Schluss mit oben ohne!

An aid project by “Denk mal an Berlin” (A. von Specht) in Berlin, Germany

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4 donations, 4 positive opinions
(Show on site-reports and opinions only)

  • P. Müller-Markmann
    €15
    P. Müller-Markmann donated €15.00 with 1 others via “Denk mal an Berlin!” over 2 years ago
  • A.
    An anonymous user donated over 2 years ago
  • A.
    An anonymous user donated about 3 years ago
  • Phillip O.
    Phillip O. donated over 4 years ago
  • S. Jörg
    Onsite.en
    S. Jörgrecommends this project with his on site report over 4 years ago
    Ich bin gegen die Förderung dieses Vorhabens, aus denkmalpflegerischen und aus ethischen Gründen. Zur Begründung: Interessant finde ich es zunächst einmal, wie der kleine Irrtum im Schreibenden oben ein „Freudsche Versprecher“ ist: Der Verein schreibt: „Die Zifferblätter und Zeiger der vier Turmuhren sind durch die Bombardierung von 1944 komplett zerstört worden und werden wieder neu errichtet.“ Offensichtlich aber kann man Zifferblätter nur nachfertigen, nicht aber „neu errichten“. Hier scheint bei dem Schreibenden bereits ein Bewusstsein vorhanden zu sein, was für eine Tragweite mit dem ganzen Projekt hier vorliegt: Das „neu Errichten“ hat etwas Problematisches. Der Zweite Weltkrieg war eine entsetzliche Zeit. Die Erinnerung daran geht schrittweise verloren. Doch können die Spuren dieser unvorstellbaren Vernichtung, die heute noch im Stadtbild und an den Bauten ablesbar sind, wertvolle Zeugnisse sein, dieses Grauen vor Augen zu führen. Wenn man also den Turm hier „neu errichtet“, so ist dies ein weiterer Schritt hin zum Vergessen. Die Parochialkirche in Berlin ist eines der wenigen Bauwerke, das Zerstörung noch ablesbar macht, aber trotzdem seine Würde behalten hat – so wie die Klosterkirche, die nicht zufällig ganz nahe steht, da die Zeugnisse der Zerstörung, die sprechend sind, schon in der Vergangenheit nicht im eigentlichen Zentrum, sondern nur hier, etwas abseits, geduldet wurden. Ich sehe den Wert der Parochialkirche einerseits in ihrem noch erkennbaren barocken Gestaltungswillen, andererseits aber in der Beschädigung dieses Wertes. Das ist eine sprechende Beschädigung, sie sagt uns etwas. So ist das „Schrottkreuz“ in der Kirche, das der bedeutende Metallkünstler und Photograf Fritz Kühn im Kirchenraum aufhing, ein solches hochrangiges Kunstwerk, das Zerstörung und den Willen zum Neuen – zum Leben – in einem Ausdrückt. Gleichzeitig, also ohne die zerstörersieche Vergangenheit (ihren „Schrott“!) zu leugnen! In den 1950er Jahren, als die Zerstörungen noch überall greifbar waren, ging man differenzierter mit Ihnen um, als heute, so scheint mir. Einerseits wollte man ins Neue schreiten und tat dies auch in sehr mutiger Form. Wenn Egon Eiermann auf dem Darmstädter Gespräch 1951 sagte: „Je mehr ich also in die Zukunft schreite, je mehr ich blind an sie glaube, um so besser wird sie sein...“, dann werden wir diese Aussage heute nicht mehr teilen, aber doch verstehen, wie man damals dachte. Der Städtebau um die Marienkirche in Berlin ist ein Zeugnis davon, obgleich später fertiggestellt. Anders als heute glaubte man in Deutschland nach dem Krieg weniger daran, dass man durch das Neuerrichten immitiert historischer Bauwerke etwas wieder heil machen könne, das zerstört worden war. Mir scheint sogar, dass man in der Nachkriegszeit ethisch genauer nachgespürt hat, dass man so etwas nur ganz selten darf. Heute sollte man es nicht mehr tun, da diese Zeugnisse so rar geworden sind. Auch wurden echte Zeugnisse der mutigen Neugestaltung, wie der Palast der Republik oder das Ahornblatt auf durchaus brutale Weise zerstört, jetzt aktuell, nicht durch Bomben in einem Krieg, sondern durch bewusste Entscheidungen eines Parlaments oder einer Behörde. Gleichzeitig werden nun Werke, wie das Stadtschloss, das unwiederbringlich ist, in seiner Fassade zu einer Show werden. Das hat nichts mit Denkmalpflege zu tun, da Denkmalpflege, so wie Karl Friedrich Schinkel und Georg Dehio sie theoretisch durchdacht haben, meint, wirkliche Geschichtszeugnisse mit all ihren vielen Aussagen zu bewahren. Also als komplexe, nicht als zurechtgemachte Werke. Diese Gedanken der Zeit von um 1800 (Schinkel) und von um 1900 (Dehio) sind auch heute, nach 2000 noch richtig, das ist unsere deutsche Hochkultur, auf die wir aufbauen, nicht aber Verdrängung von dem Schrecklichen, was diese Kultur dann in der NS-Zeit auch hervorbrachte und nicht diese Beschränkung der Historischen Vielfalt zugunsten einer 0815-Historizität. Ein jetzt gebauter Turm auf der Parochialkirche hätte entweder erkennbar zeitgenössische Formen zu haben, oder aber – zu unterbleiben!
  • F. Grigoleit
    Onsite.en
    F. Grigoleitrecommends this project with his on site report over 4 years ago
