Kamerun Reporte Teil 7
Die vorhergehnden Reporte sind im WPE Forum einzusehen. Ich bin bemüht die neuen Reporte einzustellen bitte aber um Nachsicht da die Internet Verbindungen in Kamerun sehr launisch sind und ich oft nicht einmal in der Lage bin mich einzuloggen.
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Kamerun 7
Ende vorletzter Woche ist ein kleines Paket aus Oestereich, von Susanne, versendet ueber DHL, in Yaounde angekommen. Der Zoll wollte stolze 102.000 CFA von Vivian. Musste dann selbst zur Zollstelle und habe dort tuechtigen Wirbel gemacht woraufhin man angeblich eine Rueckfrage nach Oestereich stellte ob denn wirklich alles bezahlt sei. In dem Paket war lediglich ein gebrauchtes paar Schuhe von mir, ein USB Stick, eine Landkarte, eine CD, einige Fotos und ein Schluesselanhaenger als Geschenk fuer Brunhilda. Musste mit Ministerium und Botschaft drohen um den verschlafenen Zoellner aus seinen Tagtraeumen zu wecken. Ich nehme an das Paket in den naechsten Tagen dann ohne weitere Bezahlung abholen zu koennen.
Bei WPE Kamerun hatte ich einige strukturelle Aenderungen vorgenommen da ich mit dem schleppenden Fortgang der Dinge nicht mehr weiter einverstanden war.
Vivian hat jetzt die Position des Projectmanagers for Environmental Education und Doydonne uebernimmt den Job des Projectmanagers fuer Public Affairs. Sein Einstand beim Ministerium war sehr gelungen und wir koennen jetzt davon ausgehen das in Kuerze die Registrierung als Organisation in Kamerun amtlich ist. Dazu haben wir ausserdem eine Genehmigung um Naturreservate zu besuchen. Weitere Genehmigungen werden dann nach und nach realisiert.
Alles in allem bin ich mit dem Fortgang der Dinge in Bezug auf den Umgang mit den Behoerden sehr zufrieden. Aus Sri Lanka war ich schlimmeres gewohnt denn dort ging gar nichts. Die Uhren in Kamerun laufen langsamer als bei uns aber selbst wenn alles doch noch laenger dauert als erwartet, sind wir hier auf dem richtigen Weg.
Aisha die in gehobener Position im Ministerium for Forestry and Wildlife taetig ist und fuer uns alles arrangiert hat ist jetzt Mitglied bei WPE. Ein gelungener Schachzug der uns weitere Tueren oeffnet.
Edea und Marienberg
Mit Louis ging es am Dienstag morgen in einem recht komfortablen Bus nach Edea, ca. 220 km von Yaounde entfernt am Sanaga Fluss gelegen. Die zweieinhalb stuendige Fahrt ging entlang von Regenwaeldern die ihrer grossen Baeume und ihrer Tierwelt weitestgehend beraubt wurde. Immer wieder machen die Waelder grossen Oelpalmplantagen und Kautschukwaeldern Platz um den unstillbaren Hunger der Menschen zu befriedigen. Die Fahrt ueber hat Louis viel zu erzaehlen. Er ist im Tourismus taetig, hat fuer einige Reporterteams, unter anderem BBC, alles in Kamerun arrangiert und weiss viele Geschichten zu erzaehlen die ich zum Teil an einem spaeteren Zeitpunkt und anderer Stelle versuche wieder zu geben.
Edea ist eine kleine huegelige, gruene und saubere Stadt am Sanaga River einem grossen, breiten Strom gelegen. Mit kleinen chinesischen Motorraedern lassen wir uns dann von Edea zur Haltestation in Richtung Marienberg fahren. Marienberg ist eine ehemalige deutsche Mission und hier steht die alteste Deutsche Kirche aus dem 19. Jahrhundert die noch immer fuer Gottesdienste genutzt wird. In einem restlos ueberfuellten Minibus geht es dann die ca. 35km, entlang des Sanaga Flusses in Richtung Marienberg um kurz vor dem Dorf ein Paddelboot zur Ueberquerung des Flusses zu bekommen. Die ganze Zeit ueber regnet es leicht und die Daemmerung steht kurz bevor.
