Six-Point Tandem Tour 2009

News: On this page the carrier keeps you informed about the current situation of the project. This helps you judge how the donations are being used.

Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Abschluss

Jetzt ist sie also vorbei, die Sechs-Punkte-Tour 2009. Am 3. September setzten wir uns in Paris in den Nachtzug und wachten am nächsten Morgen kurz vor Berlin wieder auf. War alles nur ein Traum?

Nein, ziemlich sicher nicht. Einiges haben wir erreicht mit unserer Tour:

  • Unser Spendenkonto ist jetzt um einen netten vierstelligen Betrag höher gefüllt als vor der Tour. Der Dank geht vor allem an die zahlreichen Sponsoren, die die eigentlichen Ziele des Vereins Tandem-Hilfen e.V. im Rahmen dieser Tour unterstützten. Nicht zuletzt durften wir uns natürlich auch während der Tour über so einige Spenden freuen - während Lesungen und auch aus ganz unerwarteter Richtung. Ein Verwendungszweck für einen Teil des Geldes steht auch schon fest. Das im nächsten Jahr stattfindende 7. Internationale Tandem-Camp ist jetzt bereits teilweise finanziert.
  • Über mangelnde Aufmerksamkeit der Presse können wir uns eigentlich nicht beschweren. Zahlreiche Zeitungen trafen uns vor Ort, Rundfunkstationen hatten Live-Sendungen mit uns und auch ins Fernsehen kamen wir. Nicht zuletzt findet man Artikel über unsere Tour auf zahlreichen Internetseiten.
  • Auch über neue Mitglieder wird sich der Verein Tandem-Hilfen e.V. in Kürze freuen können. Ich hoffe, ich bleibe nicht der Einzige.
  • Wir haben unterwegs eine ganze Menge netter Menschen kennengelernt. Einerseits möchten wir natürlich jenen danken, die uns, wenn wir es am meisten brauchten, selbstlos und manchmal, ohne gefragt zu werden, mit Wasser und anderen Getränken versorgten. Aber auch sonst trafen wir auf viel Begeisterung und Staunen über diese aberwitzige Unternehmung. Neue Freunde hat der Verein ganz sicher gefunden und somit hat die Tour auch ein weiteres ihrer Ziele erreicht. Ein Beispiel ist zum Beispiel der nette Herr aus Holzwickede, den wir im Gasthof in Echthausen trafen und der zu unseren fleißigsten Tagebuchlesern gehört. Ja, wir wissen alles. ;)
  • Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang noch einmal unsere drei Retter aus Einbeck-Salzderhelden: Frank Jäger, der Thomas, Katharina und ihr Tandem nach Holzminden fuhr; Günter Brune, der Auto und Anhänger bereitstellte; und natürlich Hildemarie Klimke, die uns mit Getränken versorgte und diese Rettungsaktion organisierte.
  • Dankend erwähnen wollen wir auch noch einmal "unseren" Iraner Foad aus Bausendorf, der mit uns nach eintausend Kilometern freiwillig seinen kleinen Mittagssnack teilte.
  • Die beiden französischen Tandemfahrerinnen, die wir an unserem vorletzten Tag trafen, haben Interesse daran bekundet, bei besagtem nächstem Tandem-Camp als Piloten dabei zu sein. Diese kamen bisher zwar immer aus Osteuropa, aber trotzdem: Warum nicht?

 

Nicht zuletzt natürlich auch danke an alle, die zu Hause vor dem Fernseher saßen und vergeblich darauf warteten, uns in den Nachrichtensendungen zu sehen (echte Verfehlung der Fernsehstationen, oder?). Daher auch danke an alle, die sich vor den Computer gesetzt haben und meine literarischen Ergüsse über sich ergehen ließen.

Ein Dankeschön fehlt hier leider auf der Liste. Ich würde mich sehr freuen, wenn unser Abenteuer auch im Nachhinein noch positive Folgen hätte, zum Beispiel in Form von Spenden auf unserer Projektseite auf www.betterplace.org. Dort kann man nicht nur spenden, nach einer kurzen Registrierung kann uns auch auf anderen Wegen geholfen werden: als Besucher kann ein kleiner Bericht über ein Treffen mit uns andere Leute von unserer Vertrauenswürdigkeit überzeugen. Den gleichen Zweck kann man als Fürsprecher erfüllen, indem man, z.B. wenn man uns kennt oder aufgrund "besonderer Sachkenntnis", für dieses Projekt wirbt.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Louis-Braille-Museum Coupvret

Auch am Ziel rief uns noch einmal die Pflicht: natürlich mussten wir den Geburtsort von Louis Braille, dem Erfinder der Punktschrift, besuchen. Aber natürlich wollten wir das auch.

Coupvret ist ein verschlafenes kleines Dorf östlich von Paris - ohne eigenen Bahnhof, dafür immerhin mit Friedhof. Interessanterweise sind wir auf dem Hinweg in nur etwa 10 Kilometer Entfernung vorbeigekommen.

Wir entdeckten das alte Grab des Mannes, der der Anlass für diese Tour war. Er selbst liegt nicht mehr dort: er wurde 1952, 100 Jahre nach seinem Tod, ins Panthéon nach Paris verlegt. Interessante Kleinigkeit: seine Hände blieben in Coupvret. Was ziemlich barbarisch erscheint, das soll wohl laut Wikipedia an der immensen Bedeutung dieser Hände für seine Erfindung liegen.

Unser eigentliches Ziel war aber das Geburtshaus des großen Mannes, das heute als Louis-Braille-Museum fungiert. Dort begutachteten wir das Bett, in dem er möglicherweise einst schlief (und eine Katze, die vielleicht seitdem darin saß), das Werkzeug, mit dem er sich vermutlich das Auge verletzte und zahlreiche Hilfsmittel, die es für Blinde und Sehbehinderte heutzutage gibt sowie andere Blindenschrift-Systeme, die sich allesamt nicht durchgesetzt haben.

Sonst ist nicht viel los in Coupvret. Eine Statue unseres Mannes fanden wir noch, der Rest war ziemlich langweilig. Zu den schon beschriebenen Sehenswürdigkeiten von Paris scheint das Museum leider nicht zu gehören, von Publikumsandrang war weit und breit nichts zu sehen.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Paris

Was für eine Stadt! Ich fand es ja immer ein bisschen affig, wenn Leute aus Berlin davon schwärmten, wie toll diese Stadt sei: Sehenswürdigkeiten an jeder Ecke haben wir auch, voll und lebendig ist es und hier wollen sowieso alle mal hin. Aber reumütig muss ich jetzt zugeben: sie hatten Rech t.

Zuerst einmal die Sehenswürdigkeiten: von unserem Hotel sind es nur ein paar Schritte und Stufen hinauf zur berühmten Basilika Sacré-Cœur. Gelegen mitten auf dem Montmartre, dem alten Künstlerviertel von Paris (Stichwort: La Bohème) - benannt nach dem gleichnamigen Hügel -, hat man von hier einen wunderbaren Ausblick auf die ganze Stadt.

Von unserem Quartier aus konnten wir auch ganz bequem zu Fuß die beiden Bahnhöfe Gare du Nord und Gare de L'Est erreichen. Dort brachten wir schon am Dienstag Heinz zum Zug nach Aachen. Der musste nämlich nach Hause, um mit seiner Frau gleich an den Bodensee zu fahren - zum Tandem-Camp.

Wir kauften uns dort auch Drei-Tages-Tickets für die Pariser Verkehrsmittel. Diese ermöglichten es uns, in die nächste Wunderwelt von Paris hinabzusteigen: die Pariser Metro. Ein Netz von 16 Linien verläuft unter (manchmal auch über) der Stadt an der Seine, verbindet so ziemlich alles und jedes mit allem und jedem. Ich habe aber den Verdacht, dass die U-Bahn selbst kürzere Wege zurücklegt, als die, die mit ihr fahren. An fast jeder Umsteigestation hat man Treppen zu steigen und Tunnel zu durchwandern, die in Berlin höchstens in der U-Bahn-Station Alexanderplatz ähnlich lang sind. Und das sind bloß die kleinen... Wenigstens ist alles gut ausgeschildert, sonst würde ich wohl noch immer da unten herumlaufen. Ansonten scheint die Pariser Metro ein ordentliches, häufig verkehrendes Massenverkehrsmittel zu sein. Das kann man von gewissen Berliner Nahverkehrsbetrieben ja im Moment auch nicht unbedingt behaupten...

Ja, ja, der Verkehr. Als wir am Abend unserer Ankunft mit dem Taxi nach Hause fuhren, fielen mir fast die Augen aus dem Kopf, als wir am Place de la Porte Maillot ein Verkehrschaos beobachten konnten, das man sonst eigentlich nur von Luftbildern aus Indien kennt. Nach dem Alptraum unserer, wenn auch kurzen, Hinfahrt durch die eigentliche Stadt, konnten wir ganz schön froh sein, uns bequem nach hinten lehnen zu können. Ein bisschen ängstlich konnte man schon mal werden, während wir beobachteten, wie die Autos und auch unser Taxifahrer "eher nach Gefühl als nach Verkehrsregeln" fuhren, wie mein Vater es so schön formulierte.

Zugegeben, so fahrradunfreundlich wie immer beschrieben ist Paris dann doch nicht. Mit dem aktuellen Bürgermeister kamen tausende von Leihfahrrädern und auch die dazugehörigen Fahrradwege in die Stadt. Dazu gibt es oft auch Busspuren, die die Fahrradfahrer benutzen können - diese muss man sich allerdings auch mit Taxis teilen. Ansonsten ist es halt sehr verkehrsreich und besonders die großen Plätze ohne eingezeichnete Spuren und ohne erkennbare Verhaltensregeln sollte man besser meiden.

Touristen können beruhigt sein: mit offenen Augen und ein wenig Englisch kommt man auch in Paris ohne Französisch-Kenntnisse bestens klar. Zumindest sind wir immer wieder alle im Hotel angekommen, wenn wir uns mal aufteilten, um die Stadt zu entdecken.

Leider ist jetzt doch der Regen gekommen, den wir während der Fahrt nicht vermisst haben: das macht es natürlich ein bisschen weniger schön, aber da ich meinem Gefühl nach mindestens die Hälfte der Zeit in U-Bahn-Schächten verbracht habe, geht auch der längste Regenschauer irgendwann vorbei.

Sehenswürdigkeiten gibt es in Paris natürlich zur Genüge: vom berühmten Museum Louvre über den Eifelturm, den Triumphbogen, die Kirche Notre-Dame bis zum Möchtegern-Manhattan La Défense (so ähnlich wie der Potsdamer Platz, nur noch avantgardistischer) ist hier wohl für jeden etwas dabei. Besonders einfach und komfortabel kann man das von einem der vielen Schiffe auf der Seine aus erfahren. Als wir das versuchten, regnete es leider, sodass wir uns aufs Unterdeck verkrochen.

Es gibt in dieser Stadt wohl kaum etwas, was es nicht gibt: von mindestens vier riesigen Sackbahnhöfen, von denen einer fast so groß ist wie alle Berliner Fernbahnhöfe zusammen über Musik-Ensembles in den U-Bahnhöfen bis zu U-Bahnen ohne Fahrer haben wir alles Mögliche gesehen und sind trotzdem noch längst nicht fertig.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Mo 31.8.) km 1504,35: Triumph

Wer hätte das gedacht: so schnell geht so eine Tour vorbei.

