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Challenge Roth 2019 - what a day!

Rainer S.
Rainer S. schrieb am 12.07.2019

Liebe Spender,

mit ein paar Tagen Abstand schreibe ich heute über den Ironman bei der Challenge Roth am Sonntag. Diese Zeit habe ich auch dringend gebraucht, denn es sind sehr viele Dinge passiert, die ich erst mal irgendwie verarbeiten musste. Und eigentlich bin ich auch immer noch damit beschäftigt. Es wird jetzt wahrscheinlich eine etwas längere Geschichte…aber ich glaube es lohnt sich.


Hier die Kurzfassung für alle, die keine Lust auf die Langversion haben:
Platz 363 von 3.600
Zeit: 9:55:22h
Schwimmen: 1:01h
Rad: 5:36h (inkl. 3 Platten & Schlauchwechsel)
Laufen: 3:11h
Viel Pech, riesige Freude & großartiges Gefühl 

Und nun ausführlich:
Am Samstag war Anreise. Direkt vor Ort in Roth war klar: das ist eine ganz andere Nummer, als alles, was ich bisher gemacht habe. Ein kleine Stadt befindet sich im Ausnahmezustand. Diese Stadt lebt Triathlon und identifiziert sich damit, so waren  bspw. überall Banner mit „Welcome Home Triathletes“ aufgehängt. Ich habe schon viele Sportevents bestritten, aber was hier an Herzblut und Organisationsaufwand betrieben wird, ist vermutlich einmalig. 7.500 freiwillige Helfer tun alles dafür, dass es den Athleten gut geht. Es wird ein Stadion errichtet, das 10.000 Zuschauer fasst, insgesamt kommen 250.000 Zuschauer an diesem einem Tag nach Roth. Die Helfer unterstützen durchgehend, ziehen einem den Neoprenanzug aus, organisieren Wechselbeutel und räumen diese wieder weg, nehmen einem das Fahrrad beim Wechsel ab, ziehen Socken und Schuhe an, massieren Athleten, motivieren,…es ist wirklich sensationell. Es ist absolut geil da mitmachen zu dürfen! 

So viel zur Orga, nun zum Rennen.
Am Sonntagmorgen ging’s um kurz vor 4 raus. Im Vergleich zu anderen Events war ich schon einige Tage davor extrem angespannt, immerhin stand ein komplettes Jahr Vorbereitung auf dem Spiel und mir war schon bewusst, was auf mich zukommen würde: 3,8 km schwimmen, 180km radfahren, 42,2km laufen. Daher habe ich auch in den Tagen davor nicht wirklich viel geschlafen. Beim Schwimmstart vor Ort hat’s ordentlich geregnet und ich war etwas besorgt, weil ich mit Regen eigentlich nicht gut klar komme.Vor dem Start habe ich deswegen nochmals alles ordentlich gecheckt: Luft am Rad gepumpt, Kette gefettet, Neoprenanzug sauber angelegt  und von der Freundin vorsichtshalber verabschiedet ;) Pünktlich zum Start hat der Regen aber ausgesetzt, sodass man bei 23 Grad und vielen Wolken von idealen Bedingungen sprechen kann. Auch wenn der Schwimmstart sehr emotional aufbereitet wird, habe ich versucht, konzentriert zu bleiben. Daher ging es pünktlich um 6:50 Uhr mit einem lauten Knall los und es war klar, dass es ein langer Tag wird…

