Design für die anderen 90%

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“The majority of the world’s designers focus all their efforts on developing products and services exclusively for the richest 10% of the world’s customers. Nothing less than a revolution in design is needed to reach the other 90%.”
(Dr. Paul Polak, International Development Enterprises) 

Eines der Themen, die ich momentan am spannendsten finde, sind die zahlreichen neuen Produktideen, die sich an die „anderen 90%“ der Menschheit widmen. Letztes Jahr brachte das Cooper Hewitt National Design Museum in New York eine Ausstellung und einen lesenswerten Katalog dazu heraus. Auch das Buch der engagierten non-profit Organisation Architecture for Humanity – Design Like You Give A Damn – hält viele Inspirationen für kostengünstige Produktinnovationen für Märkte bereit, die bislang in Folge ihrer niedrigen Kaufkraft links liegen gelassen wurden.  

Viele dieser Innovationen basieren auf selbsterzeugter Energie. So erfreuen sich aufziehbare Radios (nachdem sie in den 1990er Jahren zuerst belächelt wurden) großer Beliebtheit in Regionen, in denen Batterien zu teuer und Elektrizität nicht vorhanden ist.

Gerade auf dem Licht- und Solarsektor tut sich einiges. Jüngst entwickelte die Freeplay Foundation Laternen, die nur eine Minute aufgezogen werden müssen um 2 Stunden Licht zu erzeugen. Für afrikanische Bevölkerungen, die teilweise 10-15% ihres Monatseinkommens für Kerosin, Kerzen und Feuerholz ausgeben, werden gerade eine Reihe von aufziehbaren LED-Laternen konzipiert, die – zum Teil von Freeplay Foundation Botschafter Tom Hanks unterstützt – in den nächsten Monaten in Kenia und Südafrika testweise auf den Markt kommen werden. Mehr kostengünstiges Licht ermöglicht es Menschen, nach Einbruch der Dunkelheit zu lernen, in medizinischen Notfallsituationen besser ausgerüstet zu sein und ihre Läden später am Abend zu betreiben.

Auch der Economist griff letzte Woche einen Bericht aus Science über eine Bottom-of-the-Pyramid (BoP) Innovation auf: den „Energie-Ernter“. Das Gerät, das wie ein orthopädischer Knieverband aussieht, führt die beim Laufen erzeugte Energie einem Generator zu, mit dem z.B. Batterien wiederaufgeladen werden können.

Viele der BoP Produkte werden mit speziellen Finanzierungsmodellen an Bevölkerungsgruppen unter der Armutsgrenze vertrieben. So entwickelte der Inder Harish Hande mit seiner Firma SELCO Solar Lights ein System von günstigen Krediten, mit denen sich selbst die unter der Armutsgrenze lebende indische Landbevölkerung seine Solarleuchten leisten kann. Der Unternehmer wurde dafür dann auch 2007 mit dem Social Entrepreneur Award 2007 der Schwab Foundation ausgezeichnet.

Zum anderen kennen die Produzenten ihre Kunden gut. Zu viele der herkömmlichen Designs, die sich an die „anderen 90%“ richten, sind in den Produktentwicklungs- und Designabteilungen westlicher Firmen entstanden, ohne die Lebensumstände der Zielgruppe wirklich zu kennen. Die neue Generation von BoD Unternehmern versetzen sich dagegen in die Lage ihrer neuen Kundengruppe und analysieren deren Bedürfnisse und Lebensbedingungen.

Die kanadische Firma Environfit (Motto: Learn, Act, Donate) beispielsweise schickte Marktforscher in ländliche Gebiete des Südens um einen neuen umwelt- und gesundheitsfreundlichen Kochherd zu konzipieren. Verrauchte Hütten stellen eines der großen Gesundheitsprobleme dar: die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass jährlich  1.6 Millionen Menschen an den Folgen des giftigen (kohlenmonoxidhaltigen) Rauchs sterben. Da zugleich die Hälfte der Weltbevölkerung und 80% der Landbevölkerung  mit traditionellen Öfen kochen, sah Environfit (in Kooperation mit der Shell Stiftung) eine Marktlücke für neuartige saubere Keramiköfen. Die Marktforscher analysierten die Koch- und Lebensgewohnheiten unterschiedlichster Bevölkerungen. In welchen Stellungen wird gekocht – sitzend, stehend – hockend? Welche Farben werden bevorzugt? Mit wie viel Kochtöpfen wird auf einmal hantiert? Alle diese Faktoren flossen in die Produktion des neuen Herds ein. Er soll  zuerst auf dem indischen Markt ausprobiert werden und kostet zwischen 10 – 200 US$.

