Kakaobauern und der Faire Handel
Liebe Freundinnen und Freunde des Globalen Lernens, es gibt viel zu berichten - aber leider wenig Zeit zum Schreiben! Hinter uns liegen das Berliner Entwicklungspolitische Bildungsprogramm zum Thema "Energie - aber wie?" und der Projekttag zu Kakao - Schokolade - Fairer Handel mit einer 5. Klasse in der Grundschule an der Marie in Berlin. Vor uns liegen die 6. Brandenburger Entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationstage zum Thema "Energie macht Entwicklung - gerecht und nachhaltig für alle" und der bundesweite Kongreß WeltWeitWissen - Bildung für unsere Zukunft in Potsdam.
Der Projekttag an der Grundschule war - einfach toll! Der beste an einer Berliner Schule an den ich mich in den letzten Jahren erinnern kann. Und das lag an der Klasse und ihrer Lehrerin. Die 20 Kinder waren durchweg hellwach, aufmerksam, wißbegierig, klug und von einem tiefen Sinn für Gerechtigkeit und für Ungerechtigkeiten ausgestattet. Unser auf der Landesgartenschau erprobtes Produkte-Memory klappte auch hier hervorragend - sogar mit den Texten. Leider ist es heute nicht mehr selbstverständlich, daß man in der 5. Klasse fließend lesen kann, oft genug treffen wir auf Klassen, wo mehr als die Hälfte der Kinder nicht in der Lage ist, zwei Zeilen fehlerfrei und ohne Stocken zu lesen. Hier trafen wir jedoch auf eine Klasse, die sich darum riß, die Texte zu lesen und alle konnten das fließend.
Auf Kärtchen war dann eine Sache zu notieren, die die Kinder als ungerecht und unfair empfinden. Nur ein Kind schrieb etwas aus dem privaten Erleben auf, alle anderen thematisierten Dinge wie Abholzung, Tiertransporte, Schlachthöfe, schlechte Bezahlung usw. Das bot Gesprächsstoff und noch mehr die 2. Karte, auf der sie notieren sollten, was man dagegen tun könnte. Hier hatten wir eine hervorragende Überleitung zum eigentlichen Thema des Tages, das wir in einem kleinen Planspiel umsetzten, das den Kakaohandel und die Effekte des Fairen Handels als Alternative nachvollzieht. Zwei Gruppen von Kakaobauern und je eine Gruppe Aufkäufer, Großhändler, Fairtradekooperative und städtische Händler, bei denen die Bauern einkaufen müssen, setzten die Vorgaben ihrer Rollenbeschreibungen mit Engagement um, so daß wir dann tatsächlich zu tun hatten, sie aus ihren Rollen wieder rauszuholen. Zum Schluß sollte jede Gruppe für sich entscheiden, welches von vier zur Auswahl stehenden Gemeinwohlprojekten die Bauern auswählen sollten. Eine Gruppe favorisierte die Erweiterung der Schule, damit auch die Älteren im Dorf weiterlernen können, alle anderen die Gesundheitsstation. Daß der Arzt nur einmal pro Woche kommen sollte, fanden sie nicht ausreichend. Die Klasse beschloß, noch ein Jahr zu sparen und einen Arzt zu motivieren, ganz ins Dorf zu ziehen.
Eine solche Entscheidung mußte gefeiert werden - mit Kakao aus Fairem Handel, von der Kooperative El Ceibo, die im Spiel die Bauern für den Fairen Handel gewonnen hatte. Die leere Packung wurde gleich an die Wandzeitung gepinnt... Wir haben den Kakao natürlich im Weltladen gekauft.