Dementsprechend frohgemut machten wir uns auf den Weg, in aller Frühe um acht Uhr, damit wir unsere Verabredung in Paris einhalten könnten (wie hatte ich das vermisst...).

Irgendwie hatte es ja nicht anders kommen können: da ist man so gut wie da, denkt: "Na, so weit sind wir gekommen, jetzt wird auch noch der Rest klappen." Ha! Von wegen! Gerade das Rad von Kerstin und Harald, die sich ja bis dahin gebrüstet hatten, im Prinzip als einzige schadlos geblieben zu sein, machte schlapp. Und einen ungünstigeren Ort hätten sie sich wohl kaum aussuchen können. Auf der letzten Schnellstraße (und was für eine: Tempo 110!) unserer Tour, kurz vor der Abfahrt fuhren wir über einen Bereich auf dem Seitenstreifen, der auf einen Schlag mit kleinen Steinen übersät war. Und bei Kerstin und Harald zischte es plötzlich. Vielleicht lag es ja an unseren schweren Portemonnaies, da wir nicht für unsere Unterkunft hatten bezahlen müssen. Nachdem wir nämlich mit der günstigen Forderung von zehn Euro pro Person in Jouarre begrüßt wurden - die später noch halbiert worden war - brauchten wir bei der Abfahrt schließlich gar nichts mehr bezahlen! Danke einmal mehr!

Wir freuten uns ja über die Pause, aber so angenehm war der Platz nun auch wieder nicht. Meine Eltern halfen, z.B. dabei, das bepackte Tandem über die Leitplanken zu heben, aber Heinz und ich machten uns auf die Socken, um einerseits die entfleuchten Katharina und Thomas wieder einzuholen und ihnen die schlechte Nachricht zu überbringen, und andererseits, um hinter der 500 Meter später folgenden Abfahrt eine ruhige Stelle zu finden. Aus nicht ganz klaren Gründen blieben die beiden, wo sie waren, am Rande einer Autobahn-ähnlichen Schnellstraße, dafür fanden wir beide dann ein gutes Plätzchen.

Eine halbe Stunde später ging es wieder weiter - hinein nach Paris, immer entlang eines Kanals. Wer hätte gedacht, dass wir dreißig Kilometer am Wasser fahren könnten, und dann plötzlich mitten in der Innenstadt herauskommen würden. Einziger Nachteil: Leider kamen wir an keinem einzigen Ortsschild vorbei, sodass wir theoretisch nicht einmal beweisen konnten, dass wir wirklich angekommen sind. Aber dafür ist Paris ja eine Weltstadt: es gibt genug einzigartige Sehenswürdigkeiten, die jeder kennt.

Wir suchten uns also den Triumphbogen für das Beweisfoto aus. Der lag glücklicherweise auch mehr oder weniger auf unserer Strecke. Ironischerweise mussten Kerstin und Harald die letzten Meter dorthin schieben, da sich ihr Tandem nach und nach immer mehr vom Leben verabschiedete und sich nicht mehr bergauf fahren ließ. Wahrscheinlich ein Problem mit der Kette, aber die genaue Ursache ist nicht bekannt.

Meinen ganz persönlichen Triumph feierte ich aber schon kurz vorher, und zwar am Boulevard des Batignolles, als wir die 1500-Kilometer-Marke überschritten. Zweieinhalb Tage vorher hatte ich nämlich mit Ruppi eine Wette abgeschlossen, und ich war der Überzeugung, dass wir diese Marke knacken würden - aufgrund der Etappen in Deutschland, die manchmal zehn Kilometer länger waren als die ursprüngliche Planung, die ja auch Grundlage der 1400-Kilometer-Rechnung war, und aufgrund der Navigations-Erfahrungen, die ich in Frankreich gesammelt hatte. Dass es so eng werden würde, hatte ich aber nicht gedacht. Wie auch immer: Jetzt kriege ich also doch meinen Champagner...

Das Informationszentrum der Deutschen Botschaft, unser Etappenziel und Fahrradstellplatz in Paris, erreichten wir noch pünktlich - acht Minuten zu früh. Dort wurden wir dann sehr herzlich empfangen, prächtig umsorgt und noch ein bisschen befragt: einer kleinen Pressekonferenz mussten wir uns stellen. Kerstin durfte noch einmal eine kleine Demonstration ihrer Lesekunst geben. Diesmal las sie eine erheiternde Kurzgeschichte von Ephraim Kishon. Die hatte sie noch am Vorabend in Punktschrift übertragen müssen, da aus irgendwelchen Gründen unser restliches Lesematerial unterwegs liegengeblieben war.

Katharina machte sich hinterher auf und davon zum Flughafen - immer ein Lächeln im Gesicht ob der Vorfreude, schon am nächsten Tag wieder frühmorgens zur Schule zu müssen (als Lehrerin, versteht sich). Wir ließen uns - welch Luxus! - vom Taxi ins Hotel auf dem Montmartre befördern. Das erwies sich jedoch als äußerst vernünftig, da wir durch die Stadt weder fahren konnten noch wollten - in der Rush-Hour in Paris kommt sich auch ein deutscher Millionenstädter wie vom Dorf vor...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Klöster, Burgen, Schlösser...

Übernachtungen in Deutschland zu finden, ist einerseits kein Problem (denkt man zumindest), zum anderen hatten wir ja bereits vorgesorgt. Und so fand man uns meist in Pensionen (z.B. in Beelitz), Jugendherbergen (Neuss) oder auch Ferienwohnungen (Remagen) vor. Aber zwischendurch durften wir uns auch über einige echte Schmuckstücke freuen.

Es hat echt bloß Vorteile, sich mal nicht um ein Quartier im Voraus zu kümmern: entweder wird man eingeladen - wie z.B. in Leitzkau, wo wir in der örtlichen Multifunktionshalle kostenlos übernachten konnten (Schlafsäcke hatten wir ja, Matten gibt es in einer Sporthalle nun mal) -, oder man trifft unterwegs auf echte Schmuckstücke: da hätten wir beispielsweise die Wewelsburg zu bieten, die heute - man höre und staune - als Jugendherberge (sie war sogar eine der ersten) fungiert. Gut, wir mussten Punkt 22:30 Uhr wieder da sein, sonst hätte uns die elektronische Schließanlage ausgeschlossen, aber dafür durften wir unseren Weg zum Frühstück in den Verliesen, pardon, im Keller entlang von alten Ritterrüstungen antreten. Auch von außen hatte die Burg so einiges zu bieten.

Im Schloss in Leitzkau durften wir zwar nicht schlafen, dafür wurden wir dort bewirtet und verbrachten einen außerordentlich gemütlichen Abend in der alten Anlage.

In Frankreich wurde die gesamte Sache ein wenig komplizierter. Bekannt war nur der Abfahrtstermin in Trier und die Ankunft in Jouarre, einen Tag vor Paris. Dazwischen suchten wir uns also Pensionen und Hotels jeden Abend neu heraus - manchmal auch nachmittags im Tourismusbüro, da sich die Suche in den spärlich besiedelten Argonnen als ziemlich schwierig herausstellte.

Belohnt wurden wir einmal mehr mit einer besonderen Unterkunft, dem Kloster von Jouarre. Vorteilhaft natürlich auch hier die billige Übernachtungsmöglichkeit, die Gastfreundschaft und eine bezaubernde Klosteranlage mit Garten (Ruhe bitte!) und eigenem Gästegarten. Dazu einmal Essen im Stillen, was vielleicht ungewöhnlich, aber auf jeden Fall eine bereichernde Erfahrung ist. Und schließlich durften wir auch hier noch kostenlos übernachten...

Unsere teuerste Unterkunft liegt wohl in Paris, wo wir in einem "richtigen" Hotel untergebracht sind. Aber selbst das ist wohl für die dortigen Verhältnisse noch recht günstig zu haben...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(So 30.8.) km 1427,83: Verrückt

Da geht es gerade mal ein bisschen in Richtung Herbst, und schon wird es morgens so richtig kalt. Wunderbar klarer blauer Himmel und Sonnenschein, trotzdem kostete es mich eine Menge Durchhaltevermögen, nicht um noch eine Pause zu bitten, um doch eine Jacke anzuziehen (vielleicht nennt man das ja auch Eitelkeit).

Außerdem durften wir an diesem Tag lernen, dass wir nicht annähernd so verrückt sind, wie wir geglaubt haben - oder zumindest nicht annähernd so verrückt, wie wir es sein könnten. Diese Lehre mussten wir ziehen, als wir nach weniger als 15 Tageskilometern auf das erste Tandem in Frankreich trafen. Diesmal gab es ein großes Hallo und eine gemeinsame Pause. Man lernte sich schnell kennen: Die beiden jungen Damen, die da berghoch hinter uns her gestrampelt waren, um uns einzuholen, nachdem wir an ihnen am Straßenrand vorbeigefahren waren, unternehmen eine eigene Tour de France.

Das heißt, eigentlich macht nur eine die Tour: Marie-Aimée Motte, 20, fährt seit zwei Monaten (!) durch Frankreich und lässt sich dabei immer wieder abschnitttsweise von Anderen begleiten. 14 Freunde, Bekannte oder Freunde oder Bekannte von Freunden oder Bekannten hat sie schon mitgenommen. Zur Zeit unseres Treffens heißt ihre Partnerin Delphine de Larminat, ebenfalls 20 Jahre alt und Pariserin.

Mindestens ebenso begeistert entschlossen sich die beiden, sich uns anzuschließen und uns bis Jouarre zu begleiten. Dort liegt unsere letzte Unterkunft vor Paris: ein Kloster. Unterwegs genossen wir eine Pause hoch über der Marne, hatten viele nette Gespräche und kamen schnell am Ziel an. Nachdem wir uns am letzten Berg das Dach über dem Kopf verdienen mussten, machten die Mädchen noch eine zweistündige Pause im ruhigen Kloster, bevor sie uns verließen: Vor ihnen lagen noch knapp 40 Kilometer.

Wir wurden äußerst freundlich aufgenommen, genossen die Ruhe im Klostergarten (nur für die Gäste des Hauses) und aßen Abendbrot in Stille bei klassischer Musik, was ich persönlich sehr entspannend fand. Mit dem Wissen, dass wir nun wirklich fast da sind, geht es schon bald ins Bett...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Verschlungene Wege

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, von Berlin nach Paris über Leitzkau, Holzminden und Witten zu fahren? Zugegeben, Leitzkau liegt am Wegesrand, aber danach folgt ein ziemlich großer Umweg - man müsste sich doch eigentlich südlicher halten, oder nicht?

Nun, es begann alles damit, dass wir ja Lesungen durchführen wollten. Orte für so etwas zu finden, ist viel schwieriger als man denkt, deshalb mussten wir zuerst aus dem schöpfen, was der Verein schon hatte. So ist zum Beispiel die Sparkasse Witten ein langjähriger Sponsor von Tandem-Hilfen. Nach und nach ergaben sich auch andere Orte, z.B. Holzminden, das unter den Blinden ja relativ bekannt ist. Stichwort: Tonband-Zeitung für Blinde. So ergab sich also nach und nach ein Bild, bei dem wir nur noch die Zwischenstationen einsetzen mussten.