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Geschrieben von am 23.02.2008. Zuletzt aktualisiert am 23.02.2008.

Muss Hilfe etwas kosten?

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Eine der vielen offenen Fragen innerhalb der internationalen Entwicklungsgemeinschaft ist die, ob Hilfe von den Armen besser angenommen wird, wenn sie umsonst angeboten wird oder wenn sie etwas kostet. William Easterly beschreibt in White Mens Burden. Why the West’s Efforts to Aid the Rest Have Done So Much Ill and So Little Good das Moskitonetze, die kostenlos z.B. durch die U.N. verteilt werden, oft nicht zu den Armen gelangen: von Hilfsorganisationen verteilt, wandern sie auf den Schwarzmarkt oder werden als Fischnetze oder Hochzeitsschleier zweckentfremdet. Eine Studie über ein kostenloses Moskitoverteilungsprojekt in Zambia ergab, dass 40% der Empfänger die Netze nicht benutzten.

Im Gegensatz dazu verkaufte die amerikanische non-profit Organisation Population Service International in Malawi mit Insektizid imprägnierte Netze über Geburtskliniken für 0,50 Cent an junge Mütter. Die Krankenschwestern, die die Netze vertrieben, profitieren davon, indem sie 0,9 Cent pro Netz für sich behalten konnten und stellten sicher, immer welche auf Lager zu haben. Das Programm finanzierte sich dadurch, dass die gleichen Netze auf dem freien Markt für 5 US$ an wohlhabendere Malawier verkauft wurden. Das Mückennetz-Programm war ein großer Erfolg, der dazu führte dass 2004 55% aller Schwangeren und Kinder unter fünf Jahren unter Netzen schliefen, während es im Jahre 2000 nur 8% gewesen waren.

Wenn Arme für Dienstleitungen zahlen müssen, so die Logik der Verfechter (preiswerter) kostenpflichtiger Hilfsleistungen, werden sie den Hilfsinstitutionen feedback geben. Sie werden sich beschweren, wenn die Leistungen unzureichend, bzw. diese boykottieren. Bei kostenlos verteilten Gütern haben die Armen keinen Einfluß darauf, womit sie beglückt werden: sie haben nichts bezahlt, also können sie sich auch nicht beschweren.

„Niedrige, bezahlbare Gebühren für Gesundheitsleistungen sind der beste Weg medizinische Dienstleister für ihre Leistungen Verantwortung zu übernehmen. Wenn die Dorfbewohner keinen guten Service bekommen, dafür aber bezahlen mußten, werden sie sich lautstark beschweren, sagt der Gründer von Gonoshasthaya Kendra (People’s Health Center), einem bangaldesischen NGO, dessen Mitarbeiter im ländlichen Bangladesh gegen eine kleine Gebühr Schwangerschaftsbetreuung leisten.

Ein neue Studie des Brookings Institute, erschienen im Dezember letzten Jahres – Free Distribution or cost sharing? Evidence from a randomized Malaria Prevention Experiment kommt dagegen zu einem anderen Schluss:

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Geschrieben von am 20.02.2008. Zuletzt aktualisiert am 20.02.2008.

Nicht Geld, gute Politik rettet Leben

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Jedes Jahr sterben 10 Millionen Kinder unter 5 Jahren, 99% davon in Entwicklungsländern.  

Müssen arme Länder zwangsläufig hohe Kindersterblichkeitsraten haben? Stehen Regierungen in den Ländern des Südens den Überlebenschancen ihrer Kinder machtlos gegenüber?

