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Lauf für Flüchtlinge - Von der Niete zum Marathon

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Endspurt – Noch acht Wochen zum großen Lauf-Event

R. Korbmann
R. Korbmann schrieb am 15.08.2016


Kilometerfressen: Rund 600 Trainingskilometer liegen hinter
mir. Über 80 Stunden habe ich seit April walkend in den München Marathon
investiert. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die 21,1 Kilometer des
Halbmarathons stehen einmal pro Woche auf dem Trainingsplan, dazwischen kürzere
Strecken, bei denen es um Tempo geht oder auch nur um die Freude am Walken, an
der Beobachtung der Umgebung, der Menschen, die einem begegnen (am drolligsten
sind die Kinder), des Wetters und der eigenen körperlichen Aktivität.
Langweilig ist es noch nie geworden. Ich versuche auch ständig, meine
Laufstrecken zu variieren – und sei es nur, einmal die andere Straßenseite zu
nehmen. Straßen meide ich ohnehin, wo es nur geht – jedenfalls Straßen mit viel
Verkehr (zehn Autos pro Stunde – geschätzt! –  sind schon zu viel).



Und die Wirkung des Trainings kann sich sehen lassen:
Inzwischen habe ich die Halbmarathon-Distanz in 7,4 km/h geschafft. Das ist
schneller als ich es brauche, um in drei Stunden ins Ziel zu kommen. Und das
bei 280 Höhenmetern, die zu überwinden waren. Jetzt gilt es, die
Leistungsfähigkeit zu stabilisieren. Übrigens: 280 Höhenmeter bekomme ich im
Isartal gar nicht zusammen. Ich bin – aus familiären Gründen – inzwischen an
meinem zweiten Wohnsitz in Südfrankreich: Täglich Sonne, Sonne, Sonne, Temperaturen
zwischen 30 und 35 Grad.



Viel zu heiß zum trainieren – es sei denn, man steht morgens
um 5 Uhr auf, startet beim ersten Tageslicht und ist zurück, bevor die Hitze
des Tages durchbricht. Das tue ich und werde entschädigt durch eine
wunderschöne und duftende Waldlandschaft (Pinien und Eichen), durch die ich
walke (allerdings mit zum Teil miserablen Wegen), durch die grandiose Stimmung
kurz vor und während des Sonnenaufgangs und durch das tolle erste Licht des
Morgens, das die Berge rundum erstrahlen lässt (das Meer und die Touristen sind
glücklicherweise einige Kilometer entfernt).



Das ist übrigens ein großen Vorteil des Walkens –verglichen mit
dem Joggen – man hat (meistens!) noch Luft, um das alles wahrzunehmen, läuft
nicht nur in einem Tunnel. Darauf hoffe ich auch am 9. Oktober beim München
Marathon. Der geht über die originale Marathonstrecke der Olympischen Spiele
von 1972 – mitten durch die Stadt, an allen Sehenswürdigkeiten vorbei. Und auch
für den Halbmarathon, den ich walken werde, ist das Ziel das Olympiastadion mit
seiner immer noch grandiosen Architektur: Einlauf durch das Marathontor, dann 300
Meter Stadionrunde – selbst wenn kaum Zuschauer jubeln werden (walkend werde
ich als einer der Letzten eintreffen), es muss ein tolles Erlebnis sein. Once
in my lifetime!



Noch acht Wochen bis zum großen Ereignis: Rund 300
Trainingskilometer liegen in der Zeit vor mir – jede Woche mindestens 40. Anlass
genug, um meine Sponsoren noch einmal an Ihre Großzügigkeit zu erinnern: Die
Blogger-Schule München für junge Flüchtlinge hat sich inzwischen als ein prima
Integrationsprojekt etabliert und braucht jeden Euro für die Anschaffung von
Computern. Seien Sie großzügig und spenden Sie – das motiviert mich für den
Endspurt und hilft jungen Flüchtlingen ganz konkret, sich persönlich weiter zu
entwickeln und zugleich gut in Deutschland integriert zu werden. Und das halte
ich persönlich für den wichtigsten Aspekt in dem ganzen Komplex von Flucht und menschlicher
Hilfe.