    vergangene woche war ich in berlin unterwegs und besuchte die parochialkirche. durch ihre schöne architektur ist sie eine echte bereicherung für das klosterviertel. doch leider hat dieser schöne bau einen gravierenden schönheitsfehler, der sogar jedem ortsunkundigen sofort auffällt: die turmspitze fehlt. sie wurde im verlauf des zweiten weltkrieges während einer bombardierung wie der rest der kirche zerstört. der unterbau konnte bisher wiederhergestellt werden, doch was ist eine kirche ohne turm?..
    nach näherer betrachtung und beschäftigung mit der parochialkirche stellte ich fest, dass es sich bei dem kirchturm um eine ganz besondere konstruktion handelte: er beinhaltete ein glockenspiel mit insgesamt 37 glocken, das in dieser form in europa einzigartig ist. es faszinierte die menschen derartig, dass es sogar über das radio mitverfolgt werden konnte.
    ich finde, das ist ein wirklich unterstützungswertes projekt, das das historische gesicht berlins sehr aufwerten wird.
  • U. Bernsau
    Box_big_thumb_positive
    U. Bernsaurecommends this project over 4 years ago
    In der Nachkriegsgeschichte der Parochialkirche blieb der Entschluss , die historisch erste berliner Barock-Kirche in ihrer Fassadenarchitektur zu restaurieren ein unbestritten herausragendes Ereignis .
    Die heutige gelungene Fassade - ohne Turm - erscheint im Rückblick auf das ursprüngliche Ziel wie ein Torso – ein unvollendetes Werk !
    Unvollständig aber erklärlich : Wegen Geldmangels musste auf die Vollendung des Turmes verzichtet werden .
    Damit verbunden , fehlten auch einige wünschenswerte Details :
    Eine Ergänzung der früher durch den charakteristischen Parochial-Kirchturm geprägte Stadt – Silhouette . Die bürger - und besucher-attraktive " Singuhr " und die im Zeittakt erklingenden Turmuhren .
    Es erscheint daher als Glücksfall , dass der Verein " Denkmal an Berlin " und sein Vorsitzender und Sponsor Hans Wall den alten und immer noch guten Plan, die Barockfassade vollständig zu rekonstruieren wieder aufgegriffen haben und für eine Finanzierung des Turm-Wiederaufbaus mitsamt der Uhren und des Glockenspiels und um Spenden zu werben .
    Unabhängig von der Rekonstruktion des Turmes zur Vervollständigung der Alten Barockfassade sollte der Innenraum in seiner erhabenen Roh-Architektur und mit dem eindrucksvollen Schrott-Kreuz von Fritz Kühn als ein Mahnmal gegen den Wahnsinn des Krieges und seiner verheerenden Folgen erhalten bleiben .
    Die Aktion der Turm-Rekonstruktion der Parochialkirche ist nach meiner Meinung unterstützenswert und dankbar zu begrüssen . Jede Spende hierfür ist eine Investition in ein berliner Projekt zur Erinnerung und Offenbarung historischer Baukunst mit bürgernaher Attraktivität .
  • E. Ziemer
    Box_big_thumb_positive
    E. Ziemerrecommends this project over 4 years ago
    Als Restauratorin, Kunsthistorikerin und Vorstandsmitglied von Denk mal an Berlin e.V. setze ich mich seit langem mit der Frage des Erhaltes historischer Substanz auseinander. Wir haben eingehend darüber diskutiert, ob wir uns für die Ergänzung des Turms der Parochialkirche einsetzen sollten. Wir haben uns dafür entschieden, um der so lange vernachlässigten historischen Mitte Berlins ein Denkmal wenigstens in seiner äußeren Form zurückzugewinnen. Die Frage, ob und wieweit man dabei zur Rekonstruktion greifen darf, muß meiner Ansicht nach an jedem Denkmal neu entschieden werden und ist deshalb keine Frage, die etwa schon in der Nachkriegszeit eindeutig und schon gar nicht negativ beantwortet worden ist. Interessanterweise ist dies auch das Fazit einer Untersuchung, die in der Ausgabe 3/2009 der "Kunsttexte" abgedruckt ist. Darin haben die Autoren Mayr und Erker anhand des Wiederaufbaus des Salzburger Doms nach 1945 genau solche Diskussionen analysiert und festgestellt, dass "sich die Frage Rekonstruktion versus Neuschöpfung seit den Jahren des Wiederaufbaus immer noch" stellt. Da die Parochialkirche außen bis auf den Turm restauriert wurde, erweckt sie den Eindruck als wenn sie so vollständig sei. Wir meinen, dass die Restaurierung - im Bereich des Turmes als Rekonstruktion - zu Ende geführt werden sollte. Die Parochialkirche war der erste bedeutende Barockkirchenbau in Berlin (1695-1703). Nach ihrer Zerstörung im 2.Weltkrieg stellte man 1951 nur das Dach wieder her. Über 20 Jahre lang lagerten hier Möbel eines Großhandels. Erst nach Mauerfall erinnerte man sich an den historischen Kern der Stadt und sanierte zwischen 1991 und 2003 das Äußere. Im Inneren sind die Kriegszerstörungen weiterhin sichtbar. Nur für den Turm langte das Geld der beteiligten Institutionen nicht. Nun, 16 Jahre später, wollen wir einen erneuten Anlauf machen, die äußere Form zu vervollständigen.

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