Politische Bildung für den Jugendarrest

Ein Hilfsprojekt von „Drudel 11 e.V.“ (D. Speer) in Weimar, Deutschland

51 % finanziert

D. Speer (verantwortlich)

D. Speer
Wie fern ist für junge Menschen die Zeit der DDR? Was denken Jugendliche heute über den Staat, der schon seit über 20 Jahren Geschichte ist? Welche Bedeutung messen sie, die bereits nach der Wiedervereinigung geboren sind, den politischen Ereignissen von 1989/1990 bei? Warum gab es eine Mauer und Tote an der Grenze?

Diese Fragen sind Ausgangspunkte für das vom 22. bis 25. Mai 2012 in der Weimarer Jugendarrestanstalt stattfindende Projekt „Hinter Mauern eingesperrt!“. Das vom Jenaer Verein Drudel 11 initiierte Projekt wird im Rahmen des Thüringer Trainings- und Bildungsprogramms durchgeführt und ist bereits das dritte Bildungsprojekt zur DDR-Geschichte mit jugendlichen Straftätern in Thüringen. Die Erfahrungen mit den ebenfalls von Drudel 11 angebotenen Aggressionsschwellentrainings für rechtsextreme Gewalttäter haben gezeigt, dass Jugendliche nur einen sehr geringen Bezug zur DDR-Vergangenheit haben und kaum Wissen über diese Zeit mitbringen. Die jungen Männer und Frauen, die während der Vollstreckung ihres Jugendarrests in der Weimarer Arrestanstalt an dem Projekt teilnehmen, besitzen meist nur wenig Schulbildung, sind bisher durch massive schulische Fehlzeiten, schlechtes Benehmen und die unterschiedlichsten Straftaten aufgefallen. Durch das geringe Bildungsniveau stehen diese Jugendlichen diktatorischen politischen Systemen oft unkritisch bis zuneigend gegenüber und sind besonders anfällig für rechtsextremes Denken und Handeln. Das Projekt möchte dem präventiv entgegenwirken und die Vollstreckung des Jugendarrestes als Chance nutzen, um mit Jugendlichen, die durch andere pädagogische Angebote kaum erreicht werden, demokratiestärkende historisch-politische Bildungsarbeit zu leisten.

Die Jugendlichen sollen nicht in erster Linie versäumten Schulstoff nachholen. Vielmehr geht es um Fragen der jüngeren deutschen Geschichte und das Angebot, daraus persönliche Anregungen abzuleiten, sich mit seiner Biographie und den eigenen Zukunftsvorstellungen kritisch auseinanderzusetzen. Der Fokus liegt dieses Jahr auf der bis 1989 währenden deutsch-deutschen Teilung, deren mächtiges Symbol die Mauer und ihr tödliches Grenzregime war.
Nachhaltige Wirkungen hinterlassen innerhalb der mehrtägigen Auseinandersetzung vor allem persönliche Begegnungen und Gespräche mit Zeitzeugen, deren Eindrücke sich nachhaltiger einprägen als Buchwissen, Filme oder Museumsbesuche. Deshalb liegt viel Wert auf der Auswahl eines geeigneten Gesprächsgastes, die keinen Standardvortrag halten soll, sondern sich in eine für beide Seiten relevante Begegnung einlassen möchte.
Das Projekt wird von Pädagogen und Historikern mit den Jugendlichen vor- und nachbereitet. In Einzel- und Gruppenarbeiten werden sich die jungen Menschen vertiefend mit ausgewählten Aspekten der DDR-Geschichte beschäftigen (mithilfe von Bildern, Filmen und kleinen Texten) und zum Abschluss des Projekts die Ergebnisse ihrer Arbeit vorstellen.

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Ort: Weimar, Deutschland

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Informationen zum Projekt:

Fragen an D. Speer (verantwortlich):

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