Kurz vor Marienberg hat die Fahrt fuer uns ein Ende und wir begeben uns ans Ufer des gewaltigen Flusses um hier einen Einbaum fuer unsere Ueberfahrt zu mieten.
Pongo Songo
Etwa in der Mitte des Flusses liegt eine Insel die ca. 1 km lang ist. Die vorlaeufige Heimat der heranwachsenden Schimpansen. Vorbei an der Insel legen wir dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit am Ufer an. Der Chef des Dorfes Pongo Songo ist schon von weitem zu sehen und wartet auf seine obligatorische Flasche Whisky die wir Ihm dann auch sofort uebereichen. Zu Fuss mit einem Fuehrer geht es danach sofort weiter zu Patricias Dschungelcamp das sich jetzt weiter entfernt vom eigentlichen Dorf befindet. Der Fluss zur linken, gesaeumt von hohen Schilfgraesern und landwirtschaftlichen Anbauflaechen, kleinen Ansiedlungen und Regenwald machen den Fussmarsch im Halbdunkel zu einem Erlebniss.
Im Camp angekommen begruessen uns zuerst die zwei Hunde mit lautem Gebell und danach sofort auch die Schimpansenbabys mit lautem Gebruell. Dann stehen wir vor dem Holzverschlag in dem sich 8 junge Schimpansenbabys befinden. Alle strecken mir ihre Haende entgegen und jedes einzelne Baby begruesst mich mit Handschlag und Haendeklatschen ganz so wie es unter Menschen ueblich ist.
Einige meter weiter steht dann das Holzhaus von Patricia die sich leider zur Zeit in Frankreich aufhaelt. Der Verantwortliche Gilbert begruesst uns sehr herzlich. Mit den beiden Hunden hatte ich mich in der Zwischenzeit bereits angefreundet und jetzt kam auch noch Bob dazu. Ein junger White nose monkey der von der Huendin gesaeugt wird und als Hundebaby anerkannt wurde. Auch mit Bob konnte ich schnell Freundschaft schliessen. Fortan war Bob staendig mit mir am spielen und hat mich sehr an meine Aeffchen in Sri Lanka erinnert.
Die Nacht war dann eher etwas ungemuetlich und verging recht schnell. Am naechsten morgen konnte ich dann sofort die Babys besuchen und auch hier Freundschaften schliessen. Die Begeisterung der Schimpansen war so gross das man mir mein altes T-Shirt in Streifen vom Leib gerissen hat.
Gilbert hat in der Zwischenzeit bereits die Milch fuer die Babys vorbereitet die dann auch schnell ausgetrunken ist. Wir hatten fuer uns gluecklicherweise noch zwei trockene Brote so das wir zumindest dem Hungertod ein Schnaeppchen schlagen konnten. Zwischenzeitlich hatten uns Sandfloehe die man nicht sieht und nicht spuert dermassen attackiert das meine Beine ab den Knien und meine Unterarme aussahen als haette ich die Masern. Das grosse Jucken blieb gluecklicherweise erstmal aus und plagte mich erst nachdem ich in Yaounde zurueck war.
Die naechsten Stunden war spielen mit den Schimpansenbabys angesagt. Bei all dem traurigen Hintergrund fuer die Babys war das aber dann doch ein toller Spass wie man den zahlreichen Fotos entnehmen kann. Das juengste der Babys mit Namen Liberty war nicht mehr von mir fortzubekommen und es zeigte sich das dieses Baby ganz besondere Aufmerksamkeit braucht die es hier offensichtlich nicht findet. Es war auch nicht moeglich Liberty an jemand anderen zu geben und das Baby wollte nur bei mir bleiben.
