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Manchmal reicht eine Projektseite nicht aus, um zu zeigen, was nötig ist. Und möglich. Hier eine Geschichte zum Thema Kältehilfe:

Einsatz gegen die Kälte – Nacht für Nacht


Foto: Rolf Zoellner

Berlin, Mitte Dezember, 20 Uhr. Es ist kalt. Minus 8 Grad zeigt das Thermometer. Festgetretener Schnee liegt auf dem schmalen, karg beleuchteten Weg, der zum Eingang der Notunterkunft in der Nähe des Hauptbahnhofs führt. Die Männer, die hier stehen und darauf warten, dass die blaue Tür mit dem „Willkommen“-Schild darüber sich öffnet, haben ihre Kapuzen tief ins Gesicht und die Schultern hoch gezogen. In kleinen Gruppen stehen sie zusammen, unterhalten sich, rauchen und treten von einem Fuß auf den anderen. Die Kälte zieht durch die Kleidungsschichten und hat sich längst festgesetzt.

Die Männer sind obdachlos und wohnen auf den Plätzen Berlins, unter Brücken, in U-Bahnhöfen. Mit dicker Kleidung haben sie den Tag über versucht, der Kälte zu trotzen, viele von ihnen in Mülltonnen nach Essen gesucht und nicht wenige im Alkohol nach Zuflucht. Zwar gibt es Einrichtungen in der Stadt, wo sie sich auch tagsüber aufwärmen können, aber dorthin schaffen es nicht alle. Jetzt sind sie hungrig, sie frieren. Eine Stunde noch, dann können sie hinein ins Warme.

Drinnen laufen die letzten Vorbereitungen

Im großen Gastraum stehen lange Bänke und Tische, Leuchtleisten hängen an der Decke. Alles ist sauber und aufgeräumt, bereit und vor allem: warm. In der Küche füllt eine Gruppe Frauen mittleren Alters das Essen in große Bottiche: Nudeln mit Fleisch und Gemüse. Einige junge Helfer schnibbeln Bananen, Äpfel und Mandarinen. Eine ältere Dame, Gisela, die regelmäßig hier ist, sieht von ihrem Schneidebrett auf: „Wo ist denn das andere Brot geblieben? Das reicht aber nicht hier, wenn’s gleich voll wird!“

Auch im Rest des Gebäudes beeilen sich haupt- und ehrenamtliche Helfer, die letzten Dinge zu richten, bevor um 21 Uhr die Notunterkunft ihre Pforten öffnet: Ist in den Schlafräumen alles in Ordnung? Gibt es genug Seife in den Waschräumen, und sind ausreichend Handtücher da? In der Kleiderkammer liegen einige Säcke gerade angekommener Kleiderspenden, die müssten auch noch sortiert werden …

Um halb 9 treffen sich alle in einem kleinen Raum, setzen sich auf das ausgesessene Sofa und die zusammengewürfelten Stühle. Swetlana verteilt die Aufgaben: Uli und zwei weitere sind an der Tür: Kein Alkohol, keine Drogen, keine Waffen. Das sind die Regeln. Gisela und die anderen Frauen schauen in der Küche, dass immer genug von allem da ist, Sandra und zwei Helferinnen geben am Tresen Essen und Getränke aus. Schließlich muss noch in den Schlafräumen nach dem Rechten gesehen werden, und die Kleiderkammer übernimmt Nana. „Ist heute die Ärztin da?“ fragt jemand. „Ja, sie ist bereits in ihrem Behandlungszimmer“, antwortet Swetlana.

Zeit für die Gäste

21 Uhr: Zeit, die Wartenden einzulassen. Die Gäste kommen von der Kälte in den angenehm warmen Gastraum. Eine Frau kommt durch den Hintereingang und wird in ihrem Rollstuhl durch die Küche geschoben. „Czesc, witamy!“ ruft Uli, eine der Hauptamtlichen, ihr zu, „Wie geht’s Dir heute?“ Die Frau in dem Rollstuhl grinst sie an: „Dobrze, dobrze“, und wirft ihr einen Luftkuss zu. Vor der Theke stehen bereits die ersten um Essen an. „Zupa, prosze“, sagen viele von ihnen einfach: „Suppe, bitte“ auf Polnisch.