Beim Schwimmen selbst war das Tempo in meiner Startgruppe von Anfang an ungemein hoch. Nach knapp 500m habe ich mir das erste Mal Gedanken gemacht, wann mir denn die Arme rauslassen werden. Dem war aber glücklicherweise nicht so, sodass ich das Tempo halten konnte. Die vielen Zuschauer am Ufer sowie auf der Brücke pushen nochmal richtig…daher war das Schwimmen für mich in einer nicht für möglich gehaltenen Zeit von 1:01h schon beendet :) Der Wechsel aufs Rad sowie die ersten 25km auf dem Rad liefen überragend, sodass ich richtig guter Dinge war. Dann folgten allerdings 55 Kilometer, die den Tag auf den Kopf stellen sollten...
Nach 25Kilometer verlor ich Luft im Hinterrad und ziemlich schnell war klar: das ist ein Platten. Deswegen schnell angehalten, Rad runter, Schlauch gewechselt und weiter. Das Ganze hat so gut funktioniert, dass ich nur etwa 5 Minuten verloren hatte. Blöderweise hatte ich allerdings vergessen, meine Hinterradbremse einzuhängen, sodass ich nochmal kurz stoppen musste. Bei Kilometer 45 dasselbe Szenario: Keine Luft mehr im Hinterrad, Platte Nr. 2. Weil ich nun weder Schlauch noch Kartusche hatte, hab ich an einem Haus angehalten und nach einer Pumpe gefragt, um zumindest an die nächste Servicestation zu kommen. Deswegen bin ich dann mit dem (sehr gemütlichen) Hausherren auf die Suche nach einer Pumpe in seiner Garage gegangen, was dann irgendwann auch geklappt hat. Leider hat die Luft nicht lange gehalten, sodass ich 6km auf der Felge (und einem weiteren erfolglosen Zwischenstopp auf der Suche nach einer Pumpe) an der Servicestation angekommen bin. Dort schnell einen neuen Schlauch drauf und weiter ging’s. Es folgte der Solarer Berg mit einem unbeschreiblichen Gefühl, durch diese Menschenmengen zu radeln. Das Gefühl hielt allerdings nicht lange an, da ich nach 76km Platte Nr. 3 hatte. Deswegen wieder ein Stopp und ein Zuschauer um seine Radpumpe gebeten und gepumpt. In diesem Zeitpunkt kam dann auch ein Wettkampfrichter auf dem Motorrad vorbei und wollte mich disqualifizieren, da ich fremde Hilfe in Anspruch genommen hatte (die Luftpumpe des Zuschauers). Weil es aber schon meine 3. Panne war und ich auch ziemlich angefressen war, hat er sich dann großzügig gezeigt und mich nur verwarnt :) Deswegen ging es weiter…allerdings hat die Luft wieder nicht gehalten, sodass ich der nächsten Servicestation bei km 80 nun einen neuen Schlauch und neuen Mantel bekommen habe. Nachdem ich dort nochmal so richtig von den Zuschauern angefeuert wurde, ging es auf die 2. Radrunde. Diese verlief dann ohne Zwischenfälle, sodass ich euch sagen kann: ich war noch nie so froh, mein Fahrrad nicht mehr zu sehen!

Die Frage, weshalb die Radpannen gekommen sind, kann ich nicht wirklich sagen. Ich habe vor dem Rennen sowohl Schläuche als auch die Mantel gewechselt. Die Radpannen waren in so weitem Abstand voneinander, dass sie eigentlich nichts miteinander zu tun haben können. Daher war es wohl tatsächlich einfach nur Pech. Das hat sehr viel Energie und extrem viel Zeit gekostet…wieviel genau ist müßig zu beantworten. Ich denke eine halbe Stunde reicht nicht, aber im Endeffekt ist das auch egal.