Danach den Weg entlang der großen Flüsse, Rhein und Mosel, zu nehmen, ist für Fahrradfahrer fast zwingend logisch, da Deutschland in dieser Gegend ansonsten fast nur aus Mittelgebirgen besteht - nicht gerade optimal, wenn man vorankommen will. So lagen Köln und Trier halt am Weg, und in großen Städten ist die Chance, Aufmerksamkeit zu erregen, ja ein wenig größer.

Für Frankreich haben wir kaum etwas geplant. Wir wollen am 30. August im Kloster Jouarre, ungefähr 60 Kilometer vor Paris, ankommen. Deutsche Lesungen in Frankreich machen natürlich keinen Sinn. Außerdem kann von den Blinden in unseren Reihen leider keiner Französisch. Deshalb reduzierten wir das Ganze auf eine kleine Demonstrations-Lesung auf der finalen Pressekonferenz im Informationszentrum der Deutschen Botschaft in Paris.

Wenn man genügend Kilometer einplant, kommt man halt auch in Paris an...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Sa 29.8.) km 1368,49: Trocken

Bei all den Beschwerden und Quengeleien über Berge, Gegenwind und sogar die Hitze scheint eines bei uns ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein: Dankbarkeit für geradezu fantastisches Wetter. Im Prinzip hatten wir die ganze Zeit über fast nur Sonnenschein. Insgesamt hat jeder von uns vielleicht zehn Tropfen Regen abbekommen.

Deshalb traf es uns heute wohl ein wenig unvorbereitet, dass die beinahe für selbstverständlich gehaltene Sonne einem trüben, wolkenverhangenen Himmel Platz machte. Das führte schließlich sogar dazu, dass wir unsere Regenjacken aus den Taschen holten. Letztendlich wurde es aber doch ein schöner Tag - die Regenjacken verschwanden ganz schnell wieder. Deswegen behaupte ich einfach mal, dass wir jetzt bei ca. 100 Regentropfen pro Person stehen.

An Flüssen fährt es sich ja bekanntlich schön. Das war wohl auch der Grund, dass die Tourenplaner den etwas längeren Weg in der Nähe der Marne wählten. Dies mag auch mit der Hoffnung auf eine flachere Strecke zusammenhängen. Die wurde jedoch nicht erfüllt, da sich die Straße aus unerfindlichen Gründen meist am Rand, also am Hang des Marne-Tals entlangschlängelte und dem Flussverlauf nicht so genau folgte.

Bei inzwischen wieder schönem Wetter ließen wir uns zur Pause in Epernay nieder. Dort warteten wir auf das Ende der Siesta des örtlichen Tourismusbüros (und noch ein wenig länger). Jenes Büro war nämlich das vermeintlich letzte seiner Art (das wissen wir jetzt auch besser) auf der heutigen Etappe und verwies uns nach Dormans in ein nettes, kleines Hotel.

Das erreichten wir auch ohne große Verzögerungen. Unterwegs fiel uns noch auf, dass wir schon seit geraumer Zeit durch die Champagne fuhren und immer noch auf dem Trockenen saßen. Die "Champagner-Buden", an denen wir vorbeikamen, ließen uns aus bisher ungeklärten (und hinterhergeweinten) Gründen dennoch nicht absteigen. Dafür ließen wir uns ein paar der hier anscheinend, äh, wild wachsenden Weintrauben schmecken. Äußerst lecker...

Ähnlich unspektakulär verlief auch der Abend. Nachdem ich uns - Asche auf mein Haupt - auf der Suche nach einem eigentlich bereits entdeckten französischen Restaurant eine Extrarunde durchs Dorf geführt hatte, machten uns die Franzosen einen Strich durch die Rechnung. Die können nämlich nicht nur ganz famos Essen zubereiten, sie wissen es scheinbar auch - und verlangen dementsprechende Preise. So entschieden wir uns also zum mittlerweile fünften oder sechsten Mal für die preiswertere Pizzeria... Entschuldigung, Heinz.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Mit High-tech nach Paris

Dass es nicht immer ganz einfach ist, den richtigen, schnellsten, kürzesten oder besten Weg zu finden, habe ich ja schon ausreichend beschrieben. Wie machen wir das also? Während der Etappen gibt es da eigentlich nur Probleme, wenn die Strecke nicht ordentlich ausgeschildert ist, denn normalerweise wissen wir ja , über welche Dörfer wir fahren wollen.

In Städten - besonders an den Zielorten - wird das Ganze schon ein wenig komplizierter. Da muss man oft einen guten Kompromiss finden zwischen der eigenen Fahrrad-Karte, auf der nun mal nicht jede kleine Straße eingezeichnet ist, Hinweisschildern ("Ist das jetzt die Straße, die wir nehmen wollten?") und Passanten, die man nach dem Weg fragen kann. Gerade Letzteres kann eine ganz schön heikle Angelegenheit sein, wie wir in Neuss bemerkten. Dort schickten uns drei Personen in drei verschiedene Richtungen. Auch, wenn Passanten einem einen anderen Weg vorschlagen, muss man oft vorsichtig sein. Denn diese kennen die Wege oft nur aus dem gemütlichen Sitz eines Autofahrers, von wo aus Berge gar nicht mehr so steil aussehen.

Einen Trumpf hatten wir aber noch in der Tasche, und zwar wortwörtlich: Mit Hilfe von Heinz' GPS-fähigem Handy konnten wir uns manchmal zumindest kurz vor dem Zielort einfach und schnell zum Quartier navigieren.

Auch sonst schleppen wir so eine ganze Menge wunderbarer Sachen mit uns herum. Das fängt natürlich schon bei unseren fahrbaren Untersätzen an. Wenn man umgeben ist von super ausgestatteten Tandems (von Rohloff-Nabenschaltungen über Parallelogramm-Sattelstützen zu penibel eingestellten Tachometern - wir wollen ja nicht schummeln -), dann weiß man, dass da wahre Wunderwerke der Mechanik vor einem stehen. Dazu ist eins von denen sogar fast so alt wie ich - das, mal abgesehen von einer Felge und einer Pedale, fast die wenigsten Probleme bereitet hat. Satte 1400 Kilometer sind eben kein Pappenstil - auch für ein Fahrrad nicht.

Wir konnten ebenso von anderen praktischen Erfindungen profitieren. Da wir für drei Nächte Schlafsäcke brauchten, nahmen wir super-kleine, zum Teil freundlicherweise von Globetrotter gesponserte Sommer-Schlafsäcke mit. Auch ganz nette Handtücher, die weniger Platz wegnehmen als zwei T-Shirts, konnten wir erwerben.

Interessant wäre vielleicht noch die Vielzahl an Taschen, die wir dabeihatten. Natürlich fing das bei den ganz normalen Fahrradtaschen an - vorne zwei kleine, hinten zwei große. Über den Gepäckträger konnte man noch einen Sehsack oder ähnliche Taschen legen. Manchmal kam sogar noch ein Rucksack hinzu. Dass man auch an Fahrradtaschen noch Taschen anbringen kann, demonstrierten uns Harald und Kerstin. Die beiden hatten sowieso das Talent, an allen möglichen Öffnungen am Fahrrad noch irgendwelche kleinen Taschen unterzubringen. Auch der Rest von uns hatte natürlich Lenkertaschen - teilweise sogar am hinteren Lenker.

Ja ja, es kommt eben bei so einer Tour ganz besonders auf die praktischen Dinge an. Viel kann man halt nicht mitnehmen, da muss schon mal zwischendurch gewaschen oder platzsparend eingekauft werden...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Fr 28.8.) km 1304,67: Abstand

Oh la la, diese Franzosen: Da wird einem ja echt Angst und Bange, wenn die so an einem vorbeirasen. Leider, leider, gibt es aus dieser Richtung noch Ärgeres zu berichten: Aus einem vorbeifahrenden Auto wurde Charly und Ruppi heute eine (zum Glück leere) Bierflasche vors Rad geworfen, die n eben dem Rad in hunderte Scherben zersprang. Wir wollen ja niemandem etwas unterstellen, aber so etwas versaut doch das ganze schöne Bild, das wir bisher von diesem Land erwerben konnten. Wenigstens ist nichts passiert...

Auch andere Abstände schrumpfen erfreulicherweise. So konnte ich heute Morgen feststellen, dass mit etwas Glück sogar nur noch recht kurze Entfernungen vor uns liegen. Ein Blick auf die Karte zeigt nämlich, dass der direkte Weg nach Paris ziemlich genau durch Châlons-en-Champagne und Montmirail führt. Kalkuliert man also entlang der kürzesten Schnellstraßen, liegen in Richtung der letzten Station vor Paris, dem Kloster in Jouarre, nur noch Etappen von guten 50, 50 und 40 Kilometern vor uns. Na, da haben wir wohl unsere Hausaufgaben gemacht...

Heute einmal Frühstück im Hotel. Ist zwar ganz lecker - die Croussaints sind hier außerordentlich gut -, aber wie die Franzosen nur damit und ein wenig Marmelade über den Tag kommen, ist mir immer noch ein Rätsel.

Schnell waren wir wieder auf unserer Route, von Clermont-en-Argonne aus ging es entlang der Schnellstraße in Richtung Châlons. Dort wollten wir wieder einmal das Tourismus-Büro aufsuchen, um in der spärlich besiedelten Gegend hinter der Stadt eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Uns war bereits prophezeit worden, dass das in Châlons recht schwer werden dürfte, da dort derzeit die zweitgrößte Messe Frankreichs stattfindet.

Entlang der N3 kamen wir so schnell voran und der Verkehr war auch so gering, dass wir selbst nach der Pause hinter Sainte-Menehould, dem einzigen wirklichen Fleckchen Zivilisation auf unserer Etappe, dort blieben. Bergig war auch diese Strecke, aber wir schaffen es ja doch immer wieder!

In Châlons fanden wir doch ein Quartier. Am östlichen Stadtrand war noch Platz in einem Hotel. Bei 5,60€ für ein Bier und 5€ für eine Viertelstunde Internet sieht so ein Bett allerdings doch recht schnell sehr verlockend aus...

Leider wird so auch nichts aus meinem Traum, eine "typisch französische" Kleinstadt zu erkunden, wie Châlons sie vielleicht ist. Dazu wohnen wir zu weit außerhalb und fahren die Busse nachts (im Prinzip auch tagsüber) zu selten. Aufs Fahrradfahren in die Stadt habe ich aus irgendwelchen Gründen auch keine Lust...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Do 27.8.) km 1235,31: Kampf

Kein Wunder, dass die Deutschen es damals nicht nach Verdun geschafft haben - bei dem Gegenwind, der Sonne und den Bergen.

Na ja, damals spielten schon noch andere Umstände mit, aber dafür reisen wir ja auch auf Tandems. Früh am Morgen ging es los - französisches Frühstück (Croissant, Baguette und ein bisschen Marmelade) konnten wir uns auch für weniger Geld als im Hotel besorgen.

Nach guten zehn Kilometern waren wir wieder auf der ursprünglich geplanten Strecke, entlang der es dann in Richtung Verdun ging - und in Richtung der Berge davor.

