Projektbericht zweite und dritte Woche Jugendbegegnung
Liebe Projektunterstützer/innen,
die philippinische Gruppe ist am Donnerstagabend abgereist und inzwischen gut in Manila gelandet. Leider bin ich auch in der letzten Woche nicht dazugekommen, regelmäßig Blogs zu schreiben. Unser Programm war einfach zu voll gepackt, so dass kaum Zeit blieb, überhaupt ins Internet zu gehen. Abends brauchten die Schüler_innen den Laptop für die Projektdokumentation, die wir täglich fortgeschrieben haben. So will ich nun den versprochenen Bericht nachholen und erzählen, was in den vergangenen Tagen im Projekt stattgefunden hat. Mehr als 20 zusätzliche Fotos habe ich bereits gestern in die Bildergalerie hochgeladen. Ein Blick dort hinein lohnt sich also.
Am Montag, den 15. Oktober fanden wir uns mit den philippinischen Gästen früh halb acht im Emil-Fischer-Gymnasium in Schwarzheide ein. Dort begrüßte der Schulchor die Gäste und anschließend führte die Schulleiterin Frau Pursian durch das Schulhaus. In einer 11. Klasse stellten dann die zwei philippinischen Schüler_innen Yvonne und Kristille ihr Heimatland die Philippinen mit einer Powerpoint-Präsentation vor. Um halb eins füllt sich die Aula mit fast 200 Gästen, darunter auch der Bürgermeister von Schwarzheide Herr Schmidt, denn die Filipinos hatten zu ihrem Kulturprogramm eingeladen. Seit Mai 2012 hatten sie dafür geübt und sie boten eine 20 Minuten lange beeindruckende Show mit traditionellen und modernen Tänzen und Liedern. Auch die Lehrer_innen Jane Parcon und Norman Java sangen jeweils ein Solo. Yvonne und Recca tanzten einen Tanz namens Binaduan, bei dem sie gefüllte Wassergläser auf dem Kopf trugen. Alle in der Aula hielten den Atem an. Am Ende gab es großen, nicht enden wollenden Applaus.
Am Dienstag begannen wir mit den Workshops in der Aula. Für jeweils 90 Minuten besuchten uns die Geographiekurse der 10. bis 12. Klasse. Die deutschen und philippinischen Schüler_innen hatten in der Jugendbegegnung in Lübben vier Workshopstationen vorbereitet und teilten an diesen Stationen ihr Wissen mit den anderen Schüler_innen. Das Konzept funktionierte gut. Nur eine Station musste nochmals angepasst werden, weil die Mehrzahl der Schüler_innen aus den Schulklassen zu wenig Englischvokabeln verfügbar hatten, um an dieser Station angemessen zu kommunizieren. Also erstellten wir ein Wörterpuzzle, bei dem man weniger sprechen musste. Themen im Workshop waren das Einkaufsverhalten, der Land- und Regenwaldverbrauch für die Fleischproduktion und philippinische Lebensmittel sowie Gerichte. Das Feedback der Schüler_innen war durchweg positiv. Einige Klassen wären gern länger geblieben, aber nach 90 Minuten kam ja schon die nächste Gruppe. Am Nachmittag besuchten wir mit den Gästen das Krankenhaus in Lauchhammer. Wir sahen die Küche, die Kinderstation und die Geburtenstation. Anschließend gingen alle Gastschüler_innen zusammen zum Bowling und zum Abendessen. Das war ein schöner gemeinsamer Abend.
Am Mittwoch stand neben weiteren Workshops auch die Teilnahme am Unterricht auf dem Programm. Die Filipinos nahmen am Biologieunterricht teil. Es wurde mikroskopiert. Außerdem gestalteten immer zwei Schüler_innen gemeinsam den Englischunterricht. Sie informierten über die Philippinen und beantworteten die vielen Fragen der deutschen Schüler_innen. Eine Unterrichtstunde mit der 6. Klasse blieb den Gästen besonders in Erinnerung. Denn die kleinen Schüler_innen sprachen einerseits schon sehr gutes Englisch und hatten andererseits großes Interesse daran, Tagalog zu lernen. Nachmittags unternahmen wir einen Ausflug in die Skihalle in Senftenberg. Dort gab es eine Rodelbahn mit Kunstschnee. Die Filipinos hatten Riesenspaß beim Rodeln.
