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Hilfe für Hexenjagdflüchtlinge

An aid project by: Hilfe für Hexenjagdflüchtlinge (F. Riedel)

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F. Riedel (Project Manager)

F. Riedel
Wir möchten den Überlebenden von Hexenjagden in Ghana bessere Lebensbedingungen ermöglichen und zukünftige Hexenjagden verhindern.

Im ganzen subsaharischen Afrika sind Hexereivorstellungen sehr stark verbreitet - bei allen Konfessionen und in allen Schichten. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Tod werden auf das Wirken von Hexen und bösen Geistern zurückgeführt. Neid auf einfache Dinge (Familienglück, ein paar Tiere, eine gute Ernte) ist ein häufiger Grund für eine Anklage. Lynchmorde sind regional häufig. Vielerorts gibt es religiöse Institutionen, vor allem Schreine, die vorgeben, Hexen zu identifizieren und die Beschuldigte zum Teil freisprechen, zum Teil aber auch schwer foltern und zu Geständnissen zwingen.

In Gushiegu, Nabule und Kpatinga (Nordghana) bestehen Asyle und Ghettos für insgesamt 200 weibliche Hexenjagdflüchtlinge. Weitere 2000 Hexenjagdflüchtlinge befinden sich in 5 weiteren Ghettos im Umkreis von 200 km. Es gibt nur wenige und unterfinanzierte Projekte, die sich diesem Problem widmen.

Unsere ghanaischen Partner Simon und Evelyn Ngota haben viel Erfahrung im Umgang mit Hexenjagdflüchtlingen. In Gambaga haben sie über 15 Jahre hinweg 500 Frauen aus einem Ghetto nach intensiven diplomatischen Verhandlungen mit ihren Familien wiedervereint und die Lebensbedingungen der verbleibenden 80 Frauen entscheidend verbessert. Nun konzentrieren sie sich auf die vernachlässigten, aber freieren Asyle um Gushiegu. Die Lebensbedingungen von Hexenjagdflüchtlingen werden hier durch ihre kontinuierliche Arbeit verbessert, ihr Selbstbewusstsein gestärkt.

Regelmäßige Besuche und Aufklärungsunterricht über Hygiene, Gemüsebau, Seifenproduktion und Geflügelzucht schaffen Vertrauen und geben den sozial isolierten Frauen einen Halt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die dauerhafte Arbeit mit den Frauen neben Wasser, Unterkunft und Nahrung das bedeutendste Element für ihr Wohlbefinden ist. Keine kann lesen oder gar schreiben, durch die generelle Diskriminierung von Frauen im Norden Ghanas sind sie auch selten in der Lage aus eigener Kraft Kleinstunternehmen zu starten. Mit Anleitung und Training können sie rasch ihre Ressourcen erkennen und besser einsetzen und so ihren Lebensunterhalt gemeinsam und solidarisch bestreiten.
Lesen sie auch:
http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-07/ghana-hexenjagd-flluechtlinge

http://gushiegu.wordpress.com

english version:
http://gushiegus.wordpress.com

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Information about the project:

Ask F. Riedel (Project Manager):

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    E. Baguley asked almost 2 years ago

    Na, klar - es ist ja auch so, das die zu Unrecht beschuldigten Frauen NICHT Teil einer für alle stimmigen "Weltvorstellung" sind, sondern, dass sie sozusagen aus dieser Welt "rausgemobbt" oder -gequält werden. Das ist inakzeptabel und menschenverachtend.
    Aber zum anderen Thema "westliche Esoterik": sollte man nicht auch genau da unterscheiden? - Jemand, der an Homöophatie glaubt, WILL es so. Plazebos funktionieren ja auch und werden sogar von den ganz allgemeinen, wissenschaftlich ausgebildeten Medizinern eingesetzt. Da kommt auch kein Aufklärer daher und zerstört diese wahrscheinlich für alle nützliche Täuschung oder redet von Naturgesetzen...
    Davon abgesehen beziehen sich "ganz banale naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten" nur auf einen Ausschnitt von irgendwas, was halt 'schon' bekannt oder entdeckt worden ist. (Und das Unentdeckte?)
    Übertriebener Intellektualismus hilft einem dann nicht viel, wenn einem die Intuition oder das Gefühl zu etwas anderem als der Intellekt rät - vorausgesetzt, man verfügt über Intuition. :-)