Frankreich ist zwar für seine Tour de France bekannt, dafür aber nicht gerade für seine Fahrradwege. Das wäre auch unverschämt, denn so etwas bekamen wir gar nicht erst zu Gesicht. Dafür gibt es immerhin ein dichtes Netz an Straßen. Von Autobahnen über die Nationalstraßen bis hin zu den Departement-Routen wird es immer ruhiger. Mit etwas Geschick lassen sich also auch entlang der Landstraßen ganz passable Wege finden.

Auch sieht man in Frankreich nicht halb so viele Freizeitradler wie in Deutschland, dafür aber viel mehr Rennradler. Das liegt wohl daran, dass das Radfahren bei den Franzosen hauptsächlich als Sport angesehen wird, statt als Fortbewegungsart, woran uns Haralds Wörterbuch weise erinnerte.

Das dürfte wohl auch erklären, warum uns so mancher Autofahrer mit offenkundiger Verwunderung entgegensteuerten: lautes Hupen, von dem wir mal wohlwollend annehmen, dass es als Aufmunterung gemeint ist, ist da noch unser kleinstes Problem. Denn leider scheinen in Frankreich die Sicherheitsabstände etwas knapper bemessen zu sein als in Deutschland. Es macht wirklich keinen Spaß, beim Bergaufschlenkern im Abstand von einem knappen Meter von einem riesigen LKW überholt zu werden. Aber man gewöhnt sich ja schließlich an alles...

Ziemlich fertig kamen wir in Verdun an, nach dem letzten Höhenzug vor der Stadt nur noch auf der Suche nach einer Eisdiele. Wir wussten aber auch, dass runde 60 Kilometer nicht genug für diesen Tag waren. Um ähnliche Probleme bei der Quartierssuche wie am Vortag zu vermeiden, suchten wir das Tourismus-Büro auf (die gibt es hier übrigens wie Sand am Meer) und ließen uns gute 20 Kilometer weiter nach Aubreville vermitteln, wo wir uns in einem hübschen alten Hotel wiederfanden, das ein wunderbares französisch-reichhaltiges Abendbrot für uns bereithielt.

Nicht verschwiegen werden sollen auch hier die 20 bergigen Kilometer hinter Verdun, auf denen wir uns von der großen Straße, die wir schon den ganzen Tag hatten ertragen müssen, fernhielten.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Mi 26.8.) km 1149,51: Ausland

Jetzt ist es also so weit: Wir sind nicht mehr in Deutschland.

Aber von Beginn an: Trier verließen wir entlang der Mosel - vorerst auf der deutschen Seite. In Grevenmacher folgten wir plötzlich Straßenschildern statt Fahrradschildern, gelangten dafür aber zum ersten M al ins Ausland - nach Luxemburg. Dort fuhren wir entlang der Mosel nach Remich, wo wir uns für die Pause ausrüsteten. Die gab es dann weiter im Landesinneren, das leider viel mehr Berge hat, als so ein kleines Land haben dürfen sollte.

Die Wahrscheinlichkeit, ausgerechnet in Luxemburg ein Quartier zu nehmen, erscheint bei einer Tour wie dieser natürlich ziemlich klein. Und dennoch sah es lange danach aus, dass es so kommen würde: Erst in Dudelange entschieden wir uns getreu dem Prinzip "Was du heute kannst besorgen, dass verschiebe nicht auf morgen" für eine Übernachtung in Frankreich.

Leider, leider, wurde zwar etwas aus der Übernachtung in französischen Betten, dafür aber nichts aus dem Versuch, möglichst weit zu kommen. Unser Unterfangen, auf den Dörfern hinter der Grenze - die leider so unauffällig und überraschend kam, dass ich gar kein Foto machen konnte - ein Quartier zu finden, ging nämlich schief. Und zwar so richtig. Das führte letztendlich dazu, dass wir immer weiter in Richtung Thionville (also Osten) geschickt wurden. Zum Schluss fanden wir doch noch ein Quartier, und zwar in Knutange. Dort versprach uns Heinz' Navi dann 13 Kilometer mehr nach Paris als noch im gemütlichen Cafe in Dudelange.

Diese Erfahrung zeigt: Vor uns liegt eine Gratwanderung zwischen Vorarbeit für die pünktliche Ankunft, Erholung von den Strapazen, die bereits und bis dahin noch hinter uns liegen und der leidigen Quartierssuche.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Tandem im Lesesaal

Wie funktionieren eigentlich die sogenannten Tandem-Lesungen?

Das Prinzip ist ganz einfach: Ein blinder Mitfahrer liest einen Ausschnitt aus einem seiner Lieblingsbücher, natürlich in Punktschrift. Dazu lässt ein möglichst prominenter sehender Leser, z.B. ein Schauspieler oder Autor, mit einer Lesung die Zeit, in der Louis Braille, der Erfinder der Punktschrift, lebte, lebendig werden. So durften wir uns zum Beispiel über die Lesungen von Christine Dähn und Peter Singer freuen.

Gekommen war uns die Idee im Rahmen der diesjährigen Tour de Braille, bei der die Blindenschrift bei mehr als 250 Lesungen der breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde. Ziel war es, zu zeigen, wie wichtig diese Erfindung für unsere blinden Mitmenschen heutzutage ist und dass auch mit ihr wunderbare Lesungen durchgeführt werden können.

Unsere Lesungen fanden in Berlin, Leitzkau, Holzminden, Witten, Köln und Paris statt. Dabei lasen sowohl Charly als auch Kerstin aus den Büchern "34 Tage. 33 Nächte" von Andreas Altmann und "Das siebte Jahr - von Tibet nach Indien" von Sabriye Tenberken.

Während der Lesungen gab es fast jedes Mal Unterhaltung in Form von Musik. Auch für die oft angebotenen Freigetränke fanden wir gute Verwendung.

Die Lesung in Köln war mehr oder weniger nur Improvisation: Hier durften unsere blinden Mitfahrer auf dem Rücken ihrer Piloten angebrachte Witze in Blindenschrift zum Besten geben.

Auch die Lesung in Paris wird nur kurz und bündig sein: Hier geht es um eine kurze Demonstration im Rahmen einer Pressekonferenz.

Natürlich reist auch unsere Spendenbüchse immer mit zu den Lesungen. Danke für diese hübsche kleine Produktion an unsere Freunde aus Holzminden!

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Di 25.8.) km 1044,04: Helfershelfer

Nix als Stress hat man bei so einer Fahrradtour: Schon wieder 120 Kilometer waren für heute geplant. Da wir auch noch bis um 17 Uhr in Trier ankommen wollten, da zwei Stunden später unsere Veranstaltung beginnen würde, blieb uns ja fast nur die Option, ein wenig zu schummeln. So schlug zum Beispiel jemand, der hier nicht genannt werden möchte, vor, zwei Stationen mit der Bahn zu fahren und die restlichen 80 Kilometer entlang der Mosel dann durchzuheizen.

Genau da lag nämlich auch unser Problem: Gegen den Verlauf der Mosel westlich von Bullay kann man unseren gestrigen Streckenverlauf fast gerade nennen.

Aber glücklicherweise haben wir ja noch unsere fleißigen Mitarbeiter im Innendienst. Die gute Monika, Heinz' Frau, suchte uns nämlich mit Hilfe des Radroutenplaners schnell eine neue Route heraus. Eine echte Abkürzung war das, nördlich der Mosel entlang und nur etwa 63 Kilometer lang. Mit 500 zu überwindenden Höhenmetern lag auch nichts Unüberwindbares vor uns. Ja, da sieht man mal wieder, wie wichtig beim Radfahren die Technik ist...

Zugegeben, die Strecke führte dann halt immer auf oder entlang von Bundesstraßen, aber dadurch kamen wir wenigstens schnell voran. Deswegen dauerte es auch nicht lange, bis wir bei Kilometer 18,05 in Bausendorf (wir sind ja immer noch der Meinung, dass der Ort Pausendorf heißt) unsere Eintausend-Tour-Kilometer-Feier austragen konnten - immer mit der Hoffnung, dass dies die einzige derartige Feier bleiben würde.

Passend bewirtet wurden wir auch von Foad Joodi Khosyoshahi, der uns wenige Meter vorher noch begeistert zugewunken hatte und dann Cappuccino und Multivitamin-Saft, Kekse und Schokolade mit uns teilte. Alles seins, wohlgemerkt. Foad, Flüchtling aus dem Iran, arbeitet nämlich im Rahmen eines europäischen Programms in einer Gemeinde in Bausendorf. Nach einigen netten Worten und mehreren Bildern ging es dann wieder weiter, immer entlang der Bundesstraßen in Richtung Trier - übrigens letzte Station in Deutschland!

Erwähnenswert wäre vielleicht noch die rechte Ersatzpedale, die sich Ruppi am Abend vorher vom Winzer in Bullay besorgte (danke dafür!), weil seine eigene sich kurz vor dem Quartier verabschiedet hatte und sich nicht mehr drehen wollte. Außerdem vollzogen er und ich auf der heutigen Etappe kurzzeitig einen Partnertausch. Auch mit meiner Mutter fährt es sich ordentlich, durfte ich feststellen. Heinz ist allerdings jetzt noch überrascht von der etwas plötzlichen Ankündigung...

Übernachten durften wir diesmal in der Sportakademie Trier. Die Lesung, diesmal wieder von Kerstin, fand in sehr schöner zentraler Lage in einer Kellerbar am Dom statt.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Mo 24.8.) km 981,95: Strahlen

Hinab zum Bäcker zu rollen, wo wir am vorherigen Abend hinauf kamen, kriegen wir auch mit leerem Magen hin. Gut, Essen gab es dann doch erst in Bad Breisig, aber das steckten wir dann auch noch weg.

Weiter ging es in Richtung Koblenz, immer das westliche Rheinufer hinab in Richtung Mosel. Wir hatten zwar den Tip bekommen, ab Andernach wieder einmal abzukürzen. Doch auf der Karte sah uns die Strecke dann irgendwie zu bergig aus, was dazu führte, dass wir uns letztendlich doch für die lange Variante entschieden - die war wenigstens flach.

Strahlenreicher Tag: Bei knapp 900 Tour-Kilometern trafen wir auf das Atomkraftwerk Neuwied, dass uns im Rückblick zusammen mit der Sonne wohl doch eine Überdosis an Strahlen verpasst haben muss.

Nach knapp fünfzig Kilometern, ungefähr 589 Kilometer von der Quelle des Rheins entfernt, erreichten wir das deutsche Eck in Koblenz, wo uns ein Blick auf die Karte noch einmal 81 Kilometer entlang dem Mosel-Radweg nach Bullay versprach. Leider ist auch die Mosel kein Kanal, sondern ein wild "gewachsener" Fluss, weswegen für die ungefähr 100 Kilometer Luftlinie von Koblenz nach Trier am Ufer der Mosel entlang ungefähr 200 Kilometer zu veranschlagen waren. Da wir für die Strecke von Remagen nach Trier, wo die nächste Lesung stattfindet, aber nur zwei Tage haben, mussten wir also erneut möglichst weit kommen.

