Ein notwendiger Kommentar
Liebe Freunde von betterplace, ich möchte Sie bitten, zu verstehen, dass das Internet noch immer kein übliches und alltägliches Arbeitsmittel für uns hier in Kamerun ist, wie übrigens auch überall in der gesamten Region.
Ich muss Ihnen nicht erklären oder gar versichern, dass die Umstände, in denen wir uns hier noch immer wiederfinden, von der Art sind, dass die große Mehrheit keinen eigenen Computerzugang ihr eigen nennen kann. Das einfache Surfen setzt voraus, sich in ein Internet-Café zu begeben und dort zuallererst für eine Sitzung, die immer noch zu teuer ist, zu zahlen. Ist diese Situation in irgendeiner Weise vergleichbar mit anderen Ecken der Welt?
Möglicherweise werden nur hier die Internetcafés im wesentlichen von jungen Mädchen wie von jungen Männern im wahrsten Sinne des Wortes gestürmt, die sich der Cyberpornografie stundenlang ausliefern und damit versuchen, der sie umgebenden allgegenwärtigen Misere zu entkommen. Es ist sehr oft der Versuch, per Kontaktbörse einen Weißen oder eine Weiße zu erhaschen, in der Hoffnung, dass die ganze Familie unterstützt wird. Barmherzigkeit? Liebe? Oder schlichtweg Ausdruck unumkehrbarer Perversion der Beziehungen Nord – Süd? Ich enthalte mich der Wertung.
Bitte versuchen Sie sich vorzustellen, hier einen Freund zu bitten, ins Internetcafé zu gehen, für jemanden auf betterplace zu bürgen und sei es für jemanden, der ihm wohlbekannt ist, und dafür auch noch zu zahlen?
“betterplace – was ist denn das? Noch nie gehört! Nein, für einen Freund zu bürgen, das ist zu viel verlangt! Warum hören die Weißen nicht mit dieser ihrer seit langem altbekannten Demagogie auf? Vielleicht ist das eine gute Idee, aber haben sie jemals schon irgendetwas Gutes vollbracht, das man je hätte wahrnehmen und anerkennen können?”
Für alle diejenigen, die diesen Monolog nicht verstehen, werde ich das entschlüsseln.
Tatsächlich gibt man hier in Zentralafrika Zeugenschaft nur dann ohne Aufforderung und freiwillig, wenn derjenige schon tot ist, nicht, wenn er noch lebt, denn, wenn er noch lebt, kann er sich noch immer selbst verteidigen usw. usf. …
Wir sind sicherlich nicht die einzige Ecke in der Welt, wo niemand etwas Gutes über jemanden sagt, noch einer Person Gutes tut, wenn das ihm nichts einbringt…
Könnte das auch einer der Gründe sein, warum sich unser ökonomisches und politisches System in mafiosen Abhängigkeiten suhlt? Viel zu viele Papiere und zu viele Belehrungen hier und nichtige Details dort…
All das hat uns in ein sozio-kulturelles Chaos gestürzt, in dem wir sehr tief stecken. Nicht mitgerechnet die enormen psychischen Schäden, der Ausschluss und die Marginalisierung, vor allem für die Intellektuellen, die die Courage hatten, hier zu bleiben, sich gegen dieses für die Kreativität, für Ideen und Intelligenz ungesunde Umfeld zu wehren. Ich muss Ihnen auch sagen, liebe Freunde, die Sie bei betterplace wie in einem neuen Horizont des Militantismus agieren: Nehmen Sie Hinweise zur Kenntnis und man wird Ihnen sagen, dass hier in Zentralafrika gute Ideen äußerst rar sind, denn die Propaganda des Staates ist derart angelegt, dass wir einfach gefangen sind, anders und neu zu denken und es für uns oft unmöglich ist, etwas Neues auszuprobieren.
Helfen Sie, jungen Leuten Vertrauen durch eine praktische technisch-künstlerische Ausdrucksmöglichkeit wie das Video zu sich selbst zu finden. Das ist für mich eine Façon, sie dazu zwingen, sich ihrer eigenen Realität zu stellen. Und diese Situation folglich eines Tages zu verändern, und wenn es anfangs nur ein Traum sein sollte…
Liebe Freunde von betterplace, ich bin weit davon entfernt, eine klassische Auslegung der Armseligkeit à l’africaine zu machen, ich würde einfach nur gern Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass jeder Fall einer Anfrage zur Unterstützung seine Spezifizitäten und seine Besonderheiten besitzt. Ist es möglich, auch darüber jeweils zu diskutieren?
Übergreifend sollte betterplace die Leute auch dabei unterstützen, sich transkontinental verstehen zu lernen.
Also bleiben wir positiv und bis bald … auf alle Fälle, machen Sie genau das, was Sie tun können, denn das ist schon besser als das, was vorher existierte. In diesem Sinne!
Übersetzung aus dem Französischen: hazet