalb, weil es Haitis Hauptstadt und damit zentrale Organisations- und Verwaltungsstrukturen schwer getroffen hat. Der Einsatz in der Karibik wird wohl weit länger dauern als normalerweise geplant. Und bereits jetzt steht fest, dass das Deutsche Rote Kreuz dank der Spendengelder seine Hilfe mindestens bis zum Jahresende wird fortsetzen können.

Bislang waren über 900 Helfer des Roten Kreuzes aus den verschiedensten Ländern im Einsatz und in den kommenden Monaten werden noch Hunderte hinzukommen. Es ist gut zu sehen, wie viele Menschen aus so vielen Nationen gemeinsam etwas bewirken und verbessern können. Gerade das macht die Situation für die Helfer erträglich. Etwa drei Wochen werde ich noch in Haiti bleiben und hoffe, dass es gelingt, die Weichen für eine langfristige Hilfe für die Menschen in Haiti zu stellen, so dass der Wiederaufbau beginnen kann."

von André Hemping-Bovenkerk

 

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