Fragen wie diese stellt der heute erschienene Bericht von Save the Children, der den erlahmenden U.N. Milleniumszielen neues Leben einhauchen möchte. Die Studie vergleicht wirtschaftliche Indikatoren mit Kindersterblichkeit und kommt zu dem Schluss, dass zahlreiche Staaten daran gescheitert sind, Wirtschaftswachstum in gesundheitlichen Fortschritt umzuwandeln. So hat das arme Bangladesch durch effektive politische Maßnahmen wesentlich mehr Kindern das Leben gerettet als das mit Ölreichtum gesegnete Angola, welches seinen Wohlstand extrem ungleich verteilt und große Teile der Bevölkerung in tiefster Armut versinken und 260 Kinder von 1000 sterben lässt. Einige der ärmsten Länder der Welt, wie Nepal, Malawi, Tanzania und Bangaldesch, sind unter den 10 Ländern mit dem besten Ergebnissen im Kampf gegen die Kindersterblichkeit, während das wirtschaftlich boomende Indien in vielen Provinzen Neugeborenen eine der niedrigsten Überlebenschancen bietet.

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Geschrieben von am 18.02.2008. Zuletzt aktualisiert am 18.02.2008.

From Kenya with Love

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Entwicklungspolitisch bewusste Menschen sollten heute beim Einkauf ihres Valentinsstraußes darauf achten, kenianische Blumen zu kaufen. Dazu jedenfalls forderte gestern der britische Entwicklungsminister Hilary Benn (sehr zum Unmut der Europäischen Floristenvereinigung) Konsumenten auf.

„An diesem Valentinstag können Sie romantisch und ökologisch sein und zugleich Armut reduzieren“, so Benn. (Der ökologische Vorteil ist nicht auf den ersten Blick erkennbar: schließlich werden die Blumen eingeflogen, doch dadurch dass sie in Kenia in der Natur und nicht in Treibhäusern wachsen, ist – so eine Studie der englischen Cranfield University – die Ökobilanz vorteilhaft).

Genügend kenianische Blumen sollte es trotz der fürchterlichen Unruhen geben: pünktlich zum Valentinstag landeten 4 Millionen kenianische Blumen im holländischen Großhandel. Schnittblumen sind, nach dem Tourismus, der wichtigste Devisenbringer für das ostafrikanische Land und die Industrie beschäftigt um die 70.000 Kenianer, zumeist Frauen. 95% der Blumen werden für den Export gezüchtet, aber die lokale Nachfrage nach Tulpen und Rosen steigt in dem Maße in dem im Zuge der Globalisierung neue Konsummuster Verbreitung finden.

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Geschrieben von am 14.02.2008. Zuletzt aktualisiert am 14.02.2008.

Win-Win Partnerschaften

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Heute morgen erlebte ich zwar einen Laptop Super GAU – als ich ihn anschaltete, versetzte sich mein Computer in den Originalzustand zurück und natürlich hatte ich in letzter Zeit meine back-ups vernachlässigt! Erfreulicherweise jedoch funktioniert mein Internetzugang und eine mail von Michael Gleich, Wissenschaftspublizist und Macher von Culture Counts verbesserte meine Laune gleich schlagartig. Er wies mich auf zwei interessante Initiativen hin (Danke Michael!):

Da ist zum einen Cotton made in Africa, eine Initiative bei der sich die Otto Gruppe und Tom Tailor gemeinsam mit der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) und der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, dem Hauptträger deutscher staatlicher Entwicklungshilfe) zusammengetan haben, um den nachhaltigen und fair trade gehandelten Anbau von Baumwolle in Afrika zu fördern.

Die Seite lohnt einen genaueren Blick, so findet sich dort u.a. ein Interview über CSR  und ein Exkurs über eines der großen zeitgenössischen Buzzwords, die Nachhaltigkeit von Michael Gleich.  

Einen ähnlichen Ansatz – Armutsreduzierung durch wirtschaftliche Partnerschaft anstatt durch „Hilfe“ von einer großen Institution (Entwicklungsdienste, -banken) an die andere (Regierungen, Kommunen) – verfolgt auch Osram , das sich an einem Projekt am Viktoriasee beteiligt hat. Die, die Wasserqualität des Viktoriasees und die Finanzen der Fischer belastenden Kerosinlampen werden dort mit solarstrombetriebenen Lampen ersetzt. Alle haben etwas von der Maßnahme: die Umwelt, die Fischerfamilien (die Geld sparen) und Osram, das sich einen neuen Markt erschließt.

Geschrieben von am 13.02.2008. Zuletzt aktualisiert am 13.02.2008.