Viele der Obdachlosen, die hierher kommen, stammen aus Polen. „Etwa ein Drittel der Gäste sind Deutsche, ein weiteres Drittel Polen, und die anderen kommen vor allem aus Rumänien, aber auch zum Beispiel aus Lettland, Estland und anderen Ländern“, erzählt Uli. Dankbar nehmen die Gäste – die meisten Männer, nur ein paar Frauen sind unter ihnen – das Essen entgegen und setzen sich an einen der Tische, manchmal allein, meistens in Gruppen. Einigen sieht man an, dass sie Alkohol getrunken haben, anderen die Drogen, die meisten scheinen jedoch nüchtern, und alle sind höflich.

Eine Weile herrscht reges Treiben, ununterbrochen kommen die Gäste herein, holen sich Essen und oft noch einen Nachschlag. Zwischendurch kommt ein Mann nach vorn: Er brauche Schuhe, sagt er, und einen warmen Mantel. Dafür muss er sich noch etwas gedulden, denn die Kleiderkammer öffnet erst um halb 11. Aber sein Gesicht hellt auf: „Ah, gut!“, Schuhe und einen Mantel wird er bekommen. Er geht wieder zurück an seinen Tisch.

Der Kältebus kümmert sich um die, die draußen sind

Währenddessen haben sich Artur und Stefan für die Fahrt mit dem Kältebus bereitgemacht. Jede Nacht ist er in Berlin unterwegs und fährt Orte an, an denen Obdachlose leben, bringt ihnen warme Getränke, Decken und Kleidung oder fährt sie in eine der Notunterkünfte in Berlin. Artur fährt, Stefan sitzt auf dem Beifahrersitz und nimmt Anrufe auf dem Handy entgegen. Die Menschen am anderen Ende haben die Nummer des Kältebusses gewählt, weil sie auf jemanden aufmerksam geworden sind, der in der Kälte liegt und in Not scheint. Stefan fragt nach, ob derjenige bei Bewusstsein ist, alkoholisiert, ansprechbar. Artur und Stefan bekommen viele Anrufe in dieser Nacht, alle können sie nicht anfahren. Daher müssen sie herausfinden, wo es am dringlichsten ist. Es sind einfach zu viele. Aber Artur fährt den Kältebus bereits lange, und er war selbst einmal in der Szene; er hat ein gutes Gefühl dafür, wo Not ist und wo die Menschen sich selbst noch helfen können.

In der Notunterkunft legen sich derweil die ersten im Gastraum auf den Boden, rollen sich auf ihrer Isomatte in ihren Schlafsack. Die Schlafräume sind bereits alle belegt. 65 Schlafplätze gibt es in der Notunterkunft in der Lehrter Straße, karge Schlafstätten, aber warm, sauber – und begehrt. Draußen ist es kalt, hier drinnen warm, und es gibt zu essen. Die Gäste können bis zum Morgen bleiben, um 7 Uhr gibt es Frühstück, danach wird soziale Beratung angeboten. Dann müssen sie wieder hinaus, bis die Notunterkunft am Abend erneut ihre Türen öffnet.

Einrichtungen wie die Kältehilfe können Leben retten

Die Einrichtung ist wichtig für die Menschen hier. Manchmal sogar lebenswichtig. In jedem Winter gibt es Kältetote in Deutschland, Menschen, die auf der Straße leben, bei jedem Wetter und bei jeder Temperatur, die sonst keinen Ort haben, an dem sie sich aufwärmen können, nichts zu essen und keinen Schutz. Für sie sind Einrichtungen wie die Kältehilfe der Stadtmission, die Notunterkünfte und Kältebusse und die Arbeit der hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer von enormer Bedeutung.