Eine Landschaft wie das Moseltal habe ich in Deutschland noch nie gesehen. In zahlreichen Moselschleifen zwischen Eifel und Hunsrück bietet sich dem Auge des Betrachters eine Schönheit, der eigentlich nur mit Fotos Genüge getan werden kann. Da das hier nicht sonderlich hilft, werde ich dennoch einmal versuchen, diese zu beschreiben: Saftig grüne Waldhänge umgeben die steilen Hänge voller in endlosen Reihen gleichmäßig angeordneter Weinreben - oft in kleine Terrassen unterteilt -, an denen sich oft idyllisch gelegene alte Dörfer befinden. Dazwischen glitzert das wunderbar blaue Wasser der Mosel im Sonnenlicht. Ich könnte jetzt stundenlang so weiterschwärmen, aber wir haben ja noch ein Ziel...

Leider, leider ist der Moselradweg trotz der unvergleichlichen Natur nicht ganz so schön, wie man sich das vielleicht vorstellen würde. Da das Tal oft nicht mal einen Kilometer breit ist, kommt man von den auf beiden Seiten gelegenen Schnellstraßen von Koblenz nach Trier einfach nicht weg.

Deswegen zogen wir uns zur Pause auch in den schattigen Kern eines Dorfes zurück: in Kobern-Gondorf verzehrten wir unsere in Koblenz besorgte Verpflegung und bekamen von zwei netten Damen erneut frisches, lauwarmes Wasser gespendet. Charly und Ruppi mussten hier leider aussteigen, oder auch einsteigen: In der Felge des Vorderrades zeigte sich ein Riss. Der nächste Fahrradladen mit Ersatzteillager befand sich leider erst in Treis-Karden, so dass die beiden ein Stück des Weges vorsichtshalber mit dem Zug zurücklegten.

Wir schleppten uns also durch die immer heißer werdende Sonne der nächsten Pause beim Fahrradladen auf dem Marktplatz in Treis entgegen und erlebten dabei eine eindrucksvolle Demonstration, warum aus dem Wein hier etwas wird. Wichtige Urlaubswarnung: Sonnenbaden sollte man hier nicht, da ertrinkt man eher! Währenddessen warteten meine Eltern also bei Eis und Kaffee auf die Reparatur ihres Rades. Ganz untätig waren sie wenigstens nicht: Der nette Fahrradhändler empfahl ihnen eine äußerst sinnvolle Abkürzung über einen Berg, die uns allerdings mehr als zehn Kilometer an der Mosel und die Fahrt durch Cochem ersparen würden.

Auch wir kamen schließlich an, gönnten uns ebenso Erfrischung und konnten uns diesmal sogar die Wasserflaschen mit Eiswürfeln befüllen. Das war zwar noch vor dem Gipfel in der erbarmunglosen Sonne geschmolzen, aber wenigstens hatten wir oben ein wenig Wasser in Zimmertemperatur. Zwar nur drei Kilometer lang, aber trotzdem war das wohl eine der anstrengstenden Bergerklimmungen dieser Tour. Deshalb darf ich diese Gelegenheit sicher einmal zum Angeben nutzen, denn Heinz und ich waren die einzigen, die es ohne Schieben hinaufschafften.

Die Abfahrt war zwar nicht so anstrengend, dafür aber umso gefährlicher. Voll in die Bremsen, um wenigstens nicht noch schneller zu werden! Dabei erhöhte sich die Temperatur unserer Felgen enorm. Heil kamen wir trotzdem alle an. Die neue Felge hielt auch, also herzlichen Dank an den Fahrradmeister vom Marktplatz!

Etwa 25 Kilometer waren es dann noch bis Bullay. Die legten wir ohne die immer öfter hinter den Berggipfeln verschwindende Sonne auch recht schnell zurück. Endlich angekommen, ging es noch schnell zur Straußwirtschaft und dann nichts wie ab in die weichen Betten in der Pension "Moselinchen".

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(So 23.8.) km 857,49: Service

Gute Radwege sind doof: einfach zu voll. Na gut, ganz so schlimm ist es nun doch nicht. Es beschreibt aber eines unserer Dilemmas ganz gut. Die Umgebung ist toll, ebenso der Weg selbst, aber so gut er auch ausgebaut ist - richtig schnell kommt man nicht voran.

Auch heute Termindruck: Wieder komplett vereint mit Heinz hatten wir um 11:00 Uhr ein Treffen mit der Kölner Tandemgruppe "Weiße Speiche" einzuhalten. Die ca. 30 Kilometer legten wir in ungefähr anderthalb Stunden zurück, sodass wir am Kölner Dom ziemlich genau zwei Tage im Sattel gesessen haben dürften. Das klingt wie ziemlich wenig, ist aber eben reine Fahrzeit.

Am Fuß des berühmten Kirchenhauses wurden wir schon von der Presse erwartet. So erlebten wir einige Versuche eines Fotografen, 18 Tandemfahrer und einen Dom auf ein Bild zu bekommen. Eigentlich hatten wir auch Lesungen auf dem Tandem geplant, bei denen der Hintermann Punktschrift auf dem Rücken seines Piloten lesen sollte. Daraus wurde dann leider nur eine mehr oder weniger gestellte Fotoaktion.

Fünf Tandems aus Köln begleiteten uns dann noch ein Stück. Es ging wieder mal am Ostufer entlang bis Zündorf, wo uns nach einer Portion Eis vier der Tandems wieder verließen. Fachkundige Führung behielten wir bis Bonn trotzdem, von wo aus wir uns dann noch allein auf den Weg nach Remagen machten.

Somit war dann auch der Heimatvorteil von Heinz vorbei. Nach einer langen Zeit in Nordrhein-Westfalen und seiner Nacht-und-Nebel-Aktion in Neuss verlegten wir unser Etappenziel kurzerhand (zugegeben, beides war schon vorher geplant) neun Kilometer hinter die Grenze nach Rheinland-Pfalz.

Übrigens ist jetzt auch der Westwind endlich mal abgeflaut. Dummerweise haben wir aber auch unsere Fahrtrichtung geändert, der Wind weht jetzt direkt aus Richtung Süden. Ähnlich erging es uns augenscheinlich auch mit der Tourenplanung: Als Ausgleich für die erneut ausschließlich flache Etappe lag unser heutiges Etappenziel, das wunderschöne Forsthaus Erlenbusch, folgerichtig im Hinterland, was rund um den Rhein so viel wie "auf dem Berg" bedeuten muss.

Belohnt wurden wir dafür mit einem unvergleichlich schönen Ausblick auf das Rheintal und das andere Ufer und ein in originalgetreuem Flair ausgestattetes Forsthaus - mit Jagdraum und allem Drum und Dran. Leider gab es keine Bewirtung und auch kein Restaurant in der Nähe. Da seltsamerweise keiner von uns nach Remagen hinabfahren oder -laufen wollten (vom darauf folgenden Aufstieg mal ganz zu schweigen), nahmen wir uns ein Geschenk der Zivilisation zuhilfe und bestellten Pizza und Salat.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Sa 22.8.) km 764,37: Begleitung

Abschiede sind ja so herzzerreißend. Und wenn man erst mal jeden Tag einen hat, einer herzzerreißender als der andere...

In Witten wurden wir von mehr Personen denn je (mal abgesehen von Berlin) verabschiedet - viele, die am Vorabend unsere Lesung besucht hatten, kamen au ch noch, um uns alles Gute zu wünschen. Dazu gab es noch einen Segen. So gewappnet und ausgerüstet mit Schokoriegel und echter Ruhrgebiet-Kohle machten wir uns mit unserer heutigen Begleitung, Jutta und Albert, auf den Weg.

Diesmal hieß das Ziel Neuss: ein kleines Städtchen am westlichen Rheinufer, kurz hinter Düsseldorf. Erneut lag also eine Flussetappe vor uns. Erst entlang der Ruhr zum Rhein, dann dem Rhein bis Neuss folgen. So oder so ähnlich sah es der Originalplan vor - auch wenn wir wussten, dass uns das mal wieder in die 120-Kilometer-Region verschlagen würde.

Dank unserer fachkundigen Führung durch Albert (der auch das Tempo deutlich anzog), waren wir aber in der Lage, vor der Ruhr-Mündung eine Abkürzung über einen Berg zu nehmen. Das sparte uns Zeit und Nerven - ein Drei-Kilometer-Berg ist doch für uns jetzt so etwas wie Routine.

Mit wenigen Pausen ging es also ratzfatz entlang der Flüsse - dank dem hohen Tempo und der sicheren Führung verflog selbst die Langeweile aufgrund der mittlerweile recht eintönigen Flusslandschaft (der meines Wissens einzige Nachteil derartiger Radwege). Dabei kamen wir durchs halbe Ruhrgebiet, durch Städte wie Essen und Bochum. Wirklich viele Häuser bekamen wir aber trotzdem nicht zu Gesicht. Genau wie Dortmund am Vortag schummeln diese Städte aber, um auf ihre paar hunderttausend Einwohner zu kommen (das nennt man wohl Millionenstadt-Arroganz) und reißen alle kleinen Gemeinden in einem Radius von 20 Kilometern an sich.

So kam es dann auch, dass unsere große Essens- und Mittagsschlaf-Pause offiziell in Düsseldorf stattfand. Dort machten wir es uns eine knappe Stunde bis kurz nach drei am Rhein gemütlich und wunderten uns über sehr viel Verkehr entlang des Radwegs - samstags vielleicht doch nicht so seltsam.

Düsseldorf machte es uns dann doch schwerer. Nachdem wir bis zur Pause einen Durchschnitt von 17,9 km/h gehalten hatten, wurden wir in der Stadt ordentlich gebremst. Eigentlich sollte der Radweg ja am Wasser entlang weiterführen. Das tat er vermutlich auch, doch leider schienen sämtliche Straßenfeste des Jahres auf diesen einen Tag gelegt zu sein. Zwischen tollkühnen Feuerwehr-Vorführungen, allerlei Kirmes-Buden und Massen von Leuten mussten wir uns also durchwühlen. Da half es auch nicht, dass uns das Ostufer des Rheins als die schönere Seite empfohlen worden war - wir mussten absteigen und schieben.

Nach einigem Umhergeirre zwischen Baustellen und Menschenmassen entschieden wir uns also, mal die andere Seite des Rheins auszuprobieren. Durch so manche Vororte von Neuss (die eigentliche Stadt mieden wir) kamen wir dann irgendwann am anderen Ende von Neuss in der Jugendherberge Neuss-Uedesheim an - nach 106,09 Kilometern.

Dort setzte sich Heinz dann nach Hause ab - 63 Kilometer nach Aldenhoven sind mit dem Auto wohl ein Pappenstil. Dort gab es mal wieder vertraute Umgebung und frische Wäsche. Was man so braucht...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Getting there

A long way already lies behind us, and we're still not there.

Finding a way to Paris on bikes is not easy, especially if you don't want to ride on very trafficked roads all the time. Luckily for us, Germany is full of bike paths, especially along the big rivers of our country.

We left Berlin on August 14 at 2 p.m. and first started off to Beelitz, a tiny city south-west of Berlin, which is known country-wide for it's very good asparagus. Staying in the former GDR, we headed almost straight west, to a really tiny village called Leitzkau. The only reason we stayed there was that it was directly on our way to Wernigerode in the Harz mountains and that we know it because it's the place where my mother Charly, who is also coming with us, lived in her childhood.

Next up was Wernigerode, a city which is enormously popular as a place for holidays in the Harz mountains, situated just in the foothills and near the famous Brocken, the highest mountain in the area.