Flughilfe für Social Enterpreneurs

Auch New York Times Kolumnist Nicholas D. Kristof verbrachte diese Woche in Davos. Was beeindruckte ihn am meisten? Die dort versammelten Social Enterpreneurs. Nicht nur, weil sie durchschnittlich halb so alt waren wie die anderen Teilnehmer, die Staatsmänner, Unternehmer und Berühmtheiten, sondern weil sie nicht darauf warten, dass die großen Institutionen die Dinge in die Hand nehmen. Sie packen sie einfach selbst an.

 

„In den 1960er“ – so der Journalist – waren die Bürgerrechter und die Anti-Kriegstprotestler vielleicht die bemerkenswertesten Amerikaner, die die Welt veränderten. In den 1980er Jahren faszinierten Unternehmer wie Steve Jobs und Bill Gates, die Firmen aufbauten und unseren Umgang mit Technologie revolutionierten. Heute sind die bemerkenswertsten jungen Leute die Social Enterpreneurs.“

Ashoka, die führende Organisation für den neuen Berufstand, definiert Social Entrepreneurs als Menschen, die auf dringende soziale Fragen antworten. „Sie arbeiten mit neuen, durchgreifenden Ansätzen daran, ein gesellschaftliches Problem dauerhaft und großflächig zu lösen. Das ist Inhalt und Ziel ihrer Arbeit – sei es im Bereich Bildung, Familie, Umweltschutz, Armutsbekämpfung, Integration oder Menschenrechte. Ihr Anliegen ist gemeinnütziger Natur.“    

Ich teile diesen Enthusiasmus für Menschen, die in ihrer Gesellschaft einen Missstand erkannt haben und sich aktiv und unternehmerisch dafür einsetzen, ihn zu beseitigen. Menschen wie die 28 jährige Sonam Choki  die in Bhutan die Choki Traditional Art School leitet, die erste gemeinnützige Kunsthandwerksschule Bhutans, in der nicht nur unterpriviligierten Kindern aus den ländlichen Regionen eine hervorragende Ausbildung in den Mal- und Schnitzkünsten vermittelt wird, sondern zugleich auch die traditionelle Kultur des kleinen Himalaya Königreiches erhalten wird. Sonam wuchs in einer kunstinteressierten und engagierten Familie auf – ihr Vater leitete eine Kunstakademie und erfreute sich der Unterstützung seiner Majestät Jigme Dorje Wangchuck. Ihr Bruder führt einen Laden für traditionelles Kunsthandwerk. Als wir die Schule im Jahre 2006 besuchten konnten nur Jungen aufgenommen werden. Seitdem hat Sonam jedoch den Bau eines Mädchenhauses in Angriff genommen, welches 2008 errichtet werden soll.  

Ein anderer sozialer Revolutionär ist Youchaou, Initiator der Mali Initiative, einer Organisation, die sich vorgenommen hat, den Armutskreislauf des westafrikanischen Landes zu durchbrechen, indem mehr Kinder eine Schulausbildung erhalten – momentan sind 4 von 5 Maliern Analphabeten. Youchaou hat selbst als Straßenkind angefangen, bekam dann jedoch die Chance eine Schule zu besuchen, in der er begeistert lernte. Er arbeitete sich zu einem angesehenen Übersetzer hoch, bevor er 2004 mit dem Bau einer Schule in Bamako begann, in der mittellosen Kindern durch die Vergabe von Stipendien der Schulbesuch ermöglicht wird. Mittlerweile gilt sie als eine der besten des Landes. 


Sozialunternehmer zeichnen sich durch Eigeninitiative aus – sie brechen den Kreislauf der Abhängigkeiten, der nur zu oft die westliche Entwicklungshilfe begleitet. Aber oft brauchen sie auch die aktive Unterstützung anderer. Sonam hatte Glück und fand David Bidwell von der Himalaya Youth Foundation
, der ihr mit Rat und Geld zur Seite steht. Youchaou in Bamako arbeitet mit Elise Klein und Jürgen Nagler zusammen, um seine Vision einer großflächigen Reform des malinesischen Schulsystems umzusetzen.

Wir bei betterplace wollen Initiativen wie diesen zum Fliegen verhelfen. Wie endet Kristof seine Kolumne? „There is no limit to the number of social entrepreneurs who can make this planet a better place.“

Geschrieben von am 31.01.2008. Zuletzt aktualisiert am 31.01.2008.