Liberty ist etwa 1.5 Jahre alt. Die Mutter wurde erschossen und verzehrt. Auch Liberty hatte eine Kugel im Bein und ist leicht gehbehindert. Irgendwie ist das Baby dann bei Patricia gelandet. In einem spaeteren Report komme ich noch einmal darauf zurueck. Nach ca. drei Stunden Spiel muessen die Babys dann zurueck in den Holzverschlag. Liberty schreit wie am Spiess und ist nicht von mir zu trennen. Ich muss mit in den Holzverschlag und mit schwerem Herzen das Baby bei den anderen Schimpansen lassen. Nur eines der etwas aelteren Weibchen kuemmert sich um das Kleine. Mir bricht es fast das Herz. Haette ich geahnt was spaeter passiert haette ich das Baby nicht mehr aus meinen Armen gelassen und waere so lange im Camp geblieben bis Patricia zurueck ist. Sie wird am Mittwoch in der naechsten Woche erwartet und telefoniert taeglich mit Gilbert.
Die Schimpanseninsel
Nachdem Gilbert fuer jeden Schimpansen auf der Insel ein sehr kleines Fresspaket geschnuert hatte konnte ich mit Ihm und einem weiteren der insgesamt drei Beschaeftigten zurueck zum Dorf laufen und von dort mit dem Einbaum zur Insel paddeln. Das Wetter war den ganzen Tag ueber sehr freundlich und es gab kaum eine Wolke am Himmel. Leider haben sich die Schimpansen nicht blicken lassen und sich vermutlich an einem anderen Teil der Insel aufgehalten. Insgesamt leben hier neun der aelteren Schimpansen und sind mittlerweile schon wieder sehr wild. Die Dorfbewohner lassen die Schimpansen in Ruhe. Das aelteste der Weibchen ist schwanger wie man mir berichtete.
Ueber die Plaene zur Auswilderung der Schimpansen berichte ich spaeter. Die Insel gibt nicht genuegend Futter fuer die Tiere her und muessen deshalb taeglich beigefuettert werden. Ich konnte dann noch die Gunst der Stunde nutzen und im Sanaga River ein Bad nehmen so wie es auch die Schimpansen getan hatten. Krokodile sind hier wegen der Jagd sehr selten geworden und man trifft sie nur noch in den Sumpfgebieten an. Grosse Pythons soll es hingegen noch geben.
Die kommende Nacht sollen Louis und ich in der Naehe des Dorfes verbringen da wir noch in der Dunkelheit um 5 Uhr frueh mit dem Einbaum zum anderen Ufer muessen um dort den einzigen Mini Bus nach Edea zu bekommen. Um unsere Sachen zu packen geht es deshalb nochmals zurueck zum Dschungelcamp und den Schimpansenbabys. Ich sollte eigentlich im Dorf warten wollte aber die Babys nochmal sehen da ich ohnehin plane in Kuerze fuer laengere Zeit dorthin zu gehen.
Zurueck im Camp sind die Schimpansen frei. Das Zelt von Louis ist zerstoert und es ist keine Aufsichtsperson ist da. Liberty ist nicht zu finden. Wir schreien und suchen nach Ihr aber leider ohne Erfolg. Nach Einbruch der Dunkelheit hat das Suchen keinen Sinn mehr und wir geben auf.
Gilbert erzaehlt uns dann das Liberty schon einmal ausgerissen ist. Sie wurde eine Zeitlang spaeter weit entfernt, in schlechtem Zustand, gefunden und man musste wieder viel Geld bezahlen um sie ueberhaupt zurueck zu bekommen.
Wie sich spaeter herausstellte hatte der dritte Mitarbeiter die Schimpansen frei gelassen und Liberty alleine im Holzverschlag hinterlassen. Sie konnte sich durch ein loses Brett am Dach selbst befreien und ist gefluechtet, wahrscheinlich auf der Suche nach Ihren Eltern oder Patricia.
Liberty ist alleine nicht ueberlebensfaehig und befindet sich in einer feindlichen Umwelt unter Kannibalen die das Baby sofort fressen wuerden. Ich habe eine Stinkwut im Bauch. Auch Louis ist total schockiert.
Jetzt bleibt nur zu hoffen das einer der Dorfbewohner das Baby sieht und sich eine Bezahlung erhofft die mehr einbringt als der Verkauf des toten Babys als Bushmeat. Nach Liberty zu suchen gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen und ist nahezu unmoeglich. Louis und ich bleiben deshalb weiterhin bei unserm Plan zurueck nach Yaounde zu fahren da Er sich um seine Frau und sein Baby kuemmern muss. Ich telefoniere mit Gilbert und versuche herauszufinden ob Liberty gefunden wurde. Sollte das der Fall sein werde ich zurueck fahren und mich um das Baby kuemmern bis Patricia zurueck ist.