Zwischenzeitlich war auch die magische 10 Stunden-Marke keine Option mehr, ich hatte sie abgeschrieben. Als ich aber um 13:33 Uhr in die Wechselzone geradelt bin, wusste ich, dass nun einen Bomben-Marathon in unter 3:15h brauche, um die 10 Stunden doch noch zu knacken…allerdings habe ich das meinen Beinen nicht mehr wirklich zugetraut (180km auf dem Rad können durchaus anstrengend sein;))Die Unterstützung meiner Family und meiner Freunde beim 2. Wechsel hat allerdings nochmal richtig Kräfte freigesetzt. Sie jubeln zu sehen und mich bedingungslos anzufeuern, hat die Rakete zünden lassen. Ich war überzeugt: wenn es sein muss, dann nutze ich diese letzte Chance und renne den Marathon in unter 3:15h! Also: all-in!
Gesagt, getan :) Beim gesamten Marathon wurde ich nicht von einem einzigen Läufer überholt. Auch wenn es sich vielleicht im Nachhinein etwas kopflos anhört, war der komplette Marathon eine durchdachte Rechnung. Ich wusste von Anfang an, welche Pace ich laufen musste. Deswegen war für Toilettengänge sowie Schmerzen keine Zeit…bis Kilometer 38 war ich absolut konzentriert und meine Beine sowie der Kopf haben zum Glück mitgespielt. Erst ab dann war klar: es reicht!!! Die letzten Kilometer konnte ich dann erstmals genießen. Ins Stadion einzulaufen, sich selbst auf der Großleinwand zu sehen und wiederum Freunde & Family zu sehen war unbeschreiblich und wohl der emotionalste und geilste Moment meines Sportlerlebens. Die Gefühle waren unbeschreiblich und das Adrenalin, das nochmal hoch kommt, lässt alle Schmerzen, die Qual und in dem Fall Pleiten, Pech und Pannen vergessen. Beim diesem Zieleinlauf hat sich 1 Jahr Vorbereitung und sehr viele Einbußen komplett ausgezahlt! 

Die Zeit von 9:55h ist mit der Vorgeschichte eigentlich auch noch ein paar Tage unvorstellbar und wahrscheinlich die stärkste physische und mentale Leistung, die ich jemals hingelegt habe. Das alles war mit Sicherheit nur möglich, weil ich so viele Leute hinter mir stehen habe, die mir die Daumen gedrückt haben und mich (nicht nur bei der Challenge) unterstützt haben. Daher vielen Dank an Euch alle! Und Danke auch für so viele Glückwünsche, ich hatte tatsächlich 121 Nachrichten auf meinem Handy, als ich das erste Mal drauf geschaut habe :) Einen speziellen Dank geht an die Menschen, die in aller Hergottsfrühe am Sonntag aufgestanden sind und die weite Strecke nach Roth auf sich genommen haben, um mich vor Ort zu supporten. Danke also an: Meine Eltern, Anita, Bernd, Petra & Peter, Bucki & Dan, Ilona, Lena & Tobi (die ihren 2. Hochzeitstag bei der Challenge gefeiert haben), Maxe & Silvia, Daniel & Anna mit Benedikt, Julian und last but not least Lisa! Wie du mich in diesem Jahr unterstützt hast, war unglaublich. Unzählige Massagen, ganz viel Aufbauarbeit bei Motivationslöchern, Freiraum bei der Trainingsgestaltung oder diverse Berge von Nudeln: ohne dich wäre diese Leistung nicht möglich gewesen!

Einige Bilder der Challenge habe ich hier reingepackt:
https://share-your-photo.com/5711cb3490/album


Die Spendenaktion ist somit nun auch beendet! In diesem Jahr habt ihr ebenfalls die Rakte gezündet :)! Die Angelo-Kids freuen sich über einen neuen Spendenrekord von 3.480€! Super geil, eure Spenden kommen in die richtigen Hände und bereiten Kindern mit richtigem Pech (damit meine ich keine Radpanne) sehr viel Freude. Für das Geld gibt es wieder fette Geschenke, Weihnachten kann also schon jetzt kommen :) Diese Spende wird euch sicherlich niemals weh tun, daher auch hierfür ein ernst gemeintes Dankeschön an Euch alle! Von der Spendenübergabe an die Kids werde ich selbstverständlich wieder berichten.
Ich mache nun erstmal eine ausgiebige Pause und erhole mich von einem sehr anstrengenden Jahr. Wer also Bedarf an geselligen Abenden hat, darf sich gerne bei mir melden. Wie es dann weiter geht, weiß ich aktuell noch nicht und wird sich im Laufe der Zeit zeigen. Erstmal ist Siesta angesagt :)

Abschließend nochmals vielen Dank für’s Unterstützen in jeglicher Art und auch für’s Lesen meiner Romane. War wahrscheinlich selten hochklassig, aber immerhin immer offen und ehrlich :) 

Liebe Grüße
Rainer