CSR im Mainstream

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Ob Marks&Spencer, Toyota, Hess Natur oder die Deutschen Post, immer mehr Unternehmen wollen ihr öffentliches Image als „guter Bürger“ aktiv managen. Business Schools erweitern ihre Lehrpläne um CSR-Kurse, Verlage werfen eine Vielzahl neuer Bücher mit Titel wie „Erfolgsfaktor Verantwortung“ und „Mit CSR zum Unternehmenserfolg“ auf den Markt. Und auch für Investoren spielt das soziale Engagement und Image der Unternehmen, an denen sie sich beteiligen, eine immer größere Rolle.

Die Auffassung, dass Unternehmen nicht nur Institutionen der Profitmaximierung sind, sondern als einer der wesentlichen Katalysatoren für weltweiten Wandel auch soziale Verantwortung tragen, ist mittlerweile im Mainstream angelangt. In einem Spezialreport analysierte jetzt der Economist das Thema Corporate Social Responsibility, kurz CSR, anhand einer Reihe von Fallbeispielen und aus diversen Perspektiven.

Während es bis vor kurzem noch ausreichend erschien einen kleinen Prozentsatz der Gewinne einem sozialen Zweck zukommen zu lassen, wollen Kunden und Investoren zunehmend genauer wissen, welchen Projekten ihr Geld eigentlich zugute kommt. Darüber hinaus haben Unternehmen erkannt, dass soziales Engagement sich hervorragend eignet, die eigenen Mitarbeiter zu motivieren und über gemeinsame soziale Aktivitäten ihren Teamgeist zu fördern. Doch auch wenn alle drüber reden, so wissen – laut Economist – die wenigsten Unternehmen, wie sie ihre CSR sinnvoll und effektiv gestalten.

“Too unfocused, too shotgun, too many supporting someone’s pet project with no real connection to the business”, ist das Fazit von Harvard-Ökonom Michael Porter, der in einem schon 2006 erschienenen, sehr lesenswerten Artikel beschreibt, wie gute CSR zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil werden kann.  

betterplace selbst nutzt CSR – aber als Geschäftsmodell. Da wir 100% der eingegangenen Spendengelder direkt an die Projekte weiterleiten und auch von den Projektverantwortlichen, die ihre Projekte auf der Plattform vorstellen, kein Geld nehmen, finanzieren wir uns über Leistungen, die wir Unternehmen verkaufen: wir beraten Firmen, wie sie ihre CSR sinnvoll gestalten, wir bringen sie mit ausgewählten sozialen Projekten zusammen und wir ermöglichen es ihnen, ihr Engagement auf betterplace zu präsentieren und so Kunden und Mitarbeiter nicht nur zu gemeinsamen Aktionen aufzurufen, sondern sie auch über die Plattform durchzuführen.

Ziel ist eine klassische Win-Win-Lösung: wir helfen Unternehmen ihre CSR-Aktivitäten aktiv zu gestalten. Im Gegenzug helfen Unternehmen uns, eine Plattform aufzubauen, auf der Menschen, die sich engagieren wollen, ihre Hilfe zu 100% den Menschen weitergeben können, die sie benötigen.

N.B.: Allerdings sind wir 3 Monate nach unserem Online-Launch noch nicht in der Lage dieses Modell vollständig einzulösen. Für die Startphase werden wir deshalb von einzelnen Menschen finanziell unterstützt, die zugleich auch operativ am Aufbau von betterplace beteiligt sind.
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Geschrieben von am 29.01.2008. Zuletzt aktualisiert am 29.01.2008.

Die neuen Philanthropen

Neue sozio-kulturelle Trends gewinnen oft erst dann an Momentum und werden nachhaltig, wenn Rollenmodelle entstehen, die eine breitere Schicht von Menschen als nachahmenswert ansieht. Genau so eine Vorbildfunktion hatte der irische Wirtschaftsphilosoph Charles Handy im Kopf, als er in seinem neuesten Buch The New Philanthropists 23 Portraits von so genannten Neuen Philanthropen zusammenstellte.