Pongo Songo
Den Abend verbringen wir im Dorf mit einigen Bewohnern und dem Chef. Auf der Insel gibt es keinen Strom und demzufolge nur warmes Bier. Da wir beide den ganzen Tag beinahe nichts gegessen und getrunken hatten war das warme Bier eine Wohltat.
Im Kreis sitzend diskutieren wir jetzt ueber die WPE Projekte der Schulung und auch der Projekte wie z.B. Eco Tourismus und Huehnerfarmen um das Bushmeat Problem einzudaemmen. Louis uebersetzt immer wieder da die Gespraeche in franzoesisch gefuehrt werden. Der uneinsichtige Chef des Dorfes kommt immer wieder darauf zurueck Geld zu wollen und jegliche Weisheit ist bei Ihm verloren gegangen. Gastfreundschaft scheint in seinem Wortschatz nicht vorzukommen. Einige Dorfbewohner sind wesentlich aufgeschlossener dem gegenueber. Es scheint schon eine sehr grosszuegige Geste zu sein das man die Schimpansen auf der Insel nicht verzehrt. Einzig die Hoffnung das immer mal wieder ein Besucher etwas springen laesst scheint diesen uneinsichtigen Mann davon abzuhalten seine Jaeger loszuschicken.
Am Abend faellt dann auch noch ein Gewehrschuss und Louis hat bei allem kein gutes Gefuehl. Ich hoffe der Schuss galt nicht unserem Baby Liberty.
Bei all den Diskussionen sind wir aeusserst behutsam und zu guter Letzt bekommt Gilbert 10.000 CFA um den Betrag an den Chef zu uebergeben um uns in guter Erinnerung zu behalten. Diese Zahlung war mir total zuwieder und normalerweise spiele ich da nicht mit. Wir muessen allerdings vorsichtig sein und wollen die Situation fuer Patricia und die Schimpansen nicht erschweren.
Weiteres zu Liberty und dem Dschungelcamp fuer Schimpansen deshalb in einem spaeteren Report.
In der spaeten Nacht, nach kurzem Schlaf ging es dann wieder mit dem Einbaum zurueck ans andere Ufer. Unterwegs haben wir noch einen total geistig matten jungen Mann gesehen der ein junges Krokodil an der Leine hatte. Die weitere Rueckfahrt war ansonsten ereignislos und Louis und ich hatten die traurigen Erlebnisse noch nicht verarbeitet.
Die WPE Projekte auch in Songo Bongo zu etablieren erscheint als sehr sinnvoll. Weitere Aktivitaeten um das zu realisieren koennen nur in Kooperation mit Patricia erfolgen. Auch Ofir, der Chef von LAGA, hat da einiges mitzureden da Er die Situation dort genau kennt.
Ofir ist morgen mit einem weiteren Gast bei mir zum Essen eingeladen. Ueber den Fortgang der Plaene und Libertys Schicksal werde ich in Kuerze berichten.
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Das Abendessen mit Ofir und Ian hat bereits vor der Veroeffentlichung dieses Kamerun Reports stattgefunden. Ian arbeitet mit verschiedenen Organisationen zusammen und ist mit der Situation in Zentralafrika sehr vertraut. Mehr dazu im naechsten Report.
Was ich von Ofir ueber Patricia und die Schimpansen erfahren habe hat mich schlichtweg schockiert und ich muss die neuen Erkenntnisse ersteinmal verarbeiten. Eigentlich waere es angesagt den Kamerun Report 7 komplett zu ueberarbeiten aber um die Authenzitaet zu wahren und dabei auch die Situation in Kamerun anschaulicher zu machen belasse ich den Report so wie ich ihn urspruenglich, mit viel Ruecksicht auf Patricia geschrieben habe.
Meine Eindruecke vom Chef des Dorfes muss ich komplett revidieren.
Liberty wurde uebrigens bis heute nicht gefunden.
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