On our two-day way to our next stop Holzminden, a city near the river Weser, we passed the border to former West Germany, encountered a lot of very steep mountains and learned to hate our saddles.

In Holzminden, we did a public reading in the local library. There are a couple of places in Germany where we do those, and all of them consist of a blind reader reading braille and a seeing reader reading something from the time when Louis Braille lived. We also had nice live music and free drinks - all in all a very enjoyable evening with perfect organisation. Thanks!

Stay tuned. More to come...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Fr 21.8.) km 658,28: Fluss

Radwege an Flüssen sind ja so toll! Und so können wir jetzt wirklich behaupten, einen Tag lang keinen wirklichen Berg hochgefahren zu sein. Um ehrlich zu sein, so richtig vermisst hat die wohl keiner von uns...

Bevor wir losfuhren, wurden wir aber erneut von unerwarteter Seite unterstützt. Unser Wirt und seine Frau im Gasthof Schulte entschieden sich, den Verein mit 50 Euro zu unterstützen. Herzlichen Dank dafür, natürlich auch für die freundliche Aufnahme und das Interesse an unserem Projekt.

Ungefähr 60 Kilometer lagen auf dem Weg nach Witten vor uns - und zwar ausschließlich entlang der Ruhr. Da auch der Ruhr-Radweg wunderbar ausgebaut ist, trafen wir auch dort schon überpünktlich ein, ungefähr um 13:00 Uhr. Vorher hatte uns noch Albert, Ehemann von Jutta (beide waren nach Athen und St. Petersburg dabei), nach zwei Dritteln des Weges abgeholt und den Rest begleitet und geleitet. Die beiden wohnen nämlich in Witten und haben uns auch dort Sponsoren und eine Veranstaltung "besorgt".

Da wir erst um 15:30 Uhr im Bootshaus des Kanu-Vereins eintreffen sollten, legten wir noch einen Halt beim Imbiss ein, zumal es vom lokalen Blindenverband erst abends Suppe geben sollte. Die gab es auch - sehr lecker.

Die besagte Abendveranstaltung fand in der Sparkasse Witten statt - mit Live-Musik von einem begabten jungen Streicherquartett, das sein erstes Konzert überhaupt für uns veranstaltete. Die Lesung wurde erneut von Charly vorgetragen und dazu gab es noch Besuch vom Vize-Bürgermeister, so einige nette Begegnungen mit ebenso netten Leuten bei von der Sparkasse beigetragenen Freigetränken. Auch die hübsche Spendendose, die wir aus Holzminden mitnehmen durften, füllte sich gut: mehr als 120 Euro fanden sich am Ende darin. Herzlichen Dank für einen gelungenen Abend!

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Do 20.8.) km 595,60: Mittagspause

Mit der Aussicht auf 37 Grad im Schatten lässt es sich nicht gerade einfach motiviert bleiben - erst recht mit dem Rückblick auf so schon genügend strapaziöse Tage vorher.

Im Wissen um die Temperaturen und die Strecke von etwa 80 Kilomete r nach Wickede an der Ruhr, die wir noch zurücklegen wollten, hatten wir uns schon am Vorabend geeinigt, das Frühstück (mit freundlicher Unterstützung der Jugendherberge) vorzuverlegen und um acht Uhr loszufahren - eine Stunde bei Morgenfrische kann unglaublich wertvoll sein. Und wie sich bald herausstellte, war sie das dann auch.

Von der hoch gelegenen Burg ging es hinab ins Tal der Alme, entlang der wir äußerst schnell nach Büren gelangten. Dort angekommen, entschieden wir uns für den direktesten Weg Richtung Fluss Möhne - in der Hoffnung, dort nur noch flache, gut ausgebaute Radwege vorzufinden. Hinkommen mussten wir allerdings auch, was den Nachteil hatte, dass wir erst einen knapp sieben Kilometer langen Anstieg in Richtung Rühten zu bewältigen hatten. Unterwegs trafen wir noch auf das schöne Dörfchen Weine, was ganz gut in unsere nette Sammlung Ortsschilder(-Bilder) passte, wo sich z.B. schon das von Biere befindet.

In Rühten ging es dafür steil bergab. Sogar so steil, dass wir nur froh sein konnten, den langen Anstieg bewältigt zu haben und nicht andersherum fahren zu müssen. Hinter der Abfahrt gelangten wir an die Möhne, wo wir den Radweg auf einer ehemaligen Bahnstrecke (also mit sanften Steigungen: wunderbar) entlangpreschten. Der führte uns schließlich an den Möhne-Stausee, genauer gesagt nach Körbecke. Somit hatten wir um 12:00 Uhr schon 60 Kilometer hinter uns gebracht - Zeit für eine Pause. Eingekauft beim Supermarkt, ging es schnurstracks zur nächsten Badestelle. Eine Badepause hatten wir sowieso schon seit Tagen einlegen wollen.

Die Pause dauerte bis nach 17:00 Uhr - eine Zeit, in der wir uns am vollen und ziemlich steinigen Strand nur sporadisch ins Wasser trauten. Dafür gab es ja Schatten und Eis.

Hinterher machten wir einen kleinen Abstecher nach Bremen, um wenigstens noch einen Berg zu überqueren. Nein, im Ernst: Einen Ort namens Bremen in der Gemeinde Ense gab es dort wirklich und diesen trennte nun mal ein Berg von der Ruhr. Den rollten wir schließlich auch wieder herunter und gelangten so nach Echthausen, ein eingemeindeter Vorort von Wickede.

Dort fanden wir den wunderbaren Gasthof "Haus Schulte", wo wir nett aufgenommen wurden und vor dem am Abend tobenden Gewitter sicher waren.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Mi 19.8.) km 514,59: Tortur

Heute ging es um die Wurst. Mit der Aussicht auf geschätzte 180 Kilometer (also wahrscheinlich mehr als 200 Kilometer) innerhalb von drei Tagen nach Witten im Ruhrgebiet, wo am Freitag die nächste Veranstaltung mit Lesung stattfindet, einer Wettervorhersage von 37 Grad für morgen und einer diesmal einzuhaltenden Ankunft um 15:30 Uhr in Witten, hatten wir uns vorgenommen, heute so viel wie möglich an Wegstrecke hinter uns zu bringen.

So langsam, aber sicher, nähern wir uns dem Westen. Stichwort langsam: Nach nicht einmal zehn Kilometern mussten wir schon wieder eine mehr als einstündige Pause einlegen - diesmal wegen der Presse: Der WDR wollte uns auf dem Weg durch den Landkreis Höxter für seinen Sender WDR5 abfangen. Nichts gegen Öffentlichkeitsarbeit - gerade wir brauchen das -, aber das Timing war leider ungünstig. Da wir mehr als eine halbe Stunde zu früh dran für die Live-Sendung waren, vergnügten wir uns mit Witzen und Tandemfahren zusammen mit der Reporterin Marina Böddeker. Herzlichen Dank für die unterhaltsame Zeit! Danach durfte das "bizarrste" Team, nämlich Heinz und ich, sich ganz nett vor laufendem Mikrofon mit der Reporterin unterhalten. Die uns nun leider verfolgende Bezeichnung kommt von der Tatsache, dass wir beide uns vor der Tour nicht kannten und zwischen uns zusätzlich ein, nun ja, doch nicht unbedeutender Altersunterschied herrscht.

Nach der Pause ging es schnell weiter, trotzdem hatten wir mittags erst 23 Kilometer hinter uns - bei geplanten 80 oder 90 Kilometern einfach zu wenig! Das war in Beverungen, dem letzten Ort entlang der Weser. Das bedeutete zugleich, dass es nun wesentlich hügeliger wurde. Und wie! Bestimmt zwanzig Kilometer ging es fast nur bergauf - zwar hauptsächlich bei relativ angenehmen Steigungen, aber eben beständig -, und das auf ziemlich hinterhältige Weise: Kaum hatte man einen vermeintlichen Berggipfel erreicht, sah man, dass es nicht weit dahinter wieder hoch ging.

Bei brütend heißen Temperaturen mussten wir in Niesen schon schnell wieder unser nun lauwarmes Wasser durch frische Bauern-Milch ersetzen. Ja, diesmal gab es nicht nur Wasser, sondern gleich eine Kostprobe frisch gekühlter Landmilch.

Pause gab es in Willebadessen, und die schwere Mahlzeit stellte sich als schwerer Fehler heraus, da es direkt im Anschluss quer über das ziemlich hohe Eggegebirge ging - ein Berg, der uns diesmal alle in die Knie zwang. Den letzten Kilometer mit 12% Steigung schoben wir ausnahmslos hoch.

Nach der Abfahrt quälten wir uns durch etliche Dörfer wie Husen, Atteln, Englarn. Der Blick für die sicherlich wunderschönen Reize dieser kleinen Lichtpunkte in der faden Landschaft war uns leider zwischendurch verloren gegangen.

Ein Quartier fanden wir für die Nacht in Wewelsburg, wo sich die Jugendherberge direkt in der komplett erhaltenen, gleichnamigen Burg befand. Eine sehr schöne Entschädigung für die Qualen des Tages!

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Di 18.8.) km 424,57: Verspätung

Der Duft frischen Dungs wallte uns entgegen, als wir uns zwischen gerade gemähten Feldern in rasendem Tempo Holzminden, der Stadt der Düfte, näherten. Das nennt man dann wohl frische Landluft. Und das "rasende Tempo" Ironie. Überhaupt: Da fährt man einmal bergab (was in der Tat nicht gerade häufig vorkam) und muss selbst da noch strampeln gegen den Wind (was schon wesentlich häufiger vorkam). Der Gipfel der Unverschämtheit: Wie Ruppi passenderweise auffiel, schienen die uns entgegenkommenden Radfahrer ganz gemütlich bergauf zu fahren. Und dann halt noch der Gestank! Ist ja nicht zu fassen. Dennoch, irgendwie passte das Ende unserer fünften Etappe sehr gut zum Rest dieses Abschnittes: guter Anfang, fieses Ende.

Aber von Beginn an: Guten Mutes machten wir uns von Bad Gandersheim auf. Schnellen Rades ging es entlang guter Radwege in Richtung Einbeck. Doch wir waren noch gar nicht da, da ging der Schlamassel schon los: In Salzderhelden versuchten Thomas und Katharina einmal mehr, eine Pause rauszuschinden. Das Loch war schnell gefunden und geflickt, doch keinen halben Kilometer weiter mussten wir uns erneut eine schattige Stelle suchen - die Luft war wieder raus. Diesmal half auch Flicken nichts, noch vor dem Losfahren entleerte sich der Schlauch quasi von Zauberhand wieder selbst. Währenddessen wurden wir von Frau Hildemarie Klimke, einer Anwohnerin, umsorgt, die unser Missgeschick gleich bemerkt hatte und Hilfe in Form von Wasser und einer bereitwillig zur Verfügung gestellten Toilette bot. Doch sie ging noch weiter, als wir mit unserem Latein am Ende waren und eine schnelle Reparatur nicht in Sicht war.Schnell waren ihre Freunde zur Stelle: Herr Günter Brune stellte uns sein Auto mit Anhänger zur Verfügung, das Herr Frank Jäger dann mit den beiden und ihrem Tandem den ganzen Weg nach Holzminden brachte! Herzlichen Dank dafür noch einmal, ohne euch hätten wir das bestimmt nicht geschafft!

