SLR-Objektiv für Berufsschule in Nigeria

Neuigkeiten: Hier infomiert Dich der Träger über den Stand der Dinge in diesem Projekt. So kannst Du beurteilen, wie mit den Spenden umgegangen wird.

J. Vester (verantwortlich), verfasst vor mehr als 2 Jahren

J. Vester

Camera me!

Letzten Samstag haben wir uns auf gemacht, das Objektiv zu besorgen. Nachdem unser Fahrer angekündigt hatte, er kenne einen Fachhandel, rechnete ich mit einem Fotomarkt oder ähnlichem. So langsam sollte ich wissen, dass es sowas hier nicht gibt. Der 6qm Verschlag auf dem Elektronikstrich war vollgestopft bis unter die Decke mit alten und neuen Fotografiegeraffel. Nach langer Suche durch drei der sechs Mitarbeiter bekam ich ein passendes Objektiv (aus einem Kit entnommen). Da es um einiges günstiger war als erwartet, werde ich das restliche Geld in weitere Fotoausrüstung investieren, falls kein Spender dagegen spricht.

Das Objektiv ist diese Woche schon zweimal im Einsatz gewesen. Das Schülerferienprogramm des YMCA wurde dokumentiert sowie die Betriebsbesichtigung einer Verpackungsdruckerei. In der Bildergalerie findet ihr zwei Bilder, die mit der neuen Linse aufgenommen wurden. Die nächsten Tage werden die Students dann Bilder für ihre Homepagelayouts machen und dann kann es eigentlich nur noch ein paar Wochen dauern bis sie ihre Ergebnisse selbst publizieren können.

Die SchülerInnen und vor allem der Lehrer haben sich riesig über eure Unterstützung gefreut und ich möchte euch hiermit ihren Dank übermitteln: Danke!

"Camera me!" heißt hier übrigens soviel wie "Kannst du ein Foto von mir machen?"

Beste Grüße aus Ibadan, Julian

 

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J. Vester (verantwortlich), verfasst vor fast 3 Jahren

J. Vester

Ein Objektiv als Entwicklungshilfe?

Ich stehe der Entwicklungshilfe im Allgemeinen sehr skeptisch gegenüber. Jeden Tag frage ich mich hier vor Ort, wie weit man in die Strukturen hier eingreifen soll. Wenn man überhaupt in der Lage sein sollte die Abläufe hier innerhalb von drei Monaten zu erfassen. Was bringt es den Menschen hier meine Vorstellung aus Deutschland zu vermitteln und dann wieder abzuziehen, bis der nächste Weltverbesserer anrückt? Nicht viel und am meisten werde ich persönlich davon profitieren, weil ich meinen Erfahrungsschatz auf fragwürdige Weise erweitert habe. Deshalb kommt es für mich auch nicht in Frage Spendengelder für den regulären Schulbetrieb zu sammeln und somit eine Abhängkeit zu den Gönnern zu schaffen. Die Schule hier versucht sich als Produktionsschule zu etablieren und durch externe Druckaufträge die laufenden Kosten zu decken. Mittelfristig soll sich die Einrichtung selbst tragen. Aber dazu brauchen die Lehrkräfte Impulse von außerhalb. Das haben zumindest die letzten Jahre gezeigt.  Ein Schritt zu neuen Aufträgen führt über eine neue Website (mit schönen Fotos), die das VTC repräsentieren soll. Und über eine einigermaßen vernünftige Ausstattung um diese Aufträge überhaupt bearbeiten zu können. Daher sehe ich die Substitution des relativ günstigen Objektivs als eine geeignete Möglichkeit den Lehrern und Schülern unter die Arme zu greifen ohne ihr eigenes Engagement durch Geldgeschenke zu entwerten. Diese Investition hat wahrscheinlich einen nicht zu verachtenden Multiplikationseffekt.

Ursprünglich habe ich lediglich getwittert ob nicht jemand ein Objektiv noch "übrig" hat. Vielleicht weil es im Kit dabei war und inzwischen durch ein besseres ersetzt wurde. Auf @jonas28 Initiative hin entstand dann diese kleine Sammlung hier und ich freue mich über Unterstützung genauso wie über eine Diskussion über dessen Sinnhaftigkeit.

Aus Ibadan, Julian

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H. Wötzel-Herber verfasst vor fast 3 Jahren
Als jemand, der hauptberuflich in der mediengestützten politischen Jugendbildung tätig ist, bin ich voll und ganz von der Idee überzeugt. Schließlich können Medien wie die Fotografie ein Werkzeug sein, um sich auszudrücken und selbstständig über sich und seine Umwelt zu berichten. Daher kann ein Objektiv dazu beitragen, den Blick nicht immer nur auf "die dritte Welt" zu werfen, sondern es den Menschen in ökonomisch schwachen Regionen, für sich selbst zu sprechen. – Darum meine Spende, Retweets und Erfolgswünsche.

Bp_dauerspender
A. Hammoud verfasst vor fast 3 Jahren
Hallo Herr Vester, Sie bringen es auf den Punkt! Klassische Entwicklungs"hilfe" ist paternalistisch, da sie ein Geber-Nehmer-Verhältnis zugrunde legt und zu oft in die Abhängigkeit geführt hat. Es gibt genug Projekte, die an europäischen Expertentischen konzipiert, mit Aufwand durchgeführt und dann irgendwann sang- und klanglos versandeten, ganz abgesehen von den klassischen "Urlaubsprojekten. Der Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit ist ein anderer - jedenfalls wenn die Akteure den Inhalt ernst nehmen und ihren Partner vor Ort bei SEINEN Projekten unterstützen und diese so beschaffen sind, daß sie auch nach Ende der Förderung weiterlaufen, sich selbst finanzieren, also den "Tatbestand" der Nachhaltigkeit erfüllen. Insofern finde ich auch den Einsatz sowohl von Geld- als auch Sachspenden für eine qualifizierte Bildung unter diesen Gesichtspunkten sinnvoll - wenn sie sich nicht darauf beschränken. So gebe ich Ihrem Projekt jetzt auch schnell mal eine gute Dosis Sternchen - viel Erfolg!