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Dead2Red – Amal: „Meine Schüler geben mir Kraft durchzuhalten“

B. Meinardus
B. Meinardus schrieb am 19.02.2014

Ich bin im palästinensischen Flüchtlingscamp Yarmouk in Damaskus aufgewachsen und war Englischlehrerin, bevor ich nach Jordanien fliehen musste. Fast zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich das letzte Mal vor meiner Klasse in der Al Emleha Schule stand. Manchmal musste ich während meiner Grammatikstunden schreien, damit meine Stimme über dem Krachen der Bomben und dem Dröhnen der Panzer Gehör bei den Schülern fand. Die Kinder gerieten in Panik und auch ich hatte Angst. Aber ich wusste, dass ich in diesen Momenten die Einzige war, die sie beruhigen konnte. Also erfand ich Geschichten und erzählte ihnen, dass draußen eine Feier stattfand, zu der die Menschen Feuerwerk anzündeten. Aber die Kinder waren schlauer und durchschauten mich. Ein Mädchen fragte: „Frau Lehrerin, wieso lügen Sie uns an? Das ist kein Feuerwerk, das sind Bomben. Wir hören sie jeden Tag und wir wissen was sie bedeuten“.

„Es bricht mir das Herz, wenn Kinder nicht zur Schule gehen“

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(Foto: CARE/Gressmann)

Hier in Jordanien registriere ich Flüchtlinge im CARE-Flüchtlingszentrum in Amman. Und es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn Familien mir erzählen, dass ihre Kinder nicht zur Schule gehen. Viele Familien können den Schulbus, Stifte oder Schulbücher einfach nicht bezahlen. Sie kämpfen ums Überleben und haben nicht einmal genügend Geld für die Miete, Lebensmittel und Medikamente. Oft müssen die Kinder mithelfen den Lebensunterhalt der Familie zu verdienen.

Vor einigen Wochen erzählte mir ein Familienvater aus Homs, dass sein zehnjähriger Sohn der Beste in seiner Klasse war. Doch als der Vater, der in Syrien als Ingenieur arbeitete, von Heckenschützen schwer verletzt wurde, mussten sie nach Jordanien fliehen. Jetzt arbeitet sein Sohn von früh morgens bis spät abends in einem Restaurant, weil sein Vater sich wegen der starken Verletzungen kaum noch bewegen kann und seine Geschwister noch jünger als ihr Bruder sind. Pro Tag verdient er umgerechnet ungefähr fünf Euro. Ich konnte sehen wie die Augen des großgewachsenen Mannes sich mit Tränen füllten, als er sagte: „Mein Kind sollte nicht arbeiten, er sollte zur Schule gehen und lernen. Er sollte eine bessere Zukunft haben“.

„Manche meiner Schüler werde ich wohl nie wiedersehen“

Seit ich neun Jahre alt bin, wollte ich Lehrerin werden und ich hoffe, dass ich wieder als Lehrerin in Syrien arbeiten kann, wenn der Krieg vorbei ist. Manche meiner Schüler werde ich wohl nie wieder sehen. Auf Facebook sah ich, dass einer meiner Lieblingsschüler namens Mohamed getötet wurde. Er war auf dem Weg zum Friseur um sich die Haare schneiden zu lassen, als der Splitter einer Granate ihn traf und sein Herz durchdrang. Die Ärzte im Yarmouk Camp konnten nicht mehr viel für ihn tun. Er brauchte Sauerstoff, aber es gab seit Tagen keinen Strom. Sie wollten ihn in ein Krankenhaus bringen, aber es gab keine Autos, Busse oder Krankenwagen mehr, die nach Yarmouk fuhren. Sein Herz hörte im Oktober 2012 auf zu schlagen.

Im November des gleichen Jahres, kehrten wir für ein paar Wochen nach Syrien zurück. Wir dachten, dass sich die Situation gebessert hatte und wir vermissten unser Zuhause. Ich liebe es zu reden und ich war schon immer gut darin die richtigen Worte zur richtigen Zeit zu finden. Ich wollte dieses Talent nutzen, um Mohameds Mutter ein besseres Gefühl zu geben, um Teile ihres Herzens zu heilen, das durch den Splitter im Herzen ihres Sohnes gebrochen wurde. Aber als ich an ihrer Tür klopfte, fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben als ob mir jemand die Zunge aus meinen Mund gerissen hätte. Als ich in die Augen der Mutter blickte, die ihr Kind verloren hatte, fühlten sich meine Worte einfach unangemessen an. Was sollte ich ihr sagen? Was konnte ich zu ihr sagen, um ihren Schmerz ein wenig zu lindern? Ich nahm sie einfach in den Arm und wir weinten zusammen für eine sehr lange Zeit.

„Ich werde für die Kinder Syriens laufen“

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(Foto: CARE/Gressmann)

Ich war noch nie eine große Läuferin, aber wenn ich durch die Wüste renne, wird es Mohamed sein, der mir Durchhaltevermögen gibt. Ich werde an die Traurigkeit in den Augen seiner Mutter denken und ich hoffe, dass wir mit jedem Schritt, den ich mache, näher an eine Welt rücken, in der keine syrische Mutter ihr Kind mehr verlieren muss. Ich werde für die Kinder Syriens laufen. Für Kinder, die das Recht darauf haben zur Schule zu gehen, zu lernen, friedlich und sorgenfrei zu leben und sich wieder sicher und glücklich zu fühlen.

Aber natürlich laufe ich auch für mich. Es mag komisch klingen, aber es gibt da etwas, über das ich jeden Tag nachdenke und mir Sorgen mache. Ich denke an den Tag, an dem die Syrien-Krise endet, an den Tag, an dem Syrien ein neues, friedliches Kapitel der Geschichte starten kann. Millionen von Syrer werden Jordanien, den Libanon und die Türkei verlassen, um zurück nach Syrien zu kehren. Was ist, wenn alle Busse und Taxis voll sein werden? Ich will nicht auch nur einen Tag länger darauf warten mein Heimatland wiederzusehen. Wenn ich 242 Kilometer durch die Wüste rennen kann, was sind dann schon 176 Kilometer von Amman nach Damaskus?