Das Problem für uns war nun, dass wir eigentlich um 15:30 in Holzminden ankommen sollten. Das ist bei ungefähr 70 Kilometern zwar eng, aber normalerweise kein allzu großes Problem. Da wir nun aber mehr als eine Stunde mit vergeblichen Reparaturversuchen verschwendet hatten, wurde uns schnell klar, dass wir es nicht mehr pünktlich schaffen würden.

In Holzminden hatten Katharina und Thomas schließlich genügend Zeit, um ihr Tandem von einem äußerst fachkundigen Fahrradhändler am Marktplatz reparieren zu lassen, der herausfand, dass die böse Scherbe aus Potsdam offenbar ein Loch in den Mantel gefressen hatte (keine große Überraschung), durch das nun Sand in den Reifen geriet und den Schlauch immer wieder aufrieb (wer kommt schon auf sowas?). Außerdem behob er ganz nebenbei noch sämtliche anderen Probleme, die die beiden mit ihrem Tandem so hatten...

Wir sollten aber nicht nur zum Eis essen pünktlich um halb vier in Holzminden sein (dazu hatten die beiden auch noch genügend Zeit), denn eigentlich ging es darum, einen Termin mit dem Bürgermeister der Stadt und der örtlichen Presse (Zeitungen und NDR) einzuhalten. Die laut eigenem Bekunden recht klamme Stadt Holzminden überließ uns immerhin einen Scheck über einhundert Euro (unangekündigt umso schöner) sowie ihren Marktplatz für ein paar schöne Fotos.

Währenddessen quälte sich der Rest von uns über ein paar ziemlich gemeine Berge, was bei uns dann doch den Verdacht verstärkte, dass bei gewissen Pannen doch nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht... ;-)

Wie auch immer, wir kamen an und zum Schluss ging es ja schließlich sogar noch bergab. Am Abend aßen wir eilig beim Italiener auf dem übrigens wirklich sehr schönen Marktplatz, da wir noch etwas zu tun hatten: Ab 20:30 Uhr hatten wir erneut eine Veranstaltung mit Lesung (mehr zu den Lesungen in einem späteren Eintrag) hinter uns zu bringen - Danke für 72,50 € an Spenden -, danach ging es wieder zum Italiener. Tiramisu, und somit doch ein versöhnliches Ende.

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H. Dremel written over 2 years ago
Ach Ihr Armen - wenn es nur ein bisschen Dung war, was Euch in die Nase stieg, dann habt Ihr nicht erlebt, was man in Holzminden manchmal sonst noch alles so riechen kann (aber heute stinkt die örtliche Industrie wirklich nicht mehr so wie einst). Dass Ihr es trotz aller Probleme pünktlich um halb acht (!) zur Lesung geschafft habt - alle Achtung. Und so hatten wir doch einen schönen Abend, oder? Gute Tour weiterhin wünschen Euch Hermann Dremel und Eure örtlichen Gastgeber von ATZ-Hörmedien und Stadt Holzminden

Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Mo 17.8.) km 354,08: Hinauf

...zum Gipfel der Tour hieß es heute. Mehr als eintausend zu überwindende Höhenmeter galt es laut Heinz' Navi zu überwinden - und das, obwohl Bad Gandersheim, unser heutiger Zielort, tiefer liegt als Wernigerode. Die Voraussage scheint aber eingetroffen zu sein: gefühlt haben wir heute wohl mehrere tausend Höhenmeter in den Knochen.

Bad Gandersheim - das hab' ich doch schon mal gehört? Sicher nicht. Das Örtchen liegt irgendwo im Niemandsland zwischen Hildesheim und Göttingen (und das eingemeindete Ackenhausen ist noch schwerer zu finden). Dementsprechend schwer ist es auch zu erreichen. So muss man erst mal über eine hübsche Mauer aus Bergen, die das Gebiet nach Osten (also zum Harz) hin abgrenzt. In Kombination mit dem ohnehin schon bergigen Harz lag also erneut eine schwierige Tour vor uns. Und auch wenn der nette Hausmeister aus Wernigerode uns erneut das Gepäck abnahm, machten wir sie uns dann selbst noch ein wenig schwerer...

Aber von Beginn an: Verabschiedet wurden wir auch in Wernigerode mit einem leckeren Frühstück. Um 9:00 Uhr stand dann auch noch eine offizielle Verabschiedung durch den Oberbürgermeister mit Fototermin vor dem hübschen Rathaus an. Der zeigte sich sehr interessiert, freute sich über unsere Freude über das nette Städtchen (auch wenn es ein bisschen zu bergig ist), staunte und erkundete mit uns Wernigerode am blindenfreundlichen Stadtmodell.

So gewappnet fuhren wir dann schnellen Rades über Ilsenburg nach Bad Harzburg (sind somit jetzt im Westen der Bundesrepublik Deutschland), immer am Rand des respekteinflößenden Gebirges entlang. Dort begann dann der Schlamassel. Statt die gut zwölf Kilometer nach Goslar entlang der mittelmäßig befahrenen Straße hinter uns zu bringen, entschieden wir uns einvernehmlich, den Europa-Radweg R1 zu benutzen. Europa-Radweg? Der hatte leider bestenfalls Regionalformat. Erstmal ging es hinauf an die Hänge des Harzes - damit rechnet man in dieser Gegend noch -, doch dann wurde der Schotterweg von Kilometer zu Kilometer schlechter (was zu einem folgenlosen Sturz führte), die Anstiege steiler (was uns zum Absteigen zwang) und die Wege immer verschlungener. Schlussendlich waren wir dann nach bestimmt einer Stunde irgendwo an der Okertalsperre in der Wildnis verloren, sodass wir uns am Ende doch wieder nach Oker hinabkämpften und den (kurzen) Rest der Strecke nach Goslar schnaufend und keuchend zurücklegten.

Dort gönnten wir uns endlich eine mehr oder weniger verdiente, aber bitter nötige Pause auf einem Spielplatz und machten uns danach auf den Weg über Bundesstraßen Richtung Seesen. Kurz vor dieser Stadt trafen wir dann endlich mal auf einen passablen R1 (den wir vorher gemieden hatten), sodass wir uns einen Umweg sparen konnten. Zugegeben, die Stadt schien uns magisch anzuziehen, weshalb wir ungefähr drei falsche Abbiegungen in deren Richtung machten. Wir erreichten schließlich doch noch das kleine Dörfchen Bilderlahe am Fuße unserer erwarteten letzten Tortur. Drei Kilometer quälten wir uns den Berg hinauf, um dann mit einer wunderschönen Aussicht zurück und einer passablen vorwärts sowie (etwas wichtiger) mit vier Kilometern Abfahrt nach Wolperode belohnt zu werden. Dort ließen wir uns dann von Heinz' Navi zu unserer Herberge in Ackenhausen führen, wo wir in dem idyllischen Seminarhaus gleich mit Freigetränken begrüßt wurden. Wenn schon über die Wege, können wir uns jedenfalls über die Bewirtung unterwegs absolut nicht beklagen - sie ist jeden Tag aufs Neue (positiv) überraschend.

Morgen geht es weiter nach Holzminden im Weserbergland. 60 mehr oder minder hügelige Kilometer - diesmal mit Gepäck - warten auf uns. Das ist zwar eine relativ kurze Etappe, wir müssen sie allerdings schon um 15:30 Uhr abgeschlossen haben, wenn wir in der "Stadt der Düfte" empfangen werden.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(So 16.8.) km 271,43: Öffnungszeiten

Wenn man bergab treten muss, um vorwärts zu kommen, ist das eine ziemliche Sauerei - besonders, wenn man weiß, dass man später in derselben Richtung bergauf fahren muss. Bei brütender Hitze mit bestimmt mehr als 30 Grad im Schatten und einer Strecke, die mit 117 Kilometern fast 30 Kilometer länger als geplant ist, sind Frust und derbe Flüche Richtung Hochdruckgebiet schon mal vorprogrammiert.

Wenn dann auch noch die Eisdielen erst mittags (Biere; wir waren um elf Uhr da) oder um 14:00 (Bornde und Wolmirsleben, um Mittag herum) aufmachen, kann so eine Fahrradtour eine ganz schöne Qual werden. Erfrischung fanden wir hinter Wolmirsleben dann trotzdem, als wir am großen Schachtsee endlich eine Eisdiele fanden (baden durften wir leider nicht).

Hitze erlebten auch unsere Brötchen mit Schmelzkäse (der sich seinen Namen wirklich verdient hat) und mein Griff der Rohloff-Schaltung.

Dabei hatte der Tag so gemütlich angefangen, denn auch der Abschied aus Leitzkau war so herzlich wie die Begrüßung. Frühstück gab es erneut in der Basilika, mit reichhaltigem Angebot an Wurst, Käse, Eiern, selbstgemachter Marmelade und vielem mehr. Los ging es nach Gommern, bei Schönebeck über die Elbe, weiter über Biere, Borne und Wolmirsleben nach Egeln. Dort hatten wir dann die Wahl zwischen einer 100-Sachen-Hochglanzpiste bei brütenden Sonnenstich-Temperaturen oder einem ruhigen Drei-Kilometer-Umweg. Der machte dann auch glatt die Hitze vergessen - allerdings nur, weil das Kopfsteinpflaster uns so durchschüttelte, dass die Temperaturen gar nicht mehr unser größtes Problem waren. Irgendwie sind wir dann doch durchgekommen und haben es bis nach Halberstadt geschafft, wo wir gleich eine ausgedehnte Rundfahrt durch mehrere Stadtrand-Wohngebiete machten.

Zwischendurch machten wir noch eine Pause im kleinen Örtchen Nienhagen. Wie gerufen erschien uns da das sich im Aufbau befindliche Teddy- und Puppenmuseum, das netterweise schon Kaffee und Kuchen anbot. Außerdem bot es uns die Gelegenheit, Freunde von Thomas zu treffen, die uns auf dem Rückweg vom Harz-Kurzurlaub unbedingt treffen wollten.

Nach 117,33 Kilometern und sieben Stunden, acht Minuten und fünf Sekunden Fahrzeit - also einem wahren Gewaltritt - erreichten wir Wernigerode. Vom Pflaster zerrüttelt, von der Hitze aufgeweicht und von den Bergen zerpflückt, sahen wir vor uns also die Louis-Braille-Str. - und sahen kaum das obere Ende. Die Straße mit bestimmt 20% Steigung kämpften wir uns dann auch noch hoch, und wurden mit einem wunderbaren Grillabend entlohnt. Herzlichen Dank an das Team der Aura-Pension Brockenblick für die hervorragende Bewirtung, die es uns ermöglichte, noch einmal richtig die Beine hochzulegen.

Der Hausmeister der Pension holte uns netterweise auch das Gepäck aus Leitzkau ab - ohne diese Hilfe wären wir wohl kaum im Hellen angekommen...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Sa 15.8.) km 154,10: Westwind

Dass die zweite Etappe eine der bis dato anstrengendsten Abschnitte würde, war ja nicht weiter überraschend. Dass das wahrscheinlich auch im Rückblick unser Fazit sein wird, liegt zum einen an den in diesen Breiten- und Längengraden (für uns leider) sehr üblichen Westwinden. Zum anderen machten wir auch die Bekanntschaft mit mehreren weniger bequemen Fahrradpfaden.