Am Donnerstag fanden die letzten beiden Workshops in der Aula statt. Anschließend ging es auf Exkursion in den ehemaligen Tagebau bei Lichterfelde. Dort steht die Förderbrücke F60, die für Besucher geöffnet ist. In einem einstündigen Rundgang bestiegen wir die Förderbrücke bis auf 70 Meter Höhe und blickten auf den Tagebausee. Die Filipinos wollten wissen, wie lange es dauert, bis das extrem saure Wasser im See neutralisiert ist. Es wird Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte dauern, trotz künstlicher Kalkzugabe. Bergbau ist auch in den Philippinen ein großes Thema und die philippinischen Lehrer_innen machten keinen Hehl daraus, dass sie dem Bergbau ablehnend gegenüberstehen. In Palawan gilt es, die letzten Regenwälder der Philippinen vor ihrer Abholzung für den Bergbau zu bewahren.
Am Freitag besuchten die philippinischen Gäste die Waldgrundschule in Lauchhammer. Dort führten sie erneut ihr Kulturprogramm auf. Die Schüler_innen der 6. Klasse hatten sich für ihre Besucher etwas Besonderes einfallen lassen. Sie hatten eine Schulführung in englischer Sprache vorbereitet. Immer drei Schüler_innen nahmen einen philippinischen Gast mit auf den Rundgang. Es war wirklich toll mit anzuschauen, wie sehr sich die Kinder bemühten, mit den Gästen auf Englisch zu kommunizieren und wie das mit Hilfe von Händen und Füßen auch wirklich gut geklappt hat. Die Filipinos waren tief beeindruckt und schnell fanden sich Freundschaften. Als es am Ende dann auch noch kleine Geschenke gab, wurden noch Facebook-Adressen ausgetauscht. Highlight des Besuches in der Grundschule war das Abschiedsfoto auf dem Dach der Schule mit einem weiten Blick übers Land.
Zurück im Emil-Fischer-Gymnasium werteten wir die Schule aus und blickten nach vorn auf das Jahr 2013. Auf die Frage, ob es eine Rückbegegnung geben soll, gab es eine einheitliche Antwort: YES! Erste Pläne für den Gegenbesuch der deutschen Schüler_innen und Lehrerinnen im Juli 2013 in den Philippinen wurde geschmiedet. Das Projektthema heißt dann Mobilität. Mit einem Gastgeschenk für die Mathelehrer_innen verabschiedete sich die Schulleiterin Frau Pursian von den Gästen.
Den Samstag verbrachten die meisten Gastfamilien mit den Filipinos in Dresden. Fast sommerliches Wetter bei 20°C lud zum Stadtbummel ein. Am Sonntag hieß es Abschied von den Gastfamilien zu nehmen. Am Bahnhof in Ruhland flossen dann auch die ersten Tränen. Wir fuhren mit den Filipinos weiter nach Potsdam, wo wir uns am Montag auf die Auftaktveranstaltung der Brandenburger entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationstage (BREBIT) vorbereiteten. Nachmittags spazierten wir durch den Park Sanssouci.
Der Dienstag stand dann im Zeichen der Projektpräsentation auf der BREBIT-Auftaktveranstaltung. Leider war diese Veranstaltung extrem schlecht besucht, so dass wir nur wenige Teilnehmer_innen im Workshop hatten. Für die Filipinos war das wohl etwas enttäuschend. Die meisten Gäste der Veranstaltung hatten sich schon nach den Grußworten des Staatssekretärs wieder auf den Heimweg gemacht. Den letzten Tag verbrachten wir am Mittwoch in Berlin. Wir besuchten das Betterplace-Büro, bummelten zur Berliner Mauer an der East Side Galery, fuhren zur Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz, weiter zum ehemaligen Wohnhaus des philippinischen Nationalhelden Jose Rizal in der Jägerstaraße, dann zum Brandenburger Tor und zum Reichstag und am Schluss bestiegen wir den Berliner Dom. Auch für den Einkauf von Gastgeschenken im Berlin Store blieb noch Zeit.
Etwas übermüdet und traurig, dass die Zeit so schnell vorbei gegangen war, flogen die Filipinos am Donnerstag dann zurück. Wir haben diese Gruppe sehr in unser Herz geschlossen. Das Projekt mit ihnen hat großen Spaß gemacht. Die deutschen und philippinischen Schüler sind extrem schnell zu einem guten Team zusammengewachsen. Alle waren motiviert und das Projekt lief wirklich problemlos. Die letzten drei Wochen waren zwar anstrengend aber wirklich sehr schön. Die Schüler_innen haben uns neue Motiviation für unsere Vereinsarbeit gegeben.
Allen Spender_innen sei an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung gesagt. Momentan arbeiten wir an der Fertigstellung der Projektdokumentation. Sobald diese vorliegt, stellen wir sie als PDF auf unsere Webseite und veröffentlichen den Link dahin hier im Blog.
Bis dahin herzliche Grüße
Uwe Berger