 

Was ist neu an diesen Wohltätern? Nun, im Gegensatz zu vielen ihrer Vorgänger sind die meisten von ihnen Unternehmer, die mit relativ jungen Jahren viel Geld gemacht haben und nun versuchen, die gleichen Prinzipien, die sie in der Wirtschaftswelt erfolgreich gemacht haben, auf den zivilgesellschaftlichen Raum anzuwenden. Sie stiften ihr Vermögen nicht (nur), sondern initiieren und managen aktiv soziale Projekte.  

 

Darunter fallen sowohl solche Berühmtheiten wie Bono und Bill und Melinda Gates, aber auch viele andere, die eher unter dem Radar der Medienaufmerksamkeit agieren. Insbesondere diese sind in The New Philanthropists vertreten; Leute wie der irische Immobilienentwickler Niall Mellon der in südafrikanischen Slums mit Hilfe irischer Volontäre neue Wohnsiedlungen baut und Jeff Gambin, der Starkoch, der mit seiner Organisation Just Enough Faith die Obdachlosen Sydneys mit Mahlzeiten versorgt. Oder Michael de Giorgio, dessen Greenhouse Organisation unterpriviligierten Londoner Kindern den Zugang zu Sport eröffnet.

Die Interviewten zeichnen sich durch eine Mischung aus sozialem Engagement, Managementfähigkeiten und wirtschaftlichem Sachverstand aus. Die meisten der Initiativen wurden mit eigenem Geld gestartet, sollen sich jedoch ab einem gewissen Zeitpunkt selbst tragen und andere Finanzierungsquellen auftun. So überlegt Greenhouse ob sie ihr KnowHow Firmen zur Verfügung stellen, indem sie diesen kostenpflichtige Staff Sports Days oder Teambuilding Workshops anbieten.  Wie schon erwähnt geht es Handy darum, dass Leser sich mit den Portraitierten identifizieren und sagen: „Das mach ich auch“. Doch genau dieser Effekt traf bei mir nicht ein.

Woran lag das? Zum einen vielleicht daran, dass einiger der Portraitierten gar zu glatt einher kommen. Zum anderen hat es aber auch bestimmt mit der Tatsache zu tun, dass unter den 23 (meist britischen) Philanthropen nur zwei Frauen sind. Diese Gewichtung mag die real-existierenden Machtverhältnisse reflektieren (allerdings sind in den USA 51% aller Vermögenswerte in weiblicher Hand und die Zahl der weiblichen Philanthropen wächst), bei einem Buch welches neue Rollenvorbilder schaffen möchte, ist diese Fixierung jedoch unverständlich.

Jeder kennt die kürzlich verstorbene Anita Roddick, die Gründerin des Body Shops, die u.a. children on the edge gründete. Aber auch eine Frau wie Mahnaz Malik, die junge Pakistanisch-Britische Anwältin, die sich für unterprivilegierte Kinder engagiert und über die Advocate Foundation minderjährigen Gefängnisinsassen kostenlosen Rechtsbeistand bietet, hätte The New Philanthropists bereichert.

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Geschrieben von am 28.01.2008. Zuletzt aktualisiert am 28.01.2008.

„Kreativer Kapitalismus“ – Bill Gates Königsweg zur Armutsreduzierung

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In seiner Rede auf dem World Economic Forum  in Davos forderte Bill Gates heute einen „kreativen Kapitalismus“. Unternehmen sollten, so Gates, Produkte und Dienstleistungen für die Armen entwickeln und damit eine doppelte Mission erfüllen: Profite erwirtschaften und die Lebensqualität von Menschen verbessern, die bislang von Marktkräften ignoriert werden. Zugleich warb er dafür, dass Unternehmen – unterstützt von staatlichen Anreizen – ihre erfolgreichen Geschäftsleute dafür einsetzen, sich mit den Bedürfnissen der Armen zu beschäftigen und kreative Marktlösungen zu entwickeln.

Gates greift damit die Thesen des indischen Wirtschaftswissenschaftlers C.K. Prahalad auf. Der hatte 2004 mit seinem einflussreichen Buch The Fortune at the Bottom of the Pyramid: Eradicating Poverty Through Profits anhand von zahlreichen Fallbeispielen argumentiert, ein Kapitalismus, der auf die Bedürfnisse der vier Milliarden Armen eingehe und ihre gebündelte Kaufkraft zu nutzen verstehe, sei der beste Weg zur weltweiten Armutsreduzierung.

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Geschrieben von am 24.01.2008. Zuletzt aktualisiert am 24.01.2008.