N. Kochhan
fragte vor mehr als 2 Jahren
Viele Delfintherapien werden weit ab der Heimat behinderter Kinder für sehr viel Geld in sogenannten Therapiezentren wie Marmaris in der Türkei und vielen anderen mehr angeboten. Ein enormer Aufwand und oft auch Stress für die meist kleinen Patienten.
Da die Wirkungsweise einer Delfintherapie bisher nicht nachgewiesen werden konnte, lehnen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen diese zurecht weiterhin ab. Also müssen betroffene Eltern Geld mühsam sammeln, da sie meist nicht in der Lage sind, solche Beträge selbst aufzubringen. Sie wenden sich somit u.a. an Orgas wie den Stiftungsfond Delfintherapie und andere.
Die Arbeit mit Delfinen während eines solchen Angebotes selbst ist eher minimal, im Vergleich zum Komplettangebot der Anbieter. Den meisten Anteil der Gesamtkosten verschlingen Flug, Hotels, Beratungen, Rahmenprogramm usw. Das steht in keinem Verhältnis zum zeitlichen Anteil des Delfinkontaktes. Nicht die Eltern profitieren von der Delfintherapie sondern die Anbieter, sie verdienen sich eine goldene Nase damit!
Alle konventionell Tätigen im medizinischen Bereich wissen, dass bestimmte Störungsbilder/ Behinderungen nicht in einem Schnellverfahren behandelt werden können. Viele Eltern betroffener Kinder werden im Laufe einer Therapie ungeduldig und erwarten schnellere Ergebnisse. Hier setzen meist die Anbieter der Delfintherapie ein, der Stiftungsfond spricht von "4 mal schnelleren Ergebnissen", „Traditionelle Therapien, wie beispielsweise die Physiotherapie und die Sprachtherapie, erreichen nach einiger Zeit eine Grenze“.
Solche Pauschalaussagen sind schlichtweg Unsinn und unseriös gegenüber den wissenschaftlich anerkannten Heilmethoden. Mit solchen Aussagen lockt man interessierte Eltern an und weckt klar falsche Hoffnungen.
Eltern behinderter Kinder greifen verständlicherweise nach jedem Strohhalm, der ihre Kinder weiterbringen könnte. Jeder verantwortlich handelnde Arzt, Heilmittelerbringer oder Psychologe wird diesen Eltern jedoch in einfühlsamen Beratungsgesprächen offen sagen, dass es sich meist um Langzeittherapien handelt und Geduld seitens der Eltern und Kinder gefragt ist.
Ein schöner Urlaub mit ihren Kindern in klimatisch angenehmen Gegenden kann oft schon „Wunder“ bringen, weil die Eltern Zeit für ihre Kinder haben, vieles unternehmen und die entspannte Atmosphäre genießen können...auch ohne Delfinkontakt.
Delfine können weder heilen, noch sind sie Co-Therapeuten oder können nachhaltig positive Veränderungen herbeiführen. Die Betonung liegt auf Nachhaltigkeit.
Glauben Sie im Ernst, liebe Eltern, dass Delfine in 2-3 Wochen im Rahmen eines kompletten Urlaubsprogramms das leisten können, was seriöse Therapeuten in einigen Fällen oft auch nach 3-4 Jahren und länger nicht erreichen?
Das liegt nun mal an der Art der Behinderungen und ist völlig normal.
Liebe Eltern, machen Sie sich bitte auch über Tierrecht (Tierschutzgesetz) und Ethik Gedanken.
In diesen Anlagen steht der Mensch im Vordergrund, das Tier hat ihm zu dienen.
Delfine sind "nur" Säugetiere, denen man zwar eine hohe Intelligenz nachgewiesen hat, die aber nichts Mystisches haben, magische Sonarwellen aussenden, mit ihrem Hautschleim Blockaden lösen oder sich gar als Therapeuten eignen. Diese Tiere leiden unter den oft engen Haltungsbedingungen, unter der Kontaktpflicht zum Menschen und sind als nichtdomestizierbare Wildtiere in diesen Einrichtungen unter Dauerstress. Therapeutisches Arbeiten mit Delfinen in großen Freigewässeranlagen, die dem Meer angeschlossen sind, ist aus besagten Gründen auch abzulehnen. Unter solchen Bedingungen machen die Tiere nichts freiwillig, das muss klar sein.
Daher geht von nicht domestizierbaren Wildtieren immer auch eine potenzielle Gefahr aus. Rammstöße, Rippenbrüche und Quetschungen gegenüber Menschen sind selten, aber dokumentiert. Der enge körperliche Kontakt kann auch eine gegenseitige Übertragung von Infektionen verursachen. Viele Delfine sind so in diversen Einrichtungen verstorben.
Selbst die seit 12 Jahren laufende Forschungsstudie zur delfintherapie an der Universität Würzburg in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg wird auf Grund ihres Auswertungsverfahrens vom Ergebnis her angezweifelt.
Zitat von Prof.Dr.med.Straßburg (2008): „Die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) sieht derzeit keine inhaltliche Begründung für eine Befürwortung der zeit- und kostenintensiven tiergestützten Intervention mit Delfinen -sog. "Delfin-Therapie- bei Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen und Behinderungen. Belastbare Studiendaten, die einen anderen Schluß nahe legen würden, fehlen. Es stehen ausreichend andere und besser evaluierte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Eine systematische Analyse und Stellungnahme im Rahmen der gemeinsamen Therapie-Kommission zusammen mit der Gesellschaft für Neuropädiatrie GNP ist nachzulesen unter“:
http://www.dgspj.de/media/Stellungnahme-Tiertherapie.pdf
Dies ist nur eine von vielen Aussagen,weitere sind nachzulesen unter:
http://walschuetzer.forencity.eu/forum,93,-kritische-diskussion.html
Uns als Tierschützern wird seitens der Delfintherapie-Anbieter vorgeworfen, wir hätten kein Verständnis für die behinderten Kinder und deren Eltern. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir wollen aufklären und wenden uns gegen eine einseitig, positive Darstellung der Delfintherapie und hoffen, dass sich einige Eltern nicht verschulden.
Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, ob er solch ein Angebot zu überteuerten Kosten annimmt oder nicht.
Der Effekt steht jedenfalls in keinem Verhältnis zum finanziellen Aufwand.
Norbert Kochhan
Biologe/ Logopäde
www.walschuetzer.de
www.walschutzaktionen.de
www.wdsf.eu/wdsf-kuratorium
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