Mittlerweile im dritten Bundesland sind wir jetzt also: Nach Berlin und Brandenburg durften wir in der Nähe des höchsten Punktes des Letzteren also auch noch nach Sachsen-Anhalt hinüber. Die eher ländlich beschaffene Struktur dieser Gegend hatte den Vorteil, dass wir auf weniger Ampeln trafen (um genau zu sein, eine). Langsamer als gestern waren wir nun aber trotzdem, für die 86 Kilometer nach Leitzkau benötigten wir ungefähr 5 1/4 Stunden.

Wo liegt eigentlich Leitzkau? Dieser Zielort gab auch einer gewissen Mehrheit unserer Mitfahrer Rätsel auf. Leitzkau, der Ort, in dem Charly aufgewachsen ist, liegt in der Mitte zwischen Dessau und Magdeburg und somit genau auf unserem Weg nach Wernigerode. Möglicherweise ein wenig bekannt ist das 1200-Seelen-Dorf für sein Schloss, das einst derer von Münchhausen gehörte. Dort wurden wir auch herzlich empfangen - man munkelt ja, dass einigen von uns die Stullen wichtiger waren. Nach Erfrischung und Umzug in die dorfeigene Multifunktionshalle ging es im Schloss mit Programm weiter: eine Darbietung des lokalen Doppelterzetts, Lesung und noch mehr Gesang mit Thomas. Danach gemütliches Zusammensein bei Kerzenschein in der ehrwürdigen Basilika.

Unsere Tour - diesmal mit Begleitung in Person meiner Schwester Charlotte - führte uns von Beelitz aus über Belzig und Wiesenburg in Richtung Westen. Von dort aus kämpften wir uns über die Dörfer, zerschunden von Bergen, Wald- und Wiesenwegen und dem fiesen Gegenwind. Auf einem der besagten Feldwege hatten Katharina und Thomas dann mal wieder eine Panne. Zeitpunkt (lange keine Pause mehr), Lage (im Schatten) und auffällig unauffällige Pannenart (diesmal also die Kette) ließen in manchen von uns den Verdacht keimen, dass diese "Panne" nicht ganz ungewollt kam.

Angekommen sind wir trotzdem und verbrachten einen wunderbaren Abend, weshalb unser herzlicher Dank an die Leitzkauer Bürgervereinsler geht, die uns den Abend mit perfekter Organisation, wunderbarer Gesellschaft und leckerem Essen und Trinken umsorgten.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

(Fr 14.8.) km 67,80: Startpfiff

Berlin ist doch ziemlich groß. Im Vergleich zu anderen Weltstädten nimmt sich unsere Heimat zwar nur klein aus, aber wenn man aus ihr erst einmal herauswill, dann dauert das schon eine ganze Weile...

Aber erstmal von Beginn an: Um 14:00 Uhr ging es los. Oder besser, sollte es. Hibbelig und aufgeregt warteten wir darauf, dass wir endlich fahren durften. Ja, durften. Zuerst hieß es Posieren für die Presse (anwesend in Form von Kameramännern und Fotografen), Verabschieden von guten Freunden und Bekannten, die uns zum Gendarmenmarkt begleiteten und dann wurden noch zahlreiche Fotos gemacht.

Als um 14:14 Uhr endlich der Startschuss (oder besser -pfiff, dank Charly) fiel, machten wir uns also auf den Weg. Zuerst zur Siegessäule - was heutzutage mit all den Weltmeisterschafts-Eröffnungs-Partys auch nicht immer einfach ist -, dann immer geradeaus bis kurz vorm Olympiastadion. Dort wurde es endlich ruhiger. Mit 50 Sachen (Tempo-30-Zone) bergab durch den Grunewald, idyllisch am Wannsee vorbei und über die Glienicker Brücke nach Potsdam - nach mehr als einer Stunde. Dort verließ uns dann auch unser letzter Begleiter, nachdem sich die anderen beiden schon am Ernst-Reuter-Platz verabschiedet hatten.

Die schnelle Fahrt durch den Grunewald war wahrscheinlich auch der Grund, dass wir unseren Durchschnitt auf für den Stadtverkehr beachtliche 17,93 km/h hochtreiben konnten. Da es auch noch abwärts ging, konnte ich die erste Wette der Tour mit meiner Mutter (um einen Gute-Laune-Drops) gewinnen, da Beelitz doch tatsächlich vier Meter unter Berlin liegt. Ja, versorgt mit geografischen Daten sind wir dank Heinz auch immer.

In Wannsee machten Kerstin und Harald auch zum ersten Mal die Erfahrung, dass Klick-Pedalen nicht nur Vorteile haben, als sie an einer Ampel plötzlich neben uns lagen.

Hinter Potsdam ging es am Ufer des Templiner Sees entlang, wo Katharina und Thomas anscheinend eine Pause benötigten und eine Reifenpanne vortäuschten. Das klappte nicht, wir pumpten den Reifen einfach neu auf. Zwei Kilometer und acht mal Eis später ging es dann doch nicht mehr weiter. Wir machten also einen Kilometer nach der Eispause schon wieder Pause, diesmal bei den Mücken. Dafür brachte uns das Ganze aber eine nette Unterhaltung mit einer anderen Fahrradfahrerin ein (und einen Flyer haben wir auch gleich wieder an die Frau gebracht). Die böse Scherbe war auch schnell gefunden; ihr Versuch, sich zu verstecken, war zu plump für uns.

Mit ein bisschen Verspätung waren wir also gegen 19:30 Uhr in Beelitz, wo sich das Quartier nach einiger (unfreiwilliger) Stadterkundung dann auch offenbarte. Abendbrot bei Tines Restaurant, und dann nichts wie ab ins Bett.

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Packing

What in the world do you take with you, if you spend 17 days on the road, sleeping in a different place for 17 nights straigt - especially if you only have a big and a small bike bag per person plus half of another bag? The only real advantage is that it does not take a long time to pack...

However, here is the list: 2 bike pants, 2 jerseys, 6 boxers, 8 pairs of socks, two sweaters, long pants, shorts, 5 t-shirts plus a normal shirt, rain jacket, one pair of shoes (plus wearing the other one), flip flops, camera, something to write, a toiletry bag, cap, bike tools and, of course, the sleeping bag.

Good for us: we have a few opportunities to wash our clothes on the way...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Ich packe meinen Rucksack und nehme mit...

Was nimmt man eigentlich mit, wenn man 17 Tage lang auf der Straße unterwegs ist, 17 Nächte lang jedes Mal an einem anderen Ort übernachtet und pro Person nur eine große und eine kleine Fahrradtasche sowie ein Seesack zur Verfügung stehen? Eigentlich hat das Ganze nur einen Vorteil: Man braucht nicht so lange beim Packen.

Wie auch immer, hier also die Liste: 2 Fahrradhosen, 2 Fahrradtrikots, 6 Unterhosen, 8 Paar Strümpfe, zwei Pullover, lange Hose, kurze Hose, 5 T-Shirts, ein Hemd, Regenjacke, 1 Paar Schuhe (das andere ziehe ich an), Badelatschen, Fotokamera, Schreibzeug, Waschtasche, Basecap, Fahrradwerkzeug und natürlich der Schlafsack. Zum Glück können wir zwischendurch unsere Sachen waschen...

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Franz L., written over 2 years ago

Franz L.

Der Countdown läuft

In nur fünf Tagen geht es los!

Und langsam, aber sicher, neigt sich auch die Planung dem Ende entgegen. Bevor wir am 14. August, begleitet von Freunden und Bekannten, um 14:00 Uhr vom Gendarmenmarkt aufbrechen, sind noch letzte Details zu klären. Außerdem müssen wir uns natürlich nach und nach ans Sachenpacken machen.

Doch wer sind eigentlich wir? Ein guter Zeitpunkt, einmal das Team vorzustellen: Vier Tandems fahren nach Paris. Drei der Fahrer waren auch 2006 dabei, als es in Richtung St. Petersburg ging.

Natürlich schon zum dritten Mal dabei ist Thomas, der Tandem-Hilfen organisiert vor kurzem auch den dazugehörigen Verein gegründet hat. Den stark sehbehinderten Journalist begleitet dieses Mal Katharina, die aufgrund ihrer Erfahrungen bei zwei der internationalen Tandem-Camps und ihrer Begeisterung für das Projekt diesmal bei ihrer ersten "richtig großen" Tandem-Tour nach noch größeren Herausforderungen sucht. Katharina studiert derzeit noch und möchte später Lehrerin für Blinde und Sehbehinderte werden.

2004, bei der Fahrt nach Athen, haben sie Thomas und seine Mannen nur einen Tag lang begleitet. Bei der Tour nach St. Petersburg 2006 sind sie immerhin eine Woche - bis nach Danzig (Gdansk) in Polen - dabei gewesen. Aller guten Dinge sind drei: Für Charly, vollblind seit Geburt und seit frühester Kindheit mit sportlichen Herausforderungen konfrontiert - Leichtathletik (sehr erfolgreich), Rudern (nur ungern) und Schwimmen ("mit Grauen") - und Ruppi, ihren Mann, soll es diesmal also bis zum Ziel gehen. Ruppi freut sich auf die längste Tandem-Tour seines Lebens (bis jetzt?) und darauf, als ältestes Tandem "der Jugend mal zu zeigen, wo der Hammer hängt".

Zum ersten Mal dabei sind Kerstin, die fast vollblind ist, und Harald. Kerstin ist Filmbeschreiberin und Familientherapeutin, macht gern Sport (neben dem Radfahren schwimmt sie) und genießt es, zu verreisen. An der Tour reizt sie die sportliche Herausforderung. Sie ist aber auch genauso gespannt auf die Menschen und Landschaften, die wir kennenlernen wollen. Natürlich will sie auch Werbung machen für Louis Braille und dessen Erfindung der Punktschrift, ohne die sie ihrer Lust am Lesen wohl nicht frönen könnte. Harald fährt nicht nur Tandem, sondern neben seinem Einer-Fahrrad auch noch Einrad. Auch wenn er gerne Sport treibt, ist er trotzdem gespannt auf die Herausforderung, es von Berlin nach Paris ausschließlich mit Muskelkraft zu schaffen.

Das vierte Tandem wird besetzt vom extra aus Aachen angereisten Heinz und mir, Franz, dem Sohn von Charly und Ruppi. Thomas lernte Heinz bei einem Tandem-Camp in Boltenhagen kennen und konnte den leidenschaftlichen Tandemfahrer dort schnell für diesen Trip begeistern. Die Tour führt quer durch sein Heimatland Nordrhein-Westfalen und er findet es besonders spannend, ihm von anderen Verkehrsmitteln schon bekannte Routen zu erradeln. Auch er verdankt der Punktschrift sehr viel. "Ohne sie hätte ich vermutlich meine qualifizierte Ausbildung nicht absolvieren können", meint er und betont, dass er darauf besonderen Wert legt, da diese für blinde Menschen "Voraussetzung für ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben" sei. Ich bin mit 18 Jahren das jüngste Mitglied im Team und ließ mir die Gelegenheit, mit meinen Eltern und guten Freunden eine solche Fahrt zu unternehmen, nicht entgehen.

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