Ipso gGmbH möchte geflüchteten Menschen eine muttersprachliche psychosoziale Beratung ermöglichen. Dies ist sowohl über eine Videoplattform, als auch im persönlichen Gespräch möglich. Hierfür bildet Ipso gegenwärtig Geflüchtete zu psychosozialen Counselorn aus. Das Angebot hilft Geflüchteten dabei, belastende Erfahrungen besser zu verarbeiten und das Leben in der neuen Gesellschaft positiv und selbstbestimmt anzugehen. Ist das Konzept wirksam? Wir haben Sophie von Ipso gefragt!

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Was umfasst Eure Tätigkeit bei Ipso?

Sophie: „Ipso ist eine gemeinnützige humanitäre Organisation und wurde 2008 von Inge Missmahl gegründet. Ipso hat sich auf die psychosoziale Beratung und psychische Gesundheitsversorgung spezialisiert und verbindet diese mit der Förderung lokaler Kultur und kulturellem Dialog, als einem Mittel, für Frieden und Versöhnung. Ipso‘s Aktivitäten umfassen die Entwicklung von Konzepten für den Aufbau nachhaltiger Strukturen im Bereich der psychosozialen und der psychischen Gesundheitsversorgung sowie in den Bereichen lokaler Gemeinwesen und Kulturarbeit. Die Konzepte beinhalten deren Implementierung inklusive begleitender Forschung, Monitoring und Evaluation. Seit 2008 engagiert sich die Ipso gGmbH primär in Afghanistan. Der Ipso- Beratungsansatz wurde seither aber auch in Haiti, Sri Lanka, China und der Ukraine erfolgreich eingesetzt. Zuletzt haben wir mit der Weiterbildung von Flüchtlingen/Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland zu Psychosozialen Counselorn begonnen.“

Ihr bietet geflüchteten Menschen die Möglichkeit, sich in einem 12-monatigen Training zum psychosozialen Berater (Counselor) ausbilden zu lassen. Wie sind Eure Erfahrungen damit?

Sophie: „Erst einmal war das Interesse für das Weiterbildungsangebot sehr groß – uns erreichten Bewerbungen von Menschen aus aller Welt, und aus ganz Deutschland. Wir fokussieren uns dabei auf Personen, die im Heimatland schon Berufserfahrung und/oder Qualifikationen in den Bereichen Gesundheit, Pädagogik, Sozialarbeit und Psychologie erzielt haben oder signifikante praktische Erfahrungen im sozialen Bereich haben. Wichtig ist bei allen eine hohe Motivation anderen Menschen helfen zu wollen. Momentan bilden wir in Berlin und Thüringen aus. Die Hamburger Ausbildung beginnt gleich im neuen Jahr, die Vorarbeiten dazu sind im vollen Gange, dort haben sich bereits 70 Menschen gemeldet, die die Ausbildung gerne machen wollen. Unsere TeilnehmerInnen lernen nicht nur, sondern durchlaufen auch sehr berührende persönliche Entwicklungen in der intensiven Selbsterfahrungsarbeit, die einen großen Teil der Weiterbildung ausmacht. Genau so ein „Empowerment“ wollten wir mit unserer Arbeit erreichen, und zu sehen, dass das funktioniert, das ist sehr schön.“

Warum habt ihr Euch entschlossen, Eure Arbeit nun auch in Deutschland anzubieten?

Sophie: „Als im letzten Jahr so viele Menschen zu uns kamen wollten wir hier auch einen Beitrag leisten und unsere Erfahrung und Expertise nutzen. In Afghanistan zum Beispiel haben wir mehr als 350 psychosoziale Counselors ausgebildet. Diese sind im ganzen Land im Rahmen des öffentlichen Gesundheitssystemes und in privaten Einrichtungen beratend aktiv. Anfang 2016 haben wir damit begonnen in Berlin, Thüringen und demnächst in Hamburg, Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund zu psychosozialen Counselorn auszubilden. Augenblicklich sind bereits 70 Psychosoziale Counselor in unserer Weiterbildung, die aus Syrien, Libanon, Jordanien, Palästina, Ägypten, Afghanistan, Iran, Irak, Ukraine, Russland, Somalia, Eritrea, Kongo und Guinea stammen und die derzeit in Deutschland leben.

Unsere Psychosozialen Counselor sind bereits jetzt in der Lage, während ihrer Praxisphase Menschen, die aus dem gleichen Kulturraum oder Land kommen eine muttersprachliche und kultursensitive, psychosoziale Beratung anzubieten. Die Menschen werden also verstanden, weil sie sich in ihrer Muttersprache ausdrücken können und die Schwierigkeiten, die sich aus den kulturellen Unterschiedlichkeiten herleiten lassen sofort verstehen.“

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Als psychosozialer Berater für geflüchtete Menschen erfährt man sicherlich auch von Geschichten, die einen persönlich stark bewegen. Wendet ihr hier bestimmte Bewältigungs-Strategien an?

Sophie: „Wir haben in Afghanistan und in den anderen Ländern gelernt, dass die Counselor zuerst sich selbst und ihre eigenen Erlebnisse sehr gut verstehen müssen und selbst erfahren haben sollten wie sie das Gefühl der Ohnmacht überwinden und sich dem Leben positiv zuwenden können. Erst dann sind sie in der Lage anderen Menschen im Gespräch so zu begegnen, dass sie sich furchtlos ihren Erfahrungen stellen können, daraus lernen können und wieder Sinn im Leben finden können. Auch werden unsere Counselor von unseren Supervisoren eng begleitet.“

Ihr bietet Eure psychosoziale Beratung auch online an, wie wird dieses Angebot angenommen?

Sophie: „Ipso e-care, unsere online Videoplattform ist ein wichtiger Teil unseres Angebotes. Die Plattform wird in Afghanistan seit 3 Jahren erfolgreich eingesetzt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Menschen dieses niederschwellige Angebot zunehmend gerne nutzen, vielfach fühlen sich die Menschen im Gespräch freier sich zu öffnen. Wir arbeiten daran, dass im Laufe des nächsten Jahres dieses Counseling Angebot in Deutschland flächendeckend genutzt werden wird. Es geht hin und her: Afghaninnen und Afghanen in Deutschland sprechen mit unseren Counselorn in Kabul, Menschen in Jordanien verbinden sich mit den hier ausgebildeten Counselorn aus Deutschland, sie können sich anvertrauen, erfahren empathisches Verständnis und erhalten Ermutigung und Unterstützung im Gespräch. Ein sicherer Raum in dem sich die, die helfen können und wollen mit denen die Hilfe brauchen treffen: Empathy International!“

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Geschrieben von am 9.12.2016. Zuletzt aktualisiert am 9.12.2016.

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