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    E. Baguley asked almost 2 years ago

    Wird hier wirklich in erster Linie geglaubt, dass der so genannte "spiritistische/spirituelle Unsinn" für die Probleme der Region verantwortlich ist? Ist nicht eher die menschliche Bereitschaft "übel nachzureden", nicht die eigenen Stärken erkennen zu können (oder aufgrund von Mangel umsetzen zu können) und einen Sündenbock für das Schlechte zu brauchen sowie diese Bereitschaft auch noch systematisch und schleichend pervers zu kultivieren? (Was im übrigen auch ohne Religion möglich ist)
    Es gibt ja auch andere religiöse oder schamanische Weltordnungen, die zwar Hexerei oder böse Geister kennen, diese "Geister" dann aber z.B. heilen wollen. Heilung /Lösung des Problems ist dann im Idealfall für alle Beteiligten im Rahmen ihrer Weltvorstellung gewollt.
    Die "üble Nachrede" könnte man vielleicht mit dem uns bekannten "Mobbing" vergleichen... Die beschriebenen afrikanischen mittelalterlich anmutenden Methoden sind natürlich besorgniserregend...

     

    F. Riedel: (Project Responsible) answered almost 2 years ago

    Liebe Esther, du hast schon recht. Den meisten Menschen, die in Ghana an Hexerei glauben, gelingt es, dies friedlich zu tun. Sie nehmen Hexerei als Erklärung, würden aber niemals jemanden anklagen. Ähnlich funktioniert aber auch der europäische Ausländerhass. Viele würden niemals einen Ausländer auf der Straße anpöbeln, aber insgeheim hassen sie. Und unter europäischen Atheisten gibt es eine Menge hochprojektiver, unreflektierter unangenehmer Gestalten ebenso wie es sehr bescheidene, hochreflektierte Gläubige gibt.
    Ich traf Menschen in Ghana, die sehr gute Menschen sind und aus Unwissen an Hexerei glaubten, weil sie für all die Merkwürdigkeiten keine naturwissenschaftlichen oder psychologischen Erklärungen hatten - oder weil sie ihr körperlich-geistiges Empfinden so an diesen Vorstellungen geschult haben, dass sie sich in sinnliche Wahrnehmung übersetzen. Und dann gibt es leider die gebildeteren, die Hexereivorstellungen aggressiv als Teil einer "Tradition" verteidigen, die vor "westlichen" Ideen bewahrt werden müsse.
    Die Hoffnung aller GhanaerInnen, die sich gegen Hexenjagden aussprechen, war, dass Bildung die junge Generation aufklären möge. In jedem Fall ist wahr, dass gebildete Menschen sich nicht so leicht anklagen lassen und zur Wehr setzen können.
     

    F. Riedel: (Project Responsible) answered almost 2 years ago

    Lydia benennt einen wichtigen Punkt: Dass nämlich alle Kernkonzepte der Hexereivorstellungen in der Esoterik gleichermaßen präsent sind, seien das nun Geistwanderung, Seelenflug, Reiki, etc. Nicht umsonst spricht man bei vielen Ritualen von "homöopathischer Magie" - etwa wenn kranken Menschen kochendes Wasser eingeflößt wird, um einen bösen Geist aus ihm zu vertreiben. Und leider muss man auch für weite Teile der Esoterik denselben Antiintellektualismus in der Abwehr diagnostizieren. Da gilt dann alles als "westlich" und "materialistisch", die eigene Theorie wird als "über" normaler Auffassungsgabe befindlich dargestellt, während häufig ganz banale naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten durchgestrichen werden. Adorno, der kluge Bub, sagte: "Das zetert über Materialismus. Aber den Astralleib wollen sie wiegen."

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